Alle Artikel von Franziska Vonaesch

Stimmen aus der Wirtschaft

«Die digitale Transformation gehört zu einer der grössten Herausforderungen. Auch Marketing und Kommunikation müssen sich den neuen Technologien anpassen – die Unternehmenskommunikation wird dadurch immer authentischer und der Kontext immer wichtiger.»

 

https://www.aihk.ch/netzwerk/aihk-generalversammlung/2018/stimmen-aus-der-wirtschaft/

Höhen erklommen und Tiefen durchwandert

Andreas Bürgi nimmt einen Schluck aus seinem Glas Wein und fängt an zu erzählen: Von damals, als er sich bei der Firma Clemenz Jost um eine Lehrstelle bewarb. Die Lehrstellen waren längst vergeben, und so engagierte ihn Clemenz Jost vorerst als Volontär – für gerade mal 50 Rappen die Stunde notabene. Später, als Lehrling, bekam er nur noch 30 Rappen ausbezahlt: «Weil ich ja einen Tag in der Woche wegen Schule fehlte», erinnert er sich und lacht.

Hüsser Innenausbau AG

Inneneinrichtung ist etwas sehr Individuelles. Jeder hat einen anderen Geschmack und andere Bedürfnisse. die Hüsser Innenausbau AG hat ihre Ausstellungs- und Produktionsräume in Bremgarten ganz in der Nähe von Zürich. Die Schreinerei wurde nach einem Grossbrand von Grund auf neu gebaut. Mit viel Leidenschaft und Willenskraft. Und mit Erfolg.

Relish Guitars

Pirmin Giger und Silvan Küng verbindet die gemeinsame Leidenschaft für Gitarren. Die Idee, E-Gitarren vollkommen anders als bisher herzustellen, schweisste sie als Business-Partner zusammen. Ihre Methode, die sogenannte Sandwich-Konstruktion, ist die erste echte Innovation auf dem E-Gitarrenmarkt seit über 60 Jahren. Sie verleiht dem Instrument ein verbessertes Klangbild. Durch die neue Bauweise, werden die Schwingungen der Saiten besser übertragen und beim Kontakt zum Körper des Spielers weniger abgedämpft.





Gitarrenklänge aus der Schweiz

In Sempach, im Kanton Luzern, haben zwei Visionäre ihren Traum vom eigenen Unternehmen verwirklicht und damit ein musikalischen Beben ausgelöst. Dieses spürt man sogar in Amerika.

Er hatte keine Ahnung, wie lange er schon diesem Gedanken, diesem Wunsch nachhing, alles hinzuschmeissen, weg vom Jobprofil «Marketing- und Verkaufsleiter». Neue Wege gehen. Seine Berufung leben. Sein eigener Chef sein. Sein eigenes Produkt lancieren.

Die innere Stimme war mittlerweile so laut und klang so selbstsicher, dass sie die wagen Zweifel übertönte. Er wusste, was die Leute sagen würden: «Was willst du in eine Branche investieren, die in der Schweiz keiner kennt? Ausgerechnet Gitarrenbauer!» Bemerkungen dieser Art waren nichts Neues. Und eigentlich nur gut gemeint.

Silvan betrachtete die tiefen Spuren, die er im Neuschnee hinterlassen hat. Seit anderthalb Jahren setzt er sich nun schon dieser Dreifachbelastung aus: Sozialstudium, Nebenjobs und gleichzeitig eine neue Firma aufbauen. Das wiegt schwer. «Schluss damit», murmelt er, sein Blick wieder nach vorne gerichtet. Das Leben verlangte nach einer Entscheidung. «Ich bin Unternehmer. Ende. Aus.»

«Warum versucht ihr nicht eine Me-Too-Strategie?» «Auf keinen Fall!» Pirmin ist diese Frage leid. Er ist gelernter Industriedesigner. Und das mit Stolz. Niemals würde er Bestehendes kopieren. Ok, zugegeben, eine Fender- oder eine Gibson-Gitarre in höchster Schweizer Präzision zu imitieren, wäre erfolgsversprechender. Günstiger. Einfacher.

Aber nein, und nochmals nein!
Solche Argumente lässt Pirmin nicht gelten, schliesslich hat er für sein Semesterprojekt bereits eine Gitarre entworfen, hat ganze Vorarbeit geleistet, bewiesen, welche Ideen in ihm stecken; eine Gitarre mit neuem Klangbild, einer Sandwich-Konstruktion und hochwertigen Materialien wie Bambusgriffbretter, Hochdrucklaminate, Aluminium, sensorgesteuerte Pickup-Anwahl und dergleichen. Durch und durch individuell in der Handhabe und modern im Design. Swiss made eben. Nach 60 Jahren Status quo, Trägheit und verstaubter Tradition ist der Markt überreif für Hightech aus der Schweiz. Davon ist er überzeugt.

