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Ab in den Urlaub!

Die Sommerferien stehen vor der Tür. Und Sie? Sie haben die Ferien zwar längst eingegeben und im Absenzenplan Ihrer Firma verankert. Aber über Ihr Reiseziel haben Sie sich noch keine abschliessenden Gedanken gemacht. Wie auch? Der Alltag hat Sie fest im Würgegriff. Da bleibt kaum Freiraum für schnuckelige Gedanken ans Dolce far niente.

Einmal mehr erweist sich Businessmind als Freund und Helfer in der Not. Wir haben einige unserer Geschäftspartner sowie ein paar «Zugewandte Orte» nach ihren Traumdestinationen befragt. Die Antworten kamen ganz spontan, direkt aus dem Bauch. Lassen Sie sich inspirieren!

E: Europa W: Welt

Daniel Stutz, Geschäftsführer Lebag Leitungs- und Elektrobau AG

E: Mallorca
W: Schweden

Hubert Zimmermann, CEO bei AEW Energie AG

E: «Ins Lötschental zum Wandern»
W: «Argentinien; ich war schon mal dort – wunderschön!»

Helen Dietsche, Inhaberin Helen Dietsche Kommunikation & Marketing

E: Auf dem Ebro eine Schifffahrt
W: Auf dem Ebro eine Schifffahrt

Gerhard Moser, Mitglied der Geschäftsleitung bei Rothpletz, Lienhard + Cie AG
E: «Irgendwo in den Norden, nach Schweden»
W: «Nach Nordamerika, aber wegen der politischen Lage nicht in die USA; lieber nach Kanada»

 

Christoph Wyder, Geschäftsführer & Firmeninhaber der Wyder Gartenbau AG

E: «In die Lenk; wir haben dort ein Ferienhäuschen»
W: «Nach Taiwan, wo ich gerne einen Freund besuchen möchte»

Claude Werder, Firmeninhaber & VR-Präsident der Werder Feinwerktechnik AG

E: «In den Norden, nach Norwegen»
W: « Als Alleinreisender nach Russland, das würde mich reizen»

Marcel Ehrler, Sparringspartner KMU

E: Sardinien
W: Neuseeland

Stefanie Wiedner, Projektkoorindation PSI / PARK innovAAre

E: Irland
W: Florida

Daniel Lienammer, Geschäftsführer Amsler & Frey AG

E: «Mich reizt der Norden; ich würde gerne nach Schweden reisen»
W: «In den Westen der USA»

Adrian Bürgi, Geschäftsführer & VR-Präsident Jost Elektro AG Brugg

E: Schottland
W: «Das ist ja wohl klar, nach Thailand»

Andreas Bürgi, Senior Executive Jost Elektro AG Brugg

E: Spanien
W: «Thailand, da habe ich noch einen Gutschein ...»

Ernst Hasler, alt Regierungsrat SVP

E: Engadin
W: Engadin

Führung ohne Werte ist wertlos

Herr Zwygart, ich möchte mit Ihnen über die Führung von KMU sprechen. Gibt es grundsätzliche Unterschiede in der Führung von KMU und Grosskonzernen?
Führung geschieht immer in einem bestimmten Umfeld. Der Kontext spielt eine zentrale Rolle. Dazu gehören unter anderem die Grösse des Unternehmens, seine Geschichte, die Standorte, die Produkte, die Ausrichtung auf nationale und/oder internationale Märkte. Aus all dem ergibt sich das Anforderungsprofil für seine Führungskräfte. In KMU geht es primär um Mitarbeiter, Produkte, Märkte, Kunden. Eine kleine, überschaubare Firma lässt sich direkt führen. Der Chef geht zum Mitarbeiter und erteilt ihm Aufgaben. Das ist in einem Grossunternehmen mit mehreren Hierarchiestufen weder möglich noch erwünscht.

Ist ein Handwerksbetrieb anders zu führen als eine Schule oder ein Dienstleister?
Grundsätzlich nein. Für jede Branche ist jedoch Fachkompetenz zwingend erforderlich. Sehen Sie: Ich habe mich während Jahrzehnten mit Führungsaufgaben und –fragen befasst. Da kenne ich mich relativ gut aus. Aber bin ich deswegen in der Lage, die Mannschaft des FC Bayern München zu führen oder Chefarzt in einem Spital zu sein? Sicher nicht! Dazu fehlt mir die Fachkompetenz und damit die Glaubwürdigkeit. Ich würde innert kürzester Zeit zum Gespött der Spieler bzw. zu einem Risikofaktor. Fachkompetenz allein genügt aber nicht. Sie macht den guten Führer noch nicht aus. Für eine Führungsfunktion sind praktische Lebens- und Führungserfahrungen und das Einmaleins des Managements nötig. Erst mit Fach- und Führungskompetenz kann ein Chef glaubwürdig werden.

Welche Punkte sind zentral bei der Führung eines KMU?
Einer meiner Leitsätze lautet: Führung ohne Werte ist wertlos. Der Chef eines KMU muss sich über die Werte im Klaren sein, denen er nachleben will. Ich beschränke mich hier auf zwischenmenschliche Werte: Er muss seinen Mitarbeitenden klar machen, welche Leistung er von ihnen erwartet. Er muss ihnen einen anständigen Lohn zahlen und sie korrekt behandeln, auch was Überstunden betrifft. Er schafft günstige Voraussetzungen für ein angenehmes Arbeitsklima. Und er muss darauf achten, dass seine Leute nicht «out of balance» geraten. Führungspersonen heben sich in mancherlei Hinsicht ab: Sie sind bescheiden, setzen sich kraftvoll für das Unternehmen ein und vermögen andere Leute zu Leistungen anzuspornen. Sie müssen wissen, dass ihnen Vorbildfunktion zukommt.

Wo gibt es Stolperfallen?
Zunächst ist es wichtig, dass die Zielsetzungen realistisch sind. Dazu gehört, dass der Chef die Mitarbeitenden gemäss ihren Stärken einsetzt. Er muss sie fair beurteilen und ihnen Rückmeldungen geben. Jeder Mensch möchte in einer erfolgreichen Firma tätig sein und anständig behandelt werden. Respektlosigkeit führt zwangsläufig zu demotivierten Arbeitnehmern und letztlich zu schlechteren Ergebnissen.

Der Coaching-Markt boomt, und doch …
hängt erfolgreiches Coaching vom Eingeständnis ab, dass etwas nicht rund läuft und ein Chef professionelle Unterstützung benötigt. Viele Führungskräfte kennen Versagensängste oder verstecken sich hinter der Aussage: «Das ist halt mein Stil. Dem müssen sich meine Mitarbeiter anpassen.» Ist eine solche Haltung zementiert, kann kein Coaching zielführend sein. Als Coach setze ich auf „Triple A“: accept – agree – act. Accept: Eine Führungskraft akzeptiert die Tatsache einer unbefriedigenden Situation. Agree: Sie lässt sich auf ein Coaching ein. Act: Sie ist bereit zu handeln und gewisse Dinge bzw. Verhalten zu ändern.

