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Akrobaten in Handwerkskluft

Erstaunliche Typen! Ich habe sie auf dem Bauplatz in Mägenwil bei der Arbeit beobachtet, fast zwei Stunden lang. Mir blieb die Spucke weg. Und zwar nicht nur wegen der hochsommerlichen Temperaturen. Mich fasziniert das Tempo, das sie drauf haben. Dort oben auf der Garage errichten sie einen Aufbau aus vorgefertigten Holzelementen. Eine Wohnung mit 3½ Zimmern. Der Kranwagen hebt ganze Wandteile hoch. Die Handwerker positionieren und fixieren sie genau nach Plan und sind schon bereit für das nächste Element. Aufrichte am späteren Nachmittag!

Juniorchef Beni Wernli packt mit an. Er vermisst ein fertiges Element und passt die isolierende Glaswatte ein

Die Glaswatte muss ganz genau in die Hohlräume eingepasst werden

Die Dachbalken liegen in der Werkstatt fertig zugeschnitten bereit

Ein Mitarbeiter der Firma Wernli baut ein Zwischenwand-Element

Links und rechts stehen die fertigen und durchnummerierten Element bereit für den Abtransport auf die Baustelle

Die Schreiner und Zimmerleute bewegen sich auf den Balken, die doch höchstens 15 Zentimeter stark sind, als ob sie auf einem breiten Trottoir spazieren würden. Mit grösster Gelassenheit und ohne jedes Zaudern, in der Hand das Werkzeug und eine Leimpresse. Noch hat das Element seine endgültige Position nicht erreicht. Ein kleiner Dreh, die Dachpappe anheben, die isolierende Glaswolle zurechtrücken. Beinahe schwerelos sind sie unterwegs dort oben. Einer steht auf dem obersten Tritt der Bockleiter, ein anderer kommt über den Dachfirst. Alle tragen sie einen Helm – aber welchen Schutz bietet der bei einem Fehltritt? Ja klar, das Gebäude ist eingerüstet. Aber die Handwerker müssen näher ran. Wie Zirkusakrobaten, wie versierte Berggänger nutzen sie jede noch so kleine Fläche, jedes vorstehende Balkenstück. Ehrlich: Ich möchte nicht tauschen.

Mir fällt auf, dass keiner nur dasteht und wartet, bis sich die Arbeit vom Himmel absenkt. Sie wissen, was noch zu richten oder zu fixieren ist. Jeder ist unterwegs mit Schrauben, batteriebetriebenen Bohrmaschinen, Keilen, einem Vorschlaghammer.

«Mutprobe»
Doch dann fasse ich mir ein Herz und besteige das Gerüst. Eine wackelige Angelegenheit! Glücklicherweise gibts ein Geländer und oben Sicherungsstangen. Hols der Kuckuck, was soll ich bloss tun, um sicher zu stehen? Einer der Handwerker eilt an mir vorbei. «Tschuldigung.» Weg ist er. Ich stelle mich in eine Ecke, bin von zwei Seiten gestützt. Die Hände frei zum Fotografieren. Ich beobachte die Handwerker, wie sie sich beinahe katzenartig bewegen. Das nächste Element, das nächste. Kaum abgesenkt, kaum fixiert, dient es ihnen als «Fussweg» in luftiger Höhe.

Tropische Verhältnisse
Mir reichts. Mit der gebotenen Sorgfalt steige ich hinab. Endlich wieder festen Boden unter den Füssen! Mutter Erde, du hast mich wieder.

Ich verfolge das Geschehen nun aus einer gewissen Distanz. Die dort oben sprechen kaum miteinander.

Einer holt eine Paste aus den Tiefen seiner Hosentasche, bestreicht sich die Arme und verreibt alles auf der Haut. Er schützt sich vor der Sonneneinstrahlung. Erst jetzt werde ich wieder gewahr, wie heiss es heute ist. Ich suche den Schatten eines benachbarten Gebäudes auf. Die Handwerker arbeiten an der prallen Sonne. Nicht nur zwei schlappe Stunden, sondern den ganzen Tag lang.

Auf der Baustelle hat der Aufbau begonnen; bereits sind zahlreiche Elemente aufgestellt und fixiert

Da schwebt das erste Dachelement ein

Beim Absenken ist grösste Sorgfalt erforderlich

Die Dachpappe ist hochgeschlagen, das Element wird abgesenkt. Es passt genau

Das erste Dachelement ist fixiert. Die Gleichgewichtsartisten der Firma Wernli bereiten den nächsten «Landplatz» vor

Die Pläne geben Auskunft über die Endposition von jedem Element

Der Aufbau nimmt Form an

Das Fensterglas wartet auch schon auf den Einbau

Das nächste Dachelement ist an der Reihe. Ein Mitarbeiter hängt die Kranseile ein

Am nächsten Tag ist das Dach fertig montiert

Auch der Innenausbau schreitet zügig voran

A la minute
Eine gewaltige Regenwolke zieht auf. «Wann seid ihr fertig?» – «Noch heute Nachmittag ist alles aufgerichtet.» – «Bevor es zu regnen beginnt?» – «Ja sicher, das haben wir im Griff.» – Logisch haben sie es im Griff. Wer würde beim Zuschauen daran zweifeln!

