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Gitarrenklänge aus der Schweiz

«Wir messen die Stärke unserer Wirtschaft nicht daran, wie viele Milliardäre wir haben. Sondern daran, dass Leute mit guten Ideen ein Risiko eingehen.» Das sagt Barak Obama, wenn er über die Ökonomie der USA spricht. Und was im Grossen Amerika gilt, gilt auch im Kleinen. In Sempach, im Kanton Luzern, haben zwei Visionäre ihren Traum vom eigenen Unternehmen verwirklicht und damit ein musikalischen Beben ausgelöst. Dieses spürt man sogar in Amerika.

Er hatte keine Ahnung, wie lange er schon diesem Gedanken, diesem Wunsch nachhing, alles hinzuschmeissen, weg vom Jobprofil «Marketing- und Verkaufsleiter». Neue Wege gehen. Seine Berufung leben. Sein eigener Chef sein. Sein eigenes Produkt lancieren.

Die innere Stimme war mittlerweile so laut und klang so selbstsicher, dass sie die wagen Zweifel übertönte. Er wusste, was seine Eltern und Freunde sagen würden: «Was willst du in eine Branche investieren, die in der Schweiz keiner kennt? Ausgerechnet Gitarrenbauer!» Bemerkungen dieser Art waren nichts Neues. Und eigentlich nur gut gemeint.

Silvan betrachtete die tiefen Spuren, die er im Neuschnee hinterlassen hat. Seit anderthalb Jahren setzt er sich nun schon dieser Dreifachbelastung aus: Sozialstudium, Nebenjobs und gleichzeitig eine neue Firma aufbauen. Das wiegt schwer. «Schluss damit», murmelt er, sein Blick wieder nach vorne gerichtet. Das Leben verlangte nach einer Entscheidung. «Ich bin Unternehmer. Ende. Aus.»

«Warum versucht ihr nicht eine Me-Too-Strategie?» «Auf keinen Fall!» Pirmin ist diese Frage leid. Er ist gelernter Industriedesigner. Und das mit Stolz. Niemals würde er Bestehendes kopieren. Ok, zugegeben, eine Fender- oder eine Gibson-Gitarre in höchster Schweizer Präzision zu imitieren, wäre erfolgsversprechender. Günstiger. Einfacher.

Aber nein, und nochmals nein!
Solche Argumente lässt Pirmin nicht gelten, schliesslich hat er für sein Semesterprojekt bereits eine Gitarre entworfen, hat ganze Vorarbeit geleistet, bewiesen, welche Ideen in ihm stecken; eine Gitarre mit neuem Klangbild, einer Sandwich-Konstruktion und hochwertigen Materialien wie Bambusgriffbretter, Hochdrucklaminate, Aluminium, sensorgesteuerte Pickup-Anwahl und dergleichen. Durch und durch individuell in der Handhabe und modern im Design. Swiss made eben. Nach 60 Jahren Status quo, Trägheit und verstaubter Tradition ist der Markt überreif für Hightech aus der Schweiz. Davon ist er überzeugt.

Also kein Abweichen von den Plänen. Warum auch? Es braucht einzig ein Umdenken, die richtigen Produktionspartner, motivierte Mitarbeitende, ein professionelles Marketing. So einfach ist das. «Einfach?» Silvan traut sich und seinem Geschäftspartner vieles zu. Aber ohne viel Startkapital, ohne einen Prototyp in der Hand wird das Umsetzen ihrer Geschäftsidee bestimmt nicht einfach.

Prototypen müssen her
«Liebes Werder-Team …» Raphael Vögtli überfliegt noch einmal die Zeilen im E-Mail. «… Im Anhang befindet sich ein Foto und eine 2D-Zeichnung eines Aluminiumrahmens, das ich in einer ersten Serie von 100 Stück herstellen möchte. Wären Sie interessiert an der Herstellung dieses Werkstücks?» Hmmm, Raphael kratzt sich am Hinterkopf. Interessiert schon, nur wer finanziert die Produktionsserie? Hat Pirmin Giger eine Ahnung, was allein das Herstellen von Prototypen kostet? Ein Start-up mit begrenztem Budget, ohne etwas vorzuweisen. Spannend. Das wird sich der Chef bestimmt genauer ansehen wollen.

Normalerweise lässt sich Silvan kaum aus der Ruhe bringen. Aber nun ist auch er nervös. «Wir werden Claude Werder vom Potenzial unserer Gitarre überzeugen müssen», sagt er bereits zum dritten Mal innerhalb einer Stunde. Pirmin nickt. Im Licht der Lampen sehen die Zahlen auf Silvans Strategiepapier so aus, als gäbe es nicht viele Alternativen.

Starke Partner müssen her. Partner, die nicht nur höchst präzise arbeiten sondern die Geschäftsidee auch mittragen und mitdenken. Sonst wird das nichts mit ihrem Nischenprodukt. «Wenn wir jetzt nicht mit Begeisterung überzeugen, Emotionen rüberbringen, haben wir auch auf Fachmessen, bei den Distributoren, Ladenbesitzern und Endkunden keine Chance.»

Teures Swiss made, dafür ohne Qualitätseinbussen
Silvans Argumente leuchten unter dem gelben Highlighter wie die Neonlichter an der Decke. Schlimmer noch. Silvan umkreist mit dem Stift das rote «Swiss-Made-Label» auf seiner Präsentation. Sie würden im Ausland produzieren müssen. Das bedeutet zwar billigere Mannstunden, dafür schlechtere Maschinen und das bedeutet Qualitätseinbussen.

Zwanzig Minuten bleiben noch bis zum Treffen mit Werder. Jetzt nur nicht aufgeben. Tief durchatmen. Positiv denken. Firmen wie Hublot, Tesla und Apple haben es schliesslich auch geschafft, sich in einem gesättigten Markt zu positionieren, und das mit grossem Erfolg.

«Tja, manchmal braucht man eben Glück.» Raphael Vögtli füllt seine Tasse mit Kaffee und setzt sich wieder an Werders Tisch. «Ein E-Mail zum richtigen Zeitpunkt an die richtige Firma …» «Ach was, zum Teufel mit dem Glück», nun stand auch Werder auf, ohne die Skizzen, die ihm Silvan übergeben hatte, aus den Augen zu lassen. «Es braucht Leidenschaft! Glück lässt keine Funken springen. Aber ehrliche Begeisterung ist ansteckend.»

Die Skizzen auf dem Pult zeigen verschiedene Aluminiumrahmen, an denen Steg und Hals montiert sind. Das verleiht der Konstruktion enorme Stabilität und fördert die Schwingungsübertragung. «Das Konzept ist clever», denkt Werder, während er vor den Zeichnungen stehen bleibt. «Hier und dort noch etwas nachkorrigieren, damit senken wir zusätzlich die Produktionskosten.»

Fünf spannende Jahre später
Pirmin sitzt an seiner Fräsmaschine, in zehn Minuten ist Pause. Zeit zum Verweilen bleibt ihm keine. Bodenständig schweizerisch führen die beiden Initianten ihr innovatives Gitarrenprojekt konsequent weiter und wirbeln dabei mächtig Staub auf. Die Schweizer können es einfach, ohne Wenn und Aber. Dafür ernten sie Lob und Respekt von den Amerikanern, den Gibson- und Fender-Fans. Und das macht sie zu stolzen Unternehmern!

Überheblich sind sie trotzdem nicht geworden, die beiden Jungs. Die Köpfe sind voller Ideen und die Ziele hochgesteckt, so hoch, dass einem etwas schwindlig wird. «Im Jahr 2023 wollen wir 4000 Gitarren produzieren.» Das ist ein ganzes Prozent am E-Gitarren-Weltmarkt im Premium-Segment! «Ach was, wir werden die Amerikaner kaum das Fürchten lehren», winkt Silvan ab, «dafür sind wir viel zu klein.» Von wegen: Relish Guitars werden die Gitarrenszene erobern!

