Tonnenweise fliegt das Metall davon

Der Fall ist klar: Die alten Leitungsmasten müssen weg. Nicht allein deshalb, weil sie schon ein paar Jahrzehnte auf dem Buckel haben und sich ihr Outfit deshalb ins Rost-Rotbraun gewandelt hat. Das wäre nicht weiter tragisch. Aber die Leitungsbaufirma Lebag ist in Zusammenarbeit mit andern Unternehmen damit beschäftigt, eine neue, sehr viel leistungsfähigere Leitungs-Trasse zwischen Martigny und dem Stausee Lac d’Emosson anzulegen. Die alte hat ausgedient; sie ist zu schwach.

Längst sind die alten Kabelseile entfernt worden. Jetzt geht es um die Masten. Die meisten stehen in unwegsamem Gelände. Da ist nur eine Abbauvariante vorstellbar: mit dem Helikopter. Und zwar mit einem Schwerlastheli. Die Firma Lebag hat bei anderer Gelegenheit gute Erfahrungen mit dem Super Puma von SAF International gemacht, besonders mit deren CEO Justin Mattia, der gleichzeitig als erfahrener Heli-Pilot auftritt.

Vorgesehen sind zwei Arbeits-, resp. Flugtage für die 14 Masten – das erscheint realistisch. Allerdings: Einen Hochspannungsmast kann auch der Super Puma nicht in einem Stück abtransportieren. Mehr als 4,4 Tonnen liegen nicht drin. Der Mast muss deshalb «schussweise» abgebaut werden, also in einzelne «Stockwerke» oder eben «Schüsse» zerlegt. Na gut, machen wir!

Der Super Puma steht auf dem provisorisch angelegten Landeplatz in der Walliser Gemeinde Trient bereit

Die Flughelfer – ein halbes Dutzend kräftige junge Männer – haben einige der benötigten «Schlaufen» ausgelegt. Sie bestehen aus Nylon oder Stahl und haben eine genau geprüfte Traglast von mehreren Tonnen
Das Flughelfer-Team bespricht das genaue Vorgehen noch einmal Punkt für Punkt. Helipilot Justin Mattia (4. von links) will die Masten möglichst zügig abbauen, um Flugzeit einzusparen. Das ist aber nur dann möglich, wenn an mehreren Leitungsmasten alle Schlaufen angebracht sind und wenn genügend Helfer zur Verfügung stehen, um den Trennungsvorgang zu unterstützen
Lebag-Geschäftsführer Daniel Stutz (links) bespricht sich mit seinem Baustellenleiter Peter Ehrentraut (blaue Jacke) und mit Joao Simaes (ganz rechts), der für organisatorische Belange zuständig ist
Einer der alten Leitungsmasten. Er ist für den «schussweisen» Abbau vorbereitet. Im Hintergrund liegt das Dorf Finhaut. Im Vordergrund ist das Fundament des neuen, grün angestrichenen Mastes zu erkennen
Alle kleineren Bestandteile haben die Lebag-Männer längst abgebaut. Jene warten am Fuss des Leitungsmastes auf den Abtransport
An einem andern Leitungsmast sind die Lebag-Männer damit beschäftigt, unterhalb des obersten «Schusses» die Schrauben der diagonalen Kreuze zu lösen
Auch an einem dritten Alt-Mast arbeiten Lebag-Mitarbeiter in luftiger Höhe. Mitten im Mast haben sie ein Materialseil angebracht. Über eine Rolle lassen sich damit Werkzeuge hochziehen und demontierte Einzelteile absenken

Ortsbesichtigung. Zwei Flughelfer tauchen auf und begutachten zusammen mit Peter Ehrentraut die Situation: Wie präsentiert sich der Leitungsmast? Was ist schon fertig vorbereitet, und was bleibt noch zu tun?

Flughelfer Christoph, ausgerüstet mit Schutzkleidung und -ausrüstung sowie mit Funk und allerlei Werkzeugen, ist an der Spitze des Mastes angekommen. Ohne Teamarbeit geht auch an diesem ungewöhnlichen Arbeitsplatz nichts. Die Männer sind gut gesichert. Sie befestigen vier Stahlschlaufen. Rechts das Materialseil samt Rolle, links das rote Rettungsseil, das bei irgendwelchen Zwischenfällen zum Einsatz kommt
Die restlichen Teammitglieder können im Moment nichts machen. Vom Boden aus beobachten sie ihre Kameraden
Von Zeit zu Zeit helfen sie. Hier hieven sie die Stahl- und Nylonschlaufen über das Materialseil in die Höhe
Die Schlaufen werden festgezurrt. Aber noch bleibt viel zu tun, denn auch an den unteren «Schüssen» müssen solche Schlaufen angebracht werden
Die Vorbereitungen sind abgeschlossen. Der Super Puma nähert sich einem der Masten, wo hoch oben einige Flughelfer auszumachen sind. Jetzt ist Präzisionsarbeit angesagt. Die Routine von Pilot Justin Mattia ist Gold wert
Der oberste «Schuss» schwebt davon. Schon sind die Helfer damit beschäftigt, die Schlaufen des zweiten «Schusses» für den Abtransport vorzubereiten
An der Schräglage des Metallgerippes lässt sich erahnen, mit welchem Tempo der Super Puma arbeitet: Zeit ist Geld!
Ein weiterer «Schuss» fliegt davon. Der Helikopter bringt ihn zum Zwischenlager. Hier holt ihn der Alteisenhändler ab

Der Abbau von Leitungsmasten ist alles andere als eine Hau-Ruck-Übung. Die Lebag-Männer und die Fachleute von SAF International planen das Unterfangen bis in alle Details – und doch kann immer mal wieder ein Zwischenfall zu Verzögerungen führen: starke Niederschläge, heftiger Wind, technische oder auch organisatorische Probleme. CEO Daniel Stutz: «Wichtig ist es dann, nicht einfach nach einem Schuldigen zu suchen oder einen Umstand zu beklagen. Es geht vielmehr darum, sich einer neuen Situation zu stellen und entsprechende Lösungen umzusetzen.»

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