Am Morgen um 7 Uhr war der Kranwagen vor Ort. Um 8 Uhr kamen die Handwerker der Firma Theo Wernli AG, Fenster- & Holzbau. Um 12 Uhr war das erste Dachelement montiert, und am späten Nachmittag ist Aufrichte! Was fehlt, sind die in der Firmenwerkstatt vorgefertigten Fenster und Türen, der Innenausbau samt der Verglasung der Hebeschiebetüren, die Fassade und die Dachdeckerarbeiten. Bis in fünf Wochen ist alles fertig.

Sympathisch und versiert
Mit einigen Nachbarn schauen auch Gabi Lerf und Richard Grob als Bauherren dem Aufbau zu. Sie werden hier einziehen. Ins «Stöckli», wie sie es nennen.

Weshalb haben Sie sich für Wernli entschieden?
Zuerst war Sympathie da. Dann spürten wir das Interesse an unserem Vorhaben. Ausschlaggebend war, dass alles aus dem gleichen Haus kommt: die Holzkonstruktion, die Fenster, die Türen und die Fassaden. Das ist uns wichtig.

Und jetzt – was geht Ihnen beim Zuschauen durch den Kopf?
Wir sind beeindruckt. Alles ist durchorganisiert. Alles passt. Alles ist zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort. Erstaunlich, wie zügig die Arbeiten voranschreiten.

*

Theo Wernli AG, Fenster- & Holzbau, Thalheim, verfügt über grosse Erfahrung im Bau von vorgefertigten Elementhäusern samt Eigenproduktion der Fenster. Die Firma hat schon viele solcher Elementbauten aufgestellt. Anbauten, Aufbauten, ganze Ein- und Mehrfamilienhäuser. Einige davon haben sie sogar in die USA geliefert.

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Borkenkäfer schmatzen leiser

Wieder einmal muss sich der Borkenkäfer ärgern. Man will ihm das Schlaraffenland sozusagen unter dem Allerwertesten wegsägen! Ist das die viel gepriesene feine Art der Menschheit, insbesondere der holzverarbeitenden Betriebe? «Das Interesse an Schweizer Holz steigt», stand in der Presse. Ja super! Der Borki-Sippe konnte man niemals ein nachlassendes Interesse an Schweizer Holz vorwerfen, ganz im Gegenteil. Wie sollte sie sich jetzt ihren Wettbewerbsvorteil sichern?

Viele Jahre lang, mindestens seit dem Jahrhundertsturm «Lothar», vernahm man Klagen über die schwierige Situation im Schweizer Holzhandel. Kein Interesse. Kein Absatzmarkt. Die Frankenstärke verschärfte die Situation zusätzlich. Bedeutet das rote Zahlen oder gar das Aus für Forstbetriebe, Sägereien, das ganze Holzgewerbe? Schweizer Holz nur noch als Heizstoff? Borki rieb sich die Hände: «Lasst die Bäume doch stehen. Mir fällt da schon etwas ein!»

Emotionen
Der ideelle Wert von Schweizer Holz blieb bestehen. Die Firma Theo Wernli AG, Holzbau, Fensterbau, Schreinerei, hat das erfahren. Ein nach Nordamerika ausgewanderter Schinznacher bestellte ein vorgefertigtes Holzhaus. Bedingung: Das Holz musste unbedingt aus der engeren Umgebung seiner Heimat stammen, am liebsten aus dem Schenkenbergertal. Die Holzbaufirma baute in den eigenen Werkstätten die einzelnen Elemente des gewünschten Einfamilienhauses – mit Holz aus den Gislifluh-Wäldern. In Container verpackt, reisten die Teile zuerst nach Basel, mit dem Schiff nach Amerika und dann mit Bahn und Lastwagen nach Lake Placid. Dort richteten die Wernli-Mitarbeiter innert kürzester Zeit das Haus auf dem vorbereiteten Fundament auf. Es war DIE Attraktion jener Tourismus-Destination. Als Folge davon konnte Wernli noch mehrere weitere Einfamilienhäuser in die USA liefern.

Allerdings bildet allein der ideelle Wert des Schweizer Holzes keine genügende Grundlage für den Fortbestand der Holzbranche. Und doch, auf einmal schreiben die Verbände von einem boomenden Holzbau. «Die Sägewerke sind gut ausgelastet und voll aufnahmefähig.» Bei Lignum/Holzwirtschaft Schweiz tönt es noch optimistischer: «Der Holzbau wächst extrem.» – Was steht dahinter?

Ungeahntes ist möglich
Bis vor einigen Jahren wagte sich niemand an mehrstöckige Holzbauten. Heute sind Holz-Gebäude mit bis zu zehn Stockwerken problemlos realisierbar. Die Fortschritte in der Statik und den Isolationswerten machens möglich. Das Interesse der Bauherrschaft und der Architekten ist geweckt.

Ein Liftschacht aus Holz? Früher ein absolutes No-Go. Im Brandfall bildet der Liftschacht eine der Evakuationsschleusen. Die Brandschutzvorschriften verbannten den Werkstoff Holz aus solch sensiblen Zonen. Verbesserte Produktionsmethoden ergeben hochwirksame Hitzeschilder! Liftschächte aus Holz? – Ja gern!

