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Know-how aus der DDR

Er ist kein Mann der grossen Worte. Eine knappe Antwort, ein prüfender Blick: Hast du mich verstanden? – Dann schweigt er, wartet auf die nächste Frage, den nächsten Impuls. Bestimmt behagt ihm diese Gesprächssituation viel weniger als die Arbeit im Freien. Im beruflichen Umfeld fühlt er sich sicher.

Aus der DDR
Peter Ehrentraut, Jahrgang 1960, ist in Radeberg bei Dresden aufgewachsen. Sein Interesse galt von jeher der Elektrik und der Elektronik. Nach dem Schulabschluss lebte er deshalb drei Jahre lang in einem Internat für Lernende im Erzgebirge. «Es war streng, in beruflicher ebenso wie in erzieherischer Hinsicht.» Peter rühmt die Qualität jener Berufsausbildung. Eine erste Stelle fand der junge Mann bei «Energiebau Freileitungen», einer staatlichen Firma in der DDR.

Peter berichtet nur sparsam von damals. Er muss die Zeit in der DDR als belastend empfunden haben. «Das Leben war stark eingeschränkt. Ich wollte weg.» Er stellte einen Ausreiseantrag – mit Konsequenzen: In den folgenden drei Jahren setzte ihn die Firma nicht mehr für Arbeiten ein, die auch nur im Entferntesten mit «Staatssicherheit» zu tun hatten. Nur noch simple Aufträge. Kein Zutritt mehr zu Kraftwerken, schon gar nicht zu Kernkraftwerken.

Endlich gaben die Behörden seinem Antrag statt. 1988 verliess Peter Ehrentraut die DDR zusammen mit seiner Familie und ein paar Kumpels. Er reiste nach Süddeutschland und liess sich in Lottstetten nieder, unmittelbar an der deutsch-schweizerischen Grenze. Dort wohnt er noch heute.

08/15? Nein danke!
Lange Jahre arbeitete Peter als Elektromonteur für Freileitungen und Schaltanlagen bei der BBC, später ABB. «Der Berufsalltag unterschied sich kaum von dem, was ich in der DDR erlebt hatte.» Er besinnt sich, wischt sich über die Oberlippe und sagt ohne grosse Emotionen: «Mir gefällt der Job. Man ist an der frischen Luft, kommt an viele verschiedene Orte und geniesst einen grossen Freiraum. Die Arbeit ist interessant und abwechslungsreich. Jeder Ort, jeder Auftrag bietet neue Herausforderungen. Mal müssen wir uns mit schwierigem Gelände auseinandersetzen, mal mit logistischen Problemen. Dazu das Wetter …» Peter spricht von Verantwortung. Unsachgemässe Arbeit kann zu erheblichen Konsequenzen führen. Stromausfall oder noch Schlimmeres.

Blickrichtung Mastspitze: Chefmonteur Peter Ehrentraut und Daniel Stutz, CEO der Firma Lebag AG

Lebag, sonst nichts
Vor zwölf Jahren stiess Peter Ehrentraut auf ein Stelleninserat der Firma Lebag AG in Lenzburg. Ein Augenschein und ein Gespräch – es passte. «Im Gegensatz zur ABB ist die Lebag ein überschaubares Unternehmen. Das gefällt mir.» – «Gab es nie Ambitionen, die Stelle nochmals zu wechseln?» – «Nein. Ich fühle mich wohl bei der Firma und im Beruf. Was will ich mehr?»

Heute ist Peter Chefmonteur. Seine jahrzehntelange Erfahrung, seine ruhige Art verschaffen ihm eine natürliche Autorität. Extreme Leitungen, schwierige Helikoptereinsätze, komplizierte Planverfahren – Peter kennt das alles. Er lässt sich nicht so leicht irritieren. «Ich bin gelassener geworden.»

Zehn Jahre
«Mal ehrlich, Peter, ein Freileitungsmonteur ist viel unterwegs, manchmal wochenlang. Für das Familienleben ist das gewiss nicht förderlich. Wie gehst Du, wie geht Deine Familie damit um?» – «Meine Frau und meine Kinder sind das gewöhnt. Sie haben mich nie anders erlebt. Und was mich selbst betrifft: Wer die ersten zehn Jahre auf diesem Beruf gearbeitet hat, der bleibt dabei. Ich kann und will mir nichts anderes vorstellen. Jetzt, da ich schon etwas älter bin, sowieso nicht mehr.»

Peter schweigt, den Blick auf den Tisch gesenkt. Gewiss wandern seine Gedanken. Was mag ihm durch den Kopf gehen?

*

Peter Ehrentraut steht stellvertretend für jeden einzelnen Mitarbeiter der Freileitungs- und Elektrobaufirma Lebag AG. Die Lebag-Männer zeichnen sich durch hohe Fachkenntnisse, Erfahrung, Zuverlässigkeit und Entschlusskraft aus. Für kurz- bis langfristige Montageinsätze bietet die Lebag einen Personalverleih an.

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Einer wie João

João Simões: Jahrgang 1960. Ein offenes Gesicht, ein direkter Blick. In Portugal aufgewachsen, seit 1984 in der Schweiz. Gelernter Polymechaniker, jetzt Baustellenleiter bei der Firma Lebag.

João Simões: Sieben Sprachen fliessend – Schweizerdeutsch, Deutsch, Portugiesisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Englisch. Er sagt von sich: «Abwechslung liegt mir.» Sein Berufsweg legt Zeugnis davon ab. Sein privater Lebensweg ebenfalls.

*

Nach der Lehre als Polymechaniker hatte João keine Chance, auf dem erlernten Beruf zu arbeiten. In Portugal gab es damals kaum freie Stellen. Ein anderer wäre zu Hause geblieben, hätte sich auf der Strasse herumgetrieben oder wäre in Trübsal verfallen. Nicht so João. Er nahm verschiedene Gelegenheitsjobs an. «Ich half in einem Restaurant aus, im Service und in der Küche; eine Baufirma beschäftigte mich als Chauffeur; ich erledigte administrative Arbeiten; ich betätigte mich als Discjockey und Barkeeper.» Dort in der Bar lernte er seine zukünftige Frau kennen. Sie lebte mit ihren Eltern in Zürich und verbrachte einen Urlaub in ihrer Heimat Portugal. João, schon damals ein Mann der Tat, entschloss sich spontan, sie in die Schweiz zu begleiten.

Hoffnungslos – oder?
Der Start war schwierig. Vier Monate lang war João umsonst auf Arbeitssuche. Eine verzwickte Situation: Ohne Arbeit erhielt er keine B-Aufenthaltsbewilligung. Und ohne B-Bewilligung bekam er keine Arbeit. Schliesslich half ihm ein Restaurateur in Höngg. Er stellte ihn als Tellerwäscher an und verschaffte ihm die erforderlichen Papiere. «Drei Monate lang wusch ich Teller.»

Eine neue Stelle beim Bauunternehmen Walo Bertschinger kam seinen Fähigkeiten und Neigungen besser entgegen. Er war im Strassenbau, als Maschinist und Magaziner tätig. In einer Tochterfirma spezialisierte er sich schliesslich auf Bodenbeläge und vor allem auf Farben. «Ich mischte Farben nach ungefähr 400 Rezepturen.» Seine Vielseitigkeit  und seine Arbeitseinstellung verschafften ihm Anerkennung. Und doch vollzog er den Schritt in einen neuen Lebensabschnitt.

