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Hallo, da sind wir!

Unaufgeregt, pragmatisch. Alex Veigl konstatiert: «Die Region Zürich ist ein Schweizer Hot Spot. Hier geht die Post ab.» Wer möchte da nicht mitmischen! Zumal «man» nicht irgendwer ist, sondern ein renommiertes, fast 100 Jahre altes Unternehmen der Baubranche mit imposantem Leistungsausweis. «Ja aber hallo, Herr Veigl, wir leben nicht mehr in der Steinzeit. Weshalb soll sich Rothpletz, Lienhard + Cie AG einen teuren Standort in Zürich leisten? Es gibt doch Konferenz- und Videoschaltungen. Die Digital Natives Ihrer Firma sind zweifellos so Netz-affin, dass sie jedes Kommunikationsbedürfnis subito befriedigen. Genügt das denn nicht? Wollen Sie wirklich mit viel Aufwand einen neuen Standort aufbauen?»

Alex Veigl: «Ja. Unbedingt!»

Veigl muss es wissen. Er ist seit fast 25 Jahren als Ingenieur in der Baubranche tätig und leitet die Abteilung Projektierende Ingenieure.

Standort Zürich ist elementar
«In erster Linie kommen wir näher zu den Kunden und den im Raum Zürich und der Ostschweiz betreuten Projekte. Weiter erhöhen wir unsern Bekanntheitsgrad in der Agglomeration Zürich, um vermehrt regionale Aufträge zu erhalten.» Rothpletz, Lienhard + Cie AG hat im Dezember 2016 ein ganzes Team von acht Personen samt laufenden Aufträgen vom Standort Olten nach Zürich transferiert, an die Limmatstrasse 50, gleich hinter dem Hauptbahnhof. «Im Wettbewerb um die Vergabe von Aufträgen haben Bewerber mit Standort Raum Zürich bessere Erfolgsaussichten.»

Ebenso wichtig wie eine Zürcher Geschäftsadresse ist der Ausbau des  lokalen Netzwerks, und Alex Veigl hebt die Brauen – «dieses Ziel erreichen wir nicht über Konferenzschaltungen». Simon Tanner, der Bürochef in Zürich, kann so seinen Heimvorteil und sein Netzwerk zum Tragen bringen.

Das Unternehmen verlängert damit seine Mittelland-Achse von Bern über Olten und Aarau bis nach Zürich. Denn in der boomenden Metropole stehen laufend anspruchsvollste infrastrukturelle Aufgaben an. Zum Beispiel die Anlage von Verkehrsadern im stark überbauten Raum. «Da legen wir unser ganzes Know-how in die Waagschale.»

Martin Büchler, Rolf Vonäsch, Simon Tanner (Leiter Büro Zürich), Nikolaos Lavdas (v.l.n.r.)
Lina Tortella, Flavio Gonzo
Ingenieure für Tiefbau und Tunnelbau
Das neue Büro an der Limmatstrasse 50 in Zürich

Autobahnanschluss Bülach West: Baugrube für Wasserbehandlungsanlage

Autobahn Kloten – Bülach: neue Entwässerungsleitung in bis acht Meter tiefen Gräben

Kleine Projekte als Türöffner
«Herr Veigl, was leistet das neue Büro in Zürich?» – «Das Zürcher Office ist ein selbständiges Ingenieurbüro. Regionale Vorhaben bewältigen wir autark; bei Bedarf greifen wir auf das Fachwissen der Gesamtfirma zurück. Umfangreiche Grossaufträge hingegen bedingen die Unterstützung von firmeninternem Spezialisten. Wir sind schweizweit das einzige Bauunternehmen mit eigener Ingenieurabteilung. Bauprofis und Ingenieure unter einem Dach – das vereinfacht den gegenseitigen Austausch.

«Wie gehen Sie nun vor?» – «Wir markieren Präsenz, indem wir uns für lokale Projekte bewerben. Wir suchen Aufträge für Gemeindestrassen oder Werkleitungen sowie für die Planung von privaten Vorhaben. Durch Gespräche mit den Behörden machen wir auf uns aufmerksam, zeigen unsere Fachkompetenz und unsere vernetzte Arbeitsweise. So erhoffen wir uns den Zuschlag für weitere umfangreiche Aufträge. Daneben bewerben wir uns immer auch für grosse Vorhaben. Einige davon führen wir bereits in unserem Portfolio, so zum Beispiel die Instandsetzung der Autobahn Kloten–Bülach sowie die Bauleitung beim Limmattaler Kreuz.»

«Hat die Agglomeration Zürich auf Sie gewartet?» – «Wir wappnen uns mit Geduld und Ausdauer. Unsere Referenzen im Tunnel-, Brücken- und Tiefbau sprechen für sich. Und dennoch: Konsequentes Netzwerken ist angesagt. Die oftmals langjährige Zusammenarbeit bei komplexen Projekten wie Tunnels oder Autobahnabschnitten bedingt ein gutes partnerschaftliches Verhältnis.»

Menschen
«Trotz aller Technik, trotz allem Fachwissen steht der Mensch im Vordergrund. Dabei bleiben Sie?» – «Unbedingt. Wir präsentieren uns in Zürich als Personen. Es sind unsere Leute, die Vertrauen fördern für die Firma und für unsere Leistungspalette. Wir haben kein Produkt, das wir mittragen und unseren Gesprächspartnern zeigen. Wir haben Menschen, tolle Menschen.»

Kontakt
Rothpletz, Lienhard + Cie AG
Schiffländestrasse 35
5001 Aarau

T +41 62 836 91 11
rlinfo@rothpletz.ch
www.rothpletz.ch

Olympia-Sechster als Geschäftsführer

Adrian Bürgi wirkt motiviert und engagiert. Er entspricht damit genau dem Bild, das er sich für seine Mitarbeiter vorstellt: «Wer motiviert an die Arbeit kommt, erbringt 30 Prozent mehr Leistung.» Bürgi macht eine Pause, besinnt sich und verdeutlicht: «Ich will meine Leute begeistern. Dazu gehört, dass jeder und jede richtig platziert ist. Die Qualitäten richtig einschätzen. Nicht jeder ist zum Teamchef geboren. Nicht jeder braucht permanente Abwechslung. Wer richtig platziert ist, arbeitet produktiv und zuverlässig.»

Seit 2010 ist Adrian Bürgi Inhaber und Geschäftsführer der Jost Elektro AG. Er trat damit die Nachfolge seines Vaters Andreas Bürgi und des Firmengründers Clemenz Jost an. Beide verliehen dem Unternehmen ein markantes Gesicht, durch ihre Persönlichkeit, ihren Bekanntheitsgrad und ihr berufliches und öffentliches Engagement. Grosse Fussstapfen!

Olympionike in Sydney
Adrian Bürgi tauchte keineswegs aus dem Nichts auf. In Zeihen und Brugg aufgewachsen, hatte er schon seine Lehre zum Elektromonteur bei Jost gemacht. «Meine Eltern haben mich nicht in diesen Beruf gedrängt. Mir gefiel die Materie, und sie begeistert mich bis heute.» Bürgi war ein ausgezeichneter Lehrling. An der Schweizer Meisterschaft gewann er den ersten Preis und damit die Berechtigung zur Teilnahme an der Berufsolympiade in Sydney. Dort wurde er Sechster! «Das war ein Riesenfest. Mit meinem Kollegen durfte ich noch eine Woche Ferien anhängen, alles vom Verband finanziert.»

Mit dem Duft der grossen weiten Welt in der Nase, lernte er später in England und in Frankreich nebst der Sprache jene Gesellschaftformen kennen. Eine berufsbedingte Reise führte ihn für einen Montageauftrag nach Syrien. Den vielen Negativmeldungen aus der Gegenwart stellt Bürgi eine andere Realität entgegen: «Ich habe in Syrien so viel Offenheit erlebt, so viel Gastfreundschaft. Wildfremde Menschen haben mich zum Essen eingeladen und behandelten mich wie einen der ihren. Es war eine wunderschöne Zeit.»

1989 – Adrian Bürgi war gerade mal 24 Jahre alt – betraute ihn sein Vater mit dem Aufbau einer Jost-Filiale in Baden. Diesen Auftrag erfüllte er mit Begeisterung und sportlichem Eifer.