Gezieltes Marketing zeigt weitere wichtige Argumente für den Holzbau auf: Bestechende Wärmedämmwerte, die Langlebigkeit, die ökologische Bauweise, das angenehme Wohnambiente und die Ästhetik. Dazu kommt das gestiegene Bewusstsein für Swissness. Schweizer Holz boomt.

Und was den Borki samt Familie mit Cousins und deren Gang betrifft: Grossherzig beruhigen sie den tierliebenden Teil der Menschheit. «So leicht lassen wir uns nicht unterkriegen. Wir haben noch einige Geheimtipps für opulente Gastmähler auf Lager. Hungern muss niemand.»

In der Sägerei ist man für die grosse Nachfrage gerüstet
Hohe Bretterstapel stehen bereit für den Abtransport

Vorgefertigte Elemente für den Holzhausbau in der Werkstatt von Holzbau Wernli in Thalheim

Einige Fakten
In der Schweiz macht der Holzbau aktuell 14% des gesamten Bauvolumens aus. Zum Vergleich: In Österreich sind es gegen 30%!
Rund ein Drittel aller Umbauten werden in der Schweiz aus Holz realisiert.
18% aller neuen Einfamilienhäuser sind in der Schweiz aus Holz, Tendenz steigend. 2011 waren es erst 12,6%. Der entsprechende Wert bei Mehrfamilienhäusern beträgt 6% (vor 10 Jahren 2%). «Der Mehrgeschossbau aus Holz boomt. Seit 2011 sind Mehrfamilienhäuser die grössten Abnehmer von Holz.»

*

Holzbau Theo Wernli AG, Thalheim, realisiert individuelle Holzhäuser im Elementbau. Die Erfahrung des Unternehmens umfasst Einfamilienhäuser, Mehrfamilienhäuser, Anbauten und Aufbauten. Die Gebäude aus den vorgefertigten Elementen werden innert 1-2 Tagen aufgerichtet.

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Auf dem Holzweg

«Holz liegt im Trend.» Eine überraschende Aussage! In unserer schweizerischen Wahrnehmung bringen wir Holz als Baustoff eher mit traditionellen Gebäuden in Berggebieten in Verbindung. Mit oft jahrhundertealten Blockbauten, Ställen, Scheunen und Chalets. Das mag nach Alpenrosen- und Kuhglockentourismus schmecken, nach Heidi und Alpöhi. Aber hallo: Topmoderne, frech konzipierte Kreationen aus Holz sind echte Hingucker.

Palais de l’Equilibre. Temporärbau zur Schweizer Landesausstellung EXPO.02. Wiederaufbau 2004 im CERN in Genf (Bildnachweis: Frédéric Beaud, Stetten/LIGNUM)

Holzpavillon Ungarns an der Weltausstellung Hannover 2000 (Bildnachweis: Andrea Bernasconi, HES-SO Yverdon/LIGNUM)

Freilager-Areal, Zürich, 2016. Sechsstöckige Langhäuser (Bildnachweis: Michael Meuter, Zürich/LIGNUM)

Chesa Futura in St. Moritz, 2003 (Bildnachweis: Team Chesa Futura/LIGNUM)

Passerelle Bahnhof West, Bern (2005) (Bildnachweis: Corinne Cuendet, Clarens/LIGNUM)

Aussichtsturm «Kupla» (Blase) im Zoo von Helsinki, 2002 (Bildnachweis: Jussi Tiainen, NTC/LIGNUM)

Saldome in Riburg, 2005 (Bildnachweis: Häring, Pratteln/LIGNUM)

Das urbane Chalet steht (noch!) nicht auf dem Radar der Bauherren. Und dies, obwohl es sich längst vom Wald- und Jägerhüttenimage emanzipiert hat. Der Zürcher Architekt David Belart, Liegenschaftsexperte bei Wüest Partner, vermutet den Grund dafür im hohen Wohlstand von Schweizer Bauherren. Viele fokussieren auf Ziegelstein- oder Betonbauweise. Den kostengünstigeren Baustoff Holz erachten sie – völlig zu Unrecht! – als minderwertig. Das könnte sich bald ändern. Holzbauten eröffnen schier unbegrenzte architektonische und gestalterische Spielarten. Das gilt auch für vorgefertigte Häuser.

Der einleitende Gedanke stammt von Sonja Schwarz, Leiterin Bauberatung beim Hauseigentümerverband Aargau und freischaffende Architektin. «Holz gilt heute als sehr modern. Es verkörpert top aktuelle Eigenschaften: ökologisch wertvoll, geringer Verbrauch an grauer Energie, extrem dauerhaft, gutes Wohngefühl.» Und mit Blick auf die Bauherrschaft: «Der Markt ist da: umweltbewusste, moderne, kreative Menschen.»

Kaum Ärger
In ihrer Stellung beim Hauseigentümerverband hat Sonja Schwarz oft mit Streitigkeiten während der Bauphase und in der Garantiezeit zu tun, mit Problemfällen aller Art. «Darunter sind so gut wie nie Holzhäuser in Fertigbauweise.» Sie liefert gleich eine Begründung. «Beim vorgefertigten Holzhaus haben Sie einen einzigen Ansprechpartner. Das ist bei einem konventionellen Haus anders. Da treten eine Reihe verschiedener Handwerksbetriebe auf den Plan. Das erhöht die Anfälligkeit für Fehler bei den Detaillösungen und Schnittstellen.»

