Das spannende Doppelleben von Violaine Dussex

Violaine Dussex lebt zwei Leben. Das eine im Hier und Jetzt als Ahnenforscherin und Buchautorin. Das andere in Person von Louise du Rocher – eine stolze Berner Patrizierin aus dem 18. Jahrhundert. In beiden steckt Herzblut und Lebenslust.

Violaine Dussex steht vor dem Zytglogge und verabschiedet sich als Louise du Rocher singend von ihrem Publikum, das sie soeben Stadt auf, Gass ab durchs «Alte Bern» begleitet hat: vom Bundesplatz hinunter zur Rathausgasse, entlang der schmucken Häuser, hinter deren Sandsteinfassaden früher die Handwerkerfamilien zu Hause waren.

Im 18. Jahrhundert, so erzählt Louise im passenden Gewand, lebten die Patrizier und Burger in Saus und Braus. Im goldenen Zeitalter brachten die Händler Schokolade, Kaffee, Tabak, Gewürze und exotische Früchte nach Bern. An Festanlässen wurde neu auch Walzer getanzt, und die Menschen lebten nahezu wie der Sonnenkönig in Versailles. In jener Zeit entstanden geflügelte Worte wie «Carpe Diem!» – «Nutze den Tag» und «Memento Mori» – «Bedenke, dass du sterblich bist».

Nur – wo Licht ist, gibt es bekanntlich auch Schatten. Auch davon erzählen Louise du Rochers Geschichten. Traurige Frauenschicksale. Solche gab es viele, und manche endeten mit Folter, Hinrichtung, Verbannung oder Einsamkeit. Es sind Anekdoten über eine todesmutige Spionageagentin, eine vielseitige Surrealistin, eine gebildete Salonière und die bescheidene, hochbegabte Mathematikerin Mileva Maric Einstein, der mehr Ruhm gebührt als ihrem Mann, dem Nobelpreisträger.

Lebhaft und anschaulich holt Violaine alias Louise die Zeit für einen Augenschein zurück. Eigentlich braucht sie dafür keine Kulisse. Ihre Erzählungen sind so bildhaft, dass man ihr auch in Altersheimen, fern aller Schauplätze, gebannt zuhört. Hie und da trifft Violaine sogar Zeitzeugen, die sich erinnern, wenn sie etwa vom Schicksal der eigenwilligen Patrizierin Madame de Meuron spricht.

Mit der gleichen Begeisterung, die Violaine in Geschichten eintauchen lässt, recherchiert sie als Schriftstellerin auch das Leben ihrer Vorfahrinnen. Wie haben sie gelebt? Wie haben sie gelitten? Antworten dazu findet sie in Briefen, Fotos, Gesprächen, im Staatsarchiv. Daraus ist ihr erstes Buch entstanden: «Grossmama und ich». Sie zitiert darin ihre Grossmutter und mischt sich immer wieder selbst in die Geschichte ein. Was sie über den Tod hinaus verbindet, ist die Liebe zur Musik und zum Gesang. Demnächst erscheint ihr zweites Buch, ein Roman über Marguerite, ihre Grandmaman aus dem Unterwallis, die sie nie gekannt hat.

«Freut euch des Lebens», singt Violaine und entlässt ihr Publikum in die heutige Welt, in eine Gesellschaft, in der Frauen Rechte haben und sie auch nutzen.

Photo by Frederike Asael Photography

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