Vom Vater zum Sohn
Schon sehr früh thematisierten Andreas und Adrian Bürgi eine spätere Geschäftsübernahme durch den Sohn, sicher ab 1993, als der Vater seinen 50. Geburtstag feierte. Konkretere Überlegungen erfolgten ab der Jahrtausendwende, und seit 2008 trieben sie die Sache intensiv voran und gingen vor allem die finanziellen Aspekte gezielt an. Ab dem 1. Mai 2010 steht Adrian Bürgi vollumfänglich in der Verantwortung. Der Vater arbeitete teilzeitlich weiter in seinem Büro, aber die Leitung des Unternehmens liegt seither in den Händen des Sohns.

Herr Bürgi, was betrachten Sie als Ihre vordringlichsten Aufgaben in unternehmerischer Hinsicht?
An erster Stelle steht das Controlling. Die Finanzen müssen im Lot sein. Das ist die Basis von allem. Zweitens will ich unsere Geschäftsstrategie in bewährter Manier weiterverfolgen. Ich bin mir bewusst, dass der Erfolg des Unternehmens auf der Montage von Röhrli und dem Einzug von Kabeln beruht. Daran will ich immer denken und mich nicht auf Experimente einlassen, die nicht unserer Kernkompetenz entsprechen. Wir wollen unsere Position als Nummer eins im Aargau und besonders in der Region Brugg festigen.

Haben Sie neue Schwerpunkte gesetzt?
Nein, wir bleiben in unseren Geschäftsfeldern. Wir wollen aber einzelne Bereiche bewusst intensivieren. Das betrifft einerseits Eigenprojekte, also Aufträge, die wir von der Planung bis zur Ausführung betreuen, und den ganzen Industrieservice; anderseits den Service für Privatkunden, besonders für ältere Menschen, die sich auf unsere Unterstützung verlassen wollen. Jedenfalls  sehen wir uns im Kundensegment weiterhin breit aufgestellt: Privatkunden, Kleinbetriebe und Firmen aus dem Industriesektor. Wir glauben an diese Diversifizierung.

Serviceleistungen – woran denken Sie da konkret?
Das beginnt bei Privatkunden zum Beispiel mit dem Versetzen von Steckern und Schaltern oder bei der Installation von Deckenspots. Für die öffentliche Hand übernehmen wir Reparaturen in Schulhäusern und Turnhallen oder wir sanieren konventionelle Beleuchtungen, die wir auf LED umrüsten. Servicearbeiten leisten wir natürlich auch für Industrieunternehmen: Wir schliessen neue Maschinen an oder realisieren Netzwerk-Installationen. Der ganze Service-Bereich ist extrem vielfältig. Er stellt hohe Ansprüche an die Mitarbeiter. Sie müssen das ganze Geschäftsfeld kennen.

Welche Erwartungen stellen Sie an Ihre Mitarbeiter?
(lächelt) Ich erwarte zunächst, dass alle Mitarbeiter ihre acht Stunden pro Tag produktiv arbeiten.

Wie bitte? Ist das nicht selbstverständlich?
Durchaus nicht. Ich hatte schon mit Leuten zu tun, die täglich gut und gern zwei Stunden im Sparmodus unterwegs waren. Die Mitarbeitenden sollen aber auch die ihnen gebührende Wertschätzung erleben. Das geschieht im Rahmen von Mitarbeitergesprächen, von Firmenanlässen und von Spontanreaktionen.

Wie gestalten Sie die geschäftliche Beziehung zwischen Ihnen und Ihren Leuten?
Ich übertrage viel Verantwortung an die Mitarbeiter, gewähre ihnen Freiheiten und Kompetenzen. Aber Kontrollen sind unabdingbar.

Und Sie selbst? Inwiefern hat Sie Ihre Aufgabe als Geschäftsführer verändert?
Nicht so sehr. Ich war lange in der Niederlassung Baden als Filialleiter tätig. Die Geschäftsführung war kein neues Betätigungsfeld für mich, auch wenn das nun in einer grösseren Dimension geschieht. Ich stelle eher Konstanz fest: Die Firma ist und bleibt mein Hobby. (denkt nach, formuliert bedächtig) Man muss den Job gern haben. Und man muss die Mitarbeiter gern haben. – Es sind gute Menschen. Sie können viel. Und sie wollen viel erreichen. – Ich bin stolz auf sie.

Kontakt
Jost Elektro AG

Wildischachenstrasse 36
5200 Brugg

T +41 58 123 89 89
brugg@jostelektro.ch
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Eine Wohninsel mit Terrasse

Christoph Oswald kommt ins Grübeln. Wie lautet bloss die korrekte Bezeichnung? Sprechen wir von Dachgärten? von Terrassengärten? von Dachterrassengärten? Oswald hat einen salomonischen Lösungsvorschlag: «Einigen wir uns auf Dachterrassen. Den Rest erklären wir.»

Gärten für Dachterrassen sind im Trend. Christoph Oswald, Landschaftsarchitekt bei Gartenbau Wyder, bringt die Gegenwart auf den Punkt: «Wo man sich früher mit einem Oleandertopf begnügte, verbindet man heute das Wohnungsambiente mit dem Gartenfeeling. Man holt sich den Garten auf die Terrasse.» Ein klein wenig hebt Oswald die Brauen: «Niemand ist – niemand war! – zuständig für das Planen eines solchen Vorhabens. Nicht der Plattenleger, nicht der Spengler, nicht der Elektriker und auch nicht der Baumeister. Ihnen allen fehlt das Know-how für die gestalterischen Möglichkeiten des betreffenden Objekts. Auf die Idee, einen Landschaftsgärtner beizuziehen, kommt kaum jemand; des Gärtners Reich ist im Garten und nicht in luftiger Höhe. Irgendwann erschien jedoch ein Kunde und fragte: Macht ihr auch Dachterrassen? – Dann gings los.»

Der Raum wird weiter
Terrassensiedlungen: Was früher als architektonisches Neuland galt, ist heute eine weit verbreitete Wohnform. Aussichtsreiche Hanglagen ziehen die Menschen an. Die Bewohner geniessen die Fernsicht, und sie leben vermehrt im Freien, auf den Dachterrassen. Auch moderne Attikawohnungen haben mehrheitlich grosszügige Terrassen. Ein planerisches Tummelfeld für Gartengestalter.

Schranken setzt allerdings die Statik. Architekten und Ingenieure arbeiten nach Normen, nach standardisierten Modellen. Das Gebäude muss stabil sein und stehen bleiben. «Die Gestaltung ist für sie kaum relevant. Aber für uns sind die statischen Voraussetzungen entscheidend.»

Waren in der Vergangenheit ein Tischchen, vier Klappstühle, ein Wäscheständer und der Grill das Höchste der Gefühle, schlagen Landschaftsarchitekten jetzt faszinierende Lösungen vor mit Pflanzen, Wasser, Feuer, Sichtschutz, Licht- und Schattenspiel. Oswald beschreibt schattenspendende Schirmbäume, Pergolas, Hochbeete für Küchenkräuter, Feuerstellen, Jacuzzis. Die Anlage eines Bassins ist in technischer Hinsicht problemlos. «Wasser macht den Garten spannend.» Der Essbereich lässt sich grosszügig gestalten, ebenso die Lounge. An lauen Sommerabenden sorgt die stimmungsvolle Beleuchtung der Pflanzen für zusätzliche Atmosphäre.


«Tönt ziemlich elitär, Herr Oswald!» – «Aus jeder Dachterrasse lässt sich etwas Individuelles machen. Auch wenn das Budget und die Platzverhältnisse begrenzt sind. Es gibt Dachterrassen, die den Charakter von Nutzgärten haben; andere sind Design-Objekte. Nur: pflegeleicht müssen sie sein.» – «Will heissen?» – «Platten, Kies. Die Bewässerung frühzeitig planen.» – «Was meinen Sie mit frühzeitig?» – «Je früher, desto besser. Im besten Fall schon bei der Planung des Gebäudes. Details haben erhebliche Konsequenzen. Ich denke da an die Wasser- und Elektrozugänge, an Abflusspunkte oder an statische Eigenschaften; mit einem stützenden Element unter der Dachterrasse erhöhen sich die Gestaltungsmöglichkeiten. Ausserdem lässt sich vermeiden, dass die Handwerker zwei Mal erscheinen müssen.»