Vier Tipps für Start-ups:

  • Es zahlt sich nicht aus, die Produktion ins Ausland zu verlagern. Wir haben gelernt, dass man in der Schweiz mit guten Partnern genauso effizient und wertschöpfend arbeiten kann.

  • Es lohnt sich, Einzelteile eigens herzustellen oder herstellen zu lassen. Das Entwickeln braucht zwar Zeit, dafür profitiert man von einer besseren Qualität und somit einer besseren finanziellen Zukunft.

  • Events für Start-ups sind gute Plattformen, um Partner mit spezifischem Know-how kennenzulernen. Wissen auszulagern, ist oft besser und effizienter.

  • Stehen Sie hinter Ihrem Produkt. Seien Sie nicht zurückhaltend, sondern überzeugen Sie die Endkunden und Distributoren vom Mehrwert Ihres Produkts.

Relish Guitars
Pirmin Giger und Silvan Küng verbindet die gemeinsame Leidenschaft für Gitarren. Die Idee, E-Gitarren vollkommen anders als bisher herzustellen, schweisste sie als Business-Partner zusammen. Ihre Methode, die sogenannte Sandwich-Konstruktion, ist die erste echte Innovation auf dem E-Gitarrenmarkt seit über 60 Jahren. Sie verleiht dem Instrument ein verbessertes Klangbild. Durch die neue Bauweise, werden die Schwingungen der Saiten besser übertragen und beim Kontakt zum Körper des Spielers weniger abgedämpft.

Die eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (EMPA) hat die verbesserte Akustik in einem Test bestätigt. Ein weiterer Vorteil der Sandwich-Konstruktion ist, dass sich die Komponenten des Musikinstruments (z. B. der Tonabnehmer) viel einfacher austauschen lassen. Die Produkte von Relish werden von Künstlern wie Motörhead, 77 Bombay Street und vielen anderen eingesetzt.

Wenn ein Sound die Welt erobert

Inmitten eines um Einheit ringenden Europas gibt es ein kleines Land, das sich seine Eigen- und Selbständigkeit auf jeden Fall erhalten will – mit Innovation und Präzision, wie eh und je. Ganz schön frech. Aber es funktioniert.

Auf dem Weg von der Produktionshalle kommt Claude Werder an Raphael Vögtlis Bürotisch vorbei. «Hallo Claude, hast du kurz Zeit? Ich hab da was für dich.» Es ist schon spät und eigentlich ist er auf dem Weg nach Hause, aber das hier scheint dringend. «Zwei Jungunternehmer wollen Aluminiumrahmen für eine neuartige Elektro-Gitarre bei uns produzieren.» «Okaaay», mehr fällt Claude im ersten Moment nicht ein. Als Feinwerktechniker bekommt er oft Anfragen fürs Drehen und Fräsen anspruchsvoller Werkteile. Aber Aluminiumrahmen für Gitarren? Das ist schon eher ungewöhnlich.

«Zeig mal her.» Die 2D-Zeichnungen auf Raphaels Schreibtisch haben sein Interesse geweckt. Drei Prototypen und danach eine erste Serie von 100 Stück? Ambitiös für ein Start-up, zugegeben. Aber auch weitsichtig, von Anfang an Experten miteinzubeziehen. Wie ist dieser Pirmin Giger überhaupt auf uns gekommen? –Er scrollte etwas zurück, bis er die Stelle gefunden hatte. Aha, da steht es: «… beim Recherchieren im Internet auf Ihre Firma aufmerksam geworden.»

«Du willst meine Meinung?», fragte Claude, nachdem er die ganze Nachricht gelesen und die Skizzen studiert hat. «Die Eckradien sind zu klein. Die Konturen mit einem solch kleinen Fräser abzufahren ist zeitaufwendig. Ausserdem gibt es keine Aluplatten in der Höhe von 21,5 Millimetern im Handel.» Raphael nickt bedächtig und ist mit seinen Gedanken weit voraus; einmal aufspannen, fräsen und fertig. Ein Handgriff sonst wird die Produktion zu teuer. Das bedingt eine 20 Millimeter Standardplatte. «Lass uns einen Termin vereinbaren und gemeinsam diskutieren, wie wir Klangbild, Gewicht und Machbarkeit auf einen Nenner bringen. Einverstanden, Claude?»

Nachdem Claude und Raphael nun alle Fakten kennen, sind sie vom Erfolg der E-Gitarre überzeugt. Über mehrere Stunden sind sie mit den beiden Pionieren, Pirmin Giger und Silvan Küng, am runden Tisch gesessen, haben über Hightech, Businesspläne und Finanzen diskutiert und darüber, was die revolutionäre «Jane» alles kann.

So baut die gesamte Konstruktion auf einem 20 Millimeter dicken Aluminiumrahmen auf, über den sich elegant Decke und Boden aus starkem Walnuss-Holz wölben. Die Schwingungsübertragung konzentriert sich auf den Hals, die Mittelstrebe des Alurahmens und den Steg. «Hier zeigt sich das völlig andere Konzept», hat Pirmin begeistert erklärt. Boden und Decke der Sandwich-Konstruktion sind nichts weiter als Design. Akustisch sind sie nicht relevant, und die verschiedenen Holzarten, in denen die Gitarre angeboten wird, schon gar nicht.

Die Begeisterung der beiden mit dem durchsetzungsfähigen Sound der Gitarre zu vergleichen, ist vielleicht etwas weit hergeholt. Mag sein, denkt Claude auf dem Weg zurück in die Firma. Aber eine Gitarre zu bauen, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat: Grossartig! Ob die konservativen Gitarristen für dieses innovative Schweizer Hightechmodell ihre Herzen öffnen? Wer als Start-up Erfolg haben will, muss seine Ziele hochstecken, da hat der Marketing-Fachmann Silvan schon recht. Auch die Finanzierung ist gut durchdacht. Es macht Sinn, bei einem kleinen Startkapital von 20’000 Franken, die drei Prototypen über Crowdfunding zu finanzieren. Das unterstütze ich mit!

In dieser Hochleistungsmaschine werden die Aluminiumrahmen gefräst. Links unten steht das Rohmaterial bereit
Die Aluminiumplatten werden auf die Vorrichtung der Fräsmaschine gespannt
Für die Hochleistungsfräsmaschine braucht es Kühlschmiermittel, um die Temperatur der Werkzeuge zu kühlen und die Späne abzuführen
Der Operateur überwacht den Fertigungsprozess
Der fertige Aluminiumrahmen ist auf der Vorrichtung aufgespannt
Demontage des fertigen Rahmens von der Vorrichtung
Die Aluminiumspäne werden getrocknet und nach Vorschrift recyclet
Claude Werder (links) misst die Breite der Tasche nach …
… auch die Rahmendicke wird nachkontrolliert
Ein Laser graviert das Logo präzise in die Aluminiumplatten
Jeder Aluminiumrahmen ist mit einer Seriennumer versehen
Seit 2013 haben rund 300 Aluminiumrahmen für das Modell «Jane» die Werkhallen von Werder verlassen

«An dieser Chiron-Maschine werden wir die Prototypen fräsen. Und auch die restlichen 100 Stück. Alle auf einmal!» Der Lärm im Maschinenraum ist so gross, dass Raphael beinahe schreien muss, als er die Produktionsschritte dem Polymechaniker erklärt.

Der Rahmenvertrag mit Relish Guitars ist gut durchdacht. Silvan hat zugesagt, sämtliche Aluminiumrahmen bei Werder Feinwerktechnik zu produzieren. Im Gegenzug bezahlen sie nur die Anzahl Stücke, die sie unmittelbar bestellen. Mut muss sein und ein kluges Miteinander – so funktioniert das mit Pionieren und Dienstleistern, mit Designern und Feinwerktechnikern.