Schweiz–Portugal retour
«Ende 1997 kehrte ich mit meiner Frau und den beiden Söhnen nach Portugal zurück. Ich folgte dem Ruf eines Freundes. Er hatte mir von einer Sprengstofffabrik erzählt, die sich im Aufbau befand.» Vier Jahre lang war João daran beteiligt, zuletzt als Chef Unterhalt und Produktion. Aber merkwürdig – er fühlte sich nicht mehr wohl in Portugal, empfand sich als fremd, beurteilte manche gesellschaftlichen Aspekte als unbefriedigend. «Das damalige politische System passte mir nicht, das Gesundheitswesen lag im Argen, und für die Ausbildung unserer Söhne sah ich nur beschränkte Möglichkeiten. Irgendwann kam der Blitz: zurück in die Schweiz!»

2002. Neuanfang. Die Familie Simões bezog eine Wohnung in Neuenhof. João fand Arbeit in einer Firma für Bohrungen. Seine Zuständigkeit umfasste das Magazin, die Maschinen, die er im Schuss halten musste, und die Organisation der Transporte. Schon bald stellten sich firmeninterne Probleme ein, die sich immer mehr akzentuierten. Die Stimmung im Team war schlecht. Nach über zwei Jahren in dieser belasteten Atmosphäre spürte er, wie seine Gesundheit darunter zu leiden begann, physisch und psychisch. «Es musste etwas geschehen.»

João Simões auf dem Werkplatz seiner Walliser Grossbaustelle. Er hat die Sache im Griff

João Simões (ganz rechts) im Gespräch mit Lebag-Geschäftsführer Daniel Stutz, einem Helikopterpiloten und dem Lebag-Projektleiter Peter Ehrentraut (von links)

Es regnet in Strömen. Die Lebag-Mitarbeiter sind zum Nichtstun verurteilt. João hofft für morgen auf besseres Wetter

Ein Glücksfall
Ein Kollege machte João auf ein Stelleninserat der Firma Lebag aufmerksam. Er meldete sich, stellte sich vor, und kurze Zeit später nahm er die Arbeit als Allrounder auf: Magaziner, Maschinist, Automechaniker, Hauswart – alles!

Schon bald begleitete er jedes Lebag-Projekt in Frankreich. «Ich organisierte die Einsätze, fungierte als Dolmetscher, pflegte den Kontakt mit Behörden und Privaten, sorgte für den Unterhalt der Maschinen und half den Netzelektrikern, wo immer sie mich brauchen konnten.»

«Jetzt bin ich Baustellenleiter auf unserer Grossbaustelle im Wallis. Ich bespreche mich mit Kunden, bin für die Organisation und die Administration verantwortlich; ich koordiniere die Einsätze der Helikopter, suche Landbesitzer auf und ziehe die Bewilligungsverfahren durch. Die Kommunikation mit unterschiedlichen Menschen gehört zu meinen Stärken. Dann die Rapporte, die Planung der Arbeitsschritte und der Arbeitseinsätze, die Projekt-Dokumentationen.» Aus seinen Worten spricht berechtigter Stolz.

Portugiese? Schweizer?
«Ich bin Portugiese. Zwar fühlte ich mich im Portugal-Treff nie so richtig wohl. Aber meine angestammte Familie, das Land, das schöne Wetter, der Strand, die Sprache und das Essen, das nach meiner Jugend schmeckt: All das trage ich in meinem Herzen. Die portugiesische Mentalität nicht mehr. Diesbezüglich bin ich Schweizer geworden. Pünktlichkeit, Sauberkeit, Zuverlässigkeit. Die meisten meiner Kollegen sind Schweizer.»

Das Gespräch kommt zum Ende. Draussen ist kaltes Schmuddelwetter. João denkt an seine Leute. «Unser Team funktioniert extrem gut. Es sind flotte Leute, zuverlässige Arbeiter. Es macht Freude, mit ihnen zu arbeiten. – Ich bleibe bei Lebag.»

*

João Simões steht stellvertretend für jeden einzelnen Mitarbeiter der Freileitungs- und Elektrobaufirma Lebag AG. Die Lebag-Männer zeichnen sich durch hohe Fachkenntnisse, Erfahrung, Zuverlässigkeit und Entschlusskraft aus. Für kurz- bis langfristige Montageinsätze bietet die Lebag einen Personalverleih an.

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Auf den Masten haben Störche Vortritt

Das ist echte Demokratie: Auch die Kleinen haben ihre Rechte, und die Grossen müssen gefälligst darauf Rücksicht nehmen. So ist es, wenn im Freiamt die Störche unterwegs sind und auf den AEW-Freileitungsmasten nisten. Dann ist rein gar nichts zu machen. Stören verboten. Die Revision oder der Rückbau muss warten, bis die Storchenfamilie abgereist ist. Sonst gibts Ärger.

Tja, die Leitungsmasten. Gleich wie Autobahnen, Zementfabriken, Kehrichtverbrennungsanlagen, Tiefenlager oder Flughäfen ist niemand darauf erpicht, sie gleich vor dem Gartentor zu haben – und doch sind wir alle auf sie angewiesen und nutzen sie unverdrossen. Wir erachten es als selbstverständlich, dass der elektrische Strom auch im hintersten Winkel unseres Landes zu haben ist, 24 Stunden am Tag, wenns recht ist. Und dazu sind nun mal die Leitungsmasten unabdingbar.

Üblicherweise fallen uns die Leitungen gar nicht auf, sind sie doch viel diskreter geführt als in früheren Jahrzehnten. Wer die Wahrnehmung aber auf sie einstellt, entdeckt sie überall. Nicht nur wenn sie in der Nähe von Kraftwerken gebündelt auftreten, nicht nur jene Leitungen, die im Gebirge über Schluchten führen, sondern auch die Leitungsmasten aus Beton, weniger hoch als die Gittermasten, weniger augenfällig ausgelegt. Betonmasten, deren Leitungsstränge im Aargau für den Transport der elektrischen Energie in Mittelspannung zwischen dem Unterwerk und den Gemeinden verantwortlich sind.

Unterhalt ist unumgänglich
Lebag, die Lenzburger Leitungsbaufirma, baut sie alle: Holzmasten, Betonmasten und Gittermasten. Mit dem Aufbau allein ist es aber nicht getan. Jede Infrastruktur zieht Pflege und Unterhaltsarbeiten nach sich. Auch die Betonmasten der AEW Energie AG. Nehmen wir doch jenen eingangs erwähnten imaginären Mast, auf dem die Storchenfamilie ihr Nest hat. Mama und Papa Storch, dazu zwei Jungstörche, die penetrant nach Nahrung verlangen. Eines ist sicher: Da fällt einiges an unterschiedlichsten «Abfällen» an. Manches davon löst auf dem Betonuntergrund chemische Prozesse aus, anderes könnte Einfluss auf die Isolationsfestigkeit der Isolatoren haben. Wie auch immer – irgendwann ist dort oben eine tüchtige Reinigung fällig.

Das ist nicht alles. Nehmen wir an, unser Betonmast habe ein Alter von 40 oder 50 Jahren. Da erstaunt es nicht, dass Risse, gar Abplatzungen auftreten. Und jetzt, wer repariert das? Wer hat das notwendige Know-how? Die AEW hätte das, verfügt aber nicht über genügend Personal. Christian Flury, Teamleiter Leitungsbau, äussert sich pragmatisch: «Wir sind auf die Kooperation mit spezialisierten Firmen angewiesen.» Und da besteht ein in Jahrzehnten gewachsenes Vertrauensverhältnis mit der Firma Lebag. Genau gleich wie für die Realisierung von neuen Leitungen, für den Mastneubau und allenfalls für den Rückbau, arbeitet Lebag auch beim Unterhalt und bei Reparaturarbeiten mit der AEW Energie AG zusammen. Flury: «Die Lebag ist quasi unser Hauslieferant, sei es mit Personal, das sie uns zur Verfügung stellt, oder dass sie ganze Projekte vollumfänglich übernimmt.»