Kleinkunst
«Und was ist mit bereits bestehenden Gebäuden?» – «Interessante Gestaltungsansätze bieten sich überall. Auch bei Altbauten. Früher beschränkte man sich auf kleinflächige, meist vorgebaute  Balkone. Heutige Terrassen haben ganz andere Dimensionen. Die kleinen Projekte hingegen fordern uns heraus. Ästhetisch ansprechende Lösungen sind überall möglich. Im Kleinen kreative Lösungen zu suchen, empfinde ich als eine äusserst reizvolle Aufgabe.»

Oswald nimmt gedanklich einen neuen Standpunkt ein. Blieb er bisher auf der Dachterrasse, betrachtet er das Gebäude jetzt aus einer gewissen Distanz. «Das Erscheinungsbild des Hauses verändert sich mit der begrünten Dachterrasse. Eine geometrisch geformte Hecke entlang der Dachkante erzeugt eine andere Wirkung als die Anordnung von unterschiedlich gewachsenen Büschen.» – «Und Bäume?» – «Schwierig. Die meisten wachsen allzu sehr in die Höhe, und verlangen nach enormen Töpfen mit entsprechendem Gewicht. Nicht zu vergessen: Manche Nachbarn sind wenig erbaut, wenn im Herbst dürres Laub angeflogen kommt.»

Oswald breitet einige Pläne aus. Dazu Vorher-/Nachher-Bilder. Frappant! Einen Augenblick lang sagt der Mann gar nichts. Dann schaut er auf und lächelt.

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Wyder Gartenbau AG

Industriestrasse 20
5036 Oberentfelden

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Verleumdung als Kampfmittel

«Lügenpresse» meint eine destruktive journalistische Grundhaltung, die vor allem in Kriegszeiten den Gegner diffamiert. Wer von «Lügenpresse» spricht, versteht sich als ihr Opfer. Nicht zu verwechseln mit «Fake News», bewusst gestreuten Falschinformationen. Aufgepeppt mir reisserischen Schlagzeilen, möglichst schnell und weit verbreitet. Mit der Absicht, politische oder finanzielle Vorteile zu erzielen.

«Lügenpresse halt die Fresse!» – Welch gelungenes germanistisches Spracherzeugnis! Ein Poem von berauschender Qualität, ein Kunstwerk von geschmeidiger Eleganz und einem Vokabular, das jedem Klassiker zu Ehren gereicht hätte. Chapeau! – Eine Zeitlang erschienen die drögen Pegida-Typen regelmässig am Fernsehen und blafften in Endlosschlaufen ihre Hetzparolen in die Kamera. Bis ihnen der Schnauf ausging.

Seit Beginn des 21. Jahrhunderts wird der Begriff «Lügenpresse» – zumal in Deutschland – vorrangig von rechtsextremen und rechtspopulistischen, fremdenfeindlichen und islamophoben Kreisen verwendet. Die Konsequenz von «Lügenpresse» besteht für sie in Gewaltandrohung und tatsächlicher Gewalt gegen Journalisten. Der sächsische NPD-Politiker Andreas Storr sagte zu den Zielen seiner Partei: «Die Redaktionsstuben der Lügenpresse lahmlegen und besetzen – das wird unsere erste Aufgabe sein.» – Haben wir nicht solche Gedanken in jüngerer Vergangenheit schon vom Gröfaz (grösster Feldherr aller Zeiten) und seiner Entourage zu hören bekommen? Mit den bekannten desaströsen Folgen!

Gift und Galle
Der Begriff «Lügenpresse» – er wurde zum Unwort des Jahres 2014 gekürt – reicht zurück bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts. Immer in Kriegszeiten machten die Mächtigen ausgiebigen Gebrauch davon. Im Deutsch-Französischen Krieg war die Rede von der «französischen Lügenpresse». Im Ersten Weltkrieg hiess es: «Als vierte Grossmacht [neben Frankreich, England und Russland] hat sich gegen Deutschland die internationale Lügenpresse erhoben, überschüttet die Welt mit Lügen gegen unser herrliches und sittenstrenges Heer und verleumdet alles, was deutsch ist.» Die Nazis geiferten gegen die «jüdisch-marxistische Lügenpresse». Mitten im Kalten Krieg gehörte die «kapitalistische Lügenpresse» zum alltäglichen Wortschatz der DDR-Grössen.

Und jetzt also die Pegida-, AfD- und NPD-Kohorten, denen nichts ferner ist als die objektive Wahrheit. Sie unterstellen den Medien, systematisch «nicht wahrheitsgemäss» zu berichten. «Wahrheitsgemäss» nach der Vorstellung der Rechten hat allerdings wenig mit Ausgewogenheit, effektiven Fakten und vertrauenswürdigen Quellen zu tun. Es geht vielmehr darum, das Vertrauen in die Medien generell zu schwächen. «Seriöse Quellen? – Braucht kein Mensch.»

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Sprachsümpfe allenthalben
Man hüte sich davor, die Intelligenzija der «Lügenpresse»-Brüller allein in Deutschland zu orten! Herr Trump führt uns fast täglich die internationale Dimension dieser Haltung vor Augen. Einer seiner glühendsten Anhänger, der amerikanische Neonazi Richard Spencer, griff den Germanismus «lugenpresse» auf und kritisierte einen allzu freundlichen Umgang mit Minderheiten und Juden. Der italienische Populist Beppe Grillo zielt in gleicher Absicht auf die Medien: «Die Zeitungen und die Nachrichtensendungen sind die ersten, die im Land falsche Nachrichten produzieren.» Die AZ kommentierte: «Dass Grillo das Wort Lügenpresse noch nicht in den Mund genommen hat, dürfte einzig daran liegen, dass es dafür keinen vergleichbaren italienischen Ausdruck gibt.» Grillo weiss übrigens, wie gegen die «Lügenpresse» vorzugehen sei. Er will einen «Volksgerichtshof» – auch schon gehört? – schaffen, der die «verbrecherischen» Chefredaktoren dazu verurteilt, öffentlich zu Kreuze zu kriechen. Der mittelalterliche Pranger lässt grüssen! Zur Illustration ein Auswurf von Grillo: «Nicht wir sind Populisten – die wahren Idioten, Demagogen und Populisten sind die Journalisten und Intellektuellen des Regimes, die im Sold der grossen Mächte stehen.»

«Lügenpresse»-Schmäh in Deutschland, in den USA, in Italien, auch in Marine Le Pens französischen Kreisen und in der Türkei von Erdogans Gnaden. Und bei uns? Der SVP-Politiker Christoph Mörgeli schrieb in der Weltwoche: «Für Lügengeschichten winken Ansehen und Geld. Vor allem beim Zürcher Journalistenpreis.» Die gleiche Zeitung setzte einen verwirrenden Gedanken in die Welt: «Lügenpresse oder Meinungspresse? – Ansichtssache.»

«Lügenpresse» im Fokus
Das Forum Fokus Ethik Thun befasst sich am 6. April von 09.30 bis 15.15 Uhr mit Wahrheit und Lüge. Dabei gilt das besondere Augenmerk der Presse. Moderiert wird der Tag von der Medienfrau Sonja Hasler («Tagesgespräch», «Rundschau», «Arena», «Persönlich») und von der Philosophin, Autorin und Medienfrau Barbara Bleisch («Sternstunde Philosophie»).

Namhafte Persönlichkeiten machen sich Gedanken über die folgenden Themen:
Einleitung: Wieviel Wahrheit braucht der Mensch? (Rüdiger Safranski; Philosoph, Schriftsteller)
Wahrheit und Macht: Wieviel Wahrheit braucht der Staat? Macht und Ohnmacht. (Flavia Kleiner; Co-Präsidentin Operation Libero. Roger Köppel; Nationalrat, Verleger. Rüdiger Safranski; Philosoph, Schriftsteller)
PR und Medien: Wahr ist, was gefällt. (Sylvia Egli von Matt; Vizepräsidentin Eidgenössische Medienkommission)
PR und Medien: Wieviel Information erträgt/braucht der Mensch? (Esther Girsberger, Journalistin, Moderatorin, Autorin)
PR und Medien: Die Kunst der Wahrheit. (Sylvia Egli von Matt. Esther Girsberger. Viktor Schmid; Partner Hirzel/Neef/Schmid Konsulenten, Bern. Philipp Tingler; Schriftsteller, Philosoph. Res Strehle; Qualitätsmonitoring Tamedia, Präsident Schweizer Journalistenschule MAZ)

Die Veranstaltung ist öffentlich. Anmeldungen bis spätestens am 31. März über die Website fokusethik.ch/anmeldung.

