Zwangsstörungen: Gefangen in der Angst

Wenn das Zentralnervensystem falsch versorgt wird, die Psyche erkrankt ist oder ein genetischer Defekt vorliegt, kann das zu Zwangsstörungen führen. Monika Kramer ist individualpsychologische Beraterin. Als «Mitgefangene» kennt sie die Ängste der betroffenen Kinder und deren Eltern. Ihr Coaching tut viel Gutes.

In der Schweiz leiden rund zwei Prozent aller Kinder unter Zwangsstörungen. Zwänge sind Impulse, die Gedanken dominieren und Handlungen wie häufiges Händewaschen, ständiges Aufräumen oder Essensverweigerung auslösen.

Monikas Sohn ist zwölfjährig. Noch vor einem Jahr war Sven so gefangen in der Angst, sich zu vergiften, dass er am Ende kaum noch essen konnte. Aus mütterlicher Sorge hat Monika Svens Forderungen nach zwanghafter Sauberkeit nachgegeben, «mitgespielt», bis der Kinder- und Jugendpsychiatrische Dienst in Brugg sie entschieden gedrängt hat, Sven in stationäre Betreuung zu geben. Von einem Tag auf den andern. «Ich war überfordert», erinnert sich Monika «und hätte mir in dieser Situation gewünscht, jemand würde mich in meiner Angst und Unsicherheit abholen.» Als Mutter hielt sie ihre Fürsorge für das Beste und tat sich darum schwer mit Loslassen.

Während viereinhalb Monaten war Sven auf der Kinderstation in Rüfenach. Heute ist er ein fast gesunder Junge. Aber der Weg dahin war lang. Unzählige Stunden hat Monika vor dem Computer verbracht und nach Informationen, Selbsthilfegruppen und medizinischer Hilfe gesucht. Ihre Erfahrung sowie das Wissen aus intensiven Gesprächen mit Fachärzten und Literatur gibt sie betroffenen Eltern weiter, sei es als psychologische Beraterin oder als Beirätin bei ärztlichen Konsultationen.

Zwangserkrankungen sind noch immer ein Tabuthema. Monika plädiert unbedingt für mehr Transparenz. «Je früher Kinder die Krankheit durchbrechen, umso grösser sind die Heilungschancen.»

Um zu gesunden braucht es kognitive Verhaltenstherapien, bei extrem ängstlichen Kindern zusätzliche Medikamentenabgabe und in jedem Fall viel Geduld und Zuspruch. Nur die richtige Unterstützung hilft, Zwänge zu mildern, sodass das unbelastete Leben wieder den Kinderalltag dominiert.

Photo by Frederike Asael Photography

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