Also kein Abweichen von den Plänen. Warum auch? Es braucht einzig ein Umdenken, die richtigen Produktionspartner, motivierte Mitarbeitende, ein professionelles Marketing. So einfach ist das. «Einfach?» Silvan traut sich und seinem Geschäftspartner vieles zu. Aber ohne viel Startkapital, ohne einen Prototyp in der Hand wird das Umsetzen ihrer Geschäftsidee bestimmt nicht einfach.

Prototypen müssen her
«Liebes Werder-Team …» Raphael Vögtli überfliegt noch einmal die Zeilen im E-Mail. «… Im Anhang befindet sich ein Foto und eine 2D-Zeichnung eines Aluminiumrahmens, das ich in einer ersten Serie von 100 Stück herstellen möchte. Wären Sie interessiert an der Herstellung dieses Werkstücks?» Hmmm, Raphael kratzt sich am Hinterkopf. Interessiert schon, nur wer finanziert die Produktionsserie? Hat Pirmin Giger eine Ahnung, was allein das Herstellen von Prototypen kostet? Ein Start-up mit begrenztem Budget, ohne etwas vorzuweisen. Spannend. Das wird sich der Chef bestimmt genauer ansehen wollen.

Normalerweise lässt sich Silvan kaum aus der Ruhe bringen. Aber nun ist auch er nervös. «Wir werden Claude Werder vom Potenzial unserer Gitarre überzeugen müssen», sagt er bereits zum dritten Mal innerhalb einer Stunde. Pirmin nickt. Im Licht der Lampen sehen die Zahlen auf Silvans Strategiepapier so aus, als gäbe es nicht viele Alternativen.

Starke Partner müssen her. Partner, die nicht nur höchst präzise arbeiten sondern die Geschäftsidee auch mittragen und mitdenken. Sonst wird das nichts mit ihrem Nischenprodukt. «Wenn wir jetzt nicht mit Begeisterung überzeugen, Emotionen rüberbringen, haben wir auch auf Fachmessen, bei den Distributoren, Ladenbesitzern und Endkunden keine Chance.»

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Teures Swiss made, dafür ohne Qualitätseinbussen
Silvans Argumente leuchten unter dem gelben Highlighter wie die Neonlichter an der Decke. Schlimmer noch. Silvan umkreist mit dem Stift das rote «Swiss-Made-Label» auf seiner Präsentation. Sie würden im Ausland produzieren müssen. Das bedeutet zwar billigere Mannstunden, dafür schlechtere Maschinen und das bedeutet Qualitätseinbussen.

Zwanzig Minuten bleiben noch bis zum Treffen mit Werder. Jetzt nur nicht aufgeben. Tief durchatmen. Positiv denken. Firmen wie Hublot, Tesla und Apple haben es schliesslich auch geschafft, sich in einem gesättigten Markt zu positionieren, und das mit grossem Erfolg.

«Tja, manchmal braucht man eben Glück.» Raphael Vögtli füllt seine Tasse mit Kaffee und setzt sich wieder an Werders Tisch. «Ein E-Mail zum richtigen Zeitpunkt an die richtige Firma …» «Ach was, zum Teufel mit dem Glück», nun stand auch Werder auf, ohne die Skizzen, die ihm Silvan übergeben hatte, aus den Augen zu lassen. «Es braucht Leidenschaft! Glück lässt keine Funken springen. Aber ehrliche Begeisterung ist ansteckend.»

Die Skizzen auf dem Pult zeigen verschiedene Aluminiumrahmen, an denen Steg und Hals montiert sind. Das verleiht der Konstruktion enorme Stabilität und fördert die Schwingungsübertragung. «Das Konzept ist clever», denkt Werder, während er vor den Zeichnungen stehen bleibt. «Hier und dort noch etwas nachkorrigieren, damit senken wir zusätzlich die Produktionskosten.»

Fünf spannende Jahre später
Pirmin sitzt an seiner Fräsmaschine, in zehn Minuten ist Pause. Zeit zum Verweilen bleibt ihm keine. Bodenständig schweizerisch führen die beiden Initianten ihr innovatives Gitarrenprojekt konsequent weiter und wirbeln dabei mächtig Staub auf. Die Schweizer können es einfach, ohne Wenn und Aber. Dafür ernten sie Lob und Respekt von den Amerikanern, den Gibson- und Fender-Fans. Und das macht sie zu stolzen Unternehmern!