Christian Flury, Teamleiter Leitungsbau, AEW Energie AG

Flechten und Moose auf dem Ausleger eines Betonmastes, fotografiert aus dem Helikopter

Flechten und Moose auf dem Ausleger eines Betonmastes, fotografiert aus dem Helikopter

Den Störchen wollte der für sie vorbereitete Nistplatz nicht gefallen; sie bauten ihr Nest ein Stockwerk tiefer

Leitungsabschnitt mit Betonmasten; hinten ein Mast mit vorbereitetem Nistplatz für Störche

Voilà!

Die Störche sind umgezogen; jetzt ist der Weg frei für die Lebag-Mannschaft

Bei hartgefrorenem Boden sind Lebag-Männer in Zuzgen mit dem Rückbau eines Leitungsabschnitts beschäftigt

Wenn die Lebag-Männer alte Betonmasten «fällen», sprühen die Funken

Für den Abtransport der alten Betonmasten setzen die Lebag-Männer schweres Gerät ein

Vom Boden aus und aus der Luft
Rund 2300 Betonmasten unterhält die AEW  im Kanton Aargau. Die Lebag hilft bei der Inspektion vom Boden aus, was einfacher tönt, als es ist. Denn nicht nur Störche erfordern spezielle Massnahmen. Da viele Masten in landwirtschaftlich genutztem Gelände stehen, spielt zudem die Fruchtfolge eine Rolle. Bei widrigen Wetterverhältnissen und aufgeweichten Böden sind Landschäden ein Thema. Und zuweilen behindern Bahnlinien, Strassen oder Siedlungen den ungehinderten Zugang zu den Masten.

Die besonders exponierten Teile eines Betonmasts, nämlich die Ausleger, sind vom Boden aus überhaupt nicht zu kontrollieren. Stattdessen kommen Helikopter und hochauflösende Spezialkameras zum Einsatz. Auf ihren Bildern lassen sich selbst feinste Schäden erkennen. Zum Beispiel jene durch die Störche verursachten.

Und nun ist die Reihe wiederum an den Lebag-Männern. Sie verfügen über die notwendigen Gerätschaften. Sie wissen, wie man die Masten erklettert, haben das x Mal gemacht. Sie wissen auch, wie sie sich sichern müssen. Sie wissen, wie schadhafte Stellen zu behandeln sind. Sie wissen, welche Reinigungsmethoden angebracht sind. Und sie wissen, welche Schutzanstriche lang andauernd wirken. Bei 2300 Masten gibts reichlich Arbeit, auch wenn sie nur alle 25 bis 40 Jahre gewartet werden. Anders gesagt: Auf den Betonmasten der AEW trifft man nebst Störchen zuweilen auch die harten Burschen der Lebag.

Von den Lebag-Männern wird viel Können und Wissen verlangt und viel Rücksicht auf Landbesitzer, auf bestehende Strukturen – und auf Störche. Denn wohin käme die Menschheit ohne Störche!

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«Wenns seicht und dräcket»

Heute ist ein guter Tag. Die Sonne scheint, es ist windstill, und die Temperatur liegt wenige Grad unter Null. Raureif verzuckert die Landschaft. Der Boden ist gefroren. Da ist es die reine Freude, draussen zu arbeiten. Brunos Schuhe bleiben sauber, obwohl er auf dem Acker unterwegs ist. Oberhalb von Zuzgen/AG muss er zusammen mit Marc und Horst die Masten einer alten Leitung entfernen. Holzmasten sind es, wie man sie früher überall sah.

An sich ist es keine spektakuläre Arbeit. Die Männer bringen ein mit einem Kran ausgerüstetes Fahrzeug in Stellung, ziehen die Stangen aus dem Boden und legen sie zur Seite. That’s it. Und doch sagt Bruno Achermann: «Egal, ob wir Masten auf- oder abbauen, wir verändern das Landschaftsbild.»

Mit 24 Jahren schon Gruppenführer
Kaum hatte er seine Lehre als Netzelektriker abgeschlossen, meldete sich der 18-jährige Bruno bei der Firma Lebag. Aus seinem Wohnort Giswil in der Innerschweiz reiste er zum Vorstellungsgespräch nach Lenzburg. Nicht gerade um die Ecke! «Im Elektrizitätswerk Obwalden war einer, der hatte einige Jahre bei Lebag gearbeitet. Er erzählte viel über die interessante Büez und das angenehme Arbeitsklima.» Mit einem Lächeln und einem Achselzucken: «Ich fragte einfach an, ob sie mich einstellen.»

Das war vor sechs Jahren. Bruno ist inzwischen mit allen Aspekten der Freileitungsmontage vertraut und hat sich weitergebildet. Dass er mit seinen 24 Jahren bereits als Gruppenführer auftritt, spricht für sich. «Es braucht halt einen, der organisiert, koordiniert und die Verantwortung für den reibungslosen Ablauf übernimmt.» Im Arbeitsalltag gibt es keinen Unterschied zu den übrigen Teammitgliedern. Bruno braucht die Abwechslung und die Arbeit mit Maschinen und Lastwagen, mit vielerlei Geräten und technischen Hilfsmitteln.

Und wie charakterisiert er seine Beziehung zur Firma? «Ich bin stolz, bei Lebag zu arbeiten. Das Unternehmen hat einen sehr guten Namen in der Szene.» Weit im Vordergrund stehen aber die Mitarbeiter, mit denen er es zu tun hat. Die Qualität des Teams ist ihm wichtig. Im Fachlichen muss es ebenso stimmen wie im persönlichen Umgang.

Umgang mit Maschinen und Technik: Bruno Achermann im Element
Das Lebag-Team entfernt die alten Leitungsmasten

Hudelwetter, Angst und Stolz
Hand aufs Herz – gibt es nie Tage, an denen du lieber einen Bürojob hättest?
«Doch, das kommt schon vor. Wenns draussen seicht und dräcket, dazu sehr kalt ist und windet, tja, dann … – Aber das ist sehr selten. Ich bin einfach gerne draussen.»

Freileitungsmonteure sind wetterfeste Burschen. Wenns kalt ist, steigen sie ebenso auf ihre luftigen Arbeitsplätze, wie bei Hitze. Problematisch wird es erst bei Eis wegen der Rutschgefahr und bei starkem Regen. «Es gibt keine Kleidung, die dich länger als eine Stunde vor Nässe schützt.»

Und wie steht es mit der Angst?
Angst ist das falsche Wort. Und der Begriff Respekt trifft die Sache auch nicht. Bei gefährlicheren Situationen bin ich alert, angespannt, voll konzentriert. Das war so im Wallis, als wir die alten Freileitungsmasten abbauten. Vier Tonnen schwere Einzelteile waren bereits mit dem Helikopter verbunden; ich musste nur noch die letzten Bolzen herausschlagen. Wie würde sich das gelöste Teil verhalten? Würde es zurückschwingen, mich treffen? Aber irgendwann realisierte ich, dass es funktioniert, und ich wurde gelassener.

Kennst du so etwas wie Berufsstolz?
Ja gewiss! Ich freue mich, wenn wir einen neuen Mast aufgestellt haben. Das sieht einfach gut aus. Ich bin stolz, wenn ich meinem Umfeld das Ergebnis meiner Arbeit zeigen kann. Es ist ein spezieller Beruf mit extremen Aspekten, punkto Arbeitsplatz und Arbeitsorte.