Welche Richtung weist ein guter Coach?
In vielen Fällen gibt es unterschiedliche Wahrnehmungen über eine problematische Situation. Der Coach erkennt das und stellt entsprechende Fragen. Das Aussprechen von Gedanken, Beweggründen oder Vorsätzen kann einer Führungsperson helfen, Blockaden zu lösen, verworrene Situationen Schritt für Schritt zu entwirren. Vielleicht können in diesem Prozess Lösungen gefunden werden, die den einzelnen Menschen helfen und letztlich der Firma dienen. Führungskräfte sind auf andere Menschen angewiesen. Der Chef muss wissen: Er ist nicht allein und arbeitet mit fähigen Leuten zusammen, welche einen Beitrag zur Problemlösung und zum Unternehmenserfolg leisten können.

Gibt es «problematische» Führungspersonen?
Die gibt es tatsächlich. Ich bin Psychopathen und Narzissten in Führungspositionen begegnet. Das Tragische: In der Firma getraute sich niemand, ihnen offen gegenüber zu treten und sie zu entlassen. Ganz allgemein stimme ich dem Gedanken zu: Es gibt nur wenige Persönlichkeiten, die es verstehen, mit viel Geld und mit einer grossen Machtfülle umzugehen. Bei solchen Voraussetzungen heben die meisten ab und verlieren die Bodenhaftung.

Kurz und knapp: Was sind absolute No-Gos im Bereich KMU-Führung?
(überlegt einen Moment) Respektloses Verhalten gegenüber Kunden oder Mitarbeitenden. Fehlende Wertschätzung von Menschen: Schreien, diffamieren,  mobben, ausbeuten. Grundsätzlich ärgern wir uns über Menschen, nicht über technische Pannen. Menschen motivieren uns zu Leistungen oder machen uns krank. Ein gutes Arbeitsklima ist der Nährboden für gute Leistungen und Unternehmensgewinne. Ich empfehle deshalb, der Führung und dem zwischenmenschlichen Bereich grosse Aufmerksamkeit zu schenken.

Bitte ergänzen Sie die folgenden fünf Satzanfänge:
Ein guter KMU-Chef ist … ein Patron.
Ein guter KMU-Chef macht … Gewinn und behandelt die Mitarbeitenden gut.
Ein guter KMU-Chef darf … humorvoll sein.
Ein guter KMU-Chef will … das Beste für sein Unternehmen.
Ein guter KMU-Chef muss … gut in Erinnerung bleiben.

Zur Person

Ulrich Zwygart studierte Rechtswissenschaften an der Universität Bern, wo er zum Doktor der Rechte promovierte. Er arbeitete von 1980 bis 1985 als Rechtsanwalt. Von 1985 bis 2007 diente Zwygart als Berufsoffizier in der Schweizer Armee. 1999 wurde er zum Brigadier und 2001 zum Divisionär befördert.
Von 2008 bis 2012 war er Managing Director und Global Head Training and Communications bei der Deutschen Bank in London und von 2013 bis 2014 Chief Learning Officer bei der Zurich Insurance Group.

Zwygart ist Honorarprofessor für General Management an der Executive School for Management, Technology and Law der Universität St. Gallen. Sein Forschungs- und Beratungsschwerpunkt sind Management und Leadership. Er ist Autor zahlreicher Führungsbücher.

 

 

Es juckt nicht!

Vor den Toren der Waldshuter Altstadt steht ein nach vorne geneigter Mann, fest erdverbunden mit einem gewaltigen Fuss, den andern, dünneren, tastend nach vorne ausgestreckt, den Blick mit starrem Auge rückwärts gewandt. «Grenzgänger» heisst das Werk von Jürgen Goertz. Die Plastik «verkörpert den Konflikt zwischen Beharren und Fortschritt, zwischen Tradition und gebremster Bewegung».

Waldshut grenzt an die Schweiz. Der Rhein bildet hier eine natürliche Barriere. Wie hoch ist aber die Schranke, die das Handeln der grenznah lebenden Bevölkerung bestimmt? Entsprechen das vorsichtige Tasten und das ängstliche Zurückschauen der Waldshuter Skulptur den Tatsachen?

Grenzgaenger von Jürgen Goertz

Als langjähriger Bürgermeister von Waldshut-Tiengen befasst sich Martin Albers mit «Grenzfragen». Wie kaum ein anderer ist er deshalb befugt, über das Verhältnis der grenznah lebenden Bevölkerung zum Nachbarn Gültiges auszusagen. Schon seine erste Antwort überrascht.

Herr Albers, sind Sie selber ein Grenzgänger?
(Martin Albers antwortet keineswegs spontan. Er zögert, denkt nach, kneift die Augen zusammen.) Ich suche gerne Grenzen auf, schaue, was dahinter ist. Aber ich komme auch gerne wieder nach Hause. Was ist wirklich möglich; was kann man umsetzen? Es gilt, das Machbare zu erkennen und sich darauf zu konzentrieren. Auch da stosst man auf Grenzen. Das hat unter anderem historische Gründe.

Wie meinen Sie das?
Im Jahr 1945 lebten in Waldshut 6000 Personen, in Tiengen 4000, eine relativ homogene Bevölkerung. Dann kamen in diesen beiden Städten etwa 4000 Flüchtlinge aus Pommern, Schlesien und Ostpreussen an, die meisten von ihnen evangelisch, während hier ein traditionell katholisches Umfeld ist. Die einzelnen Gruppen blieben anfangs unter sich. Jahrzehnte später dieselben Mechanismen, als nach dem Mauerfall die Ostdeutschen aus Sachsen, Thüringen und Brandenburg hier siedelten. Und wieder die Einreisewelle der Russlanddeutschen aus Sibirien, Kasachstan und Armenien. All das war mit ein Grund, weshalb das Interesse an grenzüberschreitenden Kontakten gering blieb. Umgekehrt beschränkten sich auch die Schweizer mehrheitlich auf ihr Umfeld. Beispiel: Die hohe Dichte und die Qualität der Universitäten führen dazu, dass sich nur wenig Studierende im Ausland immatrikulieren. (denkt nach) Der Zweite Weltkrieg hat unerhört viel ausgelöst.

Erkennen Sie Mentalitätsunterschiede?
Gerne schicke ich voraus, dass ich Kontakte mit Menschen aus der Schweiz immer angenehm empfinde. Aber es gibt schon deutliche Unterschiede. Die Deutschen verhalten sich im Kontakt mit den Schweizern eher zurückhaltend. Und sie beachten Formen von Höflichkeit, die für Schweizer merkwürdig erscheinen. Die Hierarchie spielt zum Beispiel eine bedeutende Rolle. Schweizer treten selbstbewusster und gewandter auf. Sie sind klar in ihrer Positionierung. Persönliches wird kaum angesprochen. Die Deutschen suchen zuerst eine freundschaftliche Basis, bevor sie sich schwierigen Themen zuwenden.

Ein Blick in die Zukunft: Wie wird sich Ihrer Meinung nach das Verhältnis der grenznah lebenden Menschen zueinander entwickeln?
Es bleibt der Politik auf allen Ebenen vorbehalten, hier Weichen zu stellen. Wenn die Schweiz zur EU kommt, sind die Voraussetzungen für eine Annäherung viel besser. Ein entscheidender Hinderungsgrund ist die Frankenstärke. Das betrifft nicht nur das Gewerbe, sondern jeden Einzelnen. Denken Sie an einen Besuch des Zürcher Zoos mit der ganzen Familie. Für viele meiner Mitbürger eine finanzielle Herausforderung. Dasselbe gilt für Ferien in der Schweiz. Ausserdem spielen die Schweizer Diskussion um die Ausländerthematik mit hinein und ebenso der Einfluss rechts gerichteter Politik.