Das war 2012. Seither rollt Relish Guitars das gesamte internationale Feld von hinten auf. Waren es 2014 erst 100 Aluminiumrahmen, sind es 2017 bereits über 500 Stück, die das Werk in Veltheim verlassen haben. Und wenn die Rechnung von Relish Guitars aufgeht, ja, dann sind es im Jahr 2023 stolze 4`000 Instrumente!

Wenn Herzblut und Engagement den Ton angeben, ist Vertrauen gefragt. Vertrauen wiederum, ist reines Bauchgefühl. Und genau aus diesem Gefühl heraus, entstehen starke Partnerschaften.

Titan im Körper

In der Raumfahrt und in der Flugzeug-Industrie baut man auf Titan. Auch in der Elektronik, bei Armbanduhren, Schmuck und – in der Medizin. Chirurgen stabilisieren Knochen und Zähne mit Titan-Produkten der Firma Werder Feinwerktechnik AG.

Sie heisst Siska, unsere schwarze Labrador-Hündin. Die kurzen Haare ihres Fells glänzen auch dann, wenn der Himmel bedeckt ist. Sie sind gleichsam ein Spiegel ihres Gemütszustands: quicklebendig, neugierig, für jeden Spass, jede Unternehmung, jedes Zeichen der Zuneigung dankbar. Seit acht Jahren gehört sie zu unserer Familie, begleitet unsere beiden Buben durch die Kindheit.

Und jetzt das.

Der Unfall
Passiert ist es in den Ferien. Wir fuhren zum Einkaufen ins Dorf. Ich öffnete die Box im Kofferraum, und Siska sprang heraus. Mit ein paar Schritten wollte sie die allernächste Umgebung erkunden, wie sie es immer zu tun pflegt.

Ihr Schrei traf uns bis ins Mark. Der Lieferwagen war rückwärts gefahren; der Chauffeur hatte unsere Siska nicht bemerkt, die an seinem Hinterrad geschnüffelt hatte. Die Hündin winselte und zog den rechten Hinterlauf an. Auf drei Beinen kam sie hergehumpelt, legte sich hin und begann leise wimmernd das offensichtlich verletzte Bein zu schlecken.

Wir hoben sie ins Auto und fuhren zum Tierarzt. Auf den Röntgenaufnahmen war der Knochenbruch deutlich zu erkennen. «Für den Heilungsprozess ist es wichtig, dass sich Ihr Hund möglichst ruhig verhält. Den gebrochenen Knochen will ich fixieren.» – «Fixieren? Wie das?» – «Mit einem chirurgischen Eingriff setze ich ein Titan-Implantat ein, das über die Bruchstelle zu liegen kommt. An den beiden Knochenteilen festgeschraubt, stabilisiert es das Bein.»

Wenige Wochen später bewegte sich Siska wieder so unbeschwert wie eh und je. Ihr Fell glänzt.

Knochenschraube für die Wirbelsäule von Diskushernie-Patienten
Implantat für den gesunden Gang von Hunden, gegen Hüftprobleme
Implantat für die Stabilisierung gebrochener Knochen
Titanstangen

Titan-Abschnitte aus dem Verarbeitungsprozess

Sammelbehälter mit Titan-Abschnitten für die Wiederverwertung

Titan in der Medizin
«Aus Titan stellen wir vor allem Produkte für die Veterinär-Medizin her.» Bernhard Erne, bei Werder Feinwerktechnik AG für den Materialeinkauf verantwortlich, hat in Verlauf der letzten Jahre eine markante Entwicklung beobachtet. «Die Tierchirurgie nimmt rapide zu. Schon früh lieferten wir Titan-Implantate in die USA. Längst wenden auch Schweizer Tierärzte die Fixationen aus hochwertigem Titan an. Wir beliefern sie mit Knochenschrauben, Wirbelsäulen- und Beinknochen-Fixativen sowie mit Hüft-Implantaten für den gesunden Gang von Hunden und Katzen.»

«Warum Titan?» – «Titan ist extrem fest und hat doch ein relativ geringes Gewicht. Es ist nur etwa halb so schwer wie Stahl. Menschliche und tierische Organismen nehmen Titan-Implantate ohne weiteres an. Gewebezellen wachsen am Implantat an.»

Knowhow
Die Firma Werder bezieht das Rohmaterial in Form von Stangen und Platten: ein dunkelgrau-metallisch glänzendes Metall, im Wert von 60 – 120 Franken pro Kilo. Für die präzise Bearbeitung sind stabile, gut ausgerüstete Maschinen und spezielles Werkzeug unabdingbar. «Das Verarbeiten von Titan ist anspruchsvoll, Stichwort hohe Festigkeit. Zum Vergleich: Stahl ist härter zu verarbeiten als Alu. Und Titan wiederum härter als Stahl. Nur ISO-zertifizierte Unternehmen erfüllen die Anforderungen der Kunden aus der Medizin.» Die Produkte müssen rückverfolgbar sein, von der Schmelznummer bis zum fertigen Einzelteil. Abschnitte und Späne kommen in einen Sammelbehälter und gehen zurück an den Recycling-Partner.

Bernhard Erne weiss um die Emotionen von Haustierhaltern, wenn es um ihre vierbeinigen Lieblinge geht. Der Werkstoff Titan ist nach Unfällen in diese Emotionen eingebunden. Erne sieht die Sache allerdings recht nüchtern: «Für uns ist Titan ein Material. Es sieht schön aus, hat spezielle Eigenschaften, aber es ist und bleibt ein Material. Wie gut, dass wir damit umgehen und helfen können.»

*

Die 70 Mitarbeitenden der Firma Werder Feinwerktechnik produzieren anspruchsvolle Werkstücke aus Titan, Aluminium, Stahl, Silber, Messing, Bronze, Neusilber, Magnesium und aus Kunststoff in höchster Präzision und mit unterschiedlichen Veredelungstechniken. Von Kleinauflagen bis zu Serien von 100’000 Stück.

Kontakt
Samuel Werder AG

Werdstrasse 2
5106 Veltheim

T +41 56 463 66 00
info@werder-ag.ch
www.samuelwerder.ch

Die MP im Anschlag

Der gut gesicherte Lieferwagen und ein Begleitfahrzeug nähern sich über die Industriestrasse, biegen in die Werdstrasse ein und manövrieren sich sorgfältig vor das Werktor der Firma Werder. Kurze, spannungsvolle Pause. Stille. Nichts geschieht. Die Luft flirrt in der Hitze. Dem Begleitfahrzeug entsteigen zwei Sicherheitsbeamte, die Maschinenpistolen umgeschnallt. Mit gespreizten Beinen beziehen sie Position. Rundumblick. Kopfnicken. Langsam öffnet sich das Werktor. Fast gleichzeitig die Türen des Lieferwagens. Zwei Männer entsteigen dem Fahrzeug. Sie ziehen sich feste Handschuhe über, klappen die Hecktüre hoch und greifen in den Laderaum. Was sie dort treiben, ist nicht zu erkennen. Schliesslich ziehen sie längliche Holzbehälter hervor. Die Körperhaltung lässt ein beträchtliches Gewicht erahnen. Werksmitarbeiter erscheinen, nehmen die Fracht in Empfang und schaffen sie weg, alles unter den wachsamen Augen der bewaffneten Sicherheitsbeamten. Papiere werden unterschrieben. Ein Händedruck, dann besteigen alle wieder ihre Fahrzeuge und entfernen sich. Puah, Glück gehabt; kein Überfall.