Gemäss Sonja Schwarz bieten Holzhäuser im Vergleich zu Steinhäusern Vorteile: Sie haben ein geringes Eigengewicht; aufwändige Fundamente sind nicht nötig, was vor allem bei problematischem Untergrund ein wichtiges Kriterium ist. «Holzbauten sind widerstandsfähiger. Sie besitzen eine gewisse Elastizität, können sogar Bewegungen aufnehmen.» Sie lassen zudem eine Gestaltungsvielfalt der Fassaden zu. Anderseits sind Improvisationen während des Baus praktisch unmöglich; kurzfristige Änderungswünsche sind kaum umsetzbar. Diese Bauweise verlangt ein frühzeitiges, detailliertes Planen.»

Und die Kosten?
Wenn man die reinen Erstellungskosten vergleicht, ist ein vorgefertigtes Holzhaus kaum günstiger als ein konventionell erstelltes. Betrachtet man jedoch die geringen Unterhaltskosten und die Lebenszykluskosten, von der Erstellung bis zur Entsorgung, schneidet das Holzhaus deutlich besser ab. Eine sorgfältige Planung und ein einfaches Gebäudevolumen reduzieren Kosten bei einem Holzbau massiv.

Dieser Gedanke führt Schwarz zu den Produzenten von Holzhäusern. «Es lohnt sich, eine erfahrene Firma zu wählen. Auf dem Schweizer Markt gibt es versierte Anbieter.» Schwarz kann sich eine Entwicklung hin zu standardisierten Modellen mit erprobten Detaillösungen vorstellen.

Sonja Schwarz wird beinahe euphorisch: «Mit Holz und Holzwerkstoffen sind heute faszinierende Konstruktionen möglich. Holzbauten haben ein völlig neues Image.»

*

Die Firma Theo Wernli AG in Thalheim hat schon eine beträchtliche Anzahl an vorgefertigten Holzhäusern produziert. Einige davon hat sie sogar nach Übersee geliefert. Zu ihrem Erfahrungsbereich gehören ferner Auf- und Anbauten in gleicher Bauweise.

In der Firma Theo Wernli AG ist ein vorgefertigtes Holzhaus in Arbeit

«Kupschina» Mehrfamilienhaus Holzelementbau in Kirchdorf. Bauvorbereitung, Aufrichten, Montage Holz-Metallfenster, Fassade, Dach durch die Firma Theo Wernli AG, Thalheim

«Kupschina» Mehrfamilienhaus Holzelementbau in Kirchdorf. Bauvorbereitung, Aufrichten, Montage Holz-Metallfenster, Fassade, Dach durch die Firma Theo Wernli AG, Thalheim

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Fenster altern – aber bitte nicht zu schnell!

«Mensch, das zieht ja wie im Hühnerstall. Bitte schliess doch das Fenster.» – «Was? Die Fenster sind alle geschlossen!»

Fenster sollen erfreuen, nicht ärgern. Bei guter Pflege fast ein halbes Jahrhundert lang. Fenster haben mehrere Funktionen. Sie lassen das Licht in die Wohnung. Sie ermöglichen die Zufuhr frischer Luft. Sie halten die Nässe ab. Sie schützen vor Durchzug. Und sie erschweren den Temperaturausgleich von Innen- und Aussenraum; sie isolieren die Wohnung. Alte, schlecht gepflegte Fenster werden diesen Ansprüchen nicht mehr gerecht. Schlechte Fugen dichten nicht mehr ab; geschwächte Isolationen ermöglichen das Eindringen von Feuchtigkeit. Rissiger Lack führt zu Fäulnis des Fensterholzes.

*

Hier ist die Rede von der Lebensdauer verschiedener Fenster. Welchen Einfluss hat die Pflege? Was ist bei Schäden, Beeinträchtigungen zu tun? Raoul Wettstein von der Theo Wernli AG, Fenster- und Holzbau, Thalheim, gibt Auskunft.

Es gibt Holz-, Holz/Aluminium- und Kunststofffenster. Welchen Einfluss haben die Materialien auf die Lebensdauer?
Fenster haben unabhängig vom Material eine Lebenserwartung von 30 Jahren. Mit alten Fenstern lässt sich allerdings kein Minergie-Standard erreichen. Heutige Fenster isolieren grundsätzlich sehr gut; man spart Heizkosten. Auch punkto Stabilität – Stichwort Einbruchschutz – gibt es laufend Verbesserungen. Für optimale Werte empfiehlt es sich deshalb, die Lebensdauer der Fenster nicht allzu sehr auszureizen.
Die Kombination Holz/Aluminium garantiert gegenüber Holz einen verbesserten Schutz vor Nässe und andern Umwelteinflüssen. Dadurch steigt die Lebenserwartung.
Kunststofffenster sind zwar günstiger, aber die UV-Strahlung und die Abgas-Einwirkungen setzen ihnen mehr zu, und das verkürzt die Lebensdauer. Allerdings kommen immer wieder neue Kunststoffe auf den Markt mit verbesserten Werten.