Blick über die Grenze, über den trennenden Grenzfluss Rhein zum Zoll Waldshut

Diesseits der Grenze am Zoll Koblenz: Wie denken die dort drüben?

Und im Kleinen?
Da erkenne ich zahlreiche Ansatzpunkte. Ich nenne den grenznahen Tourismus – ich war kürzlich in Königsfelden und habe den Legionärspfad kennen gelernt. Oder den grenzüberschreitenden Besuch von Volkshochschulen. Oder die Mitgliedschaft in Vereinen und Zünften. Oder grenzüberschreitende Aktivitäten wie etwa der SlowUp Hochrhein oder die schwäbisch-alemannische Fasnet. Letztlich liegt das Gelingen immer an einzelnen aktiven Personen. So etwa, als unsere CDU in Kontakt mit der CVP ennet des Rheins trat. Es gab Besuche und Ausflüge, nach Aarau zur Grossratsession und sogar ins Bundeshaus in Bern. Aber sonst beschäftigen sich meine Landsleute meist nur dann mit den Nachbarn auf der andern Rheinseite, wenn sie das tun müssen. Die Schweiz ist Ausland. Punkt. Ausnahmen strahlen nicht aus. Es juckt nicht!

Wie sieht es mit offiziellen Kontakten aus?
Es gab grenzüberschreitende Projekte, die wir in gemischten Projektgruppen angingen. Eines der sichtbarsten war die Bahnverbindung Koblenz-Waldshut mit der neuen Brücke und der Elektrifizierung der Hochrheinstrecke. In der Hochrheinkommission trifft man sich und befasst sich mit Themen aus Verkehr, Bildung, Tourismus und Energie. Weitere Kontakte ergeben sich bei offiziellen Anlässen, bei Neujahrsempfängen oder festlichen Anlässen. Dabei beobachte ich öfters Merkwürdiges: Die Besucher bleiben gerne unter sich, so kommt es gar nicht zum erwünschten Gedankenaustausch.

Was wäre aus Ihrer Sicht wünschenswert?
Ein möglichst grosses Angebot an Kontaktmöglichkeiten, bei denen Deutsche und Schweizer ins Gespräch kommen. Wichtige Themen von gemeinsamem Interesse gibt es genug: das Tiefenlager oder den Fluglärm. Bei Informationsveranstaltungen sehe ich aber kaum jemanden von der jeweils anderen Seite. Immerhin gibt es einen gewissen Austausch in den Kommissionen. – Informelle Kontakte liessen sich bei einer offenen Grundhaltung leicht herbeiführen, etwa in Schwimmbädern oder in Restaurants. Ich wünschte mir, dass die Menschen vermehrt grenzüberschreitend denken. Dass wir Deutschen zum Beispiel das PSI oder die Fachhochschule in Brugg-Windisch als zu unserer erweiterten Region gehörend betrachten, unsere Studenten und unsere Wissenschaftler dorthin schicken und diese Institutionen zum Dialog nutzen. Die Staatsgrenze sollte nicht gleichzeitig unsere Vorstellungskraft und unseren Horizont eingrenzen.

Martin Albers (1953) hat einen interessanten Lebenslauf: Abitur, Gebirgsjäger, 1973 Eintritt in den Kapuzinerorden, Studium der Philosophie, Theologie, Rechtswissenschaften. 1987 Landratsamt Waldshut, 1990 stv. Pressesprecher Kultusministerium Stuttgart, 1990 Wahl zum Oberbürgermeister Waldshut-Tiengen, Wiederwahlen 1999 und 2007, im Amt bis 2015. Zahlreiche Ämter in überregionalen Gremien u. a. langjähriges Mitglied der Vollversammlung des Regionalverbandes Hochrhein-Bodensee. Albers ist verheiratet, hat 4 erwachsene Kinder und vier Enkel.

 

«Wir verkaufen Hautgefühl»

Es ist ein kleines Wunder, dass es in unserem Land noch Webereien gibt! Denn in den letzten 50 Jahren sind in der Schweizer Textilindustrie neun von zehn Arbeitsplätzen verschwunden. Überlebt hat die Weseta Textil in Glarus dank dem Glauben an Schweizer Qualität und dem Mut zur Innovation. Der Zürcher Unternehmer Conrad Peyer lässt tief im Sernftal, inmitten der Glarner Alpen, traumhaft weiche Frottiertextilien weben – beste Schweizer Wertarbeit. Er ist ein Visionär, ein Macher, genauso wie seine Vorfahren.

Während der Autofahrt von Ziegelbrücke nach Niederurnen erzählt Peyer von seinem Grossvater, der in den 40er Jahren als Gemeindepolitiker unermüdlich nach Bern reiste und dort um Baumwollkontingente verhandelte. Damals galt ein Importstopp für Baumwolle und andere Waren. In zweiter Generation übernahm Peyers Onkel die Firma Weseta. Er behauptete sich gegen zunehmende Konkurrenz aus Niedriglohnländern. Heute leitet Conrad Peyer das Unternehmen. Als Inhaber hält er mit 80 Prozent des Aktienkapitals eine komfortable Mehrheit.

Alles oder nichts
Als Peyer 1995 die Leitung der Weseta übernahm, war er 34 Jahre jung. Obwohl ein erfahrener Betriebswirtschafter und Wirtschaftsprüfer, fühlte er sich von den bevorstehenden, harten Entscheidungen überfordert, wie er ehrlich zugibt. So holte er sich einen Berater zur Seite, reduzierte das Personal von 70 auf 25 Mitarbeitende und investierte in den Exporthandel. Die Firma galt als saniert, als neue Ereignisse das Kaufverhalten negativ beeinflussten: der Anschlag auf das World Trade Center, der Krieg gegen den Irak – dann die Finanzkrise. Während Investoren 2008 ihre Aktien auf den Markt schleuderten, investierte Peyer grosse Summen in die Produktion. «Alles oder nichts», lautete seine Devise. Seit 2011 besitzt die Firma einen der modernsten Maschinenparks Europas.

Perfektion und Beständigkeit
Niederurnen. Erstes Etappenziel ist die Jenny Fabrics, bekannt für ihre anspruchsvollen Bekleidungs- und Vorhangstoffe. In diesen Fabrikhallen hat sich die Weseta mit zwölf Webmaschinen eingemietet. Es rattert und bebt in der grossräumigen Industriehalle. An der Decke schweben weisse Baumwollflocken. Ein Bild, als wäre Frau Holle mit am Werk. Garnspulen, aus erlesener amerikanischer Baumwolle, werden hier in einem sorgfältigen Verfahren in seidenweiche Frottées verwandelt – tac, tac, tac, tac – jeder Faden ist einzeln angesteuert; moderne Dynamik, die das alte Handwerk weiterleben lässt. «Wir verkaufen Hautgefühl», erklärt Peyer den Qualitätsunterschied. «Das besonders Weiche stellen wir im mechanischen Prozess her, nicht erst beim Färben.»