Kontakt

Fokus Ethik
c/o KKThun AG
Kultur- und Kongresszentrum Thun
Seestrasse 68
CH-3604 Thun

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Der Feierabend muss warten

«Guete-n-Obig mitenand. Billetkontrolle.» *Marcel Hauser und *Heinz Wenger sind ausgesprochen freundlich. Die Fahrgäste der BDWM reagieren sehr unterschiedlich auf die beiden Sicherheitsmänner. Viele zeigen kaum eine Regung, holen ihr Abo hervor, und das wars. Andere erwidern die Freundlichkeit, reden ein paar Sätze, lächeln. Dann sind da die Eingeschüchterten, die sich ducken, obwohl bei ihnen alles in Ordnung ist. Und schliesslich die ganz Coolen, Beine weit vorgestreckt, sorgfältig gestylte Frise: «Was wottsch, Mann?» Hauser lässt sich nicht provozieren. Und Wenger sagt: «Den habe ich auch schon gesehen. Wenn er allein fährt, ist er ein netter Kerl. Aber wenn die Kollegen dabei sind …» Tatsächlich ist der junge Mann ohne Billett unterwegs. Einen Personalausweis trägt er auch nicht bei sich. Behauptet er wenigstens. Es ist schon das zweite Mal, dass er heute als Schwarzfahrer erwischt wurde.

*

Marcel Hauser ist erst seit elf Monaten bei der BDWM. Der gelernte Kondukteur war während 27 Jahren bei der Stadtpolizei Zürich tätig. Die beiden Berufe prädestinieren ihn zum Leiter der Abteilung Stichkontrolle und Sicherheit.

Sicherheit – was fällt alles unter diesen Begriff? «Es geht um Menschen und um Infrastruktur. Unsere Fahrgäste sollen sich sicher fühlen, keinerlei Belästigungen oder gar Angriffen ausgesetzt sein. Dasselbe gilt für unsere Mitarbeiter, also die Lokführer und das Stationspersonal.» – Konkret? – «Betrunkene Fahrgäste, jugendliche Pöbler, enthemmte Personen nach Grossanlässen wie Street Parade, Silvesterzauber oder Fussballspielen. – Wir haben verschiedene Kostgänger. Trotzdem: Solche Vorkommnisse sind extrem selten.»

«Gibt es Vorfälle, die mit einer gewissen Häufigkeit auftreten?»

*

Im Wohlen-Meisterschwanden-Bus. Im Fond sitzt ein Mann mittleren Alters. Den Kopf hält er gesenkt. Er hat keinen Fahrausweis. Emotionslos gibt er Auskunft. Die Bussbescheinigung nimmt er ohne Regung entgegen. Irgendwie unheimlich.

Ein distinguierter Herr nimmt mit seinem Gepäck ein ganzes Sitzabteil in Beschlag. Er hat nur ein halbes statt ein ganzes Billet. Verwunderter Gesichtsausdruck. Lange Diskussionen. Umständliches Hin und Her. Es gibt trotzdem eine Busse.

Eine Gruppe von acht Jünglingen, auch sie etwa 15-jährig. Alle haben ein Ticket, nur einer nicht. Er macht keine Anstände, bleibt höflich und verhält sich kooperativ.

Fünf Schwarzfahrer sind es an diesem Abend. Von etwa 250 Kontrollierten. Hauser hat die Statistik im Kopf: «Gegenwärtig sind wir bei 1,59 Prozent aller Fahrgäste. Das ist ein guter Wert. Wir wollen unbedingt unter 2 Prozent bleiben.»

BDWM-Zugverkehrsleiter André Wyssling an seinem Arbeitsplatz in Bremgarten

Videoüberwachung der neuralgischen Stellen: neun von etwa fünf Dutzend Bilder
Alarmanlage in den Bahnwagen: die rote Scheibe zur Seite schieben, darunter den Knopf drücken

Videokamera an der Bahnwagen-Decke

Heinz Wenger auf Billetkontrollgang

Marcel Hauser stellt sich vor einen Schwarzfahrer
Marcel Hauser und Heinz Wenger überprüfen die Identität des Schwarzfahrers

Verschiedenste Präventivmassnahmen dienen einer optimalen Sicherheit. Dazu Hauser: «Da sind zunächst die technischen Vorkehrungen. Videokameras überwachen die Bahnhöfe und die Bahnwagen. Daneben markieren wir Präsenz, vor allem an den Wochenenden. Zivil und uniformiert. Wir sind mit Pfefferspray und Handfesseln ausgerüstet. Es ist äusserst selten, dass wir davon Gebrauch machen. Bei Härtefällen arbeiten wir mit der Polizei zusammen.»

Das Betätigungsfeld der Patrouillen ist breit. Sie achten auf auffällige Menschengruppen, beurteilen die Situation auf den Haltestellen, ahnden Geleiseüberschreitungen. Ein Blick ins öffentliche WC, in den Warteraum auf dem Perron, hinüber zu den Fahrradständern und auf den Parkplatz. Schliesslich die Sicherheit der Anlagen: Keine Vandalenakte? Keine Graffiti? Keine Gegenstände auf den Geleisen? Funktioniert alles ordnungsgemäss? Und warum brennt dort ein Licht?

*

Mitternacht ist längst vorbei. Doch der Patrouillendienst dauert an. Er umfasst nicht nur angenehme Aufgaben. Marcel Hauser und Heinz Wenger müssen mit Provokationen und Anpöbeleien rechnen, in seltenen Fällen gar mit Aggressionen. Sie versahen ihren Dienst an diesem Abend mit mustergültiger Freundlichkeit und Korrektheit.

Das Gespräch verebbt. Ein kräftiger Händedruck. Der Zug setzt sich in Bewegung. Die beiden Männer fahren nochmals nach Wohlen, dann zurück nach Bremgarten West und zum Ausgangspunkt in Bremgarten. Alles im Dienste der Fahrgäste. Der Feierabend kann warten.

*Namen der Redaktion bekannt

 *

Die BDWM beteiligte sich am Swiss Arbeitgeber Award 2016. Die Mitarbeitenden bewerteten die organisatorischen Rahmenbedingungen und gaben Auskunft über ihre persönliche Einstellung zum Unternehmen. In der Kategorie 50–99 Mitarbeitende belegte die BDWM den vierten Rang. Insgesamt hatten sich 151 Unternehmen um die Auszeichnung beworben.

Übrigens: Die BDWM hat offene Lehr- und Arbeitsstellen für Personen, die sich in ein gut funktionierendes Team eingliedern wollen.

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Digitale Ureinwohner im Erwachsenenalter

Digital Natives (digitale Ureinwohner) oder Millennials sind Menschen, die in die digitale Welt geboren wurden und darin aufgewachsen sind. Computerspiele, E-Mails, das Internet und Mobiltelefone sind für sie integrale Bestandteile des Lebens. Sie differenzieren nicht zwischen realer und virtueller Welt.

Das Smartphone – ein permanenter Partner
Die Gewohnheiten von Digital Natives unterscheiden sich fundamental von jenen früherer Generationen, den «Digital Immigrants» (digitale Einwanderer) oder «Silver Surfers». So haben Forscher herausgefunden, dass jeder Smartphone-Nutzer täglich im Durchschnitt 88 Mal das Smartphone einschaltet, 35 Mal, um die Uhrzeit zu checken oder nachzuschauen, ob eine neue Nachricht eingegangen ist. 53 Mal zum Surfen und Chatten. Alle 18 Minuten unterbrachen freiwillige Probanden der Studie ihre Tätigkeit, um online zu sein. Digitaler Dauerstress.