Drei kurze Fragen, drei kurze Antworten
Wie hoch war der höchste Mast, den du jemals erklettert hast?
96 Meter, bei Mühleberg.

Welches war die weiteste Anreise an einen Arbeitsort?
Hm, ich weiss nicht genau. Ich habe im österreichischen Burgenland nahe der ungarischen Grenze gearbeitet, in Lourdes am Fuss der Pyrenäen und in Korsika.

Und wie lange dauerte der längste arbeitsbedingte Aufenthalt?
Im Burgenland arbeitete ich drei Wochen lang ohne einen freien Tag. Das war richtig hart.

Wo stehst du heute in zehn Jahren?
Keine Ahnung. Im Moment bin ich sehr zufrieden bei der Lebag. Die Arbeit ist interessant und abwechslungsreich. Vielleicht bin ich also immer noch «da». Vielleicht ergeben sich andere Prioritäten. Wer weiss, vielleicht gründe ich eine Familie. Man wird sehen …

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«Ich hatte die Schnauze voll»

Soeben ist er fertig geworden. Er kommt vom Leitungsmast über die matschige Wiese auf die Strasse herunter. Schwungvoll befördert er den Helm, die Steigeisen und den Werkzeuggurt in den Materialanhänger. «Wollen wir uns im Restaurant unterhalten?» – «Ich weiss nicht. Da ist wohl niemand begeistert, wenn ich mit diesen Schuhen das Lokal betrete.» Tatsächlich, er trägt ein schönes «Polster» aus lehmigem Erdreich an den Sohlen. Also setzen wir uns in mein Auto…

Marc Spreiter – mittelgross, sportliche Statur, Sechstagebart, blonder Wuschelkopf, lustige Lachfalten um die blauen Augen – spricht in markigem Bündner Dialekt. Aufgewachsen in Trin-Mulin, war er als Netzelektriker in den Elektrizitätswerken Flims und Bad Ragaz sowie in der Privatwirtschaft tätig gewesen. «Die Arbeit war okay. Aber irgendwann hatte ich die Schnauze voll. Es hatte zu wenig Arbeit und zu viel Personal. Nichtstun passt nicht zu mir. Ich brauchte einen Tapetenwechsel.»

Internet sei Dank
In dieser Situation traf Marc im Internet auf ein Inserat der Firma Lebag. Sie suchte einen Freileitungsmonteur. «So was hat mich immer gereizt. Lebag hat einen guten Namen, sowohl in Bezug auf den Umgang mit dem Personal, als auch den Maschinenpark betreffend. Da habe mich einfach gemeldet.»

Bei Lebag bekam er reichlich, was er bis anhin vermisst hatte. «Hier muss man ran. Es ist eine raue, strenge Arbeit. Das gefällt mir.» Noch etwas hat sich grundsätzlich geändert. Früher stand er an der Werkbank und war am Bau von Trafostationen, Verteilkabinen und ähnlichem beteiligt. Bei Lebag befindet sich sein Arbeitsplatz meist in luftiger Höhe, bis zu 80 Meter über dem Boden, oben, auf den Hochspannungsmasten. «Anfänglich kam mir das ziemlich wild vor. Ich hatte nicht Angst, jedoch gehörigen Respekt. Aber ich habe mich schnell daran gewöhnt.»

Der Reiz des Berufs
Inzwischen sieht Marc gerade in diesem ungewöhnlichen Arbeitsplatz einen grossen Reiz. Sich bei Wind und Wetter, bei Hitze und Kälte, mit eingeschränkter Bewegungsfreiheit, begrenzten Hilfsmitteln und wenig Werkzeugen zurechtzufinden und unter solch widrigen Umständen gute Büez zu leisten. «Ausserdem komme ich in die abgelegensten Gegenden, die ich sonst niemals kennenlernen würde. Und die Standorte der Masten sind manchmal so exponiert, dass wir sie ohne Helikopter kaum erreichen.»

Als Freileitungsmonteur bei der Firma Lebag ist Marc in der ganzen Schweiz unterwegs. Es kann sein, dass er eine oder zwei Wochen lang nicht heim kommt. Manchmal sind Wochenendeinsätze unumgänglich. Nichts für Weicheier! – Wie lässt sich das mit einem «normalen» Privatleben vereinbaren? «Ich habe damit keine Probleme. Meine Freundin studiert in Schweden: Sie ist weg, und ich bins auch. Wenn sie für einige Zeit in die Schweiz kommt, ist es für uns beide nicht einfach. Immerhin hatte ich diesen Beruf schon, als wir uns kennen lernten. Sie wusste also, worauf sie sich einliess.» – «Und wie ist es mit dem Vereinsleben?» – «Da kann ich nicht mehr so aktiv mitmachen wie früher. Es macht wenig Sinn, nur ein Mal pro Monat an einem Training teilzunehmen.»

Ein Mann mit Berufsstolz: Freileitungsmonteur Marc Spreiter. In der Linken die Steigeisen, in der Rechten den Werkzeug- und Sicherungsgurt

Ein Mann mit Berufsstolz: Freileitungsmonteur Marc Spreiter. In der Linken die Steigeisen, in der Rechten den Werkzeug- und Sicherungsgurt

Unbedingt schwindelfrei
Welche Eigenschaften sollte ein Freileitungsmonteur mitbringen? Marc antwortet zuerst: «Er muss schwindelfrei sein und über handwerkliches Geschick verfügen. Der Vorberuf ist egal.» Nach einem Moment des Nachdenkens präzisiert er: «Wichtig ist auch eine gute Portion logisches Denkvermögen. Da oben haben wir es mit physikalischen Komponenten zu tun. Und Physik ist eine logische Geschichte.»  Was die innere Haltung zur Arbeit betrifft, betont Marc: «Man muss unbedingt teamfähig sein, denn wir sind immer im Team unterwegs.» Und mit einem Lächeln: «Wir reden meist laut, klar und direkt miteinander. Das ist nicht böse gemeint; es hat seinen Grund vielmehr in der Distanz vom Arbeitsplatz zum Boden.»

«Mir gefällt diese Tätigkeit. Ich spüre das Vertrauen meiner Vorgesetzten. Ab dem 1. Januar werde ich vom Gruppenchef zum Chefmonteur befördert. Ein schönes Feedback! Zwar sind mir hierarchische Strukturen nicht wichtig, aber ich freue mich darauf, mehr Verantwortung zu übernehmen.» Und doch schränkt Marc ein: «Wahrscheinlich kann ich diese Arbeit nicht lebenslang machen. Ich habe Anzeichen von Gelenkrheuma.» Die Worte kommen ihm nicht leicht über die Lippen.

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Tonnenweise fliegt das Metall davon

Der Fall ist klar: Die alten Leitungsmasten müssen weg. Nicht allein deshalb, weil sie schon ein paar Jahrzehnte auf dem Buckel haben und sich ihr Outfit deshalb ins Rost-Rotbraun gewandelt hat. Das wäre nicht weiter tragisch. Aber die Leitungsbaufirma Lebag ist in Zusammenarbeit mit andern Unternehmen damit beschäftigt, eine neue, sehr viel leistungsfähigere Leitungs-Trasse zwischen Martigny und dem Stausee Lac d’Emosson anzulegen. Die alte hat ausgedient; sie ist zu schwach.

Längst sind die alten Kabelseile entfernt worden. Jetzt geht es um die Masten. Die meisten stehen in unwegsamem Gelände. Da ist nur eine Abbauvariante vorstellbar: mit dem Helikopter. Und zwar mit einem Schwerlastheli. Die Firma Lebag hat bei anderer Gelegenheit gute Erfahrungen mit dem Super Puma von SAF International gemacht, besonders mit deren CEO Justin Mattia, der gleichzeitig als erfahrener Heli-Pilot auftritt.