Ganz schön wertvoll
Leicht amüsiert deutet Werder-Mitarbeiter Bernhard Erne an, wie es vor langen Jahren bei der Anlieferung der Silberstangen zuging. «Tempi passati. Heute kommen die Stangen mit einem ganz gewöhnlichen Camion ohne Polizeischutz zu uns. Aber damals, tja, das war beinahe wie im Krimi.»

Die scharfen Sicherheitsmassnahmen haben nichts Lächerliches an sich. Alljährlich bezieht die Firma Werder rund 500 Kilogramm Silber! Eine Menge, die jederzeit kriminelle Energie freisetzen könnte. So auf die Schnelle eine halbe Tonne Silber abholen – wäre doch ganz nett … Der Kurs des Edelmetalls ist zwar volatil, aber bei einem Preis von gegenwärtig rund 550 Franken pro Kilo kommt man auf eine hübsche Summe.

Die Silberstangen warten auf ihre Verarbeitung

Edelmetall mit mattem Glanz: Silber in seiner reinsten Form

Bernhard Erne, Leiter Produktionsplanung bei Werder Feinwerktechnik AG
Werkstück aus Silber – fertig montiert – für Präzisionsmessgerät
Werkstück aus Silber in seinen Einzelteilen

Herkunft unbekannt
Bevor das Silber in der Firma Werder eintrifft, hat es einen langen Weg hinter sich. «Die Herkunft kennen wir nicht. Vielleicht aus Mexiko, Peru, Australien, Russland, Chile? Dort wird es zu Barren gegossen.» Aus dem fernen Ausland erreichen die Silberbarren die weiterverarbeitenden Produktionsstätten in Europa. Ernes Aussprache wird eine Nuance schärfer: «Hier setzt der für uns fundamental wichtige Prozess ein. Nach einer genau vorgegebenen Rezeptur entstehen Stangen und Leisten mit den geforderten Eigenschaften. Geringste Abweichungen beeinträchtigen das Endprodukt.»

Erne steht aber nicht in direktem Kontakt mit den Produzenten des veredelten Silbers. Das geschieht über Zwischenhändler. «Wir wissen, dass wir gegenwärtig aus Deutschland und Frankreich beliefert werden. Für uns spielt das keine Rolle. Die Qualität muss stimmen. Und sie muss konstant sein. Kleinste Materialveränderungen haben schwerwiegende Folgen.» Die Bestellung erfolgt in der Regel mit einem Vorlauf von drei Monaten. Denn jede Hast könnte negative Auswirkungen haben, sowohl auf die Qualität als auch auf die Lieferung.

Werder stellt aus Silber Bestandteile für hochpräzise Laborgeräte mit engstmöglichen Toleranzen her. Die Geräte nutzen die überragende elektrische und thermische Leitfähigkeit des Edelmetalls, die kein anderes Element erreicht.

Ein Werkstoff, mehr nicht
Bernhard Erne ist zwar Mechanikermeister, trägt bei Werder aber seit über 20 Jahren die Verantwortung für den ganzen Materialeinkauf. «Silber ist das teuerste Material, das wir verarbeiten. Trotzdem ist es für uns nicht in erster Linie ein wertvolles Edelmetall, sondern ein Werkstoff.»

A propos «Werkstoff» Silber: Bei Werder sind es alljährlich 500 Kilos. Atelierchef Werner Schlattinger von «Meister Silber AG» in Zürich, dem schweizweit bedeutendsten Produzenten von Silberbechern, -schalen und -pokalen, schätzt die dort verbrauchte Menge auf jährlich 100 Kilo. Auf die Frage, wie viel es in der Bijouterieabteilung der Firma etwa sein dürfte, hat er zwar keine Zahl, aber ein mitleidiges Lächeln: «Viiiiel weniger!»

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Die 70 Mitarbeitenden der Firma Werder Feinwerktechnik produzieren anspruchsvolle Werkstücke aus Aluminium, Stahl, Titan, Silber, Messing, Bronze, Neusilber, Magnesium und aus Kunststoff in höchster Präzision und mit unterschiedlichen Veredelungstechniken. Von Kleinauflagen bis zu Serien von 100’000 Stück.

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Werder bleibt Werder

Da sind sie, die beiden neuen Geschäftsleiter. André Stäger und Raphael Vögtli kennen die Firma Werder Feinwerktechnik durch und durch, sind sie doch beide schon seit vielen Jahren im Unternehmen tätig. Aber jetzt plötzlich in leitender Funktion? Vom Kollegen zum Chef?

Ja!
André Stäger, jetzt Technischer Geschäftsleiter, erinnert sich: «Es muss ungefähr vor zwei Jahren gewesen sein, als mich Claude Werder fragte, wie ich mir meine berufliche Zukunft vorstelle. Für mich war klar: Ich wollte bei dieser Firma bleiben.» Stäger begründet seine Haltung: «An einer früheren Stelle habe ich schlechte Erfahrungen gemacht. Die Arbeit war interessant, die Stimmung dagegen ziemlich mies. Ich spürte damals, wie wichtig mir eine gute Atmosphäre ist.» Raphael Vögtli, Kaufmännischer Geschäftsleiter: «Claude machte uns den Vorschlag, die Firma zukünftig gemeinsam zu führen. Ganz überraschend kam die Idee für uns nicht. Aufgrund der Vorgespräche hatten wir uns schon gedanklich damit befasst. Also sagten wir beide spontan zu.»

Eine verbindliche Zusage in einer so wichtigen Frage – ohne Absprachen über irgendwelche Einzelheiten? «Von aussen gesehen mag das verwundern, aber wir wussten: Hier wird niemand über den Tisch gezogen. An einem andern Ort wären wir bestimmt zurückhaltender gewesen.» Trotzdem wundert sich Stäger: «Wenn es darum geht, eine freie Stelle zu besetzen, beharre ich bei jedem Bewerber darauf, dass er sich alles nochmals in Ruhe überlegt. Als wir uns in der Vorweihnachtszeit kurzfristig entscheiden mussten, habe ich seltsamerweise genau das nicht getan. Ich wusste intuitiv, dass es stimmt.»

Die Kontinuität ist gesichert
Führung im Doppelpack – kann das gut gehen? Stäger und Vögtli lassen keine Zweifel aufkommen. «In unseren Fähigkeiten und beruflichen Schwerpunkten ergänzen wir uns. Wir sind ein ideales Team. Bewusst verzichten wir auf starre Abgrenzungen; die Dinge müssen auch dann geregelt sein, wenn einer von uns Ferien hat.» Sie betonen die Bedeutung einer gesunden Work-Life-Balance. Beide betreiben zeitintensive Hobbies; darauf wollen sie nicht verzichten.

Im Übrigen war die Reaktion des Personals durchwegs positiv. «Sie kennen uns seit Jahren. Natürlich war zuerst ein Überraschungseffekt da, als Claude seine Absicht mitteilte, die Geschäftsführung abzugeben. Aber jetzt sind alle froh, dass der Fortbestand mit einer internen Regelung gesichert ist.»

Wird jetzt alles neu? Zuerst mal tabula rasa und danach Aufbruch zu neuen Ufern? – «Überhaupt nicht! Wir führen die Firma im gleichen Stil wie bisher weiter. Im Rahmen einer externen Beratung haben wir im Frühjahr für klare Verhältnisse gesorgt.» Stäger und Vögtli sprechen die wesentlichsten Punkte an. Die Firma soll weiterhin für modernste Technologie und für höchste Präzision stehen. Eine Verlegung ins Ausland ist kein Thema. Man will jedoch auch Absatzmärkte im nahen Ausland prüfen. Intern bleibt die flache Hierarchie erhalten. «Jeder ist von jedem abhängig – wie die Zahnräder in einem Getriebe. Das ist uns sehr bewusst.»