Das Beratungsinstitut WEKA hat das Kommunikationsverhalten der Digital Natives untersucht. Zitate aus den Forschungsergebnissen: «Sie bringen sich ein, statt nur passiv berieselt zu werden. Zu allem entwickeln die Millennials eine Meinung, alles wird kommentiert. Zugleich legen sie auf den Input und das Feedback anderer sehr grossen Wert. – Gute Selbstdarstellung, das haben sie auf den Profilseiten in den sozialen Netzwerken gelernt. Jeder ist dort eine öffentliche Person und stellt wie auf einem Marktplatz zur Schau, was er über sich kundtun will. Es geht nicht drum, Bilder zu zeigen, die die Realität illustrieren, sondern darum, eine Selbstbeschreibung zu wählen, mit der man bei andern punkten kann. Wertvoll ist nicht derjenige, der ein fettes Auto fährt, sondern der, der die Community durch seine Impulse bereichert. – Millennials sind es gewohnt, dass Wissen offen und jederzeit zugänglich ist. Ein paar Minuten surfen bringt ihnen mehr als jedes Gespräch mit einer mittelmässigen Fachkraft. Im Finden sind sie sehr flott. Ihr Gehirn wurde auf kurz, knapp und schnell kalibriert. Sie haben verminderte Aufmerksamkeitsspannen und lieben Spass. Sie lernen nicht auf Vorrat, sondern in Häppchen und just in time.»

Online-Einkauf
Von besonderem Interesse ist das Einkaufsverhalten der Digital Natives. Alle Grossverteiler registrieren eine Zunahme des Online-Umsatzes auf Kosten des Detailhandels. Das Migros-Portal «LeShop» erzielte 2016 mit 182,1 Millionen Franken eine Umsatzsteigerung von 3,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Noch aussagekräftiger: Rund 42 Prozent der Bestellungen bei «LeShop» wurden über mobile Geräte getätigt. Ein weiterer Hinweis auf die Altersstruktur der Online-Einkäufer. Digital Natives gelangen ins Erwachsenenalter. Sie haben Geld zur Verfügung und werden es eher online ausgeben als ihre Eltern.

Eine Studie der Credit Suisse besagt: «Schweizer Konsumenten geben immer mehr Geld online aus. 2015 haben Schweizer Konsumenten für 7,5 Milliarden Franken online eingekauft. Von diesen Ausgaben gingen etwa zwei Drittel an Schweizer Onlineanbieter. 1,1 Milliarden gingen an ausländische Anbieter. 0,8 Milliarden an Tauschbörsen. Der Anteil des E-Commerce ist in der Schweiz mit 5 Prozent noch eher klein. In Grossbritannien oder Dänemark sind es 14,5 resp. 11,3 Prozent. Bis 2022 soll sich der E-Commerce-Anteil in der Schweiz verdoppeln. Im Heimelektronikmarkt erfolgten 2015 bereits 26 Prozent der Ausgaben für Onlineeinkäufe. Bis 2022 sollen es 38 Prozent sein. Im Food-Segment soll der Online-Anteil um das Doppelte auf 3,6 Prozent ansteigen.»

In der Schweiz kaufen die Konsumenten 81% der Lebensmittel offline ein, auch 80% der Medikamente und 73% der Weine und anderer alkoholischer Getränke. Im Online-Handel stehen Erotikartikel mit 46%, Bücher, Musik und Filme mit 36% und Computer, Smartphones, Tablets und Zubehör mit 24% an der Spitze der Produktekategorien.

Die NZZ wundert sich: «Dennoch ist die Gewinnquote der Online-Shops zurückgegangen. Offensichtlich lässt die Wirkung der digitalen Ureinwohner noch etwas auf sich warten.»

Gegenläufige Trends
Dass sich «Digital Immigrants» oder «Silver Surfers», also ältere Menschen, nicht mit allen Gewohnheiten der Digital Natives anfreunden, überrascht nicht. Doch selbst unter den Millennials sind gegenläufige Trends zu beobachten. Weg aus der virtuellen Welt, hin zum haptisch Erlebbaren. Faber-Castell schreibt: «In einer voll digitalisierten Welt entdecken immer mehr Menschen die Liebe zu alten Techniken.» Die Firma spricht von der neuen Lust am Handgeschriebenen: «Mit einer handgeschriebenen Grussnote oder Bewerbung weckt man mehr Eindruck als mit einer Email. Zwischenmenschliche Beziehungen brauchen besondere Gesten der Wertschätzung und Verbindlichkeit. Darin zeigt sich eine generelle Tendenz hin zum Kreativen, Nicht-Perfekten, Individuellen.»

Gleiches gilt für das Buch. Die «Südostschweiz» verdeutlicht: «Es ist bekannt, dass das E-Book das Buch in Papierform ernsthaft bedroht. Doch der Tag wird kommen, an dem die Leute das Bedürfnis verspüren werden, ein Buch in die Hand zu nehmen, darin zu blättern, den Geruch des Papiers zu riechen, die Ecke einer Seite zu falten, um zu wissen, wo sie weiterlesen müssen, ein Buch aufzubewahren, weil es unserer Grossmutter gehört hat, auf die Suche nach einem Band zu gehen, ohne sich in einem Meer von Angeboten im Netz zu verlieren.»

In die gleiche Reihe gehören Trendspiele, die nichts mit Tablets und Smartphones zu tun haben, zum Beispiel der Japan-Renner Kendama, ein Spiel mit einer Holzkugel – mit Weltmeisterschaften! Stark im Aufwind ist das Geschicklichkeitsspiel Darts, bei dem mit Pfeilen auf eine runde Scheibe geworfen wird.

Erstaunliches aus der Werbung
Marketingabteilungen und Werbeagenturen besetzen ihre Praktikumsstellen fast ausschliesslich mit Digital Natives. Sie erhoffen sich von den jungen Menschen Kreativität, Motivation, Wissensdurst und vieles mehr. Eine Luzerner Werbeagentur aber sucht einen Praktikanten, Mindestalter 65! «Wir sind überzeugt, dass eine ältere Person unserem jungen Team neue Inputs geben kann und uns neue Sichtweisen vermittelt.»

Digital Natives im Fokus
Das Forum Fokus Ethik Thun befasst sich am 7. April von 13.00 bis 15.30 Uhr mit Digital Natives. Moderiert wird der Nachmittag von der bekannten Medienfrau Sonja Hasler («Tagesgespräch», «Rundschau», «Arena», «Persönlich»). Namhafte Persönlichkeiten machen sich Gedanken über die folgenden drei Themen:

  • Die Wahrheit über Social Media: ein Versuch zu verstehen» (Renato Kaiser, Spoken-Word-Künstler, Comedian, Satiriker, Autor)
  • Digital Native erklärt seine Generation (Philipp Riederle, Autor, Unternehmensberater)
  • Digital Natives (Petra Rohner, Dozentin, E-Commerce-Ombudsfrau/Philipp Riederle, Autor, Unternehmensberater/Philippe Wampfler, Autor, Dozent)

Die Veranstaltung ist öffentlich. Anmeldungen bis spätestens am 31. März über die Website fokusethik.ch/anmeldung.

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Fokus Ethik
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CH-3604 Thun

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Nur bitte keine Lunker!

«Ich bin nur dann top, wenn meine Geschäftspartner es auch sind», sagt Claude Werder, Inhaber und Geschäftsführer der Firma Werder Feinwerktechnik in Veltheim. «Einer unserer Zulieferer ist die Firma Wizol in Sarmenstorf.»

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Philippe Widmer öffnet den Durchgang vom Bürotrakt zur Werkstatt. «Bitte treten Sie ein.» Konzentriertes Arbeiten. Jeder an seinem Platz, fokussiert auf seine Maschine, auf sein Werkstück, auf seinen Arbeitsvorgang. Grosse, kräftige Männer, freundliche Gesichter. Es ist warm – logisch! Wir sind ja in einer Giesserei. Der Geschäftsführer der Wizol geht voran.

Die Mitarbeiter wissen, worauf es ankommt. Die meisten sind seit langen Jahren bei Wizol tätig. Mit einer Kelle schöpft der Giesser flüssiges Aluminium, rund 720 Grad heiss, hellsilbrig glänzend. Er lässt es in den Gussformen, den sogenannten Kokillen, versickern. Da ist eine ruhige Hand gefragt, ein gleichmässiger Ausguss. Die Art und Weise des Giessens beeinflusst die Temperatur, das Abkalten des Aluminiums. Und dies wiederum hat Auswirkungen auf das Resultat des Gusses. Gelassenheit statt Hektik!

Der Giesser stellt sich neben seine Gerätschaften. Er tut nichts, wartet einfach. Ein Timer sagt ihm ganz genau, wann sich das Aluminium genügend verfestigt hat. Ohne zeitliche Präzision wären die Gussstücke mit individuellen Abweichungen behaftet. «Vorsicht! Nicht berühren! Man sieht es ihm nicht an, aber das Aluminium ist immer noch enorm heiss.» Mit einer Zange löst er den fertigen Guss aus der Kokille und legt ihn behutsam zur Seite.

