Elefantenpfleger oder Rheinmatrose?

Nationalrat Beat Flach (GLP) – tief in seinem Innersten schlummert ein Tom Sawyer, ein Huckleberry Finn.

«Mach doch eine Lehre bei der BBC», schlug der Berufsberater vor, «dann hast du einen Job fürs Leben.» – «Waaaas? Einen Job fürs Leben?» Der reinste Horror für den unternehmungslustigen Teenager. Bereits jetzt auf so weite Sicht vorspuren? Das ganze Leben schon vorprogrammiert? Um Himmels Willen!

In Auenstein an der Aare aufgewachsen und bestens vertraut mit allem, was Jungs lieber nicht anstellen sollten: Indianerlis am Flussufer, Hüttenbau und Robinson-Romantik, um nur die mehr oder weniger «erlaubten» Spiele zu nennen – was für herrliche Erinnerungen! Ein Nährboden für fantasiebegabte Buben, für Abenteuer- und Unternehmungslust!

Halb im Scherz, halb ernsthaft versuchte ein einfühlsamer Lehrer, die Enttäuschung des Schulabgängers Beat Flach aufzufangen: «Lass doch die BBC! Irgend so was wie eine Elefantenpfleger-Lehrstelle lässt sich doch ganz bestimmt finden.» Doch Beat hatte sich bereits entschieden. Es musste etwas Abenteuerliches sein, unbedingt. Der Duft der weiten Welt umwob ihn, er sog ihn auf und liess sich – noch so gern! – infizieren.

Beat heuert an
Beat wollte sich subito auf den Weg nach Hamburg machen und im Hafen anheuern. Die Eltern zeigten zwar Verständnis, aber «Hamburg» fanden sie denn doch nicht so toll. Sie stellten sich aber nicht quer, sondern bogen nur leicht ab und ebneten ihm einen andern Weg. Den Weg in die Berufswelt, den Weg aufs Rheinschiff. Beat Flach heuerte in Basel als Matrosen-Lehrling an.

Auf dem Schiff wurde er zwischen Basel und den Nordseehäfen zu einem mit allen Rheinwassern gewaschenen Allrounder: Maler, Mechaniker, Koch, Elektriker, Saubermacher – nichts ging an ihm vorbei. Langeweile? Nein, dafür blieb niemals Zeit. Seine Kleider wusch er im Zuber, und die Seife spülte er aus dem Gewebe heraus, indem er Hosen, Jacken und was sonst noch anfiel auf eine starke Schnur aufzog und eine Stunde lang über Bord ins Rheinwasser hängen liess. Dumm nur, wenn er diese seltsame Wäscheleine für längere Zeit zu hieven vergass: Die Kleider hatten sich buchstäblich verflüchtigt, und so blieb ihm gerade noch an Garderobe übrig, was er auf dem Leib trug.

Der Reiz des Neuen – scheitern erlaubt
Abenteuerlust: Die blieb Beat Flach bis heute erhalten. Sie hat sich einfach verlagert: Immer wieder etwas Neues anpacken, neue Berufszweige kennenlernen, einer neuen Partei beitreten, eine reizvolle Weiterbildung, den Schritt in die nationale Politik wagen – oder ein möglichst preiswertes Haus «erfinden», eines, das so günstig ist, dass es sich fast jede und jeder leisten kann, ohne auf zeitgemässe Annehmlichkeiten verzichten zu müssen. Etwas ausprobieren, sich vortasten, das Risiko des Scheiterns bewusst eingehen, «die Dinge einfach mal machen», wie er selber sagt.

In seinem Wesen dann ein scheinbarer Gegensatz: «Ich bin ziemlich ausgeglichen, harmoniebedürftig und von Haus aus faul. Will heissen: Ich meide nicht etwa die Aufgabe, aber ich suche den bequemsten Weg, sie zu lösen.» Da sitzt er, strahlt Ruhe aus, ein Geniesser. «Ich geniesse das Dasein, auch in meiner engsten Umgebung.» Doch morgen gehts ab nach Kalifornien – Abenteuer locken!

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