Vorgesehen sind zwei Arbeits-, resp. Flugtage für die 14 Masten – das erscheint realistisch. Allerdings: Einen Hochspannungsmast kann auch der Super Puma nicht in einem Stück abtransportieren. Mehr als 4,4 Tonnen liegen nicht drin. Der Mast muss deshalb «schussweise» abgebaut werden, also in einzelne «Stockwerke» oder eben «Schüsse» zerlegt. Na gut, machen wir!

Der Super Puma steht auf dem provisorisch angelegten Landeplatz in der Walliser Gemeinde Trient bereit

Die Flughelfer – ein halbes Dutzend kräftige junge Männer – haben einige der benötigten «Schlaufen» ausgelegt. Sie bestehen aus Nylon oder Stahl und haben eine genau geprüfte Traglast von mehreren Tonnen
Das Flughelfer-Team bespricht das genaue Vorgehen noch einmal Punkt für Punkt. Helipilot Justin Mattia (4. von links) will die Masten möglichst zügig abbauen, um Flugzeit einzusparen. Das ist aber nur dann möglich, wenn an mehreren Leitungsmasten alle Schlaufen angebracht sind und wenn genügend Helfer zur Verfügung stehen, um den Trennungsvorgang zu unterstützen
Lebag-Geschäftsführer Daniel Stutz (links) bespricht sich mit seinem Baustellenleiter Peter Ehrentraut (blaue Jacke) und mit Joao Simaes (ganz rechts), der für organisatorische Belange zuständig ist
Einer der alten Leitungsmasten. Er ist für den «schussweisen» Abbau vorbereitet. Im Hintergrund liegt das Dorf Finhaut. Im Vordergrund ist das Fundament des neuen, grün angestrichenen Mastes zu erkennen
Alle kleineren Bestandteile haben die Lebag-Männer längst abgebaut. Jene warten am Fuss des Leitungsmastes auf den Abtransport
An einem andern Leitungsmast sind die Lebag-Männer damit beschäftigt, unterhalb des obersten «Schusses» die Schrauben der diagonalen Kreuze zu lösen
Auch an einem dritten Alt-Mast arbeiten Lebag-Mitarbeiter in luftiger Höhe. Mitten im Mast haben sie ein Materialseil angebracht. Über eine Rolle lassen sich damit Werkzeuge hochziehen und demontierte Einzelteile absenken

Ortsbesichtigung. Zwei Flughelfer tauchen auf und begutachten zusammen mit Peter Ehrentraut die Situation: Wie präsentiert sich der Leitungsmast? Was ist schon fertig vorbereitet, und was bleibt noch zu tun?

Flughelfer Christoph, ausgerüstet mit Schutzkleidung und -ausrüstung sowie mit Funk und allerlei Werkzeugen, ist an der Spitze des Mastes angekommen. Ohne Teamarbeit geht auch an diesem ungewöhnlichen Arbeitsplatz nichts. Die Männer sind gut gesichert. Sie befestigen vier Stahlschlaufen. Rechts das Materialseil samt Rolle, links das rote Rettungsseil, das bei irgendwelchen Zwischenfällen zum Einsatz kommt
Die restlichen Teammitglieder können im Moment nichts machen. Vom Boden aus beobachten sie ihre Kameraden
Von Zeit zu Zeit helfen sie. Hier hieven sie die Stahl- und Nylonschlaufen über das Materialseil in die Höhe
Die Schlaufen werden festgezurrt. Aber noch bleibt viel zu tun, denn auch an den unteren «Schüssen» müssen solche Schlaufen angebracht werden
Die Vorbereitungen sind abgeschlossen. Der Super Puma nähert sich einem der Masten, wo hoch oben einige Flughelfer auszumachen sind. Jetzt ist Präzisionsarbeit angesagt. Die Routine von Pilot Justin Mattia ist Gold wert
Der oberste «Schuss» schwebt davon. Schon sind die Helfer damit beschäftigt, die Schlaufen des zweiten «Schusses» für den Abtransport vorzubereiten
An der Schräglage des Metallgerippes lässt sich erahnen, mit welchem Tempo der Super Puma arbeitet: Zeit ist Geld!
Ein weiterer «Schuss» fliegt davon. Der Helikopter bringt ihn zum Zwischenlager. Hier holt ihn der Alteisenhändler ab

Der Abbau von Leitungsmasten ist alles andere als eine Hau-Ruck-Übung. Die Lebag-Männer und die Fachleute von SAF International planen das Unterfangen bis in alle Details – und doch kann immer mal wieder ein Zwischenfall zu Verzögerungen führen: starke Niederschläge, heftiger Wind, technische oder auch organisatorische Probleme. CEO Daniel Stutz: «Wichtig ist es dann, nicht einfach nach einem Schuldigen zu suchen oder einen Umstand zu beklagen. Es geht vielmehr darum, sich einer neuen Situation zu stellen und entsprechende Lösungen umzusetzen.»

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Hemdsärmlige Männer wie Jogi

Im südwestlichen Ende des Kantons St.Gallen, im Taminatal, liegt das kleine Bergdorf Valens, rund sechs Kilometer Bergkurven von Bad Ragaz entfernt. Dort oben, direkt neben dem Stausee, steht das Kraftwerk Mapragg.

Es ist frisch an diesem Septembermorgen. «Die Sonne kommt um 11 Uhr», sagt Jogi, einer der Montagearbeiter vor Ort. Er muss es wissen, denn dort oben auf der Hebebühne ist er dem Himmel etwas näher. Überhaupt weiss Thomas Jordi, wie er richtig heisst, einiges. Zum Beispiel über Pumpspeicherkraftwerke, Linientrenner, Isolatoren und Netzwerkkabel. Er demontiert und montiert sämtliche Standbaukonstruktionen, die er von seiner Hebebühne ab- und festschrauben kann. Auch die Netzleitungen innerhalb der Anlage. Seit zwei Jahren ist er jeweils für ein paar Wochen in Valens und hilft beim Erneuern der Kraftwerkanlage.

Jogi ist Metallbauschlosser, hemdsärmelig, ein Mechaniker eben. Dass er für die Lebag seit 18 Jahren auch auf Freileitungsmaste steigt oder Holzstangenleitungen ersetzt, gehört zum Jobprofil. Angefangen hat er in der Industriemontage, in den Von Roll-Müllverbrennungsanlagen, hin und wieder war er als Gerüstbauer unterwegs. «Auf Jogi ist Verlass», sagt Bruno Müller, der Gruppenführer, «der weiss, was er macht». Das ist auch der Grund, warum die Axpo Thomas Jordi regelmässig bei der Lebag ausmietet. Wer auf wackligen Hebebühnen Schrauben an Isolatoren montiert, muss geübt sein. «Uns bleiben nur noch vier Wochen bis Projektende», ergänzt Müller. Dann fliesst wieder Strom durch die Freileitungen.

Von Turbinen und Pumpen
Die Erneuerungs- und Instandhaltungsarbeiten in Mapragg leitet das Energieunternehmen Axpo Power. Betreiberin sind die Kraftwerke Sarganserland, eine Tochtergesellschaft der Axpo. Bauherr ist der Schweizer Netzbetreiber Swissgrid. Mechanik und Hydraulik von diesem in den 70er Jahren erbauten Kraftwerk wurde nun schrittweise überholt. Die Arbeiten haben vor zwei Jahren begonnen. Bis Mitte Oktober wird auch die dritte und letzte Etappe fertig sein.