Erst wenn sich das Metall abgekühlt hat, kommt der Guss in die Verputzerei. Hier ist mechanische Handarbeit angesagt: sägen, feilen, schleifen, richten. Jedes einzelne Stück bekommt hier einen Feinschliff verpasst. Der Anguss, durch den das flüssige Aluminium eingefüllt wurde, muss weg. Oftmals entstehen beim Giessen auch feinste Stäbchen und Plättchen («Gräte» oder umgangssprachlich «Federn» genannt), manche nur einen Millimeter lang. Sie verfälschen den optischen Eindruck und stellen eine Beeinträchtigung, sogar eine Verletzungsgefahr bei der weiteren Verarbeitung dar.

Ein Guss ist kein Emmentaler!
«Herr Widmer, Hand aufs Herz, wie steht es mit Lunkern?» Lunker sind Hohlräume, die beim Abkühlen des Metalls entstehen. Wenn die Schmelze erstarrt, reduziert sich ihr Volumen. Fliesst dann nicht zusätzliches Metall nach, kommt es zu Lunkern unterschiedlichster Grösse, von kaum erkennbaren Rissen bis hin zu murmelgrossen «Löchern», einige mit glatter Innenfläche, andere mit kristallinen Formen. «Mit der Konstruktion von möglichst funktionalen Gussformen reduzieren wir die Gefahr von Lunkerbildung. Es ist deshalb von Vorteil, wenn uns der Kunde bei jedem Auftrag so früh wie möglich zuzieht, also schon während der Planungsphase. Je besser wir verstehen, welche Funktion dem betreffenden Werkstück später zugedacht ist, desto gezielter gelingt die Anfertigung der Gussformen. Trotzdem untersuchen wir vor allem den ersten Guss eines jeden Auftrags sehr genau. Dazu setzen wir ein Röntgengerät ein. Wir wollen die Gewissheit haben, dass unsere Güsse frei von Lunkern sind.»

Widmer relativiert seine Aussagen und erklärt: «Selbstverständlich kommt es auf die spätere Funktion des Gussteils an. Handelt es sich um eine simple Abdeckung, ist es irrelevant, ob ein kleiner Lunker im Innern des Gusses entstanden ist. Ganz anders sieht es aus, wenn die betreffenden Teile weiter verarbeitet werden. Nehmen wir an, dass die Firma Werder Feinwerktechnik in einen von uns gegossenen Maschinenteil ein Gewinde schneidet und dabei auf einen Lunker trifft – dann ist die ganze Mühe für die Katze.» Erst recht keine Lunker dürfen bei sicherheitsrelevanten Teilen auftreten, zum Beispiel bei Haken für Bergsteiger.

Blick in eine Gussofen; das flüssige Aluminium hat eine Temperatur von gegen 750 Grad Celsius

Komplexe Gussteile aus Aluminium

Lüftergehäuse aus Aluminium

Das Aluminium wird in Barren angeliefert
Das flüssige Aluminium wird in eine Gussform gefüllt

Nach kurzer Zeit ist das Metall erstarrt; es kann mit einer Zange aus der Form gelöst werden

Es geht bei diesem Auftrag nur um die beiden «Arme» des «Ankers»; der «Stiel» hat nur gusstechnische Funktion, er wird später wieder eingeschmolzen

Blick in eine der Wizol-Werkhallen

Philippe Widmer, Geschäftsleiter Wizol

Nichts für Hobbyköche!
Widmer kommt auf die Zusammensetzung der Schmelzmasse zu sprechen. Himmel, das ist ja eine Wissenschaft! Wer  sich vorstellt, da würden einfach Aluminiumbarren in einen Schmelztiegel gebracht, liegt ganz falsch. Acht bis elf Prozent beigefügtes Silizium haben Auswirkungen auf den Erstarrungsprozess. Und bitte noch etwas Magnesium – wie im Rezeptbuch! Regelmässige Spektralanalysen geben Auskunft über die Zusammensetzung der Legierung, denn diese verändert sich im Verlauf von längeren Gussverfahren. Bei Wizol fertigt man Stückzahlen bis zu 15’000 Einheiten an!

Philippe Widmer fasst zusammen: «Wir schmelzen, giessen und verputzen. Für uns macht es keinen Sinn, teure Bearbeitungsmaschinen anzuschaffen, um die gegossenen Teile noch weiter zu behandeln. Bohren, fräsen, Gewinde einbringen – dazu fehlt uns ohnehin das notwendige Know-how, und wir könnten die Maschinen niemals auslasten. Die Firma Werder ist in dieser Beziehung hervorragend aufgestellt. Und die Qualitätsansprüche unserer Firmen entsprechen sich. Ausserdem kennen wir gegenseitig unsere Zuverlässigkeit, wenn es um die Einhaltung von Terminen geht. Auf diesem Fundament ruht unsere Zusammenarbeit – zum beidseitigen Nutzen.»

Das bestätigt Claude Werder mit Nachdruck: «Die Zusammenarbeit mit regionalen und nationalen Partnern bietet für alle Beteiligten noch weitere erhebliche Vorteile. Wir sprechen die gleiche (Fach-)Sprache; dank geografischer Nähe sind wir leicht erreichbar, und in dringenden Fällen sind wir bereit für ‚Feuerwehrübungen’. Daraus erwächst unseren Kunden ein bedeutender Mehrwert, den Produzenten und Lieferanten zum Beispiel aus China oder andern fernöstlichen Ländern nicht bieten können.»

Kontakt
Samuel Werder AG

Werdstrasse 2
5106 Veltheim

T +41 56 463 66 00
info@werder-ag.ch
www.samuelwerder.ch

900 Kilometer Reissverschlüsse

Rund 258 verschiedene Matratzen, jede in drei Härtegraden. Rechne! Das sind 774 unterschiedliche Matratzentypen! Alle im gleichen Haus hergestellt. Dazu die Spezialanfertigungen. Und wer nun meint, 774 sei gar keine so grosse Zahl, der soll doch mal auf 774 zählen. Na?

Markus Läser führt als Bico-Produktionsleiter durch die Hallen. Es tönt so einfach: Am Anfang ist der Matratzen-Kern aus Schaumstoff. Den stecken die Männer in eine Hülle. Eine Maschine verpackt das Ganze vollautomatisch, und gut ist. – Liesse man es bei solcher Banalität bewenden, befände man sich etwa auf dem Niveau von «Der Strom kommt aus dem Stecker und die Milch von der Migros». Stattdessen folgen wir Herr Läser und erleben beim Rundgang die Komplexität des Vorgangs und die verblüffende Fachkompetenz und die Routine der Bico-Mitarbeitenden.

Produktion auf Bestellung
Bunt sieht es aus im Erdgeschoss. Da sind Hunderte von Schaumstoffkernen gestapelt. In unterschiedlichsten Farben und Grössen, einige mit musterähnlichen Aussparungen und regelmässig angeordneten «Löchern», mit Rillen und eingesetzten dämpfenden Federn aus Kunststoff. «Hier haben wir alles auf Lager, vom einfachsten Mono-Kern bis zu aufwändig konzipierten Kernen mit unterschiedlich weichen Schaumstoffen für hohen Liegekomfort und Stützung der Wirbelsäule. Für einen guten Feuchtigkeitsausgleich sorgen die atmungsaktiven und natürlichen Materialien in der Auflage und die speziellen Belüftungskanäle im Kern. Dadurch wird die Flüssigkeit beim Schwitzen in der Nacht abtransportiert.»

Es gibt Stapel mit unterschiedlichen Matratzenkernen. Bei jedem „Los“ handelt es sich um die Bestellungen eines Bico-Händlers. «Wir produzieren die Matratzen nicht auf Vorrat, sondern immer erst auf Bestellung. Dabei garantieren wir eine Lieferfrist von fünf Tagen. Fünf Tage nach dem Eingang der Bestellung ist die fertige Matratze beim Händler.»