 

Weit hinten im Tal liegt Engi, der Hauptsitz der Weseta, rund 80 Kilometer von der Wirtschaftsmetropole Zürich entfernt. «Natürlich ist es schwierig, abseits der Zentren qualifiziertes Personal zu finden», sagt Peyer. Dafür macht er mit fortschrittlichen Arbeitsmodellen auf seine Firma aufmerksam. Oder pflegt ein grosses Netzwerk, um motivierte Schulabgänger für eine kaufmännische Lehre zu gewinnen. Sprachen und Freude am Reisen sind wichtig; schon von Beginn weg dürfen Lehrlinge mit an die Messen und sich auf internationalem Terrain bewegen.

Mit Weseta auf Tuchfühlung
Frottiertextilien sind weit weniger ein Produkt als ein Gefühl. Und wer Wohlgefühl vermitteln will, braucht Herzblut. In Peyers Brust schlägt nicht nur ein Kämpferherz, nein, wer ihm zuhört, spürt auch seine Leidenschaft für Qualität und die Liebe zum Detail. Spätestens dann, wenn man die versandbereiten Frottées in Händen hält. Rund 300 000 einzeln von Hand kontrollierte Badetücher, -mäntel und -teppiche stehen auf 2000 m2 Fläche für die Handelspartner bereit. Prompte Lieferung in jeder Stückzahl: Auch das ist Qualitätsbewusstsein.

Weseta erzielt jährlich rund acht Millionen Franken Umsatz, davon 30 Prozent mit Lieferungen ins Ausland. Ein Grund sich zurückzulehnen? Weit gefehlt! «Naturaldream» heisst das neuste Produkt, gewoben aus extralangstapliger Supima Baumwollfasern. Es steht für höchste Bioqualität. Peyer wird das Frottiertuch im Januar 2017 in Frankfurt, an der weltweit grössten Textilmesse, vorstellen. «Swiss Made hat Erfolg, weil Gutes gut tut und edle Materialien zum persönlichen Statement gehören», ist er überzeugt.

Hauptsitz Weseta Textil, Engi
Rohgarn-Rollen im Vorwerk
Der Webereileiter Oliver Petig an einer der Jacquard-Webmaschinen
Konfektion / Näherei Engi
Mitarbeiterinnen am Legetisch
Stück für Stück wird handkontrolliert
Frottier-Qualität zum Wohlfühlen
Idyllisches Sernftal

Mit dem Gourmetkoch kam die Liebe

Iris Petermann wäre gerne Skilehrerin geworden. Oder Hochzeitsplanerin. Als Bündnerin – in Klosters aufgewachsen – liebt sie die Berge, und ein Flair für festlich Schönes ist ihr gegeben. Nun, das eine wie das andere hat sich nicht erfüllt. Und doch ist sie dem, was ihr Spass macht und sie auszeichnet, bis heute treu geblieben.

Angefangen hat alles nach Plan. Dann, auf halbem Berufsweg Richtung Skilehrerin, hat sie sich verliebt, hat ihre Träume kurzerhand umsortiert. Den Schnee gegen ein Leben als Gastgeberin eingetauscht. Sie, die engagierte Hotelsekretärin, er, der Gourmetkoch Horst Petermann. In Arosa, im Hotel Prätschli, sind sie sich bei der Arbeit begegnet, nach Ascona weitergezogen und später im Restaurant Kunststuben am Zürichsee 30 erfolgreiche Jahre geblieben.

Wer Iris Petermann nach Anekdoten fragt, bekommt ein Lächeln und wunderbare Geschichten serviert. So erinnert sie sich an einen Gast, der nach einem passenden Wein verlangte. «Nun, wir haben einen ausgezeichneten Sommelier…», begann sie ihren Satz. Worauf der Gast sie unterbrach: «Den nehmen wir!»

Iris Petermann wirkt auf den ersten Blick etwas zurückhaltend, aber keinesfalls distanziert. Sie balanciert zwischen authentischer Diskretion und herzlicher Aufmerksamkeit. Mit «aufmerksamem Kontrollieren» umschreibt sie ihre wichtigste Aufgabe als Gastgeberin. So darf man in ihrer Gesellschaft Gast sein und still geniessen. Auch im Restaurant «Weiss Kreuz» in Malans, das sie seit 2014 führt. Dazu gesellen sich der Küchenchef Stefan Jäckel und ihr Mann, der beratend zur Seite steht. Ein eingespieltes Team; die gleiche Crew, ein neuer Ort. Anders hätte sie sich nicht nochmals herausfordern lassen. «Das Leben ist ruhiger, weit weg vom Zürcher Nobelort, wo die Erwartungen hoch sind und mich jeder kennt», hat sie sich ausgemalt und festgestellt, dass ihre eigenen Erwartungen noch viel grösser sind.

Ein Wirtshaus mit Seele und Stammtisch will sie in diesem malerischen Dorf inmitten der prominenten Weinberge pflegen, wo man gut isst, edel trinkt, aber dafür keine fünf Stunden zu verweilen braucht. Auf der Speisekarte stehen regionale und mediterrane Speisen, ein Schmankerl aus Österreich oder – pssst, nicht à la carte – auch mal Schnitzel und Pommes. «Ich bin mit Fischstäbchen aufgewachsen», lacht sie.

Iris Petermann und Küchenchef Stefan Jäckel
Blick von der Sonnenterrasse auf die Berge
Die Sonnenterrasse mit französischem Flair dekoriert
Die Jodlerstube
Serviert werden regionale und mediterrane Speisen
Weihnachten, die schönste aller Jahreszeiten

Die Dekorationen sind pompös und bunt, je nach Saison und Anlass. Draussen französische Tischdecken, drinnen ein Hauch von amerikanischem Glanz. Und an Weihnachten – «die schönste aller Jahreszeiten» – wird’s romantisch. Für ihre Blumenkreationen fährt sie oft und gerne nach Zürich an die Blumenbörse, lässt sich dort inspirieren und setzt ihre Ideen um. Mit Erfolg. Weil stilvolle Dekorationen gefallen und weil Iris Petermann damit genau das tut, was sie am besten kann: Menschen verwöhnen.

Der Föhn hat etwas nachgelassen und rüttelt nicht mehr so stark an den hellen Sonnenschirmen. Es ist ein warmer Spätsommertag und die Berge scheinen zum Greifen nah. «Ich habe meine Berge vermisst», sagt sie. «Das ist mit ein Grund, warum ich zurückgekommen bin.» Ob sie bleiben wird? Ein halbes Jahr nach Paris würde sie gerne reisen oder nach New York, zum Deko-Artisten Preston Bailey, lernen, wie man grosse Feste ausrichtet. Lesen. Zeit haben.

Einige Minuten bleiben noch. Tief durchatmen, Heimat spüren. Schon bald kommen die Abendgäste. Es ist Jagdsaison, auf der Speisekarte stehen Gamspfeffer und Rehrücken. Dazu passend Wein aus der Bündner Herrschaft. «Herzlich willkommen. Schön, dass Sie unser Gast sind.»