Eiche, Föhre, Fichte – welche Holzart empfehlen Sie?
Ganz einfach: Je härter das Holz, desto resistenter ist es. Eiche ist widerstandsfähiger als Fichte. Bei guter Pflege spielt die Holzart jedoch nur eine untergeordnete Rolle. Aus unserer Praxis kenne ich keine massiven Schädigungen von Holzfenstern. Höchstens solche, die beim Einbau passiert sind.

Thema Fensterpflege?
Fenster sind anspruchslos. Metallteile mit Autopolitur auffrischen, das Glas und die Holzteile einfach reinigen. Für die Beschläge empfehlen wir alle fünf bis sechs Jahre einen Service (Richten, Ölen, Fixieren), damit die Funktion erhalten bleibt. Es ist wie beim Auto. Wer es regelmässig in den Service gibt, darf für sein Fahrzeug eine längere Lebenszeit erwarten. Bei vielen unserer Kunden übernehmen wir diesen Service.

Woran erkennt man ein geschwächtes Fenster? Und wie ist damit umzugehen?
Geschädigte Fenster wackeln oder klemmen; sie sitzen nicht mehr einwandfrei im Rahmen. Weitere Merkmale sind Farb- oder Lackschäden, defekte und harte  Dichtungen, abgerissene Fugen zwischen Glas und Flügel, beschädigte Verglasungsgummis – alles Hinweise auf Handlungsbedarf.
Vieles lässt sich reparieren. Ein anderer Ansatz ist das Nachrüsten mit Aluminium-Abdeckungen. Allerdings empfiehlt es sich immer, eine einfache Rechnung anzustellen: Wie alt sind die Fenster? Was kostet die Reparatur? Wie gross ist der Nutzen? Unter Umständen ist es sinnvoller, noch einige Jahre zu warten und dann neue Fenster einzusetzen.

Vor 150 Jahren: Schon damals verbesserten bearbeitete Latten die Qualität und die Ästhetik der Fensterflügel. Zapfen hielten die Holzlatten zusammen
Eine Klammer presst das Flügelholz an den Fensterrahmen

Kitt hält das Glas (noch) im Fensterflügel

Im Querschnitt wird deutlich, wie schlecht das Rahmen- und das Flügelholz ineinander greifen

Querschnitt eines modernen Fensters: ein ausgeklügeltes System aus Holz-, Aluminium-, Kunststoff- und Gummiteilen

Die Beschläge sind so stabil, dass die Fenster passgenau in den Rahmen greifen

Die Aluminiumteile schützen das Holz und verhindern das Eindringen von Wasser

Ungefährer Anteil neu hergestellter Fenster:
Diese Zahlen basieren auf Branchenumfragen sowie auf Angaben des Bundesamts für Statistik.

  • 50% aus Kunststoff
  • 40% aus Holz/Metall
  • 10% aus Holz

Zur Lebensdauer von Fenstern macht der Verband keine abschliessenden Angaben. Er spricht von der «Gebrauchsdauer», die unabhängig vom Material bei 25 Jahren liegt. Die effektive Lebensdauer hängt von einer ganzen Reihe äusserer Faktoren ab, zum Beispiel von der Exposition des Fensters, der Pflege, der Fensterumgebung, der Gebrauchsintensität oder dem Zweck, den die Fenster erfüllen sollen.

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Fenster verstehen keinen Spass

Gibt es etwas Selbstverständlicheres, etwas Alltäglicheres als ein Fenster? Machen wir uns je Gedanken, was an Know-how und an handwerklichem Können dahinter steht?

Walter Schumacher, Fensterplaner bei Theo Wernli, sitzt am Computer. Beim Zeichnen von Fenstern gibt es für ihn keine Kompromisse. Die Masse müssen stimmen. Millimetergenau. Auf jedem Plan. Bei Fenstern kannst du nicht nachbessern, nicht schummeln. Ungenauigkeiten haben erhebliche Konsequenzen: reduzierte Wärmedämmung, Auftritt von Feuchtigkeit, Spannungen im Holz, Anpressdruck aufs Glas.

So exakt wie die Fensterpläne für das neue Haus von Martin*, so präzis sind Schumachers Erläuterungen. Weit zurück liegt die Zeit, als ein Fensterflügel aus einem einfachen Holzlattli bestand, in das eine Scheibe eingelassen war. Heute sind Fensterflügel und -rahmen ausgeklügelte Systeme, verwinkelte Konstruktionen aus Holz, Metall, Kunststoff, Gummi und Glas, erhältlich in Hunderten von Varianten. Für den Neubau von Martins Haus hat Schumacher jedes einzelne Fenster, die Schiebetüren und den von Glas bestimmten Eingangsbereich individuell geplant und gezeichnet.

Herr Schumacher, die Fenster dieses Hauses sollen «sehr edel» sein. Warum «edel»?
In erster Linie sind damit die Holzart und deren Verarbeitung gemeint. Die Flügel und Rahmen sind wie das Parkett aus hochwertigem Eichenholz. Die für den Fensterbau erforderliche Eichen-Qualität ist nur schwer verfügbar und entsprechend teuer. Zudem haben wir das Holz geölt. So bleiben die Poren des Holzes offen. Dadurch wirkt das Holz naturbelassen, in seinen Strukturen klar sichtbar. Für uns als Fensterbauer ist das Verfahren anspruchsvoll, denn allfällige Unregelmässigkeiten des Holzes lassen sich nicht durch einen deckenden Anstrich ausgleichen. Und nicht zu vergessen: Eichenholz ist sehr hart. Es lässt sich weniger leicht bearbeiten als das sonst übliche Holz von Nadelbäumen.