Herzblut
Was sagen Sie heute, aus einiger zeitlicher Distanz, zu Ihrer Entscheidung? – André Stäger: «Bei mir war es eindeutig die Verbundenheit mit der Firma. Die absolute Gewissheit, dass wir auf dem rechten Weg sind.» Raphael Vögtli: «Ich identifiziere mich mit Herzblut mit dieser Firma. Sie gibt mir Rückhalt, und ich erfahre hier Wertschätzung.»

André Stäger bespricht sich mit seinem Co-Geschäftsleiter Raphael Vögtli

«Herr Stäger, was mögen Sie besonders an Raphael Vögtli?» – «Er ist extrem seriös und penibel genau.»
«Und was geht Ihnen an ihm auf die Nerven?» – (Denkt nach, lacht) «Er ist allzu gutmütig.»

«Herr Vögtli, was mögen Sie besonders an André Stäger?» – «Er findet für jedes noch so anspruchsvolle technische Problem eine Lösung. Fast unglaublich.»
«Und was geht Ihnen an ihm auf die Nerven?» – (Schräger Seitenblick auf Stäger, lacht) «Er entscheidet manchmal sehr schnell und impulsiv; das hat je nach Situation nicht nur positive Folgen.»

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Die 70 Mitarbeitenden der Firma Werder Feinwerktechnik produzieren anspruchsvolle Werkstücke aus Aluminium, Stahl, Titan, Silber, Messing, Bronze, Neusilber, Magnesium und aus Kunststoff in höchster Präzision und mit unterschiedlichen Veredelungstechniken. Von Kleinauflagen bis zu Serien von 100’000 Stück.

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Nachfolge als Charaktersache

Wenn sich der Chef aus der Geschäftsleitung zurückzieht und als «einfacher Mitarbeiter» in der Firma bleibt. Wenn zwei Kaderleute gemeinsam das Steuer der Firma übernehmen. Wenn jener «einfache Mitarbeiter» weiterhin Präsident des Verwaltungsrates bleibt. – Neue Kompetenzen, neue Rollenverteilung. Handlungsbedarf! So geschehen bei Werder Feinwerktechnik in Veltheim.

«Es ist nie zu früh.» Das sagt Carla Kaufmann, die sich beruflich und persönlich seit Jahren mit Fragen zur Nachfolge befasst. Gemeint ist die Nachfolgeregelung in Unternehmen. «Es ist nie zu früh, sich ernsthafte Gedanken darüber zu machen.»

Kaufmann beginnt laut zu denken. «Alle Beteiligten übernehmen innerhalb des Unternehmens eine neue Rolle. Dessen müssen sie sich unbedingt bewusst sein und die alten Muster ablegen. Ein anspruchsvoller Prozess!» – «Die Nachfolge regelt man nur ein einziges Mal im Leben. Der oder die Betroffene verfügt über keinerlei Erfahrungen in dieser Sache. Deshalb empfiehlt es sich unbedingt, einen Experten zuzuziehen, der Unnötiges von Unabdingbarem unterscheidet und eine erfolgversprechende Vorgehensweise kennt. Eine Person, zu der man uneingeschränktes Vertrauen hat.»

Hans-Georg Hettich ist der in die Nachfolgeregelung einbezogene Coach, Vertrauensmann von Claude Werder. Im Unterschied zum Treuhänder, der rechtliche und finanzielle Fragen klären hilft, fokussiert Hettich auf die menschliche Ebene. Denn jetzt werden die Karten neu gemischt. Die Untergebenen sind nun Vorgesetzte. Sie treffen weit reichende Entscheidungen. Der frühere Chef sitzt oder steht fortan in der Werkhalle, löst sich von manchem Bürokram, kehrt zu seinen beruflichen Wurzeln zurück. Das Steuer haben die Neuen übernommen, wörtlich und symbolträchtig im Rahmen eines Mitarbeiter-Anlasses.

Hettich mag Symbole. Er hat die drei Betroffenen zu langen Aktionstagen eingeladen, die spielerisch-ungewohnt begannen. Am Ende standen die Richtlinien und das «Feintuning» fest. Verbindliche Absprachen. Denn: Was, wenn die Entscheidungskompetenzen nicht festgelegt wären? Was, wenn die Neuen die Marschrichtung des Unternehmens ändern? Was, wenn eines schönen Tages Produktionsstandorte in Niedriglohnländern in Betracht kämen, Stichwort Gewinnmaximierung?

Carla Kaufmann
Hans-Georg Hettich

«Herr Hettich, ganz provokativ: Angenommen, der VR-Präsident bringt in der Rolle des Mechanikers nicht die geforderte Leistung. Er produziert zu viel Ausschuss, hinkt tempomässig weit hinterher. Was dann? Erhält er dann von den neuen Geschäftsführern den blauen Brief?» – «Nein, sicher nicht. In einem solch extremen Fall müsste man sich zusammensetzen und über eine neue Aufgabenzuteilung sprechen.»

«Frau Kaufmann, was halten Sie für elementar in einer neuen Firmenkonstellation?» – «Das Gespräch. Ich würde die Kommunikation zwischen dem bisherigen CEO und seinem Nachfolger institutionalisieren, mindestens in der Übergangszeit. In aller Offenheit soll alles auf den Tisch kommen. Keine Tabus. Letztlich ist es eine Charaktersache, wie die Beteiligten mit der neuen Situation umgehen.»

Genau das setzt Hettich um. «In einigen Wochen werden wir zurückblicken: Was ist seither geschehen? Sind die Zielvorgaben realistisch? Müssen wir über Anpassungen sprechen?» Hettich erwägt ein vierteljährliches Reporting. Dabei kommt den Zahlen und Fakten das gleiche Gewicht zu wie den Emotionen: Wie fühlen wir uns? Wie schwer lastet die Verantwortung? Drängt sich ein Coaching auf? «Ich werde den Prozess während der ganzen Übergangszeit begleiten.»

Allen Beteiligten ist bewusst: Dieser Prozess ist kein einfaches Kippen des Schalters. Schwierig, herausfordernd und deshalb spannend. Aufbruch zu neuen Ufern. – Die Segel setzen! Der Wind ist günstig! Die Neuen haben das Steuer übernommen. Claude Werder gab es ihnen in die Hand – wörtlich!

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Alles fliesst

«Panta rhei», alles fliesst. Ein Gedanke, den der griechische Philosoph Heraklit formuliert haben soll. Das war vor 2500 Jahren. Die Aussage gilt immer noch. Jede Form von Lebenswirklichkeit wandelt sich permanent: ein Ortsbild ebenso wie unsere Rechtsauffassung, unser Äusseres ebenso wie die Strukturen einer Firma. Manches realisieren wir erst aus zeitlicher Distanz; anderes wird schnell augenfällig.

*

Weg von allem. Neues kennenlernen. Vier Wochen lang bereiste Firmenchef Claude Werder mit seiner Frau das andere Ende der Welt. Ihre Reise fiel in eine Zeit des Umbruchs. Der Wechsel in der Geschäftsleitung bedeutet einen Meilenstein in der Chronik von Werder Feinwerktechnik AG.

«Australien – ein lange gehegter Traum. Jetzt war der Moment gekommen. Unser Sohn weilt für eine Weiterbildung in Sydney. Da wollten wir ihn besuchen.»

«Etwas Neues kennenlernen. Die ungeheuren Dimensionen erleben. Das Fremde wahrnehmen und es dem Bekannten gegenüberstellen. Das Vertraute aus grosser Distanz betrachten und beurteilen.»

