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Tischlein schmück dich

Claudia Meier zieht um – weg aus der schmucken Altstadtwohnung direkt ans Ufer der Reuss in eine top moderne Neubauwohnung. Es ist ja nicht so, dass es der erste Umzug wäre, weit gefehlt. Und ja, die Distanz zwischen den beiden Wohnungen beträgt kaum mehr als 400 Schritte. Aber dazwischen liegen ganze 377 Jahre.

Das hinterlässt auch Spuren in der Inneneinrichtung. Anstelle der heimeligen, verwinkelten Küche steht eine funktionale Kücheninsel mit silbrigem Dampfabzug und schwarzer Granitabdeckung. Klare Linien, vorwiegend in schwarz-weiss. Auch das gefällt, nur fehlt da etwas Wärme. Holz gäbe dieser kühlen Präzision mehr Charakter. Claudia Meier googelt sich durch die Angebote der Möbelhersteller auf der Suche nach einem schlichten Esstisch – ein Tisch, der die Küche charmant ergänzt und auf keinen Fall konkurrenziert.

Wenn ein Sound die Welt erobert

Inmitten eines um Einheit ringenden Europas gibt es ein kleines Land, das sich seine Eigen- und Selbständigkeit auf jeden Fall erhalten will – mit Innovation und Präzision, wie eh und je. Ganz schön frech. Aber es funktioniert.

Auf dem Weg von der Produktionshalle kommt Claude Werder an Raphael Vögtlis Bürotisch vorbei. «Hallo Claude, hast du kurz Zeit? Ich hab da was für dich.» Es ist schon spät und eigentlich ist er auf dem Weg nach Hause, aber das hier scheint dringend. «Zwei Jungunternehmer wollen Aluminiumrahmen für eine neuartige Elektro-Gitarre bei uns produzieren.» «Okaaay», mehr fällt Claude im ersten Moment nicht ein. Als Feinwerktechniker bekommt er oft Anfragen fürs Drehen und Fräsen anspruchsvoller Werkteile. Aber Aluminiumrahmen für Gitarren? Das ist schon eher ungewöhnlich.

Stimmen aus der Wirtschaft

«Die digitale Transformation gehört zu einer der grössten Herausforderungen. Auch Marketing und Kommunikation müssen sich den neuen Technologien anpassen – die Unternehmenskommunikation wird dadurch immer authentischer und der Kontext immer wichtiger.»

 

https://www.aihk.ch/netzwerk/aihk-generalversammlung/2018/stimmen-aus-der-wirtschaft/

Wenn, dann mit Humor

«Humor ist etwas Ernstes», sagt der Schauspieler Eric Rohner und denkt dabei an humoristische Einlagen, Figuren, die Zuschauer zum Schmunzeln bringen. Augenzwinkernd fügt er hinzu, «wenn ich als Humorist lache, wer soll dann noch mitlachen?» Humor wirkt also nur, wenn man Humor ernst nimmt. Beispielhaft dafür sind existentielle Geschichten, wie sie der britische Regisseur und Drehbuchautor Ken Loach in seinen Filmen erzählt. Sie zeugen von grossartigem schwarzem Humor. Es sind häufig Sozialdramen, Menschen, die am Abgrund stehen und sich immer wieder aufrappeln. Grossartig, weil man mit den Protagonisten mitleidet und mitfiebert – die ganze Palette an Gefühlschaos. Das Leben eben.

Von Ende einer Geschichte
Dass Eric Witz hat, dem Leben viel Positives abgewinnt, zeigt die unverstellte Art, wie er über seinen Beruf spricht. Diese Nonchalance, wenngleich etwas überspitzt, verkörpert er auch als Lotto-Millionär Heini Sutter im Swisslos-TV-Spot.

Seine aktuelle Theaterproduktion «Vom Ende einer Geschichte» basiert auf dem 2011 erschienenen Roman des englischen Schriftstellers Julian Barnes. In der Rolle als Ich-Erzähler Tony Webster geht er unzimperlich mit seiner Vergangenheit um, indem er belastende Erinnerungen einfach verdrängt. Bis ihn die Ereignisse plötzlich überrollen. Was bleibt, ist die Frage nach der persönlichen Verantwortung. Das Thema garantiert keinen vergnüglichen Abend, vielmehr sind die Zuschauer zum Nachdenken aufgefordert: Wie steht es um die eigene Reflektion? Alles verfälschte Projektionen, um besser mit der Vergangenheit zu leben?

Noch zweimal steht Eric als Webster auf der Bühne: im Oktober, im Theater Ticino in Wädenswil. Dann fällt der Vorhang und lässt Platz für Neues.

