«Ich bleibe gewiss nicht stehen»

Hey, ihr Jugendlichen! Wie geht es weiter nach der Schule? Habt ihr euch entschieden? Nein? Schon überlegt, ob eine KV-Lehre infrage käme? KV-Lehrstellen gibt es in jeder Branche. Handwerksbetrieb, Maschinenbau, Handel, Verwaltung, Spital, Reisebüro – überall! Keine andere Lehre bietet euch diese Auswahl. Nach drei Jahren habt ihr das eidgenössische Fähigkeitszeugnis in der Tasche, vielleicht sogar die Berufsmatur. Und dann startet ihr durch. Thily Kirchhofer aus Windisch ist auf dem besten Weg dahin.

Schritt in die Selbständigkeit
Thily Kirchhofer, 19 Jahre jung, steht im dritten Lehrjahr ihrer KV-Ausbildung. Auch in Sachen Berufsmatura rückt das Ziel näher. «Schaffen Sie die Berufsmaturität?» Die Antwort kommt ohne das geringste Zögern und ohne Einschränkung: «Ja.» Punkt. Ein gesundes Selbstbewusstsein. Die Frau weiss, was sie will.

Nach der Bezirksschule zog es Thily ins Berufsleben. «Ich wollte arbeiten, selber Geld verdienen, unabhängig sein, die Berufswelt kennenlernen.» Die Kantonsschule war also keine Option. Thily erwog zunächst eine Ausbildung zur Medizinischen Praxisassistentin. Doch dann wuchs ihr Interesse an einer KV-Lehre. Nach den beiden Schnuppertagen beim Schweizer Bauernverband war alles klar. Sie bewarb sich um die Stelle und bekam den Zuschlag. Diesen Schritt hat sie noch keinen Tag bereut.

«Es geht längst nicht nur um Arbeiten im Sekretariat und in der Buchhaltung. Meine Aufgaben sind enorm vielfältig.» Immer nach einem halben Jahr wechselt sie die Abteilung. Gegenwärtig ist Thily im Versicherungswesen, bei der Agrisano, der Krankenkasse des Bauernverbandes. Hier gefällt es ihr besonders gut. Sie hat zahlreiche Kontakte mit Versicherten, meist aus einem landwirtschaftlichen Umfeld. Da gibt es zum Beispiel Fragen zu einer Rechnung. Oder zu einem Zahlungsaufschub, zu Ratenzahlungen. Thily kennt das Prozedere und erklärt es den Versicherten. Und jetzt, gegen Jahresende, treffen viele Versicherungsanträge ein von Personen, die ihre Krankenkasse wechseln wollen. Thily erfasst diese Anträge.

Thily Kirchhofer, KV-Lernende im 3. Lehrjahr

Offene Türen
Thily betont: «Eine KV-Lehre ist zweifellos eine gute Grundausbildung, besonders wenn sie mit der Berufsmatura verbunden ist. Fast jedes Unternehmen ab einer minimalen Grösse braucht kaufmännische Mitarbeitende für das Sekretariat und die Buchhaltung, für rechtliche Abklärungen oder Personalfragen, für alle administrativen und organisatorischen Belange.»

Wie geht es für Thily nach der Lehre weiter? «Wenn immer möglich, möchte ich bei der Agrisano bleiben. Die Arbeit ist nicht nur abwechslungsreich, sondern hat auch eine soziale Komponente; ich höre von finanziellen Engpässen oder andern schwierigen Situationen. Da kann ich mit meinem Wissen helfen. Eine andere Möglichkeit wäre ein FH-Studium. Sicher ist, dass ich nicht stehen bleibe. Weiterbildung ist mir extrem wichtig.»

Was zählt, ist die Person
Karin Wisler betreut die KV-Lehrlinge beim Schweizer Bauernverband. Sie kennt den Betrieb aus dem FF, hat sie doch selber die Lehre hier gemacht.