Überheblich sind sie trotzdem nicht geworden, die beiden Jungs. Die Köpfe sind voller Ideen und die Ziele hochgesteckt, so hoch, dass einem etwas schwindlig wird. «Im Jahr 2023 wollen wir 4000 Gitarren produzieren.» Das ist ein ganzes Prozent am E-Gitarren-Weltmarkt im Premium-Segment! «Ach was, wir werden die Amerikaner kaum das Fürchten lehren», winkt Silvan ab, «dafür sind wir viel zu klein.» Von wegen: Relish Guitars werden die Gitarrenszene erobern!

Vier Tipps für Start-ups:

  • Es zahlt sich nicht aus, die Produktion ins Ausland zu verlagern. Wir haben gelernt, dass man in der Schweiz mit guten Partnern genauso effizient und wertschöpfend arbeiten kann.

  • Es lohnt sich, Einzelteile eigens herzustellen oder herstellen zu lassen. Das Entwickeln braucht zwar Zeit, dafür profitiert man von einer besseren Qualität und somit einer besseren finanziellen Zukunft.

  • Events für Start-ups sind gute Plattformen, um Partner mit spezifischem Know-how kennenzulernen. Wissen auszulagern, ist oft besser und effizienter.

  • Stehen Sie hinter Ihrem Produkt. Seien Sie nicht zurückhaltend, sondern überzeugen Sie die Endkunden und Distributoren vom Mehrwert Ihres Produkts.

Relish Guitars
Pirmin Giger und Silvan Küng verbindet die gemeinsame Leidenschaft für Gitarren. Die Idee, E-Gitarren vollkommen anders als bisher herzustellen, schweisste sie als Business-Partner zusammen. Ihre Methode, die sogenannte Sandwich-Konstruktion, ist die erste echte Innovation auf dem E-Gitarrenmarkt seit über 60 Jahren. Sie verleiht dem Instrument ein verbessertes Klangbild. Durch die neue Bauweise, werden die Schwingungen der Saiten besser übertragen und beim Kontakt zum Körper des Spielers weniger abgedämpft.

Die eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (EMPA) hat die verbesserte Akustik in einem Test bestätigt. Ein weiterer Vorteil der Sandwich-Konstruktion ist, dass sich die Komponenten des Musikinstruments (z. B. der Tonabnehmer) viel einfacher austauschen lassen. Die Produkte von Relish werden von Künstlern wie Motörhead, 77 Bombay Street und vielen anderen eingesetzt.

Wenn ein Sound die Welt erobert

Inmitten eines um Einheit ringenden Europas gibt es ein kleines Land, das sich seine Eigen- und Selbständigkeit auf jeden Fall erhalten will – mit Innovation und Präzision, wie eh und je. Ganz schön frech. Aber es funktioniert.

Auf dem Weg von der Produktionshalle kommt Claude Werder an Raphael Vögtlis Bürotisch vorbei. «Hallo Claude, hast du kurz Zeit? Ich hab da was für dich.» Es ist schon spät und eigentlich ist er auf dem Weg nach Hause, aber das hier scheint dringend. «Zwei Jungunternehmer wollen Aluminiumrahmen für eine neuartige Elektro-Gitarre bei uns produzieren.» «Okaaay», mehr fällt Claude im ersten Moment nicht ein. Als Feinwerktechniker bekommt er oft Anfragen fürs Drehen und Fräsen anspruchsvoller Werkteile. Aber Aluminiumrahmen für Gitarren? Das ist schon eher ungewöhnlich.

«Zeig mal her.» Die 2D-Zeichnungen auf Raphaels Schreibtisch haben sein Interesse geweckt. Drei Prototypen und danach eine erste Serie von 100 Stück? Ambitiös für ein Start-up, zugegeben. Aber auch weitsichtig, von Anfang an Experten miteinzubeziehen. Wie ist dieser Pirmin Giger überhaupt auf uns gekommen? –Er scrollte etwas zurück, bis er die Stelle gefunden hatte. Aha, da steht es: «… beim Recherchieren im Internet auf Ihre Firma aufmerksam geworden.»

«Du willst meine Meinung?», fragte Claude, nachdem er die ganze Nachricht gelesen und die Skizzen studiert hat. «Die Eckradien sind zu klein. Die Konturen mit einem solch kleinen Fräser abzufahren ist zeitaufwendig. Ausserdem gibt es keine Aluplatten in der Höhe von 21,5 Millimetern im Handel.» Raphael nickt bedächtig und ist mit seinen Gedanken weit voraus; einmal aufspannen, fräsen und fertig. Ein Handgriff sonst wird die Produktion zu teuer. Das bedingt eine 20 Millimeter Standardplatte. «Lass uns einen Termin vereinbaren und gemeinsam diskutieren, wie wir Klangbild, Gewicht und Machbarkeit auf einen Nenner bringen. Einverstanden, Claude?»