Das Kraftwerk ist mit dem 380-kV-Übertragungsnetz verbunden und produziert rund 311 Mio. kWh jährlich
Standbaukonstruktionen – Als Erstes werden Eisengerüste auf Betonelemente montiert
Anschliessend werden Linientrenner, T-Schalter, Wandler an die Eisgengerüste geschraubt
Es folgen weitere Elemente wie das Trapez
Bei der Feineinstellung werden die Aluminiumseile auf die passende Länge zugeschnitten
Am Schluss werden alle Metallteile geerdet
Gruppenführer Bruno Müller überwacht und koordiniert die Erneuerungsarbeiten

Das Pumpspeicherkraftwerk dient als Energiebatterie; zu Zeiten hoher Stromnachfrage gibt es gespeicherte Energie an das Stromnetz ab. Und so funktioniert’s: Zur Produktion von Energie dient das Gefälle zwischen den beiden Staubecken Mapragg und Gigerwald. Während der Spitzenverbrauchszeiten wird das im Stausee Gigerwald gespeicherte Wasser via Druckstollen zu den Turbinen im unterirdischen Kraftwerk und dann weiter in das tiefer liegende Ausgleichsbecken Mapragg geleitet.
Bei geringem Strombedarf wird hingegen das Wasser aus Mapragg zurück in den Stausee Gigerwald gepumpt. Auf diese Weise speichert das Kraftwerk Elektrizität.

Hemdsärmelige Männer sind gefragt
Spezialkomponente wie Isolatoren werden auf Anfrage produziert und termingerecht angeliefert. Gehen Komponente kaputt, dauert das Nachliefern von Ersatzmaterial mitunter bis zu acht Wochen. Jeder Tag, an dem das Kraftwerk nicht mit dem Übertragungsnetz verbunden ist, kostet. Das kann sich die Axpo nicht leisten.

Daniel Stutz, Geschäftsführer der Lebag, weiss um die Qualität seiner Mitarbeiter: «Unsere Netzelektriker und Schaltanlagenbauer sind erfahren und bestens geschult». Das hat einen hohen Wert.

Wie gut, dass es Firmen wie die Axpo gibt, die sich Qualität etwas kosten lassen. Zeit ist Geld. Und ab Mitte Oktober fliesst wieder Strom durch das 380-kV-Übertragunsnetz. Soviel ist sicher.

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Sicherheit für wetterfeste Burschen

Ein Netzmonteur stellt in luftiger Höhe sicher, dass die Leitung tatsächlich nicht unter Strom steht

Samstagmorgen, halb sieben Uhr. Die LEBAG-Männer haben sich vollzählig eingefunden. An diesem Wochenende geht es um ihre Sicherheit.

Die Dämmerung sollte längst in hellen Tag übergegangen sein, aber noch immer herrscht Zwielicht. Manchmal ein leichter Nieselregen. Die Männer stehen herum, einige in sich gekehrt und sinnierend, andere längst zum Witzeln aufgelegt. Bruno Achermann, der Baustellenverantwortliche, wirkt sachlich, ruhig. Ihm obliegt die Materialausgabe, er gruppiert die Männer zu fünf Dreierteams und weist ihnen die Leitungsmasten zu.

Heute und morgen sollen 34 Hochspannungsleitungsmasten zwischen Wangen an der Aare und Brislach nachgerüstet werden. Hintergrund dafür ist eine neue Vorgabe des ESTI (Eidgenössisches Starkstrom-Inspektorat). Diese verlangt eine Garantie für den gesicherten Auf- und Abstieg – aus jeder beliebigen Masthöhe zu jedem Zeitpunkt und aus eigener Kraft. Letztlich sind die LEBAG-Männer heute Samstag und morgen Sonntag also in ihrem ureigensten Interesse zur Arbeit gekommen; die Vorrichtungen, die sie an den Masten montieren, dienen ihrer persönlichen Sicherheit.

Sicherheit vor allem
Projektleiter René Umher und Markus Schwob – er hat die Baustellenaufsicht – haben sich auf dem Platz eigefunden. Sie vertreten die Auftraggeberin, die Industriellen Werke Basel IWB. Es handelt sich hier um ein Teilstück einer Leitung, welche die Stadt Basel mit Strom versorgt. Am Wochenende ist es problemlos möglich, diese eine Leitung vom Strom zu nehmen. An Werktagen wäre das problematisch; deshalb arbeiten die Männer Samstag/Sonntags.

Daniel Stutz, Geschäftsleiter der LEBAG, ist ebenfalls auf dem Plan. Er begrüsst seine Leute, vergewissert sich über den guten Gang der Dinge und unterzeichnet dann den Projektauftrag. René Umher stellt sich vor die Leute, spricht nochmals die wesentlichsten Punkte der auszuführenden Arbeiten an und mahnt, dass Sicherheit und korrekte Ausführung vor hohem Arbeitstempo stehen. Jeder Einzelne unterschreibt eine entsprechende Vereinbarung. Dann gehts los, ab ins Gelände. Ohne viel Aufhebens. Professionell. Die Männer wissen, was ansteht.

Daniel Stutz, Geschäftsleiter Lebag, unterzeichnet den Projektauftrag
René Umher, Projektleiter IWB, erläutert vor Arbeitsbeginn noch einmal die wesentlichsten Aspekte des Projekts
Bereits zu einem früheren Zeitpunkt haben Mitarbeiter der Lebag die Absturzsicherung im unteren Teil der Masten angebracht (hell glänzende Schiene)
Die Absturzsicherung besteht im Wesentlichen aus drei Elementen: einer gelochten Schiene aus eloxiertem Aluminium, einem Paar Steigschuhen und einem Auffanggerät mit Sicherungshaken
Idealerweise besteht ein Montageteam aus zwei Monteuren im Mast und einem Mann am Boden
 
Der Monteur fixiert ein weiteres Schienenstück
Kaum ist ein Schienenstück fixiert, nutzt es der Monteur für den weiteren Aufstieg

Arbeit in luftiger Höhe
Hoch oben, vielleicht 20 Meter über Grund, sind zwei Netzmonteure bereits mit der Kontrolle und der Sicherung der Leitungsseile beschäftigt. Wehe, wenn sie aus irgendeiner Ursache wieder unter Strom stünden! Die Männer fixieren die Erdungsstangen und wenden sich dann der Montage des Absturz-Sicherungssystems zu. Dieses besteht aus einer eloxierten, mit einem goldgelben Farbstoff beschichteten Aluminiumschiene. Die darin eingestanzten Löcher ermöglichen einen raschen und problemlosen Auf- und Abstieg. Der Monteur stellt sich auf fest mit der Schiene verbundene, aber sehr leicht bewegliche «Schuhe» und sichert sich mittels eines Karabinerhakens mit dem Auffanggerät, das ebenfalls zum System gehört.

Das nächste Schienenstück wird vom Boden aus hochgehievt, dazu die notwendigen Befestigungsbügel. Es fällt kaum ein Wort. Jeder kennt seine Aufgabe. Das nächste Schienenstück, bitte.

Berufsstolz der Netzmonteure
Inzwischen fällt wieder etwas Regen. Niemand nimmt Notiz davon. Bruno Achermann sagt: «Das sind alles wetterfeste Burschen. Es ist ein Teil ihres Berufsstolzes, dass sie sich nicht so leicht durch äussere Bedingungen von ihrer Arbeit abbringen lassen. Nur Eis und Sturm setzen Grenzen.» Er richtet den Blick nach oben. Und schweigt. Die Arbeit nimmt ihren Fortgang.

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560 Tonnen Material im Tour-Gewühl?