Facharbeiterinnen
Ein Stockwerk höher befindet sich die Produktion der Matratzenhüllen. Drei Steppmaschinen bearbeiten die Vliesrollen. 60 verschiedene Stoffe, 17 unterschiedliche Wollauflagen, darunter Schafwolle und Kamelhaar, 20 Steppmuster-Varianten – die drei Anlagen schaffen pro Tag bis zu 1500 Laufmeter! Daraus entstehen die sogenannten «Platten», also die Unter- und die Oberseite der Matratzenhülle.

An zwei Hochleistungsnähmaschinen und höhenverstellbaren Arbeitsflächen sitzen Näherinnen. Viele haben ihre Wurzeln in Portugal, wo sie eine Berufslehre als Näherin absolviert haben. Mit unglaublicher Fertigkeit und Sicherheit vernähen sie die Ränder der Platten und verhindern damit deren Ausfransen. Transportbänder helfen beim Drehen der Platten. Eine Schlusskontrolle: Ist alles im rechten Winkel? Stimmen die Masse?

Jetzt noch die Seitenbahnen, die sogenannten Border. Falten und Vernähen der Ecken. Die Handgriffe einnähen. Und den Reissverschluss. Pro Jahr werden mehr als 900 Kilometer Reissverschlüsse eingenäht! Etwa 1000 Reissverschlüsse pro Tag! – Fertig ist die Hülle, genau auf diese eine Matratze abgestimmt, die ein Händler in der Schweiz  bestellt hat.

Unterschiedlichste Schaumstoffkerne in den BICO-Lagerhallen
Unterschiedlichste Schaumstoffkerne in den BICO-Lagerhallen

Vlies-Abfälle werden zur Wiederverwendung gebündelt

Das gesteppte Vlies wird aufgerollt

Bereits ist das Vlies zu einer Platte zugeschnitten. Eine Spezialmaschine näht die vier Bico-b ein

Stapelweise warten Platten in unterschiedlicher Grösse auf ihre Weiterverarbeitung

Eine Näherin verbindet die Border mit den Platten und setzt die Reissverschlüsse ein

Überblick über die Näherei-Abteilung
Überblick über die Näherei-Abteilung

Zwei Männer sind mit dem Einzug der Matratzen beschäftigt. Auf den blauen Flächen und den orangen Rollen im Vordergrund «wandern» die fertigen Matratzen zuerst zur Verpackung und danach in die Spedition

Kerne und Hüllen in der Produktionshalle

In einer andern Abteilung werden Lattenroste gebaut

Die verpackten Matratzen sind für den Transport bereit

Lastwagen bringen die Matratzen in die ganze Schweiz

Markus Läser, Produktionsleiter BICO

Worte braucht es keine
Letzte Station ist das «Einziehen». Synchron erreichen die bestellten Kerne und die dazugehörenden Hüllen den Arbeitsplatz. Zwei Mitarbeiter sind konzentriert an der Arbeit. Jeder Handgriff tausend Mal gemacht. Worte braucht es keine. Einziehen der Kerne in eine Schutzhülle. Hüllen um die Kerne legen; Reissverschluss schliessen. Qualitäts-Schlusskontrolle. Etikettierung nach Kundenauftrag. Produktionsauftrag mit Strichcode abschliessen.

Die fertigen Matratzen kommen auf ein Transportband. Ohne menschliches Zutun bewegen sie sich durch eine Verpackungsanlage. Mit einem kräftigen Schutzplastik eingepackt, sind sie jetzt versandbereit. Die Tageskapazität pro Tag liegt bei 400 Matratzen. Sechs grosse Lastwagen bringen sie auf definierten Routen zu den Händlern in der ganzen Schweiz.

Hundert Nadeln vernähen in rasendem Tempo das Vlies

Trotzdem!
Nach dem Rundgang noch ein kurzes Zusammensitzen. Da kommt auch Nachdenkliches zur Sprache. «Ja klar spüren wir die Auswirkungen des starken Frankens. Es ist nun mal eine Tatsache, dass wir in der Schweiz andere Lohn- und Gestehungskosten haben als das nahe Ausland. Das Lohnniveau einer Näherin in der Schweiz liegt auf einem anderen Niveau als im Ausland. Mittels innovativen Entwicklungen sowie der Herstellung unserer Produkte mit viel Handarbeit (Swissness) produzieren wir Matratzen, die das Bewusstsein des gesunden Schlafs erhöhen.»

Markus Läser trinkt seinen Kaffee und lächelt: «Viele Kunden erkennen das hohe Qualitätslevel unserer Matratzen. Sie würdigen den erstaunlichen Grad an Handarbeit und die selbstkritische Haltung unseres Unternehmens, die sich im SleepLab manifestiert, wo wir jeden Matratzentyp auf Herz und Nieren prüfen.»

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Einen Drittel unserer Lebenszeit verbringen wir im Bett. Bei der Matratze zu knausern, wäre wohl etwas vom Dümmsten, was man sich antun könnte.

Noch bis am 4. März 2017 läuft im Möbelhaus Kindler, Schinznach-Dorf, die Winteraktion mit Bico-Matratzen.

Kontakt

Möbel Kindler AG
Degerfeldstrasse 7
5107 Schinznach-Dorf

T +41 56 443 26 18
info@moebel-kindler-ag.ch
www.moebel-kindler-ag.ch

«Bitte mehr Engagement!»

Es gibt Branchen, denen pfeift der Innovationswind steif um die Ohren. Zurücklehnen und satte Zufriedenheit zelebrieren, das geht gar nicht. Wer die Hand nicht permanent am Puls behält, hat schon verloren. Ohne Zweifel gehört die Kunststoffindustrie in dieses Segment. Die Zeiten sind vorbei, da jeder Anbieter klammheimlich und hinter verschlossenen Jalousien sein eigenes Ding drehte, losgelöst von Entwicklungsschritten, die anderswo passierten. Es gilt vielmehr, jede Gelegenheit für Kontakte zu nutzen. Impulse wahrnehmen, Netzwerke pflegen, die Forschung im Auge behalten, eigene Innovationen und Produkte ins richtige Licht stellen.

All das lässt sich in konzentrierter Form an der Fachmesse «swiss plastics» realisieren, die der gleichnamige Verband alle drei Jahre organisiert. Rund 300 Aussteller aus der Kunststoffbranche sind präsent, zeigen den Stand ihrer Entwicklung auf. Unter ihnen Amsler & Frey AG, «ein innovatives Schweizer Unternehmen der Kunststoffindustrie», wie sich die Firma selber charakterisiert.

Verkaufsleiter Martin Obrist betont den hohen Stellenwert der Messepräsenz, und er stellt den Begriff «Kontakt» weit in den Vordergrund: Bestehende Kunden kontaktieren – Kontaktdaten sammeln – Leute, die man nur am Telefon hatte, persönlich kontaktieren – Kontakte mit Verbandmitgliedern. Und kurz nach der Messe will Obrist vor allem auf die neuen Kontakte nochmals zugehen.

An der «swiss plastics» herrscht kein Gedränge und Geschiebe. Es ist keine Messe für Laufkundschaft, sondern für ein Fachpublikum. Keine Prospektraffer-Mentalität, keine Give-aways-Sammler, keine Gratiswurst-Konsumenten. Stattdessen konzentrierte Aufmerksamkeit, gezieltes Hinschauen und fachkundiges Zuhören.

Im Gespräch mit Kunden an der swiss plastics: Daniel Lienammer (Geschäftsführer Amsler & Frey, vorne) und Martin Obrist (Verkaufsleiter Amsler & Frey, ganz rechts)

Kurt Röschli, Co-Geschäftsführer des Verbands Swiss Plastics

Begegnungen, Kontakte. Zum Beispiel mit Kurt Röschli, Co-Geschäftsführer des Verbandes «Swiss Plastics».

Herr Röschli, welche Aufgaben hat sich Ihr Verband auf die Fahne geschrieben?
Ich stelle drei Bereiche in den Vordergrund. Höchste Bedeutung hat die Aus- und Weiterbildung sowohl für Lernende als auch für erfahrene Fachpersonen. Wir nehmen die organisatorische und vor allem die inhaltliche Verantwortung wahr für alles, was in Sachen Fortbildung geschieht. Permanente Weiterbildung, darum gehts.
Als Zweites nenne ich die Interessenvertretung in der Politik und gegenüber Behörden aller Stufen. Es ist wichtig, dass wir wo immer möglich Präsenz markieren und die Netzwerkpflege unterstützen. Wir verstehen uns da als Katalysator, übrigens auch für interne Kontakte.