Walter Schumacher erstellt für jedes Fenster eine exakte Planzeichnung

Südfront des Hauses: grosse Fensterflächen im Erdgeschoss

Das ovale Fenster prägt die Ostfront des Hauses

Ovales Fenster mit Aluminiumrahmen

Eingangsbereich in Riegelbauweise

Wintergarten mit Schiebetüren und Fenstertüre (links)

Treppenhaus vor Fensterwand

Im ersten Obergeschoss: Eichenholz und grosse Fensterfläche

Lichteinfall ins Badezimmer

Der Balkon im Obergeschoss mit grosser Schiebetüre und Fenstertüre (links)

Welche besonderen Eigenschaften haben die hier eingebauten Fenster?
Es sind Holz-/Metallfenster mit weit überdurchschnittlichen Isolationswerten. Sie bieten zudem einen hohen Schallschutz. Bei Fenstern dieser Grössenordnung spielt auch die Bruch- und damit die Absturzsicherheit eine wichtige Rolle.

Ein anspruchsvolles Unterfangen.
Das kann man sagen! Es handelt sich um grosse Glasflächen und folglich um erhebliche Gewichte. Das trifft zum Beispiel auf die Schiebetüren zu. Besonders herausfordernd gestaltete sich der Eingangsbereich. Als Tür- und gleichzeitig Fensterrahmen dient ein relativ schmaler Pfostenbau, vergleichbar mit der Riegelbauweise, wie man sie bei alten Gebäuden antrifft. Vor andere Probleme stellte uns das ovale Fenster im Obergeschoss. Hier wie bei allen andern Fenstern waren absolut exakte Massangaben unabdingbar. Abweichende Werte führen unweigerlich zu Materialschäden, zum Beispiel zu Glasbruch.

Sie haben das Glas direkt auf der Baustelle eingebaut?
Ja, das stimmt. Die Fensterflügel und die Rahmen haben wir vorgängig in unserer Werkstatt zusammengebaut. Erst als sie im Neubau fest montiert waren, setzten wir das Glas ein.

Grosse Fenster sind gut und recht, aber wie sieht es mit dem Unterhalt aus?
Moderne Fenster verlangen keinen Unterhalt, weder in ihren Holz- noch in den Metallteilen. Das Glas muss natürlich gereinigt werden. Moderne Technologien bei der Glasherstellung – Stichwort Nanotechnologie – reduzieren den damit verbundenen Aufwand markant: Die Oberfläche des Glases nimmt Schmutz- und Staubteilchen weniger an.

Entspricht diese Art Fenster einem Trend?
Ganz klar. Heutige Bauherren holen viel Tageslicht ins Innere der Wohnung, und sie suchen einen möglichst guten Sichtkontakt nach draussen, ganzjährig. Technisch lässt sich das ohne weiteres umsetzen. Positive Nebeneffekte: Die Architektur wirkt grosszügig, und die Energiebilanz weist verbesserte Werte auf. Dies vor allem aufgrund der energetisch ausgeklügelten Fenstersysteme.

Walter Schumacher löst den Blick von den Fensterplänen. «Es war ein anspruchsvoller Auftrag. Eine Herausforderung von grossem Reiz.» Berufsstolz schwingt mit. Zu Recht!
* Name geändert

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Vom Filetstück zum Fensterflügel

Nein, nein, Sie! Fenster ist nicht gleich Fenster. Ein Besuch bei Theo Wernli in Thalheim verrät: Da gibt es Metall- oder Holzkonstruktionen. Oder Metall und Holz im Verbund. – Bleiben wir mal beim Holz. Es muss Fichten-, Tannen- oder Föhrenholz sein. Tadellos gewachsen. Enge Jahrringe, gleichmässig angeordnet. Keinerlei Irritationen durch Astwuchs. Vom untersten Drittel des Stammes, dem Klotzstück. Höchste Ansprüche. Raritäten.

Und dann gehts erst recht los. Bis zum fertigen Fenster ist es noch ein weiter Weg. Transportieren, sägen, trocknen, lagern, zuschneiden, hobeln, fräsen, schleifen, verleimen, grundieren, malen, ausrüsten, montieren. Nichts für Bastler; da brauchts Profis.