Wussten Sie, dass die Lenzburger Leitungsbau-Firma Lebag AG im Wallis beinahe die Tour de France torpediert hätte? – Ein Augenschein vor Ort.

Am Tag, als die Welt in diesem Walliser Seitental wegen der Tour de France Kopf stand, besuchten wir die Standorte, wo die Firma Lebag ihr Material für eine neue Hochspannungsleitung lagert. Wir wollten uns selber ein Bild machen von dem ursprünglich vorgesehenen Lagerplatz für all die Einzelteile von Hochspannungsmasten. Bei der Auftragsvergabe hatte die Swissgrid der Firma Lebag einige Lagerplätze zugewiesen, die an sich schon äusserst knapp bemessen waren, sich aber angesichts der bevorstehenden Durchfahrt der Tour de France mit all dem Menschenauflauf als völlig unhaltbar erweisen sollten. Rechtzeitig war das Lebag-Team unter Geschäftsleiter Daniel Stutz darauf aufmerksam geworden und hatte sich um einen Ausweichplatz bemüht. – Und ja, unsern Besuch wollten wir genau an diesem Tag machen, am 20. Juli, als die 17. Etappe der Tour de France von Bern über den Col de Mosses nach Martigny führte und von dort hinauf zur Staumauer des Lac d’Emosson.

Kopfvoran in den Abgrund
Erste Station ist die Gemeinde Salvan, vielleicht vier Kilometer nordwestlich von Martigny, über eine recht abenteuerliche Strasse zu erreichen. Hier hat sich die Arbeitsgemeinschaft, die für die neue Hochspannungsleitung verantwortlich zeichnet, ihren Werkhof eingerichtet. Wir sind früh dran: Die Mastmonteure stehen auf dem Platz und warten auf den Helikopter. Kräftige, sonnengebräunte Männer sind es. Unerschrocken und vor allem schwindelfrei müssen sie sein. Ihre Arbeitsorte sind zu Fuss kaum erreichbar oder nur mit einem unverhältnismässigen Zeitaufwand. Dort erklettern sie die Skelette der Masten, steigen auf 20, 30 und mehr Meter über dem Boden hoch und noch viel höher über dem Abgrund. Hier montieren und schrauben sie, unbeeindruckt von den Tiefen um sie herum. Sie tragen zwar alle einen Helm, und sie sind gesichert. Aber trotzdem …

Auf dem Werkplatz sind Hunderte von Einzelteilen gelagert, die für den Bau der Masten notwendig sind. Tarngrün beschichtete Metallteile, die meisten zu einem stabilisierenden L-Profil geformt. Kleine und grosse, lange und kürzere. Daneben ergänzendes Kleinmaterial in Kisten: Schrauben, Unterlagsscheiben, Rollen, handgrosse Verbindungsplatten mit vorgebohrten Löchern für die Schrauben. Dann allerlei Gerätschaften, die für die Montage gebraucht werden, und da, seitlich, eine ganze Anzahl Kabelrollen mit den noch aufgewickelten Leitungsseilen. Die Teile sind nicht einfach möglichst platzsparend aufgetürmt. Die Lagerung muss einer Logik entsprechen: Was zuerst gebraucht wird, muss problemlos greifbar sein.

Der Heli nähert sich, macht eine halsbrecherische Kurve und setzt zur Landung an. Die Männer steigen ein, und weg gehts, kopfvoran in die steile Talschlucht hinunter. Keine Umwege; Zeit ist Geld!

Im Werkhof der Firma Lebag lagern bereits die mächtigen Seilrollen
Das Leitungsseil hat einen Querschnitt von 8 cm
Ein Arbeiterteam wartet auf den Heli. Er fliegt die Männer zu ihrem sonst kaum zu erreichenden Arbeitsplatz
Lebag-Geschäftsleiter Daniel Stutz (links) bespricht sich mit seinem Vorarbeiter Joao
Heiri (gelber Helm), der Werkhofleiter, schaut dem Treiben skeptisch zu
Bevor die Materiallasten dem Helikopter angehängt werden, ermitteln die Männer das genaue Gewicht
Teamarbeit
Hier werden Signalkugeln verpackt. Sie sollen besonders Helikopterpiloten auf die Gefahr von Leitungsseilen aufmerksam machen
Der Heli sticht auf furchterregende Weise in die Schlucht hinunter
Viele der Einzelteile werden bereits vor der Endmontage noch auf dem Werkhof provisorisch zusammengeschraubt
Die Monteure benötigen für ihre Arbeit jede Menge Kleinmaterial
Der alte Mast (hinten) wird demontiert, weil er zu schwach gebaut ist für die neuen Leitungsseile und schon in die Jahre gekommen ist. Vom neuen Mast stehen bereits das Fundament und der Unterbau
Die Komponenten der neuen Leitungsmasten liegen auf ihrem neuen Lagerplatz
Der Unterbau eines Mastes ist fertig
Einer der ursprünglich vorgesehenen Lagerplätze für die Mast-Einzelteile. Am 20. Juli ist er dicht besetzt von Tour-Fans und ihren Fahrzeugen
Lebag-Geschäftsleiter Daniel Stutz (rechts) und Peter Belart im Gespräch über das Bauvorhaben

Camping am Strassenrand
Zweite Station: Die Gemeinde Trient unweit des Stausees. Unterwegs zeigt uns Daniel Stutz die ursprünglich vorgesehenen Lagerplätze. Sie sind flächenmässig an der untersten Grenze dessen, was überhaupt noch vorstellbar wäre. Heute sind sie aber vollständig belegt von Tour-Fans mit ihren Fahrzeugen, meist Campern. Auch Zelte sind da aufgebaut. Offensichtlich haben die Leute hier übernachtet. Und Picknicktischchen und Fahnenmasten und Spieltische und alles, was zu einem gemütlichen Happening gehört. Camping total am Strassenrand!

Bevor wir uns den Randerscheinungen der Tour de France zuwenden, steht ein Abstecher zu zwei, drei Mastpositionen an. Zu denen gelangen wir auch ohne Heli. Nahe bei einem Waldweg, aber doch noch in sehr steilem Gelände haben Tiefbauer die Fundamente und die Verankerungen vorbereitet. Auch die unterste, individuell gestaltete Mast-«Etage» ist bereits aufgebaut. Nun kann der Aufbau weiter vorangetrieben werden. Es ist Präzisionsarbeit, die hier geleistet wird, zwingend. Sonst ist die ganze Mast-Statik im Eimer.

Im Abseits
In Trient angekommen, fahren wir zu einer etwas abseits gelegenen, lang gezogenen, gemähten Wiese: dem alternativen Lagerplatz. Schon von weitem erkennen wir das Lebag-Material. Es nimmt viel Raum ein, denn auch hier unterliegt alles einer strengen Logik. Jedem Mast ist ein eigener, in sich wiederum streng geordneter Lagerplatz zugewiesen. Zusätzlich ist ein Freiraum für die Vormontage einzelner Elemente reserviert, die dort oben, auf luftigem Arbeitsplatz, kaum oder gar nicht zusammenzufügen wären.

Einige Männer sind am Abladen, am Stapeln, am Vormontieren. Ein Mitarbeiter mahnt uns: «Nicht darauf klettern! Bitte passen Sie auf.» Zum Glück liegt all das nicht am Rande des Tour-Parcours. Die Ausflügler, die Hard-Core-Fans, sie hätten sich ganz bestimmt die besten Aussichtsplätze auf den Stapeln gesichert, Unfallhaftung hin oder her.