Wenn, dann mit Humor

«Humor ist etwas Ernstes», sagt der Schauspieler Eric Rohner und denkt dabei an humoristische Einlagen, Figuren, die Zuschauer zum Schmunzeln bringen. Augenzwinkernd fügt er hinzu, «wenn ich als Humorist lache, wer soll dann noch mitlachen?» Humor wirkt also nur, wenn man Humor ernst nimmt. Beispielhaft dafür sind existentielle Geschichten, wie sie der britische Regisseur und Drehbuchautor Ken Loach in seinen Filmen erzählt. Sie zeugen von grossartigem schwarzem Humor. Es sind häufig Sozialdramen, Menschen, die am Abgrund stehen und sich immer wieder aufrappeln. Grossartig, weil man mit den Protagonisten mitleidet und mitfiebert – die ganze Palette an Gefühlschaos. Das Leben eben.

Von Ende einer Geschichte
Dass Eric Witz hat, dem Leben viel Positives abgewinnt, zeigt die unverstellte Art, wie er über seinen Beruf spricht. Diese Nonchalance, wenngleich etwas überspitzt, verkörpert er auch als Lotto-Millionär Heini Sutter im Swisslos-TV-Spot.

Seine aktuelle Theaterproduktion «Vom Ende einer Geschichte» basiert auf dem 2011 erschienenen Roman des englischen Schriftstellers Julian Barnes. In der Rolle als Ich-Erzähler Tony Webster geht er unzimperlich mit seiner Vergangenheit um, indem er belastende Erinnerungen einfach verdrängt. Bis ihn die Ereignisse plötzlich überrollen. Was bleibt, ist die Frage nach der persönlichen Verantwortung. Das Thema garantiert keinen vergnüglichen Abend, vielmehr sind die Zuschauer zum Nachdenken aufgefordert: Wie steht es um die eigene Reflektion? Alles verfälschte Projektionen, um besser mit der Vergangenheit zu leben?

Noch zweimal steht Eric als Webster auf der Bühne: im Oktober, im Theater Ticino in Wädenswil. Dann fällt der Vorhang und lässt Platz für Neues.

Szenenbild aus Julian Barnes

Szenenbild aus Julian Barnes

Schauspiel und vieles mehr
Nicht neu, dafür wiederkehrend sind die «Industrie-Theater», wie Eric Gesprächssimulationen lakonisch nennt. Im Auftrag von Firmen spielt er unter anderem den hartnäckigen Kunden, der die Anlagevorschläge des Bankberaters demonstrativ hinterfragt. Mit Wort und Gestik lockt er «seine» Kandidaten aus der Reserve. Das will gelernt sein. Denn es bedingt fundiertes Fachwissen und ein überzeugendes Auftreten.
Oder er schleust sich für Consultingfirmen unter falschem Namen als Seminarteilnehmer ein. Dafür schlüpft er für zwei Tage in die Rolle eines dezent zugänglichen (schliesslich will man ja keine Freundschaften knüpfen) und interessierten Teilnehmers. Immer dann, wenn aufmerksames Zuhören und aktives Nachfragen gefordert sind. Das Eis brechen, das liegt ihm.

Was wäre wenn?
Was würde Eric Rohner anstellen, wenn er wirklich ein Lottomillionär wäre? «Meine nächste Theaterproduktion finanzieren.» Zack, die Antwort kommt schnell. Über das «Was-für-Eine?» schweigt er sich aus – noch ist alles hypothetisch.

Da ist noch eine Idee: «In zwei Jahren will ich gemeinsam mit ein paar grauen Wölfen auf die Bühne gehen.» Eine grosse Geschichte soll es werden, mit Orchester und ungefähr zehn Schauspielern. «Finanziell ein völliger Schwachsinn», meint er realistisch. «Was macht das schon? Nachher gehen wir alle in Pension.» Er lacht wieder, und man lacht gerne mit.

Eric will auf keinen Fall in der Versenkung verschwinden, sondern seine Erfahrung und seine Kreativität teilen. Nur tut er sich schwer mit dem Vernetzen, erst recht mit jungen Theaterschaffenden. Das ärgert ihn. «Denn das Zusammensein mit jungen Menschen ist ein Geschenk», sagt er. «Durchmischte Generationen bewegen viel.»

So bleibt die Frage nach dem «Wie-Weiter?» noch offen. Und da solche Fragen lebensnotwendig sind, begegnet er ihnen mit Humor.

Man täusche sich nicht in Hillary Müri!

Hillary Müri-O'Connor

Das ist Frau Müri. Ein offener, herzlicher Blick, ein sehr freundliches Lächeln. Frau Müri wohnt hier gleich um die Ecke. Sie ist 39 Jahre alt. Im Moment ist sie nicht berufstätig. – Das alles tönt noch nicht gerade aufregend.

So kann man sich täuschen.

Frau Müri war im Irakkrieg. Als Kampfpilotin. Unter anderem flog sie den in der Schweiz wohlbekannten F/A-18 Hornet. Meistens aber den furchteinflössenden Grumman F-14 Tomcat. In unzähligen Einsätzen hat sie vom Flugzeugträger Theodore Roosevelt aus Bodenziele im Nordirak bekämpft.

Und jetzt wohnt und lebt sie hier gleich um die Ecke.

Faszination Fliegen
Damals hiess Frau Müri Hillary O’Connor. Sie wuchs in Cleveland im amerikanischen Bundesstaat Ohio auf. Nichts deutete zunächst auf eine Karriere in der Fliegerei hin. Der Vater arbeitete als Schweisser, die Mutter war Lehrerin. Das Fliegen war im Hause O’Connor kein Thema. «Es gab damals keinen Menschen in meinem Leben, der mich zur Fliegerei gebracht hätte, und ich wüsste auch von keinem entsprechenden Ereignis», erzählt Hillary. «Es war auf unerklärliche Weise einfach in mir drin. Ich habe Flugzeuge am Himmel gesehen und spürte sogleich eine grosse Faszination.»

Doch der Weg führte Hillary nach der Schule zunächst nicht direkt ins Cockpit. Sie entschloss sich zu einem Universitätsstudium mit dem Ziel, Flugzeug-Ingenieurin zu werden. Während ihres ersten Studienjahres trat 1996 eine für Hillary entscheidende Änderung von US-Reglementen in Kraft. Fortan durften Frauen auch zu Kampfpilotinnen ausgebildet werden, während sie früher ausschliesslich Helikopter oder Transportflugzeuge steuern durften.

Hillary schrieb sich sofort zu Ergänzungskursen ein mit dem Ziel, nach dem Studienabschluss diese fliegerische Laufbahn zu ergreifen. Studienbegleitend bildete sie sich in unterschiedlichen Bereichen der Fliegerei aus, etwa in der Navigation. Während der sommerlichen Semesterferien belegte Hillary sogenannte Erlebnisprogramme, bei denen es ebenfalls um die Militärfliegerei ging. Und so schloss Hillary nicht nur als Flugzeug-Ingenieurin ab; sie wurde gleichzeitig in den Rang eines Naval Flight Officer erhoben.

In Fleisch und Blut
In den nun folgenden 18 Monaten durchlief Hillary in Pensacola, Florida, eine strenge fliegerische Ausbildung. Der Einstieg erfolgte über ein Propellerflugzeug des Typs T-34 Beechcraft, danach stieg sie auf den T-39 Sabreliner um, eine zweistrahlige Maschine, die eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Geschäftsflugzeug hat. Hier stand die Schulung am Radar im Vordergrund.