Eine Zäsur
«Fast wie von selbst erwies sich der Zeitpunkt der Reise als besonders passend. Schon seit mehreren Jahren hatte ich mich mit der Nachfolgeregelung unserer Firma befasst. Es widerstrebte mir, jemand Externen für die Geschäftsleitung zu suchen. Da zeigte sich eine erfreuliche Lösung. Zwei langjährige Mitarbeiter des Kaders waren bereit, die Verantwortung für das Geschäft und damit auch für die Mitarbeitenden zu übernehmen. In langen Gesprächen festigte sich die Überzeugung: Wir ticken gleich, haben die gleichen Wertvorstellungen. Das Geschäft ist in seiner gradlinigen Entwicklung gesichert. Nur wenige Tage nach dem Wechsel in der Geschäftsleitung sass ich mit meiner Frau im Flugzeug. Unterwegs nach Australien.»

«Ich reiste in der Gewissheit nach Australien: Das kommt gut. Ich kann ohne jegliche Bedenken loslassen. Mich innerlich und räumlich entfernen. Die Nachfolger erhalten Gelegenheit, sich in ihre neue Rolle hineinzuarbeiten, Entscheidungen zu fällen.»

Überraschung
«Der Begriff Präzision spielt in meinem Berufsleben eine zentrale Rolle. Er ist für mein Tun und Denken prägend. Dass ich ihm in Australien begegnen würde, hätte ich nicht erwartet. – Vom geheimnisvollen Uluru-Felsen bis nach Alice Springs sind es beinahe 500 Kilometer. Irgendwo unterwegs gibt es eine Strassenkreuzung. Dort wollte sich unser Buschauffeur mit seinem Kollegen treffen, der auf der andern Strasse unterwegs war. Einige Passagiere sollten umsteigen. Wir dachten: Na super, das gibt bestimmt eine längere Warterei am Strassenrand. Aber wir irrten uns. Kaum hatten wir die Kreuzung erreicht, stand auch schon der andere Bus da. Präzis auf die vereinbarte Zeit. Und dies bei aller Gelassenheit der Akteure. Der ganze Wechsel, Gepäckumschlag inklusive, dauerte höchstens zehn Minuten. – Das beeindruckte mich: Präzision in den Weiten dieses Riesenlandes!»

«Altes Eisen, dazu zähle ich mich noch lange nicht.»
«Unendlich schön finde ich, dass ich es in so kurzer Zeit zusammen mit meinen Nachfolgern geschafft habe, die Geschäftsleitung zu übergeben.»
«Unkompliziert funktioniert es auch in unserem Betrieb (wenn wir nur nicht so viele Vorschriften und Gesetze hätten).»
«Eng wird es oft, wenn eine Unternehmung erfolgreich ist (hier heisst die Unternehmung Sydney).»
«Three sisters oder drei, die gleich ticken.»
«Irgendwo in dieser Weite mussten einige Leute den Bus wechseln.»

Darauf freut sich Claude Werder: wieder vermehrt als Mechaniker an der Bearbeitungsmaschine.

Es funktioniert
«Ich freute mich auf mein Zuhause und auf die Arbeit im Geschäft. Aber es war doch ein anderes Heimkehren als nach früheren Ferienabwesenheiten. Was würde ich antreffen?»

«Ich merkte: Es läuft! Die Neuen hatten Entscheidungen getroffen und ihre erweiterte Verantwortung wahrgenommen. Und ich? Ich spürte, dass mein Rucksack leichter geworden ist. Vieles vom ganzen Bürokram ist mir abgenommen. Ich darf mich jetzt wieder vermehrt in meinem angestammten Beruf als Mechaniker bewegen. Bin ich ein anderer Mensch geworden? Messe ich das Leben mit andern Massstäben? – Vielleicht. Zweifellos wirkt Australien nach. Ich bin gespannt.»

«Ich muss mich jetzt in meiner neuen beruflichen Wirklichkeit zurechtfinden. Immer wieder denke ich an meinen Vater, der über die gleiche Situation sagte: ‚Die Jahres des Loslassens waren die glücklichste Zeit meines Berufslebens.’ Hoffentlich empfinde ich dasselbe.»

«Die Entwicklung geht weiter. Neue Menschen und neue Wirklichkeiten werden kommen.» – Panta rhei, alles ist im Fluss.

Kontakt
Samuel Werder AG

Werdstrasse 2
5106 Veltheim

T +41 56 463 66 00
info@werder-ag.ch
www.samuelwerder.ch

Bilder einer Firma

Jener Mann, der im Übergwändli in der Werkhalle unterwegs ist, will nichts Besonderes sein. Starke Persönlichkeiten benötigen kein gestärktes Hemd, um als Chef respektiert zu werden. Claude Werder unterscheidet Vordergründiges von wahrhaft Wichtigem. Er stellt seine Leute an topmoderne Maschinen. Er traut ihnen zu, absolut präzise Arbeit im Tausendstelbereich zu leisten. Er behandelt sie nicht als «Untertanen», sondern als Menschen mit Berufsstolz. Er anerkennt ihre Leistungen und betrachtet die zugesprochenen Preise als Verdienst des ganzen Teams.

Ohne Zweifel liegt in all dem einer der wichtigsten Gründe für den Erfolg der Werder Feinwerktechnik. Seit 60 Jahren behauptet sich Samuel Werder AG in guten wie in schwierigen Zeiten auf dem Markt. Zuerst in Schinznach-Bad, seit 2000 in Veltheim. Die Firma hat sich einen Namen geschaffen, der bis ins benachbarte Ausland gedrungen ist. Das erwirtschaftete Kapital wandert nicht in die Schatulle der Chefetage, sondern wird umgehend in die Firma reinvestiert. Neuerungen aufgeschlossen und willens, den Qualitätsstandard auf höchstmöglichem Niveau zu halten: das zeichnet die Firma ebenso aus wie ein entspanntes Betriebsklima. Es gilt als Privileg, bei Werder zu arbeiten.

Die nachfolgende Bildstrecke mag das illustrieren.

Firmengründer Samuel Werder mit Gattin Elisabeth. Aufnahme 2007 anlässlich «50 Jahre Samuel Werder AG».

Aus den frühen Jahren: Die mechanische Werkstatt der Samuel Werder AG am alten Standort in Schinznach-Bad.

Ab 1998 liegt die Leitung der Firma in der Verantwortung von Claude Werder.

Claude Werder liefert in der Rolle eines Chauffeurs einen Auftrag aus. Der Lagerist ruft: «Du kannst die Ware dort abladen.» – «Nicht zuerst durch eure Kontrolle?» – «Nicht nötig. Werders Arbeiten sind immer in Ordnung.»

2008 wird die Firma Werder mit dem Sozialpreis der Aargauer Landeskirchen ausgezeichnet. Firmengründer Samuel Werder (Bildmitte) nimmt den Preis entgegen.

Eines von vielen Teilen, für die Humanchirurgie und die Veternärmedizin: ein Implantat für Hunde. Es hilft, eine schlechte Beinhaltung zu korrigieren und Hüftproblemen vorzubeugen.

Im Jahr 2013 wird die Firma Werder mit dem This Priis für die berufliche Integration von Menschen mit einer Behinderung ausgezeichnet.

Die neue Werkhalle – hier ein Panoramabild aus der Bauphase – wurde im Jahr 2015 eingeweiht.

Der Solothurner Künstler Paul Gugelmann stellt etwa ein Dutzend seiner Werke bei Werder aus, hier «Der Lauf der Welt». Claude Werder sagt: «Uns verbindet die Freude an der Feinmechanik und der Wille zur Präzision.»

Ein Werkstück für die Feinstmesstechnik: Windschutzring aus Aluminium für Hochpräzisionswaage, die im Millionstelgramm-Bereich messen kann.

Immer wieder besuchen Firmenvertreter, Behördenmitglieder und weitere interessierte Personen den Betrieb.

2015 gewann Samuel Werder AG den Aargauer Unternehmenspreis. Der Erfolg der Firma ist nicht zuletzt auf das gute familiäre Einvernehmen zwischen den Generationen zurückzuführen.

