Mission «Rosetta»: Ein Komet in Reichweite

Kathrin Altwegg ist promovierte Physikerin und Dozentin für Weltraumforschung und Planetologie an der Universität Bern.

Kathrin Altwegg ist promovierte Physikerin und Dozentin für Weltraumforschung und Planetologie an der Universität Bern. Seit fast zwei Jahrzehnten widmet sie sich einem Projekt, das höchste Ansprüche stellt: die Erforschung eines Kometen in einer Erdentfernung von vielen Hundert Millionen Kilometern.

Am 2. März 2004 startete die europäische Sonde «Rosetta» ihre lange Reise zum Rendezvous mit dem Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko, kurz «Tschuri». Die Sonde ist vollgepackt mit Instrumenten, die es möglich machen, den Kometen zu erforschen. Dazu gehören Kameras, optische und Infrarotspektrometer oder Geräte für die chemische Analyse von Staub und Eis. Das 100 Kilogramm schwere Landeteil «Philae», das die Raumsonde begleitet, wird voraussichtlich am Mittwoch, 12. November 2014, um 8.35 Uhr UTC auf dem Kometen abgesetzt.

35 Kilo wiegen allein die Schweizer Forschungsgeräte, kompakt gebündelt als Massenspektrometer. Das Messgerät «Rosina» wurde vor 18 Jahren eigens für die «Tschuri»-Mission an der Uni Bern und unter der Leitung von Altwegg entwickelt. «Heute könnte man die Geräte mit der Hälfte des Gewichts herstellen», so Altwegg. Auch die modernen Computer funktionieren einfacher, schneller und verfügen über mehr Speicherkapazität. Ansonsten sind die Schweizer Hightech-Geräte ihrer Einschätzung nach jedoch nach wie vor die besten, die es gibt: «Diesen Grad an feinmechanischer Präzision erreicht in den USA niemand.»

Das Messgerät «Rosina» analysiert Gase im Schweif des Kometen und könnte Hinweise darauf liefern, wie das Wasser einst auf die Erde kam und ob der Komet aus dem gleichen Material besteht wie unser Himmelskörper. Denn schliesslich sind beide zur gleichen Zeit, vor rund 4,6 Milliarden Jahren, entstanden. «Bei einer ersten Annäherung haben wir festgestellt, dass «Tschuri» aufgrund seiner chemischen Zusammensetzung nach Pferdestall und faulen Eiern riecht», fasst Altwegg die Ergebnisse zusammen.

Ganz einfach wird es nicht, das Modul in einer Distanz von 450 Millionen Kilometern präzise abzuwerfen. Der Durchmesser des Kometen beträgt nur etwa 4 Kilometer, und seine Anziehungskraft ist entsprechend schwach. Zudem weiss man fast nichts über seine Oberfläche. Was seine Dichte betrifft, so kann man ihn mit leichtem Pulverschnee vergleichen. «Philae» könnte also einfach im Schnee versinken. Hätte der Komet eine harte Kruste, würde «Philae» wie ein Gummiball gleich wieder weggespickt. Für diesen Fall besitzt das Landeteil einen Anker, der sich auf dem Kometen festkrallt.

Die Sonde wird bis Ende 2015 Messsignale zur Erde schicken, dann ist die Mission abgeschlossen. Abgeschlossen? Altwegg wird nächstes Jahr 64 und geht mit «Rosetta» in Pension. Zurücklehnen werden die beiden sich deshalb aber noch lange nicht.

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