Szenenbild aus Julian Barnes

Szenenbild aus Julian Barnes

Schauspiel und vieles mehr
Nicht neu, dafür wiederkehrend sind die «Industrie-Theater», wie Eric Gesprächssimulationen lakonisch nennt. Im Auftrag von Firmen spielt er unter anderem den hartnäckigen Kunden, der die Anlagevorschläge des Bankberaters demonstrativ hinterfragt. Mit Wort und Gestik lockt er «seine» Kandidaten aus der Reserve. Das will gelernt sein. Denn es bedingt fundiertes Fachwissen und ein überzeugendes Auftreten.
Oder er schleust sich für Consultingfirmen unter falschem Namen als Seminarteilnehmer ein. Dafür schlüpft er für zwei Tage in die Rolle eines dezent zugänglichen (schliesslich will man ja keine Freundschaften knüpfen) und interessierten Teilnehmers. Immer dann, wenn aufmerksames Zuhören und aktives Nachfragen gefordert sind. Das Eis brechen, das liegt ihm.

Was wäre wenn?
Was würde Eric Rohner anstellen, wenn er wirklich ein Lottomillionär wäre? «Meine nächste Theaterproduktion finanzieren.» Zack, die Antwort kommt schnell. Über das «Was-für-Eine?» schweigt er sich aus – noch ist alles hypothetisch.

Da ist noch eine Idee: «In zwei Jahren will ich gemeinsam mit ein paar grauen Wölfen auf die Bühne gehen.» Eine grosse Geschichte soll es werden, mit Orchester und ungefähr zehn Schauspielern. «Finanziell ein völliger Schwachsinn», meint er realistisch. «Was macht das schon? Nachher gehen wir alle in Pension.» Er lacht wieder, und man lacht gerne mit.

Eric will auf keinen Fall in der Versenkung verschwinden, sondern seine Erfahrung und seine Kreativität teilen. Nur tut er sich schwer mit dem Vernetzen, erst recht mit jungen Theaterschaffenden. Das ärgert ihn. «Denn das Zusammensein mit jungen Menschen ist ein Geschenk», sagt er. «Durchmischte Generationen bewegen viel.»

So bleibt die Frage nach dem «Wie-Weiter?» noch offen. Und da solche Fragen lebensnotwendig sind, begegnet er ihnen mit Humor.

«Wir verkaufen Hautgefühl»

Es ist ein kleines Wunder, dass es in unserem Land noch Webereien gibt! Denn in den letzten 50 Jahren sind in der Schweizer Textilindustrie neun von zehn Arbeitsplätzen verschwunden. Überlebt hat die Weseta Textil in Glarus dank dem Glauben an Schweizer Qualität und dem Mut zur Innovation. Der Zürcher Unternehmer Conrad Peyer lässt tief im Sernftal, inmitten der Glarner Alpen, traumhaft weiche Frottiertextilien weben – beste Schweizer Wertarbeit. Er ist ein Visionär, ein Macher, genauso wie seine Vorfahren.

Während der Autofahrt von Ziegelbrücke nach Niederurnen erzählt Peyer von seinem Grossvater, der in den 40er Jahren als Gemeindepolitiker unermüdlich nach Bern reiste und dort um Baumwollkontingente verhandelte. Damals galt ein Importstopp für Baumwolle und andere Waren. In zweiter Generation übernahm Peyers Onkel die Firma Weseta. Er behauptete sich gegen zunehmende Konkurrenz aus Niedriglohnländern. Heute leitet Conrad Peyer das Unternehmen. Als Inhaber hält er mit 80 Prozent des Aktienkapitals eine komfortable Mehrheit.

Alles oder nichts
Als Peyer 1995 die Leitung der Weseta übernahm, war er 34 Jahre jung. Obwohl ein erfahrener Betriebswirtschafter und Wirtschaftsprüfer, fühlte er sich von den bevorstehenden, harten Entscheidungen überfordert, wie er ehrlich zugibt. So holte er sich einen Berater zur Seite, reduzierte das Personal von 70 auf 25 Mitarbeitende und investierte in den Exporthandel. Die Firma galt als saniert, als neue Ereignisse das Kaufverhalten negativ beeinflussten: der Anschlag auf das World Trade Center, der Krieg gegen den Irak – dann die Finanzkrise. Während Investoren 2008 ihre Aktien auf den Markt schleuderten, investierte Peyer grosse Summen in die Produktion. «Alles oder nichts», lautete seine Devise. Seit 2011 besitzt die Firma einen der modernsten Maschinenparks Europas.

Perfektion und Beständigkeit
Niederurnen. Erstes Etappenziel ist die Jenny Fabrics, bekannt für ihre anspruchsvollen Bekleidungs- und Vorhangstoffe. In diesen Fabrikhallen hat sich die Weseta mit zwölf Webmaschinen eingemietet. Es rattert und bebt in der grossräumigen Industriehalle. An der Decke schweben weisse Baumwollflocken. Ein Bild, als wäre Frau Holle mit am Werk. Garnspulen, aus erlesener amerikanischer Baumwolle, werden hier in einem sorgfältigen Verfahren in seidenweiche Frottées verwandelt – tac, tac, tac, tac – jeder Faden ist einzeln angesteuert; moderne Dynamik, die das alte Handwerk weiterleben lässt. «Wir verkaufen Hautgefühl», erklärt Peyer den Qualitätsunterschied. «Das besonders Weiche stellen wir im mechanischen Prozess her, nicht erst beim Färben.»