Für ein Laserstrahl-Gehäuse stellte Werder ein komplexes, vernickeltes und vergoldetes Aluminium-Teil her. Bemerkenswert: Die Bohrung ist nicht rund, sondern elliptisch.
Der Maschinenpark wird laufend erneuert und erweitert. 2015 wird ein neues Fräs-Bearbeitungscenter angeliefert.

Lasertechnik bei Werder: Beschriftung eines neu hergestellten Werkstücks.

André Stäger wird per Ende März 2017 zum neuen Geschäftsführer und Technischen Geschäftsleiter befördert.

Raphael Vögtli ist seit Ende März stellvertretender Geschäftsführer und gleichzeitig Kaufmännischer Geschäftsleiter.

So präsentieren sich die Firmengebäude der Firma Werder Feinwerktechnik AG im Jahr 2017.

Wo gearbeitet wird, fliegen Späne und Tropfen – so wird es auch in Zukunft in der Firma Werder der Fall sein.

Anlässlich der Verleihung des Aargauer Unternehmenspreises im Jahr 2015 vernahm das Auditorium einige hard facts zur Firma Samuel Werder AG: «Das Familienunternehmen steht in der zweiten Generation seit 1957 für Präzision, hohe Produktivität, Flexibilität und Zuverlässigkeit. Die Firma hat sich als Zulieferer anspruchsvoller Dreh- und Frästeile für die Hightech-Industrie spezialisiert. Dank hochqualifizierten Mitarbeitenden und einem topmodernen Maschinenpark von derzeit 71 CNC-Bearbeitungs- und 5 CNC-Messmaschinen auf einer Produktionsfläche von 4500 m2 erfüllt die Samuel Werder AG höchste Qualitätsansprüche. Für den Nachwuchs an Fachkräften sorgt die Ausbildung von 6 Polymechaniker-Lernenden.»

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Der sanfte Schwerstarbeiter

Eine Kaffeemaschine. Zusammengesetzt aus vielen Einzelteilen. Ein besonders genau gearbeitetes hat die Firma Werder Feinwerktechnik produziert. Ein einzelnes Glied nur in der Kette. Wenn dieses eine Werkstück seinen Dienst versagt, funktioniert die Maschine nicht. Ein ganz grosses Unglück ist das nicht, ärgerlich aber allemal. Und geschäftsfördernd bestimmt nicht.

Ganz anders liegen die Dinge bei einem Auftrag für die Flugzeugindustrie oder die Medizinalbranche. Im schlimmsten Fall geht es da um Leben und Tod. In den meisten Fällen kennt man bei Werder die Funktion der bestellten Einzelteile nicht. Der Kunde liefert in elektronischer Form eine auf den Mikrometer genaue Vorlage mit allen Eigenheiten: Material, Oberflächenbeschaffenheit, Toleranzen u. a. Jetzt liegt der Ball bei Werders Polymechanikern. Sie übertragen die Kundendaten in ihre CNC-Maschinen. Diese stellen dank ihrer modernen Steuerungstechnik hoch präzise Werkstücke automatisch her. Auch solche mit komplexen Formen.

Katastrophale Folgen
Zurück zur Flugzeugindustrie. Angenommen, das bei Werder produzierte Werkstück sei Teil des Triebwerks eines Düsenjets. Dieses eine kleine Bestandteil funktioniere aufgrund von Ungenauigkeiten im Herstellungsprozess nicht wunschgemäss. Es entsteht Reibung, Hitze. Bei den ungeheuren Kräften, denen das Werkstück im Jetbetrieb ausgesetzt ist, kommt es zum Bruch. Metallteile schleudern durch die Turbinen-Schaufeln. Die Folgen sind absehbar.

Weniger spektakulär, aber ebenso fatal wirken sich Produktionsfehler in der Medizinaltechnik aus. Werder hat Teile für Endoskope und für Blutanalysegeräte hergestellt. Patienten, Ärzte und Laboranten sind gleichermassen darauf angewiesen, dass diese Geräte einwandfrei funktionieren.

Der Messraum im Zentrum
Präzision ist alles. Feinwerktechnik funktioniert nur mit kompromisslosem Fokus auf der Präzision. Bis hin zum tausendstel Millimeter. Um das sicherzustellen, verfügt die Firma Werder über einen zentral angeordneten Messraum, quasi das Herz des Betriebs. Jedes Erststück wird genauestens vermessen. Doch damit nicht genug. Auch für die Produktionsphase regelt ein Prüfplan stichprobenartige Zwischenkontrollen. Deren Zahl hängt von der verlangten Genauigkeit, vom Material, vom Bearbeitungsgrad und von der Komplexität des Werkstücks ab.

Der Messraum ist auf einem eigenen Fundament aufgebaut, abgetrennt von jenem der Werkstatt. Somit sind störende Einflüsse ausgeschlossen. Der Raum ist klimatisiert bei einer konstanten Temperatur von 20°. Verschiedene Typen von Messgeräten liefern Daten zur Genauigkeit der Form, zur Oberflächenbeschaffenheit des Werkstücks, zu seiner Temperatur und zum Sauberkeitsgrad.

Der Messtechniker Luis Felix «regiert» dieses Reich. Als Quereinsteiger ist er vor elf Jahren zur Firma gestossen. Innert kürzester Zeit hat er sich ein profundes Fachwissen zu den unterschiedlichen Messgeräten und ihrer Anwendung angeeignet. Firmeninhaber Claude Werder sagt über ihn: «Er gehört zu den wichtigsten Mitarbeitern unseres Unternehmens. Wenn man uns als verlässlichen Partner kennt, ist das nicht zuletzt ihm zu verdanken.»

André Stäger am Steuer des Gabelstaplers hebt ein grosses Paket aus dem Lastwagen

Mit grösster Sorgfalt bringt André Stäger das «Ding» in die Werkhalle von Werder Feinwerktechnik. Im Hintergrund beobachtet Luis Felix das Geschehen

Alles ist ausgepackt und am vorgesehenen Standort im Messraum installiert: Die neue Koordinatenmessmaschine, bestehend aus dem Messteil (rechts; im Zentrum ist der nadelförmige Taster zu sehen) und dem Computersystem

Vorbereitung des Messprozesses: Luis Felix hat die ringförmige Aufpressbüchse im Dreibackenfutter fixiert
Am Touchscreen erscheinen die vom Kunden verlangten Daten

Der Tasterkopf senkt sich ab und ortet das zu vermessende Werkstück

Der Messvorgang läuft
Auf dem Bildschirm erscheinen die vermessenen Punkte. Im blauen Bereich sind die Toleranzwerte überschritten

Messtechniker Luis Felix

Der rotviolette Messtaster
Luis weist auf eine Neuakquisition hin, eine sogenannte Koordinatenmessmaschine der neusten Generation. Es ist bereits die Vierte ihrer Art, aber sie kann etwas Entscheidendes mehr als ihre drei «Kolleginnen»: Sie kann «scannen». Das bedeutet noch höhere Genauigkeit der Messresultate und das in viel kürzerer Zeit. Der «fühlende» Messkopf eruiert innert kürzester Zeit Tausende von Messpunkten des Werkstücks. Schwungvoll tastet er sich vorwärts über Flächen und Konturen, übermittelt dabei in Sekundenbruchteilen jede gescannte Position. Der Computer vergleicht die Messergebnisse mit der Vorlage und macht allfällige Abweichungen sichtbar.

Luis ist in seinem Element. Er spannt ein ringförmiges Werkstück ein, eine Aufpressbüchse mit einem Durchmesser von vielleicht fünf Zentimetern. Lautlos bewegt sich der rotviolette Messkopf. Das Computerbild zeigt: Es gibt tatsächlich eine Stelle mit abweichenden Messergebnissen. Inakzeptabel. Der Polymechaniker muss nachjustieren.