Sie sprachen von drei Bereichen.
Ja, wir legen grossen Wert auf den umfassenden Begriff Nachhaltigkeit. Es geht zum Beispiel um Fragen des Recyclings unserer Kunststoff-Erzeugnisse. In enger Zusammenarbeit mit dem BAFU, dem Bundesamt für Umwelt, suchen wir nach Möglichkeiten hin zu einer Kreislaufwirtschaft. Die Ökonomie und die Ökologie müssen sich unbedingt annähern. Das ist eine ambitionierte Zielsetzung, aber der Innovationskraft unserer Mitglieder traue ich viel zu! Und das BAFU ist selbstverständlich daran interessiert, dass hier Substanzielles geschieht.

Klingt gut, aber da macht bestimmt nicht jeder mit.
Wir vermissen in mancherlei Hinsicht ein aktives Engagement. Ich nenne zum Beispiel die Öffentlichkeit und die Industrie, die sich noch mehr engagieren dürften, wenn es um Recycling geht. Man ist sich der Problematik bewusst, lässt aber das Handeln vermissen und setzt diesbezüglich auch keinen Druck auf. Zwar fokussieren sich die Medien auf punktuelle Probleme. Ich erkenne aber keine übergeordnete Grundhaltung der Gesellschaft. Auch verbandsintern würde ich mir mehr Engagement der Mitglieder wünschen. Es wäre schön, wenn mehr Herzblut erkennbar wäre.

Wie hält es die Kunststoffbranche in Sachen swissness?
Die Abwanderung der Produktion ins Ausland bereitet uns Sorgen. Da stecken wir voll drin. Vereinfacht gesagt, bleiben nur die Sektoren High Tech und Innovation in der Schweiz, ferner die Firmen, die sich auf die Anfertigung kleiner und kleinster Serien spezialisiert haben. Grossserien dagegen lassen sich im Ausland kostengünstiger realisieren. Diese Entwicklung bringt aber einen herben Verlust an Arbeitsplätzen und an Know-how mit sich, und sie ist kaum reversibel.

Der Verband Swiss Plastics hat sich in jüngster Vergangenheit neu aufgestellt.
Das ist richtig. In der Vergangenheit agierten die einzelnen Fachgruppen sehr autonom. Wir legen nun deutlich mehr Gewicht auf die Wahrung übergeordneter Interessen. Wir wollen homogener auftreten; Stichworte Berufsmarketing und Kommunikation.

Ihre Branche tut sich schwer bei der Rekrutierung von Lernenden.
Ja, leider! Die Attraktivität der Kunststoff-Berufe ist kaum bekannt. Zudem vermute ich, dass viele an sich interessierte Jugendliche nichts über die Entwicklungs- und Karrieremöglichkeiten wissen, die sich ihnen bieten. Ganz zu schweigen von dem Umgang mit der technisch ambitionierten Materie. Swiss Plastics muss sich dieser Problematik energisch annehmen.

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Amsler und Frey AG bildet aktuell fünf Lernende aus, drei im kaufmännischen Bereich und zwei Polymechaniker. Die Firma bekennt sich hundertprozentig zu swissness – aus Überzeugung!

Kontakt

Amsler & Frey AG
Feldstrasse 26
CH-5107 Schinznach-Dorf

T +41 56 463 60 70
F +41 56 463 60 79

info@amsler-frey.ch
www.amsler-frey.ch

«Chli stinke muess es»

Sie haben schon richtig gelesen: Fondue «im Sebni», nicht «am 7ni». «Sebni» ist eine aus drei Wagenkasten bestehende Zugskomposition der BDWM. 1969 trat der Triebwagen seinen Dienst an. Den Namen «Sebni» aber erhielt er erst 2012. Nein, er musste nicht 43 Jahre lang als Namenloser, als Nobody auf die Piste. Vorher war er auf den Namen «Widen» getauft. Und die Technik-Freaks hatten die nüchterne Bezeichnung BDe 8/8 7 für ihn. Da tönt doch «Sebni» wesentlich sympathischer, beinahe zärtlich.

Bald 50 Jahre alt, ist das «Sebni» die letzte Überlebende. Die BDWM hat ihre acht «Geschwister» ausrangiert und abgebrochen. Das 50 Tonnen schwere «Sebni» hingegen versieht seinen Dienst als Nostalgiefahrzeug auf dem Schienennetz der BDWM. Zum Beispiel bei Käsefahrten.

Wohlverstanden: Die Fahrt selber ist ganz und gar nicht Käse! «Käsefahrt» deshalb, weil unterwegs Käse serviert wird, in Fondue- oder Racletteform. Fondue im Nostalgiezug – nicht gerade alltäglich!

Halb Europa auf Achse
Etwas Besonderes darfs schon sein, dachte sich Angelika Strebel, als sie zusammen mit einem Kollegen den Firmenevent organisierte. Erstmals ging die Einladung an alle Vertriebspartner zu einem zweitägigen Besuch des Pacovis-Mutterhauses ins aargauische Stetten. Aus verschiedenen Ecken Europas reisten sie an, darunter aus Deutschland, Österreich, Dänemark, Polen und Finnland. Im Vordergrund standen Aktivitäten geschäftlicher Art. Und die Gelegenheit, sich persönlich kennenzulernen.

Das Abendprogramm sollte typisch schweizerisch sein. Und bitte keine weite Anfahrt. «Warm anziehen» hiess es, sonst nichts. Die Umstände waren günstig; es lag frischer Schnee. So mutete der einleitende Spaziergang durch die Bremgarter Altstadt beinahe märchenhaft an. Oben, beim Bahnhof, wartete bereits das «Sebni» auf die Gesellschaft. «Grosses Staunen, Begeisterung»: So fasst Strebel die spontanen Reaktionen zusammen. Einsteigen! Wer setzt sich zu wem? «Ist hier noch frei?»

Angelika Strebel von der Firma Pacovis
Unterwegs im «Sebni»; der Käse dampft und duftet
Die Käsefahrt bereitet sichtlich Vergnügen
Der Nostalgiezug im Neuschnee

Los ging die Fahrt. In gemütlichem Tempo über den Mutschellen in Richtung Dietikon. Unterwegs als Gaumenkitzel schon mal ein Tessiner Plättli. Im Bahnhof Dietikon blieb der Zug so lange stehen, bis jedes Tischchen mit einem Fondue-Set ausgestattet war: Rechaud, Caquelon, Fonduegabeln, Käsemischung, Kirsch, Knoblauch. Den Spass bei der Zubereitung kann man sich ohne weiteres vorstellen: Italiener, Holländer, Belgier und Franzosen im Fondue-Fieber! Na prosit!

Was für ein Bild: Halb Europa im BDWM-Nostalgiezug beim Fondueschmaus! Und das alles unterwegs durch die winterliche Landschaft. In Bremgarten dann die verlangsamte Fahrt über die Reussbrücke, von der aus der Fluss und die Altstadtsilhouette einen besonders schönen Anblick bieten. Der Aufenthalt im Bremgarter Wald dauerte etwas länger. Alles aussteigen! Auf jungfräulich verschneiten Wegen spazierte die Gesellschaft mit Gaslaternen zum Erdmannlistein, bestaunte dort den eiszeitlichen Zeugen und arbeitete gleichzeitig an der Verdauung des üppigen Nachtessens. «Den Leuten gefiel es ausgezeichnet. Alles passte. Das Personal war zuvorkommend, offen, unkompliziert. Und wer Lust hatte, durfte sogar den Führerstand besichtigen.»

Die Kapellbrücke in Luzern, die Uhrenmanufakturen im Vallée de Joux, der Bärengraben und der Zytgloggeturm in Bern sind unbestritten reizvolle Ziele, wenn es um «swissness» geht. Nur: die lange Anreise … Für einen Firmenevent in unserer Nähe bietet sich darum eine Nostalgiefahrt mit dem BDWM-Triebwagen an, im «Sebni» oder im noch älteren «Murschälle-Zähni», mit Käse, mediterraner Gastronomie, als Zmorge-Fahrt oder im Rahmen des Jass-Cups, Barbecue beim Erdmannlistein inklusive.  Garantiert unvergesslich!

Kontakt

BDWM Transport AG
Zürcherstrasse 10
CH-5620 Bremgarten

T +41 56 648 33 00
F +41 56 648 33 10

info@bdwm.ch
www.bdwm.ch