Sechs Tiger ohne Raubtierkäfig

Oberstleutnant Nils Hämmerli, Kommandant der Patrouille SuisseOberstleutnant Nils Hämmerli, Kommandant der Patrouille Suisse

Oberstleutnant Nils Hämmerli kommandiert seit 2016 die Kunstflugstaffel der Schweizer Luftwaffe, die Patrouille Suisse. Am Samstag, 13. August, war er in Birmenstorf anzutreffen. Als eine der Hauptattraktionen faszinierte die Patrouille Suisse Zehntausende von Menschen, die sich zum Convoy to Remember eingefunden hatten. Hämmerli kommentierte als Speaker das Geschehen am Himmel. Er verwies auf die Schwierigkeiten, die bei den einzelnen Figuren zu meistern sind, er vermittelte Hintergrundinformationen zu den Flugzeugen, zur Geschichte und zur Bedeutung der Patrouille Suisse, und er nahm sich viel Zeit, Fragen zu beantworten.

Herr Hämmerli, nach 15 Jahren hat Ihr Vorgänger das Kommando der Patrouille Suisse an Sie übergeben. Ist das ein Aufbruch in eine neue Ära? 
Daniel Hösli, mein Vorgänger, hat hervorragende Arbeit geleistet. Ich sehe keinen Grund, nun alles auf den Kopf zu stellen. Im Gegenteil: Ich will Bewährtes weiterführen und dabei auf die bekannten Qualitäten der Patrouille Suisse setzen, auf höchste Präzision, Disziplin und Dynamik.

Welche weiteren Aufgaben fallen Ihnen als Kommandant der Patrouille Suisse zu?
Ich suche die Nähe zu den Menschen. Dies geschieht zum Beispiel an solchen Veranstaltungen wie dem Convoy to Remember. Unsere Kunstflugstaffel soll in der Bevölkerung fest verankert sein.

Von 1999 bis 2004 waren Sie selbst als Pilot Mitglied der Patrouille Suisse. Wie sieht das heute aus? Fliegen Sie manchmal noch mit?
Ja, das kommt schon mal vor. Zwar nicht bei solchen Vorführungen, aber zum Beispiel bei Fotoflügen.

Die Patrouille Suisse wurde vor 52 Jahren ins Leben gerufen. Was hat sich in all den Jahren geändert – abgesehen von den Flugzeugtypen?
Erstaunlicherweise nicht sehr viel. Sie sprechen die Typen an: Ja, zuerst flogen unsere Vorgänger mit dem Hunter. Seit 2005 ist es der Tiger. Was sich sehr wesentlich verändert hat, das sind nicht etwa die Figuren oder andere fliegerische Aspekte. Vielmehr ist es der öffentliche Auftritt, der viel intensiver betrieben wird. Ich nenne da nur das Internet und all die Sozialen Netzwerke, denen heute eine enorme Bedeutung zukommt.

 
 
 
 
 

Wie muss man sich das Prozedere vorstellen, wenn Sie neue Flugfiguren «erfinden» und in Ihr Programm einfügen?
Die Zahl der möglichen Figuren, die wir mit sechs Flugzeugen fliegen und zeigen, ist nicht unbegrenzt. Oftmals sind uns durch die örtlichen Voraussetzungen Grenzen gesetzt. Hier in Birmenstorf befinden wir uns zum Beispiel in der Flugverkehrszone von Kloten, wodurch der zur Verfügung stehende Luftraum nach oben eingeschränkt ist. Um auf Ihre Frage zurückzukommen: Jede Änderung besprechen wir genau gleich wie den Programmablauf im ganzen Team. Jeder muss ja genauestens wissen, welches seine Aufgabe ist.

Kann es sein, dass Sie zu neuen Ideen kommen, wenn Sie andere Kunstflugstaffeln bei deren Vorführungen beobachten?
Selbstverständlich schauen wir da ganz genau hin. Im Vordergrund stehen aber immer die Sicherheit und die Fliegbarkeit. Da kennen wir keine Kompromisse.

In wenigen Minuten erwarten wir die Patrouille Suisse über dem Platz. Mit welchen Geschwindigkeiten werden Ihre Kameraden fliegen?
Das ist nicht bei allen Figuren gleich. Es gibt «Bilder», die wir mit 300–350 km/h und mit ausgefahrenem Fahrwerk umsetzen. Andere zeigen wir mit 950–1000 km/h. Die Abstände zwischen den einzelnen Flugzeugen betragen dann nur einige wenige Meter.

Wenn das Programm erst mal läuft – haben Sie da überhaupt noch Einfluss auf das Geschehen am Himmel?
Ich stehe in ständiger Verbindung mit den Piloten. Wenn ich aus irgendwelchem Grund eine Anweisung gebe, muss diese sofort umgesetzt werden.

Eine abschliessende Frage: Mit wie vielen Flugzeugen fliegt die Patrouille Suisse heute über Birmenstorf?
Wir kommen mit sechs Tigern F‐5E.

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