Das Flugzeug stürzt nicht ab. Das Endoskop arbeitet perfekt. Das Blutanalysegerät liefert verlässliche Daten. Und die Kaffeemaschine einen wunderbaren Espresso. Auch dank Werders Messgeräten.

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Nur bitte keine Lunker!

«Ich bin nur dann top, wenn meine Geschäftspartner es auch sind», sagt Claude Werder, Inhaber und Geschäftsführer der Firma Werder Feinwerktechnik in Veltheim. «Einer unserer Zulieferer ist die Firma Wizol in Sarmenstorf.»

*

Philippe Widmer öffnet den Durchgang vom Bürotrakt zur Werkstatt. «Bitte treten Sie ein.» Konzentriertes Arbeiten. Jeder an seinem Platz, fokussiert auf seine Maschine, auf sein Werkstück, auf seinen Arbeitsvorgang. Grosse, kräftige Männer, freundliche Gesichter. Es ist warm – logisch! Wir sind ja in einer Giesserei. Der Geschäftsführer der Wizol geht voran.

Die Mitarbeiter wissen, worauf es ankommt. Die meisten sind seit langen Jahren bei Wizol tätig. Mit einer Kelle schöpft der Giesser flüssiges Aluminium, rund 720 Grad heiss, hellsilbrig glänzend. Er lässt es in den Gussformen, den sogenannten Kokillen, versickern. Da ist eine ruhige Hand gefragt, ein gleichmässiger Ausguss. Die Art und Weise des Giessens beeinflusst die Temperatur, das Abkalten des Aluminiums. Und dies wiederum hat Auswirkungen auf das Resultat des Gusses. Gelassenheit statt Hektik!

Der Giesser stellt sich neben seine Gerätschaften. Er tut nichts, wartet einfach. Ein Timer sagt ihm ganz genau, wann sich das Aluminium genügend verfestigt hat. Ohne zeitliche Präzision wären die Gussstücke mit individuellen Abweichungen behaftet. «Vorsicht! Nicht berühren! Man sieht es ihm nicht an, aber das Aluminium ist immer noch enorm heiss.» Mit einer Zange löst er den fertigen Guss aus der Kokille und legt ihn behutsam zur Seite.

Erst wenn sich das Metall abgekühlt hat, kommt der Guss in die Verputzerei. Hier ist mechanische Handarbeit angesagt: sägen, feilen, schleifen, richten. Jedes einzelne Stück bekommt hier einen Feinschliff verpasst. Der Anguss, durch den das flüssige Aluminium eingefüllt wurde, muss weg. Oftmals entstehen beim Giessen auch feinste Stäbchen und Plättchen («Gräte» oder umgangssprachlich «Federn» genannt), manche nur einen Millimeter lang. Sie verfälschen den optischen Eindruck und stellen eine Beeinträchtigung, sogar eine Verletzungsgefahr bei der weiteren Verarbeitung dar.

Ein Guss ist kein Emmentaler!
«Herr Widmer, Hand aufs Herz, wie steht es mit Lunkern?» Lunker sind Hohlräume, die beim Abkühlen des Metalls entstehen. Wenn die Schmelze erstarrt, reduziert sich ihr Volumen. Fliesst dann nicht zusätzliches Metall nach, kommt es zu Lunkern unterschiedlichster Grösse, von kaum erkennbaren Rissen bis hin zu murmelgrossen «Löchern», einige mit glatter Innenfläche, andere mit kristallinen Formen. «Mit der Konstruktion von möglichst funktionalen Gussformen reduzieren wir die Gefahr von Lunkerbildung. Es ist deshalb von Vorteil, wenn uns der Kunde bei jedem Auftrag so früh wie möglich zuzieht, also schon während der Planungsphase. Je besser wir verstehen, welche Funktion dem betreffenden Werkstück später zugedacht ist, desto gezielter gelingt die Anfertigung der Gussformen. Trotzdem untersuchen wir vor allem den ersten Guss eines jeden Auftrags sehr genau. Dazu setzen wir ein Röntgengerät ein. Wir wollen die Gewissheit haben, dass unsere Güsse frei von Lunkern sind.»

Widmer relativiert seine Aussagen und erklärt: «Selbstverständlich kommt es auf die spätere Funktion des Gussteils an. Handelt es sich um eine simple Abdeckung, ist es irrelevant, ob ein kleiner Lunker im Innern des Gusses entstanden ist. Ganz anders sieht es aus, wenn die betreffenden Teile weiter verarbeitet werden. Nehmen wir an, dass die Firma Werder Feinwerktechnik in einen von uns gegossenen Maschinenteil ein Gewinde schneidet und dabei auf einen Lunker trifft – dann ist die ganze Mühe für die Katze.» Erst recht keine Lunker dürfen bei sicherheitsrelevanten Teilen auftreten, zum Beispiel bei Haken für Bergsteiger.

Blick in eine Gussofen; das flüssige Aluminium hat eine Temperatur von gegen 750 Grad Celsius

Komplexe Gussteile aus Aluminium

Lüftergehäuse aus Aluminium

Das Aluminium wird in Barren angeliefert
Das flüssige Aluminium wird in eine Gussform gefüllt

Nach kurzer Zeit ist das Metall erstarrt; es kann mit einer Zange aus der Form gelöst werden

Es geht bei diesem Auftrag nur um die beiden «Arme» des «Ankers»; der «Stiel» hat nur gusstechnische Funktion, er wird später wieder eingeschmolzen

Blick in eine der Wizol-Werkhallen

Philippe Widmer, Geschäftsleiter Wizol

Nichts für Hobbyköche!
Widmer kommt auf die Zusammensetzung der Schmelzmasse zu sprechen. Himmel, das ist ja eine Wissenschaft! Wer  sich vorstellt, da würden einfach Aluminiumbarren in einen Schmelztiegel gebracht, liegt ganz falsch. Acht bis elf Prozent beigefügtes Silizium haben Auswirkungen auf den Erstarrungsprozess. Und bitte noch etwas Magnesium – wie im Rezeptbuch! Regelmässige Spektralanalysen geben Auskunft über die Zusammensetzung der Legierung, denn diese verändert sich im Verlauf von längeren Gussverfahren. Bei Wizol fertigt man Stückzahlen bis zu 15’000 Einheiten an!

Philippe Widmer fasst zusammen: «Wir schmelzen, giessen und verputzen. Für uns macht es keinen Sinn, teure Bearbeitungsmaschinen anzuschaffen, um die gegossenen Teile noch weiter zu behandeln. Bohren, fräsen, Gewinde einbringen – dazu fehlt uns ohnehin das notwendige Know-how, und wir könnten die Maschinen niemals auslasten. Die Firma Werder ist in dieser Beziehung hervorragend aufgestellt. Und die Qualitätsansprüche unserer Firmen entsprechen sich. Ausserdem kennen wir gegenseitig unsere Zuverlässigkeit, wenn es um die Einhaltung von Terminen geht. Auf diesem Fundament ruht unsere Zusammenarbeit – zum beidseitigen Nutzen.»

Das bestätigt Claude Werder mit Nachdruck: «Die Zusammenarbeit mit regionalen und nationalen Partnern bietet für alle Beteiligten noch weitere erhebliche Vorteile. Wir sprechen die gleiche (Fach-)Sprache; dank geografischer Nähe sind wir leicht erreichbar, und in dringenden Fällen sind wir bereit für ‚Feuerwehrübungen’. Daraus erwächst unseren Kunden ein bedeutender Mehrwert, den Produzenten und Lieferanten zum Beispiel aus China oder andern fernöstlichen Ländern nicht bieten können.»

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