«So, und nun führen wir uns die Tour de France zu Gemüte», sagt Daniel Stutz nach einer Weile. Noch ein Schluck aus der Flasche, dann folgt des Abenteuers zweiter Teil. – Doch das ist dann eine andere Geschichte.

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Der Berg ruft

Mittwoch, 20. Juli. Die Tour de France im Wallis. Zielankunft auf rund 2000 Metern, auf der Staumauer des Lac d’Emosson. Es ist heiss, richtig heiss. Und es soll heute noch heisser werden. Da verwundert es nicht, dass viele Rad-Amateure schon in den frühen Morgenstunden unterwegs sind. Alle in derselben Richtung, als läge dort oben das Schlaraffenland.

Die Fahrstile könnten unterschiedlicher nicht sein: Zwischen nach Krampf schmeckendem Hin-und-her-Wippen bis hin zu geschmeidigem, fast anstrengungslos erscheinendem, rundem Treten, und da sind sogar einige Flyer zu entdecken. Doch etwas haben sie alle gemeinsam: Kein Blick nach links oder rechts; hinauf, nur immer hinauf geht ihr ganzes Streben. Männer, Frauen, Alte, Jugendliche, selbst einige Kinder – hinauf, hinauf!

Um die Mittagszeit hat der Radfahrer- und Fussgängerstrom schon markant zugenommen. Wir hatten zwar von der magischen Anziehungskraft der Tour gehört, aber so hatten wir es uns denn doch nicht vorgestellt. Ein nie abreissender Fluss, den es entgegen aller physikalischen Gesetze bergauf zieht – der Berg ruft!

Nationalflaggen, Aprikosen und ein Wikinger
Wir sind zu Fuss unterwegs, natürlich auch bergauf. Am Strassenrand ein Camper am andern. Aus halb Europa sind sie angereist, die Tour-Fans, aus Frankreich, Deutschland, Belgien, Italien, Slovenien, Spanien, Tschechien, Grossbritannien, aus Lichtenstein und natürlich aus der Schweiz, dazu verblüffend viele aus Norwegen – ein europäisches Stelldichein, ein grenzenloses Happening. National- und Provinzfahnen sind aufgespannt, Leibchen werden gleich neben Walliser Aprikosen zum Verkauf angeboten. Ein besonders Geschäftstüchtiger präsentiert eine grosse Auswahl an Getränken, die Flaschen in Eisstückchen gelagert.

Hinauf, hinauf! Ein freundlicher älterer Spanier wechselt einen Gruss: «Hola!» – «Hallo!» Weiter gehts. Die leicht übergewichtige Dame am Picknicktischen nickt uns zu und deutet ein Winken an. Ein paar Schritte weiter vier Männer, ins Kartenspiel versunken, und daneben dösen sie immer noch im Zelt. «Sie sind aus Norwegen angereist?» – «Ja, wir waren eine Woche in Spanien und haben die Rückfahrt so eingerichtet, dass wir hier frühzeitig einen guten Standplatz beziehen konnten.» – «Und worin besteht der Reiz für sie? Rein sportlich ist bei einem Strassenrennen doch fast gar nichts zu sehen: Sssssst – und vorbei sind sie!» – «Ja, da haben Sie Recht. Es geht uns vielmehr um das ganze Drumherum, um das Volksfest, um die Ambiance, ausgerichtet auf den einen Moment, in dem das Maillot jaune vorbeifährt.» – «Aber Ihre Landsleute unterstützen Sie gewiss nach Kräften.» – «Logisch! Wir haben ja auch deren Namen auf den Asphalt geschrieben.» Zwei in ihre Landesfahnen gehüllte Kolumbianer gehen vorbei. Dahinter zwei Schweizer, von der Perücke bis zu den Sohlen vollständig Rot-Weiss. Ein Wikinger müht sich bergauf. Alles lacht. So heiter der Himmel, so vergnügt und ausgelassen die Menschen.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Die Spannung steigt
Da oben auf dem kleinen Wiesenstück haben wir einen guten Überblick. Nur die Ameisenfamilie, deren Heim wir «besetzen» – wörtlich! –, zeigt sich not amused. Ein Alphorn-Quintett pustet sich die Seele aus dem Leib. In etwas holperigem Gleichschritt, ihre Instrumente aufs Gröbste malträtierend, passiert eine Guggenmusik aus Martigny.

Da geschieht etwas Merkwürdiges. Ohne erkennbaren Grund beginnt sich die Strasse zu leeren. Die Menschen postieren sich hinter den Abschrankungsgittern, die noch kurz vorher niemanden beindruckt haben. Die Spannung steigt. Der Geräuschpegel geht ganz leicht zurück. Motorräder rauschen vorbei, die Blaulichter und die Signalhörner angestellt. Der Tour-Tross nähert sich.

Zwei Dutzend gewaltige, topp moderne Mannschaftsbusse. Dahinter zahllose Reklamefahrzeuge, fantasievoll gestaltet als Picknickwiese, als brütende Gluggere, als überdimensionierter Pneu, als gigantische Madeleine, als Familie Mickey Mouse. Give-aways fliegen ins Publikum, Probiererli und Dächlikappen und allerlei Müschterli, vom Reinigungsmittel bis zum Kugelschreiber. Die Leute stürzen sich drauf wie Geier.

Noch mehr Motorräder, Polizei, Kamerateams. Hubschrauber lärmen am Himmel. Und da nähert sich, gleich der La-Ola-Welle im Fussballstadion, ein Brausen, ein akustischer Tsunami. Kein Zweifel: Die ersten Fahrer kommen! Die Menschen klatschen, rufen, johlen, feuern an, brüllen, toben, schwenken Fahnen, betätigen Luftdruck-Hörner – eine riesige Schall-Schlange wälzt sich den Berg hinauf. Und mittendrin die Fahrer. Es ist absurd: Sie gehen fast unter in all dem Krawall und Getriebe. In Zweier- und Dreiergruppen tauchen sie auf, die Leibchen weit offen, klatschnass vom Schweiss, den Blick geradeaus, scheinbar unbeeindruckt von all dem, was da um sie herum passiert. Keiner nickt, keiner lächelt, keiner hebt einen Finger zum Gruss. Sie sind in einer andern Welt.

Mit dem Tunnelblick
Was mag in diesen Sportlern vorgehen? Freuen sie sich über den gewaltigen Aufmarsch, über die Anfeuerungsrufe? Ärgern sie sich über den ganzen Lärm? («Lasst mich doch einfach in Ruhe zum Ziel hoch fahren.») Nehmen sie – mit dem Tunnelblick unterwegs – das alles gar nicht wahr?

 
17. Etappe der Tour de France
 
 
 
 

Der Lärm schwillt an. «Bravo, bravo!, hopp, hopp, hopp!» Das gelbe Tricot des Gesamtersten war eben einen kurzen Moment zu sehen. Irgendwie unwirklich: Radfahrende Marionetten eines gigantischen Werbe- und Unterhaltungsspektakels. Kaum auszumachen sind sie, um die es eigentlich geht. Sie strampeln sich die Seele aus dem Leib, und einzelne von ihnen verdienen auch ganz schön dabei. Das grosse Geschäft aber machen andere, die irgendwo diskret im Hintergrund bleiben.

Das Spektakel ist aus. Wir pusten durch und klettern von unserer kleinen Wiese wieder ins Dorf Finhaut hinunter. Als hätte er sämtliche Schleusen geöffnet, schickt der Stausee die Menschenmassen wieder talwärts.

Mensch, habe ich einen Durst!

Weitere Artikel: Wie die Lebag AG, eine Lenzburger Leitungsbau-Firma mit ihren 560 Tonnen Material im Wallis beinahe die Tour de France torpediert hätte.