«Ich bin ein Rasen, lasst mich liegen!»

Sie haben keine Ahnung, wie stressig das Dasein als Rasen sein kann. Die Leute glauben, ich hätte das reinste Flohnerleben, Massagen, Nahrung vom Feinsten, frisieren und den ganzen Tag an der Sonne liegen. Aber nein, ich werde geduscht, gequetscht, geschnitten, gefräst, gerollt, wieder gequetscht und geschnitten, um nur das Gröbste aufzulisten. Wenn ich endlich meine, zur Ruhe zu kommen, dann tauchen irgendwelche Typen mit Stollenschuhen auf. Oder die vereinte Kinderschar mit Häckeli und Schüfeli. Oder Fido, Bello oder Strolchi – und was dann passiert …

Zu früh gefreut
Dabei fing alles so wohlig an. In grossen Säcken kam ich mit Millionen anderer Samen aus den USA zum Bauern nach Gurbrü bei Kerzers. Neben uns waren auch Säcke aus verschiedenen europäischen Ländern. Sie fuhren uns aufs Feld hinaus. Was ich zu sehen bekam, übertraf meine Erwartungen. Der leicht sandige Boden war tadellos vorbereitet. Keine Steine, schön gepflügt und mit der Umkehrfräse in ein feinkörniges Saatbeet aufgewertet. Selbst an die Kraftnahrung in Form von Dünger hatte der Landwirt gedacht. Voller Vorfreude liess ich mich auf die Erde fallen. Die Walze drückte mich zwischen die Krumen, und schon gabs eine sanfte Regenwald-Dusche – welche Wohltat!

Die ersten fünf Wochen meines Lebens waren die reine Freude. Ich durfte in Ruhe wachsen und gedeihen. In regelmässigen Abständen liess man es regnen. Mir fehlte es an nichts. Ich schlug Wurzeln und reckte mich dem Licht entgegen. Doch da tauchte ein grässlich lärmiges Ungetüm auf, das mich überrollte und mir eine Kurzhaarfrisur à la Bürstenschnitt verpasste. Immer und immer wieder, alle paar Tage. So wuchs ich notgedrungen in die Breite und hielt mich an meinen Nachbargräsern fest. Wir bildeten ein dichtes Geflecht, auf dass wir nicht einfach weggezerrt würden.

Mir reichts
Mehr als ein Jahr verging. Irgendwann hatte ich genug von der ewigen Quälerei. Ich wollte nur noch weg. Mein Hilferuf wurde erhört. Ein neues Monstrum, ein Vollernter, tauchte auf. Er senkte ein scharfes Messer ab und schälte mich in 40 Zentimeter breiten Bahnen vom Boden weg. Über ein Förderband gings in die Höhe, und ehe ich protestieren konnte, war ich schon in handliche Rollen aufgewickelt, 40 Zentimeter breit und 2,5 Meter lang, jede etwa 20 Kilogramm schwer.

Rauf auf die Ladebrücke und in flottem Tempo zum Gartenbauer. Die Leute hatten Stil! Behutsam legten sie mich auf den fein präparierten Untergrund, entrollten mich, platzierten mich satt neben meine Kolleginnen, achteten auf eine tadellose Liegeposition und entschädigten mich für die gehabten Strapazen mit einem sanften Nieselregen. So ists recht. Genau so mag ichs.

Saubere Schnittkanten; der Mäher hatte scharfe Messer
Riesiges Rasenfeld in Gurbrü BE

Die gute Bewässerung des Rasens ist matchentscheidend

Ein Rasen-Vollernter schält die Rasensode ab und wickelt sie zu einheitlichen Rollen auf

Die Umkehrfräse bereitet den Untergrund für den Rollrasen vor
Selbst das richtige Stapeln des Rollrasens will gelernt sein
Grossflächiges Verlegen von Rollrasen mit Spezialgeräten

Daniel Landolf, Garten- und Sportplatzbauer

Jörg Frutig, Fachberater Rasen

Jörg Frutig von «UFA Samen Profi Grün» steht «seinen» Landwirten während der ganzen Aussaat, der Wachstumsperiode und der Rasenernte zur Seite. «Wir besprechen verschiedene Saat-, Pflege- und Ernteaspekte. Dazu gehört zum Beispiel die Zusammensetzung der Grasarten. Ich mache mir auch ein Bild über den Entwicklungsstand der Rasenflächen, und wir unterhalten uns über den günstigsten Erntezeitpunkt.» Meist fungiert Frutig als Schnittstelle zwischen den Produzenten und den Garten- und Anlagebauern; in der Regel laufen die Bestellungen für Rollrasen vom Gartenbauer über Frutig zu den Produzenten.

Bauführer Daniel Landolf arbeitet für das Gartenbauunternehmen Bächler+Güttinger. Seine Spezialität sind Sportplätze. Der Berufsstolz ist unüberhörbar: «Die Arbeit mit dem Rollrasen bedingt Organisationstalent und Zuverlässigkeit.» Die bestellte Menge muss früh am Morgen vor Ort sein. Denn das Verlegen braucht Zeit. Eine durchschnittliche Mann-Leistung liegt bei 70–80m2 pro Tag. Der aufgerollte Rasen ist empfindlich, seine Lagerung problematisch. Gärung und Fäulnis drohen. Nach der Ernte ist deshalb speditives Arbeiten angesagt: verlegen, wässern und walzen.

«Nach 7–10 Tagen erfolgt der erste Schnitt; nach drei Wochen ist der Rasen beanspruchbar.»

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Die Vorteile von Rollrasen gegenüber der «normalen» Aussaat von Rasen liegen auf der Hand:

  • Innert kürzester Zeit ist die Hausumgebung grün.
  • Rollrasen ist nach drei Wochen benützbar.
  • Rollrasen ist frei von Unkräutern.

Aber:
Die Anlage von Rollrasen ist teurer als die Aussaat von Rasen.
Ist der Rollrasen einmal verlegt, benötigt er die gleiche Pflege wie ein «normaler» Rasen.

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Gartenbau Wyder, Oberentfelden, verfügt über Spezialisten im Anbau und Unterhalt von Rasenflächen. Sie haben grosse Erfahrung sowohl mit Aussaat- als auch mit Rollrasen.

Kontakt
Wyder Gartenbau AG

Industriestrasse 20
5036 Oberentfelden

T +41 62 724 84 80
info@wyder-gartenbau.ch
www.wyder-gartenbau.ch

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