Nächste Station war der Jettrainer Rockwell T-2 Buckeye, ein Doppelsitzer, mit dem Hillary erste Luftkampfübungen absolvierte. Und dann die Grumman F-14 Tomcat, «one oft he greatest fighter jets of all time», ein zweistrahliges Kampfflugzeug mit Schwenkflügeln, das eine Höchstgeschwindigkeit von rund 2500 km/h erreicht. Ungefähr ein Jahr lang war Hillary gemeinsam mit einem Fluglehrer in permanentem Training auf dieser Maschine unterwegs. Dabei ging es zum Beispiel um erfolgversprechendes taktisches Fliegen in unterschiedlich grossen Formationen, also im Alleinflug, in Zweier- und Viererpatrouillen oder in noch stärkeren Verbänden.

Nach den Ereignissen um 9/11 begann sich die Möglichkeit von Kriegseinsätzen abzuzeichnen. Nun hiess es erst recht: «Training, Training, Training. Die Qualität des Trainingsstandes entspricht der Qualität im Einsatz. Wir übten so lange, bis uns alles in Fleisch und Blut übergegangen war.»

Eine Grumman F-14 Tomcat auf dem Flugzeugträger Theodore Roosevelt, kurz vor dem Start. Hillary hat im Cockpit auf dem hinteren Sitz Platz genommen
Ein Grumman F-14 Tomcat, wie ihn Hillary O'Connor flog, bereitet sich auf die Landung auf dem Flugzeugträger Theodore Roosevelt vor. Der Fanghaken am Heck des Flugzeugs ist deutlich zu erkennen
Hillary O'Connor an ihrem Arbeitsplatz
Eine Grumman F-14 Tomcat wird in der Luft aufgetankt. Es handelt sich um ein ausserordentlich diffiziles Manöver, das Hillary immer und immer wieder geübt hat

Im Krieg
Es war im Jahr 2003, als es eines Tages hiess, die Staffel von Hillary werde mit dem Flugzeugträger Theodore Roosevelt ins östliche Mittelmeer verlegt. Und in aller Deutlichkeit: «Bereite dich darauf vor, nicht mehr heimzukommen.» Hillary erinnert sich: «Wir hatten keine Ahnung, was uns bevorstand. Wir hatten keinerlei Informationen, und doch wollten wir Gewissheit. Die Anspannung war enorm.»

Ganze fünf Monate verbrachte Hillary auf dem Flugzeugträger. Anfänglich absolvierte sie zahlreiche Vorbereitungsflüge. Und dann war die Zeit für die ersten Ernsteinsätze gekommen. «Angst? Nein, das ist das falsche Wort. Aber eine ungeheure Anspannung.» Im Nordirak unterstützte Hillary aus der Luft die alliierten Bodentruppen. «Meine Kameraden am Boden bildeten isolierte Zellen, die auf mich angewiesen waren. Sie befanden sich in grosser Gefahr und brauchten mich, um ihre Aufträge zu erfüllen.»

Drei Monate lang stand Hillary über dem Irak im Einsatz. Zu keinem Moment stiess sie dabei auf nennenswerte Abwehr. Gegnerische Flugzeuge gab es keine. Zwar wurden Boden-Luft-Abwehrraketen eingesetzt, die jedoch technisch veraltet und leicht auszutricksen waren.

Hillary spricht nicht von den Andern, vom Gegner, den sie damals bekämpfte. Sie ist sich sehr wohl bewusst, dass sie geholfen hat, Menschen zu töten. Es belaste sie heute nicht, sagt Hillary, sie habe ihren Frieden damit gemacht. «Ich hatte immer meine Kameraden vor Augen, die ich unterstützen und zugleich schützen wollte.»

Herr Müri
Zurück in den USA war Hillary während 2½ Jahren als Instruktorin am NSAWC (Naval Strike and Air Warfare Center) im Bundesstaat Nevada tätig. «Doch irgendwann wurde mir der Preis zu hoch. Ich war ja immer wieder während langen Monaten weg von meinem Zuhause.» Trotz aller Liebe zur Fliegerei wandte sie sich 2007 einem juristischen Studium zu, das drei Jahre dauerte. In der Folge betätigte sie sich als Anwältin im Dienste von Fluggesellschaften.

Und irgendwann war sie einem jungen Mann begegnet, einem Auslandschweizer, der seit seinem dritten Lebensjahr in den USA lebte. Er heisst Müri, Simon Müri …

Hillary und Simon Müri-O’Connor leben seit einiger Zeit in der Schweiz, «gleich um die Ecke». Hillary gönnte sich eine längere Auszeit. Jetzt wäre sie bereit, wieder einer bezahlten Arbeit nachzugehen. Am liebsten natürlich als Rechtsanwältin für eine Fluggesellschaft. Da weiss sie Bescheid.

«Hillary, was machst du besonders gern? Hast du ein bevorzugtes Hobby?» – «Ja, ich … äh … ich stricke soooo gern.» Und Simon wirft ein: «Sie ist bestimmt die einzige Strickerin-Kriegspilotin der Welt!»

«Das Leben ist spannend – sehr!»

Reto Wettsteins Leben basiert auf drei Säulen. Tagsüber arbeitet er als Wirtschaftsinformatiker, Abends ist er oftmals als Brugger Stadtrat unterwegs, und das Wochenende gehört der Familie. Meistens geht das auf. Manchmal aber auch nicht.

Es ist später Nachmittag. Reto Wettstein kommt direkt von der Arbeit. Es war ein strenger Tag. Intensive Gespräche mit Zürcher Geschäftspartnern. Rückfahrt mit der Eisenbahn. Jetzt hat er sich an einen kleinen Tisch des Strassencafés gesetzt. Das Tagwerk scheint ihm überhaupt nicht zugesetzt zu haben. Wettstein scheint frisch, entspannt und voll konzentriert zu sein.

Spätestens seit seiner Wahl zum Brugger Stadtrat ist Wettstein ins öffentliche Bewusstsein gerückt. 2014 hat er in der städtischen Exekutive Einsitz genommen; er ist für Soziales, Gesundheit und Alter zuständig – als Jüngster des Gremiums! Über sein öffentliches Wirken sagt Wettstein: «Ich erlebe es als eine sehr spannende Aufgabe. Nicht selten erschliessen sich mir gänzlich neue Perspektiven.»

«Man kann etwas bewirken»
Das Interesse an politischen Themen und Abläufen, an demokratischen Entscheidungsprozessen erwachte schon sehr früh. Ebenso der Wille zum Mitgestalten. Bereits als 20-Jähriger reaktivierte er zusammen mit einem gleich gesinnten, ebenfalls sehr aktiven jungen Brugger die Junge FDP Brugg; und die JFDP Aargau präsidierte er in den Jahren 2006 bis 2008. Ebenfalls 2006 wurde er in den Einwohnerrat gewählt. Hier lernte er die lokalen politischen Abläufe aus erster Hand kennen: «Wie läufts? Worauf kommt es an?» Gleichzeitig erweiterte er seinen Bekanntenkreis markant und konstatierte: «Man kann tatsächlich etwas bewirken.»