Am Anfang steht ein Vertrauensmann
Heinz Däster. Er weiss, dass für die Fensterfabrikation nur tadellos gewachsene Föhren, Tannen oder Fichten infrage kommen. «Nur die Filetstücke», sagt er.
Kennzeichen von brauchbarem Holz
Die Jahrringe liegen eng und regelmässig nebeneinander. «Feinjähriges Holz» heisst das im Fachjargon.
Holzstücke mit «Buchs» sind unbrauchbar
Im gelblichen Bereich haben einige Jahrringe grosse Abstände. Das Wachstum verlief «exzentrisch». Ein Fensterrahmen aus diesem Holz verzieht sich leicht.
Geeignete Fichtenstämme
Heinz Däster hat schön gewachsene Fichtenstämme gebracht, sogenannte «Klotzstücke» aus dem untersten Stammabschnitt. Geschäftsführer Beni Wernli betont: «Wir sind weit und breit die einzigen Fensterbauer, die das Holz selber einkaufen.»
Draussen
Die auf Leistenformat gesägten Baumstämme trocknen im Freien ...
Drinnen
... oder in den Lagerräumen der Theo Wernli AG.
Fensterfertigungsstrasse
In der grossen Werkhalle ist alles für die Fensterproduktion vorbereitet. Die Fensterfertigungsstrasse läuft durchschnittlich an einem Tag pro Woche. Jeder Fenstertyp hat seine eigenen Holzprofile. Die Firma bietet ungefähr 300 unterschiedliche Profil-Typen an. Pro Arbeitstag entstehen zwischen 50 und 200 Fenster.
Holzleisten
Die Holzleisten sind noch in ihrem Rohzustand aufgestapelt. Sie sind ungefähr auf das verlangte Mass abgelängt.
Jeder Auftrag individuell
Werkmeister Christian Ging überprüft die Computereinstellungen der Fensterfertigungsstrasse. Wernli Fensterbau kennt keine Serienproduktion. Die Arbeitsvorbereitung bündelt die Aufträge und übermittelt sämtliche Masse online an den Computer der Produktionsstrasse.
Hobeln
Das Werkstück fährt in die Produktionsstrasse ein. Als erstes wird es auf allen vier Seiten gehobelt.
Geschlitzt, gekürzt, geschliffen
Das Holzstück ist auf das genaue Mass gekürzt und feingeschliffen. Schlitze und Zapfen sind angelegt.
Fräsen und kennzeichnen
In einem weiteren Schritt fräst die Maschine die Längsprofile ein und bezeichnet jedes Werkstück lasertechnisch mit der Auftragsnummer.
Sinnvolle Wiederverwertung
Bei der Produktion entstehen grosse Mengen an Sägespänen und Sägemehl. Ein Lüftungssystem befördert diese Teile in einen extern angeordneten Sammelbehälter. Das Sammelgut verwendet Wernli zum Heizen.
Zwischenhalt
Gruppiert nach Auftragsnummern warten die Leisten auf ihre weitere Verarbeitung.
Kein Rohling mehr
Aus einer rohen Leiste ist ein für den Fensterflügelbau fertig vorbereitetes Werkstück entstanden. Der ganze Prozess hat kaum eine Minute gedauert. Pro Tag schaffen die 42 Elektromotoren der Maschine bis zu 800 Teile.
Jetzt wird geleimt ...
Die Schlitze der Flügelleiste werden unter Druck mit Weissleim bestrichen.
... und zusammengefügt
Die Flügelpresse fügt die vier Holzteile zusammen.
Passt!
Das Ganze passt tadellos.
Fensterflügel Im Rohzustand
Nachdem ein Mitarbeiter alles gereinigt und allfällig herausgepressten Leim weggewischt hat, bringt er den fertigen Fensterflügel in die Malerei.
Bearbeitetes Flügelholz
Die Fensterflügel sind grundiert, lackiert und zum Trocknen aufgehängt.
Trocken, aber noch längst nicht fertig
Ein fertig gespritzter Fensterflügel wartet auf dem Werktisch auf die weitere Behandlung.
Ab zum Kunden
An genau definierten Stellen sind die Beschläge festgeschraubt. Die weiteren Arbeiten am Fenster erledigen die Wernli-Mitarbeitenden auf der Baustelle: Griffe montieren, das Glas einsetzen, den Rahmen fixieren, die Fensterflügel einsetzen.

 

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Poesie in der Pferdemetzgerei

Zugegeben: Eine Pferdemetzgerei ist dieses schmale Gebäude in der Aarauer Altstadt schon längst nicht mehr. Aber es war mal eine. Immerhin.

Und was die Poesie betrifft: Gedichte rezitiert hier niemand, obwohl – warum eigentlich nicht? Vorstellbar wäre das ohne weiteres. Poetische Anklänge bietet das Haus auf Schritt und Tritt. Der Lichteinfall, die Stoffauswahl, die Spiegel, die Gestaltung der Nischen, der Kofferkiosk … geschmackvolle Lebendigkeit. Das alles entfaltet seinen Reiz vor dem architektonischen und handwerklichen Hintergrund. Bis zum Umbau und der Neueinteilung des Raumprogramms war das Gebäude nicht gerade eine Perle. Eine simple Gelateria. Keine Rede von Poesie. Aber der Besitzerwechsel eröffnete ein neues Kapitel in der langen Geschichte dieser Liegenschaft, die im frühen 14. Jahrhundert beginnt.

Kaum kalkulierbar
Im Oktober 2014 erwarben neue Besitzer das Haus an der Pelzgasse 31. Hinter dem Kauf stand eine feste Absicht: Sie wollten ein Bed & Breakfast einrichten. Das bedingt viel mehr als eine Auffrischung des Innenlebens: Alte Gebäude bergen immer bauliche Überraschungen. Ein Abenteuer mit schwer kalkulierbarem Ausgang. Wie in solchen Fällen üblich, einigten sich deshalb die neuen Eigentümer und Beni Wernli aufgrund einer Kostenschätzung.