 

Weit hinten im Tal liegt Engi, der Hauptsitz der Weseta, rund 80 Kilometer von der Wirtschaftsmetropole Zürich entfernt. «Natürlich ist es schwierig, abseits der Zentren qualifiziertes Personal zu finden», sagt Peyer. Dafür macht er mit fortschrittlichen Arbeitsmodellen auf seine Firma aufmerksam. Oder pflegt ein grosses Netzwerk, um motivierte Schulabgänger für eine kaufmännische Lehre zu gewinnen. Sprachen und Freude am Reisen sind wichtig; schon von Beginn weg dürfen Lehrlinge mit an die Messen und sich auf internationalem Terrain bewegen.

Mit Weseta auf Tuchfühlung
Frottiertextilien sind weit weniger ein Produkt als ein Gefühl. Und wer Wohlgefühl vermitteln will, braucht Herzblut. In Peyers Brust schlägt nicht nur ein Kämpferherz, nein, wer ihm zuhört, spürt auch seine Leidenschaft für Qualität und die Liebe zum Detail. Spätestens dann, wenn man die versandbereiten Frottées in Händen hält. Rund 300 000 einzeln von Hand kontrollierte Badetücher, -mäntel und -teppiche stehen auf 2000 m2 Fläche für die Handelspartner bereit. Prompte Lieferung in jeder Stückzahl: Auch das ist Qualitätsbewusstsein.

Weseta erzielt jährlich rund acht Millionen Franken Umsatz, davon 30 Prozent mit Lieferungen ins Ausland. Ein Grund sich zurückzulehnen? Weit gefehlt! «Naturaldream» heisst das neuste Produkt, gewoben aus extralangstapliger Supima Baumwollfasern. Es steht für höchste Bioqualität. Peyer wird das Frottiertuch im Januar 2017 in Frankfurt, an der weltweit grössten Textilmesse, vorstellen. «Swiss Made hat Erfolg, weil Gutes gut tut und edle Materialien zum persönlichen Statement gehören», ist er überzeugt.

Hauptsitz Weseta Textil, Engi
Rohgarn-Rollen im Vorwerk
Der Webereileiter Oliver Petig an einer der Jacquard-Webmaschinen
Konfektion / Näherei Engi
Mitarbeiterinnen am Legetisch
Stück für Stück wird handkontrolliert
Frottier-Qualität zum Wohlfühlen
Idyllisches Sernftal

Das Parfum. Eine Hommage an die Natur.

Bibi Bigler ist gelernte Parfumeurin.

Bibi Bigler ist gelernte Parfumeurin – offen, sinnlich und neugierig sowieso. Sie schafft aus ätherischen Ölen und synthetischen Rohstoffen eigene Grundakkorde, und daraus entstehen persönliche Kreationen. Dabei bedient sie sich gerne bei ihren Erinnerungen an die Natur.

Parfums sind nicht für die Ewigkeit, sie sind viel mehr Stimmungsbilder, Rollen, in die man schlüpft. Ein einziger Augenblick für den passenden Moment. Ein Parfum muss Charakter haben, soll überraschen und darf schockieren. Nur so entsteht eine spannende Geschichte und am Ende ein Duft, der einen entführt und nicht mehr loslässt.

Auch wenn Duftnoten nicht in der Nase bleiben, so sind sie doch gespeichert und erinnern an Bilder, an Begegnungen oder an die Kindheit. Es sind Eselsbrücken.

Bibi hat ihren Geruchsinn in Südfrankreich an der Internationalen Parfumerie-Schule von Givaudan trainiert. Ein olfaktorischer Gedächtnismarathon über zwei Jahre: 1200 Rohstoffe musste sie erkennen, sich merken, immer wieder repetieren und so verinnerlichen. Sportlich ist sie heute noch. Täglich schnuppert sie an Essenzen und lässt so ihre Gedanken ins Unbewusste wandern.

«Ein harmonisches Parfum braucht eine Basis, ein Herz und einen Kopf», sagt Bibi, «deshalb arbeite ich mit Holz-, Blüten- und Citrusnoten.» Warum sie welchen Duftstoff und wie viel von jedem Öl verwendet, zeigt sie in ihrem gemütlichen Atelier in Aathal. An einer Go-around-Bar sammeln Workshop-Teilnehmende leichte bis schwerflüchtige Düfte aus fahrenden Flacons und verreisen in Gedanken mit ihrer persönlichen Zeitmaschine. Zurück bleibt ein eigenes, selbst kreiertes Parfum, ein kleines Stück Individualität für den Heimweg.

Dieses Jahr bringt Bibi ihr viertes Parfum auf den Markt – eine Hommage an den Safran aus Mund, dem einzigen Schweizer Bergdorf, wo das kostbare Gewürz überhaupt angepflanzt wird. Ein Jahr lang hat sie sich akribisch an den Duft herangetastet und im Oktober die Safranblüten gesammelt.

Das Rezept wird ihr Geheimnis bleiben. Aber die Freude an der Schönheit und der Reinheit der Natur teilt Bibi jederzeit gerne und gibt mit ihrem neuen Duft ihre Sicht davon ab.

 

Photo by www.facebook.com/PhotosbyFAP