«Die Politik ist ein offenes Spielfeld», so Wettstein, «einzelne scheiden früh aus, andere bleiben.» Und: «Ich bin erfolgsorientiert.» Allerdings beurteilt Wettstein die Möglichkeiten, die ihm auf dem politischen Parkett gegeben sind, nicht nur euphorisch. Als Mitglied der städtischen Exekutive gibt es Grenzen des Handelns. «Man muss pragmatisch sein.» Im Gespräch lässt Wettstein denn auch durchblicken, dass er sich gerne noch vermehrt in die politische Auseinandersetzung einbringen möchte. Im kommunalen Rahmen ist ihm dies gegenwärtig nicht möglich, und so gibt es nur eine folgerichtige Konsequenz: «Ich will unbedingt in den Aargauer Grossen Rat.» Hinter dieser Aussage steht die Lust am Mitentscheiden, am Politisieren, an der Suche nach der Lösung von operativen Problemen. Und es ist ein grosses Reservoir an Energie, das er verspürt. Und an Willen zur Mitgestaltung.

«Nein, nein!»
Zurück nach Brugg: «Was würden Sie heute sagen – wie heisst der nächste Brugger Stadtammann?» Wettstein lacht maliziös. «Nein, nein, da gebe ich keinen Tipp ab. Es gibt zwar Gespräche in unserer Partei, aber es ist viel zu früh, einen Namen zu nennen.» Ein eigenes Interesse an diesem Amt will er nicht ganz ausschliessen, aber seine Lebensplanung kennt im Moment andere Prioritäten: Die Familie mit einem, bald mit zwei kleinen Kindern, der Beruf, der ihm viel abverlangt, und die Einsicht, dass er zum Beispiel nach drei Amtsperioden kaum an einen Wiedereinstieg denken könnte. «Dann bin ich gut 50 Jahre alt und beruflich natürlich weg vom Fenster. Was könnte ich da noch machen?» Etwas später relativiert er das Gesagte: «Mal schauen … Wenn sie denn gar niemand Fähigen finden … mal schauen …» Die Andeutung eines Lächelns.

Freizeit ist Mangelware
Im Gespräch vermittelt Wettstein glaubhaft den Eindruck, dass er mit seinem Leben, so wie es sich gegenwärtig präsentiert, sehr zufrieden ist. «Die Familie ist natürlich das Wichtigste. Wenn alles gut läuft, haben aber auch der Beruf und die Politik für mich einen sehr hohen Stellenwert. Familie, Beruf, Politik: Ich lebe meine Hobbies. – Nur … » – «Nur?» – «Daneben bleibt kaum noch Freizeit. Ich würde gerne mehr Sport betreiben. Auch im Interesse meiner Gesundheit. Aber das liegt momentan kaum drin. Ich habe ohnehin zu wenig Schlaf.»

Nach einigen Augenblicken des Schweigens: «Ich bin ungeduldig – aber zufrieden. Das Leben ist spannend – sehr!»

«Ich bin einfach so reingerutscht»

Der ehemalige Spitzenfahrer Roland Salm (rechts), Schweizer Strassenmeister der Jahre 1974, 1975, 1976 und 1977, beglückwünscht Claudio Imhof zum zweiten Rang im Super-Sprint-Rennen. In der Mitte der Sieger Manuel Zobrist.

Claudio Imhof ist ein Mann ohne Dünkel, ohne auch nur einen Anflug von Starallüren. Und dies, obwohl er als Radrennfahrer einen unerhörten Palmarès vorzuweisen hat.

Vor wenigen Minuten hat Claudio Imhof im Brugger Schachen das Hauptrennen ungefährdet gewonnen. Jetzt sitzt er in der Festwirtschaft, locker, entspannt und ohne dass ihm die Anstrengung anzumerken ist. Sehr viel Zeit bleibt nicht für das Gespräch. Beinahe mitten im Satz springt er auf, greift sich sein Rennrad und eilt zum Start. Er soll ja nochmals fahren, wobei diesmal nur noch die Bestplatzierten früherer Rennen zugelassen sind. Claudio lässt sich auch diesmal nicht lumpen und fährt als Zweiter ins Ziel. Und da ist er schon wieder, verschwitzt, aber nicht abgekämpft: «Wo waren wir stehen geblieben?»

Claudio Imhof hat unzählige vordere und vorderste Plätze an Radrennen errungen. Allein im Jahr 2015 hat er über 100 Rennen bestritten. Das wertvollste Resultat datiert vom 16. Oktober: An der Europameisterschaft im Punktefahren gewann er die Bronzemedaille. Wenige Monate später, am 2. März 2016 nahm er an der Bahn-Weltmeisterschaft in London teil. Er bestritt dabei drei Rennen und beendete das Scratch-Race als Dritter! Und heute nimmt er an den Brugger Abendrennen teil. – Ein unglaublicher Sportsmann!

Kurz vor dem Startkommando ein Händedruck: «Ja klar, nach dem Rennen habe ich Zeit. Ich komme zur Festwirtschaft.» – «Achtung, fertig, los!» Die Athleten treten in die Pedale, die rasierten Wädli spannen sich, die Schaltungen knacken,  – und weg sind die Rennfahrer.

Kurz nach der Siegerehrung hat Claudio Imhof wieder Platz genommen. Das Interview wird fortgesetzt.

Kurz nach der Siegerehrung hat Claudio Imhof wieder Platz genommen. Das Interview wird fortgesetzt.

«Der Radsport ist mein Leben»
Claudio, was führt dich nach Brugg?
Nach einer längeren Verletzungspause will ich meine Form wieder aufbauen. Da bilden die Brugger Abendrennen eine besonders gute Gelegenheit, den Rennrhythmus wieder zu finden. Ein solches Punktefahren mit den explosiven Antritten ist genau das, was ich im Hinblick auf den Saisonhöhepunkt brauche.

Saisonhöhepunkt?
Ja, im kommenden Oktober findet in Paris die Bahn-Europameisterschaft statt. Da will ich unbedingt wieder im Vollbesitz meiner Kräfte sein.

In welcher Disziplin wirst du starten?
Das steht noch nicht fest. Diese Entscheidung muss der Nati-Trainer treffen.

Wie bist du auf die Brugger Abendrennen aufmerksam geworden?
Mein langjähriger Trainings- und Rennpartner Silvan Dillier erzählte mir schon vor längerer Zeit von dieser Trainingsmöglichkeit, die er selber regelmässig nutzte. So kam ich schon vor Jahren erstmals in Kontakt mit der Rundstrecke im Geissenschachen. Die Rennen sind gut organisiert, sie finden in schöner Umgebung statt, und die Zuschauer können fast die ganze Strecke einsehen und so den Fortgang der Rennen zu jedem Augenblick mitverfolgen. Nach einem verletzungsbedingten Unterbruch musste ich meinen Trainingsrückstand aufholen, und da fiel mir die Startgelegenheit im Brugger Schachen wieder ein. Heute Morgen habe ich in der Region Bielersee trainiert, und nach dem Rennen fahre ich mit dem Auto heim nach Sommeri in der Nähe vom Bodensee. Da liess sich «Brugg» problemlos einbauen.

Du hast schon von den explosiven Antritten gesprochen. Welche weiteren Elemente trainierst du hier?
Im Vordergrund steht wohl die Tempohärte. Wenn ich allein unterwegs bin, kann ich das niemals so gut trainieren wie bei einer rennmässigen Veranstaltung, wo immer ein beachtlicher Durchschnitt gefahren wird. Es geht um die Belastung des Körpers bei solch hohen Tempi. Dabei ist es wichtig, offensiv zu fahren und sich nicht einfach im Pulk mitziehen zu lassen. Das Resultat steht also nicht unbedingt im Vordergrund. Ich schöpfe auch Selbstvertrauen, wenn ich nicht gewinne, aber mit meiner Trainingsleistung zufrieden bin.