Zwischen Beni Wernli und den neuen Hausbesitzern besteht seit einer Reihe von Jahren ein enges Vertrauensverhältnis. Als Geschäftsführer der Fenster- und Holzbaufirma Theo Wernli AG in Thalheim hatte Beni schon mehrfach Aufträge für das Ehepaar Graf ausgeführt und dabei sein Geschick, seine Improvisationsgabe und seine Zuverlässigkeit bewiesen.

Beni hat sich an den Tisch gesetzt. «Es war nicht das erste Mal, dass wir es mit einem Altstadthaus zu tun hatten. Ein ganzes Haus, Fenster, Türen, Böden, Wände, Decken, Treppen – das ist für uns etwas Besonderes: herausfordernd und reizvoll. Wir nutzten die Gelegenheit, die ganze Bandbreite unserer Geschäftstätigkeit aufzuzeigen.» Die ganze Bandbreite: Dazu gehören unter anderem die Konstruktion und der Einbau von neuen Fenstern, von einem handgehobelten Eichenparkett, von Ständerwänden für die neuen Badezimmer, von Brandschutztüren, Dachfenstern, Einbauschränken und Türen samt Beschlägen. Speziell hervorzuheben sind «die wunderschöne Eingangstüre» (zit. neue Besitzer) und der Altholztisch. Der runde Aufgang für die Wendeltreppe samt der entsprechenden Verschalung war handwerklich besonders anspruchsvoll. «Und mehrere Nasszellen – wie in einem Hotel!»

Über verschalten Radiatoren öffnet eine gemütliche Sitznische den Blick in die Pelzgasse
Das Erdgeschoss mit dem Aufenthalts- und Frühstücksraum und der Küche. Die alten Balken sind aufgefrischt. Das Treppenhaus ist durch eine Brandschutztüre (auf dem Bild nicht sichtbar) gesichert
Alte Balken und Eichenparkett im ersten Obergeschoss. Diskret fügt sich die Türe zur Nasszelle ins Gestaltungsbild
Ein Schlafraum: grosszügig, stilvoll, poetisch
Die dazugehörende Nasszelle mit Schiebetüre
Schlafzimmer und Nasszelle im zweiten Obergeschoss
Einbauschränke vervollständigen die Ausstattung
Schlafraum im dritten Obergeschoss mit transparentem Raumteiler
Grosszügige Raumgestaltung
Bewusst ruhig gewähltes Farbprogramm
Aufenthaltsraum im Dachgeschoss, im Vordergrund der Altholztisch
Eigene Kochnische im Dachgeschoss. Eine Wendeltreppe führt ins «Schlafzimmer» hinauf
Die renovierte Eisentreppe mit ihren neuen Holzstufen
Der Schlafraum befindet sich direkt unter dem Dach

Balken und eine Münze
Es war ein Herantasten, ein Aufspüren von Möglichkeiten. Und wie immer, wenn man sich einem Menschen oder einer Sache mit Empathie nähert, verstärkt sich die innere Bindung. Dazu gehört der Respekt vor dem Alter der Liegenschaft: Untersuchungen an den Balken ergaben, dass der Baum 1324 gefällt wurde! Vor fast 700 Jahren haben also Menschen irgendwo in der Gegend um Aarau eine Tanne geschlagen und daraus Balken gesägt und gehauen, sie mit Pferd und Wagen in die Aarauer Pelzgasse transportiert, abgeladen und wohl mit Seilzügen auf das Mauerwerk gehoben. Wie mögen die Menschen damals gesprochen, gesungen und geflucht haben? Wie geschlafen, was gegessen, wie geheizt, wie sich gekleidet und frisiert?

Übrigens musste Beni Wernli zwei Balken ersetzen. Konsequenterweise aber nicht mit jungem Holz! Auf dem Fachmarkt kaufte er zwei ebenfalls sehr alte Balken und baute sie ins Haus «Zum Graf» ein, gleichsam als Dauergäste im Bed & Breakfast.

Und plötzlich klimperte es. Wo genau die Silbermünze herkam, wusste danach keiner der Handwerker mehr. Sie fiel einfach zu Boden, während die Arbeiter eine neue Treppe einbauten. Ein Silberecu aus dem Jahr 1727. Auf der einen Seite mit dem Kopf des Königs Louis XV, auf der andern das königliche Wappen und in lateinischer Sprache der Satz «Der Name des Herrn sei gesegnet». Ein Gast hätte sich damit einen einwöchigen Aufenthalt mit Mahlzeiten in einer Schenke leisten können. Wer besass wohl diese Münze? Was wollte er damit bezahlen? Warum blieb sie im Haus? – Spannende Fragen bleiben unbeantwortet.

Im Mai 2016 kamen die ersten Gäste; im Juni fand die offizielle Eröffnungsfeier statt. Seither ist das Bed & Breakfast fast immer ausgebucht. Interessante Gäste von nah und fern. Zwei von ihnen waren übrigens Beni Wernli und seine Gattin, die für ihren Hochzeitstag die «Suite» buchten. Sie und alle andern trafen hier auf ein Haus mit Ambiente, ein Gebäude, das die Atmosphäre einer weit zurückreichenden Geschichte und den Charme einer poetischen Innengestaltung mit der Gastfreundschaft der Eigentümer vereint.

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Fenster- und Holzbau
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