Nachdem Claude und Raphael nun alle Fakten kennen, sind sie vom Erfolg der E-Gitarre überzeugt. Über mehrere Stunden sind sie mit den beiden Pionieren, Pirmin Giger und Silvan Küng, am runden Tisch gesessen, haben über Hightech, Businesspläne und Finanzen diskutiert und darüber, was die revolutionäre «Jane» alles kann.

So baut die gesamte Konstruktion auf einem 20 Millimeter dicken Aluminiumrahmen auf, über den sich elegant Decke und Boden aus starkem Walnuss-Holz wölben. Die Schwingungsübertragung konzentriert sich auf den Hals, die Mittelstrebe des Alurahmens und den Steg. «Hier zeigt sich das völlig andere Konzept», hat Pirmin begeistert erklärt. Boden und Decke der Sandwich-Konstruktion sind nichts weiter als Design. Akustisch sind sie nicht relevant, und die verschiedenen Holzarten, in denen die Gitarre angeboten wird, schon gar nicht.

Die Begeisterung der beiden mit dem durchsetzungsfähigen Sound der Gitarre zu vergleichen, ist vielleicht etwas weit hergeholt. Mag sein, denkt Claude auf dem Weg zurück in die Firma. Aber eine Gitarre zu bauen, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat: Grossartig! Ob die konservativen Gitarristen für dieses innovative Schweizer Hightechmodell ihre Herzen öffnen? Wer als Start-up Erfolg haben will, muss seine Ziele hochstecken, da hat der Marketing-Fachmann Silvan schon recht. Auch die Finanzierung ist gut durchdacht. Es macht Sinn, bei einem kleinen Startkapital von 20’000 Franken, die drei Prototypen über Crowdfunding zu finanzieren. Das unterstütze ich mit!

In dieser Hochleistungsmaschine werden die Aluminiumrahmen gefräst. Links unten steht das Rohmaterial bereit (Fotos: Silvano D. Matteis)
Die Aluminiumplatten werden auf die Vorrichtung der Fräsmaschine gespannt
Für die Hochleistungsfräsmaschine braucht es Kühlschmiermittel, um die Temperatur der Werkzeuge zu kühlen und die Späne abzuführen
Der Operateur überwacht den Fertigungsprozess
Der fertige Aluminiumrahmen ist auf der Vorrichtung aufgespannt
Demontage des fertigen Rahmens von der Vorrichtung
Die Aluminiumspäne werden getrocknet und nach Vorschrift recyclet
Claude Werder (links) misst die Breite der Tasche nach …
… auch die Rahmendicke wird nachkontrolliert
Ein Laser graviert das Logo präzise in die Aluminiumplatten
Jeder Aluminiumrahmen ist mit einer Seriennumer versehen
Seit 2013 haben rund 300 Aluminiumrahmen für das Modell «Jane» die Werkhallen von Werder verlassen

«An dieser Chiron-Maschine werden wir die Prototypen fräsen. Und auch die restlichen 100 Stück. Alle auf einmal!» Der Lärm im Maschinenraum ist so gross, dass Raphael beinahe schreien muss, als er die Produktionsschritte dem Polymechaniker erklärt.

Der Rahmenvertrag mit Relish Guitars ist gut durchdacht. Silvan hat zugesagt, sämtliche Aluminiumrahmen bei Werder Feinwerktechnik zu produzieren. Im Gegenzug bezahlen sie nur die Anzahl Stücke, die sie unmittelbar bestellen. Mut muss sein und ein kluges Miteinander – so funktioniert das mit Pionieren und Dienstleistern, mit Designern und Feinwerktechnikern.

Das war 2012. Seither rollt Relish Guitars das gesamte internationale Feld von hinten auf. Waren es 2014 erst 100 Aluminiumrahmen, sind es 2017 bereits über 500 Stück, die das Werk in Veltheim verlassen haben. Und wenn die Rechnung von Relish Guitars aufgeht, ja, dann sind es im Jahr 2023 stolze 4`000 Instrumente!

Wenn Herzblut und Engagement den Ton angeben, ist Vertrauen gefragt. Vertrauen wiederum, ist reines Bauchgefühl. Und genau aus diesem Gefühl heraus, entstehen starke Partnerschaften.

AV+PG AG

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Von der Knistertüte bis zum Staubsaugergehäuse – Kunststoffe gehören zu unserer alltäglichen Lebensrealität. Die Firma Amsler & Frey AG, Schinznach-Dorf, arbeitet mit Kunststoffen. Sie produziert Fertigteile und Halbfabrikate für höchste Ansprüche. Mit grösstmöglicher Genauigkeit. Für unterschiedlichste Branchen. High Tech vom Feinsten.