Frau Wisler, welche Anforderungen stellen Sie an Schulabgänger?
Er oder sie sollte einen Bezirks- oder Sekundarschulabschluss haben. Was wirklich zählt, ist die Person, die Motivation, das Auftreten. Ich bin mir bewusst, dass sich Jugendliche dieser Altersklasse noch stark verändern. Wer in der Schnupperlehre scheu und introvertiert ist, wird später offener und selbstsicherer. Hier haben wir schon erstaunliche Entwicklungen von Jugendlichen miterlebt.

Ist die KV-Lehre eine Option für noch unentschlossene Jugendliche? Eine Verlegenheitslösung?
Ich erlebe beides: Jugendliche, die sich noch nicht für einen Beruf entschieden haben ebenso wie solche, die bewusst und gezielt eine KV-Ausbildung wählen.

Wie beurteilen Sie die Zukunftsaussichten des Berufs?
Tatsächlich ist mit der zunehmenden Automatisierung vieles im Wandel. Routinearbeiten werden schon bald der Vergangenheit angehören, Stichwort Digitalisierung. Der Branchenverband (kaufmännischer Verband) muss die Ausbildung überdenken und anpassen. Firmen aus der IT-Branche, die Swisscom und andere IT-affine Firmen sind schon weit voraus. Sie zeigen auf, wohin der Weg führt.

Aber beim Schweizer Bauernverband  ist die Digitalisierung auch ein Thema?
Selbstverständlich. Beispiele sind die Archivierung, standardisierte Sekretariatsarbeiten oder die Verarbeitung von Arztrechnungen bei der Krankenkasse. Allerdings: Viele unserer Gesprächspartner, die mehrheitlich aus der Landwirtschaft kommen, sind noch nicht digitalisiert. Wir befinden uns also in einer Übergangszeit.

Die KV-Lehre ist eine solide Grundausbildung – sehen Sie das auch so?
Auf jeden Fall! Nach einer KV-Lehre stehen den jungen Menschen in unserem dualen Bildungssystem unzählige Weiterbildungsmöglichkeiten offen. Von der Spezialisierung im gewählten Berufsfeld bis hin zu einem Fachhochschul-Studium. Wenn immer möglich, versuchen wir aber die bei uns Ausgebildeten zu behalten.

Karin Wisler, Berufsbildungsverantwortliche KV im Schweizer Bauernverband Brugg

Einige statistische Angaben:

  • Gemäss dem Schweizerischen Kaufmännischen Verband SKV (LehrabgängerInnen-Umfrage 2015) sind die folgenden Branchen in der Digitalisierung schon weit fortgeschritten:
    Produktion/Industrie
    Finanzdienstleistung
    ICT/Telekommunikation
    Handel und Personalwesen
  • Gut 70% der ausgelernten KV-Berufstätigen blieben im ehemaligen Lehrbetrieb; knapp 30% waren in einem andern Betrieb tätig.
  • Von allen Ausgelernten blieben drei Viertel erwerbstätig. Eine geringe Zahl hatte sich für ein Praktikum entschieden, und rund 5% war auf Stellensuche. 15,8% gaben an: «Ich bin zurzeit nicht erwerbstätig und mache etwas Anderes» (z.B. Weiterbildung, Sprachaufenthalt, längerer Ferienaufenthalt, Militär u. a.).
  • Auf die Frage «Wie gut fühlten Sie sich durch die kaufmännische
    Grundausbildung darauf vorbereitet, eine feste Stelle als Kauffrau/Kaufmann anzutreten?» antworteten über 90% mit «sehr gut» oder «eher gut».
    Schliesslich bestätigten deutlich über 80% der Befragten, ihre Erwartungen an die kaufmännische Grundausbildung hätten sich erfüllt.

Die 7 beliebtesten Branchen für KV-Lehren
(Quelle: Lehrvertragsstatistik des Bundesamts für Statistik, Neueintritte 2016)

Dienstleistung und Administration 7 408 Lernende
Öffentliche Verwaltung 1 866 Lernende
Bank 1 163 Lernende
Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie 572 Lernende
Treuhand/Immobilien 542 Lernende
Privatversicherung 449 Lernende
Handel 413 Lernende

Kontakt
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Berufs- und Weiterbildungszentrum Brugg
«FLEX-Gebäude»
Industriestrasse 19
5201 Brugg

T +41 56 460 24 24
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