Stichwort offensiv fahren: Hast du nicht Angst vor Stürzen und Verletzungen? In den Kurven geht es ja geradezu halsbrecherisch zu und her.
Ich habe schon an so vielen Rennen teilgenommen, dass ich einen gewissen Instinkt entwickelt habe. Die Erfahrung lehrt mich erkennen, welche andern Fahrer routiniert sind. Ich achte darauf, dass ich mich nicht hinter einem unsicheren Fahrer einreihe. Grundsätzlich bin ich ganz und gar kein aggressiver Mensch. Ich fahre mein Rennen, ohne die Konkurrenten irgendwie zu behindern. Wenn aber einer gezielt die Ellbogen ausfährt, weiss ich mich zu wehren.

Wie gehst du in ein grosses Rennen? Tunnelblick?
Nein, darin unterscheide ich mich von vielen andern Rennfahrern. Ich gehe unbelastet an den Start, wenn auch oftmals ziemlich nervös. Ich wechsle noch ein paar Worte mit dem einen oder andern Fahrer. Und spätestens wenn der Start freigegeben ist, fällt auch die Nervosität ab.

Wie bist du überhaupt zum Radsport gekommen?
Ich habe schon in jungen Jahren die Tour de Suisse und die Tour de France am Fernsehen verfolgt. Das hat mich dazu animiert, es auch mal auszuprobieren. Im Keller stand ein altes Rennrad von meinem Vater. Ich holte es herauf und fuhr damit meine ersten Kilometer. – Ich bin also einfach so reingerutscht.

Du bist Rennfahrer. Das ist ein Beruf, bei dem es letztlich nur um dich geht. Hast du nie daran gedacht, einen Beruf zu wählen, bei dem du etwas leistest, das den Menschen einen Nutzen bringt? Maurer zum Beispiel oder Gärtner oder Lehrer oder Pfarrer?
(lächelt und denkt einen Moment nach) Diese Frage stellt sich im Moment nicht für mich. Der Radsport ist mein Leben. – Ja, der Radsport ist definitiv mein Leben!

Was macht Claudio Imhof heute in 20 Jahren?
In 20 Jahren? Tja, dann wäre ich gerne Nati-Trainer. Das würde mir Freude machen.

Sechs Tiger ohne Raubtierkäfig

Oberstleutnant Nils Hämmerli, Kommandant der Patrouille Suisse

Oberstleutnant Nils Hämmerli kommandiert seit 2016 die Kunstflugstaffel der Schweizer Luftwaffe, die Patrouille Suisse. Am Samstag, 13. August, war er in Birmenstorf anzutreffen. Als eine der Hauptattraktionen faszinierte die Patrouille Suisse Zehntausende von Menschen, die sich zum Convoy to Remember eingefunden hatten. Hämmerli kommentierte als Speaker das Geschehen am Himmel. Er verwies auf die Schwierigkeiten, die bei den einzelnen Figuren zu meistern sind, er vermittelte Hintergrundinformationen zu den Flugzeugen, zur Geschichte und zur Bedeutung der Patrouille Suisse, und er nahm sich viel Zeit, Fragen zu beantworten.

Herr Hämmerli, nach 15 Jahren hat Ihr Vorgänger das Kommando der Patrouille Suisse an Sie übergeben. Ist das ein Aufbruch in eine neue Ära? 
Daniel Hösli, mein Vorgänger, hat hervorragende Arbeit geleistet. Ich sehe keinen Grund, nun alles auf den Kopf zu stellen. Im Gegenteil: Ich will Bewährtes weiterführen und dabei auf die bekannten Qualitäten der Patrouille Suisse setzen, auf höchste Präzision, Disziplin und Dynamik.

Welche weiteren Aufgaben fallen Ihnen als Kommandant der Patrouille Suisse zu?
Ich suche die Nähe zu den Menschen. Dies geschieht zum Beispiel an solchen Veranstaltungen wie dem Convoy to Remember. Unsere Kunstflugstaffel soll in der Bevölkerung fest verankert sein.

Von 1999 bis 2004 waren Sie selbst als Pilot Mitglied der Patrouille Suisse. Wie sieht das heute aus? Fliegen Sie manchmal noch mit?
Ja, das kommt schon mal vor. Zwar nicht bei solchen Vorführungen, aber zum Beispiel bei Fotoflügen.

Die Patrouille Suisse wurde vor 52 Jahren ins Leben gerufen. Was hat sich in all den Jahren geändert – abgesehen von den Flugzeugtypen?
Erstaunlicherweise nicht sehr viel. Sie sprechen die Typen an: Ja, zuerst flogen unsere Vorgänger mit dem Hunter. Seit 2005 ist es der Tiger. Was sich sehr wesentlich verändert hat, das sind nicht etwa die Figuren oder andere fliegerische Aspekte. Vielmehr ist es der öffentliche Auftritt, der viel intensiver betrieben wird. Ich nenne da nur das Internet und all die Sozialen Netzwerke, denen heute eine enorme Bedeutung zukommt.

 
 
 
 
 

Wie muss man sich das Prozedere vorstellen, wenn Sie neue Flugfiguren «erfinden» und in Ihr Programm einfügen?
Die Zahl der möglichen Figuren, die wir mit sechs Flugzeugen fliegen und zeigen, ist nicht unbegrenzt. Oftmals sind uns durch die örtlichen Voraussetzungen Grenzen gesetzt. Hier in Birmenstorf befinden wir uns zum Beispiel in der Flugverkehrszone von Kloten, wodurch der zur Verfügung stehende Luftraum nach oben eingeschränkt ist. Um auf Ihre Frage zurückzukommen: Jede Änderung besprechen wir genau gleich wie den Programmablauf im ganzen Team. Jeder muss ja genauestens wissen, welches seine Aufgabe ist.

Kann es sein, dass Sie zu neuen Ideen kommen, wenn Sie andere Kunstflugstaffeln bei deren Vorführungen beobachten?
Selbstverständlich schauen wir da ganz genau hin. Im Vordergrund stehen aber immer die Sicherheit und die Fliegbarkeit. Da kennen wir keine Kompromisse.

In wenigen Minuten erwarten wir die Patrouille Suisse über dem Platz. Mit welchen Geschwindigkeiten werden Ihre Kameraden fliegen?
Das ist nicht bei allen Figuren gleich. Es gibt «Bilder», die wir mit 300–350 km/h und mit ausgefahrenem Fahrwerk umsetzen. Andere zeigen wir mit 950–1000 km/h. Die Abstände zwischen den einzelnen Flugzeugen betragen dann nur einige wenige Meter.

Wenn das Programm erst mal läuft – haben Sie da überhaupt noch Einfluss auf das Geschehen am Himmel?
Ich stehe in ständiger Verbindung mit den Piloten. Wenn ich aus irgendwelchem Grund eine Anweisung gebe, muss diese sofort umgesetzt werden.

Eine abschliessende Frage: Mit wie vielen Flugzeugen fliegt die Patrouille Suisse heute über Birmenstorf?
Wir kommen mit sechs Tigern F‐5E.