Applaus für Forstwarte

Die Tannzweige und die Holzschnitzel im Foyer der Berufsschule Brugg verströmen einen harzigen Duft. Forstwartlehrlinge haben den Raum gestaltet. Heute ist ein wichtiger Tag für die angehenden Berufsleute. Ihre Eltern, ihre Freunde und Freundinnen, ihre Lehrmeister haben sich eingefunden. Einer der Lehrlinge heisst sie willkommen zur Präsentation der Herbarien. Auch Richard Plüss, selber Förster, Berufsschullehrer und Politiker, ergreift das Wort. Er verweist auf die fantasievolle Gestalt der Herbarien und auf ihre inhaltliche Qualität. Jeder Forstwart-Lehrling musste die Bäume und Sträucher im Holz, in der Rinde, im Zweig, im Blatt und als Frucht sammeln und richtig beschriften.

Die Besucher staunen. Die allermeisten Herbarien zeugen vom Willen der Lernenden, Aussergewöhnliches zu schaffen. Weit über der Norm. Da hat einer nach eigenen Plänen einen grossen Tisch gebaut, das Tischblatt als Glasplatte, unter der die Exponate zu sehen sind. Eine weitere Eigenkonstruktion: Ein Schrank mit Schubladen, jede einzelne einem Baum oder Strauch gewidmet. Mit berechtigtem Stolz präsentieren die Lehrlinge ihre Arbeiten. Applaus.

Kompetenzen sammeln
Richard Plüss sieht vielfältigen Sinn in den Herbarien. Stichworte sind langfristige Planung, Zeitmanagement, Artenkenntnisse, ansprechende Darstellung, Durchhaltewillen, Exaktheit, Geschick und schliesslich Mut bei der Präsentation vor einem kritischen und zum Teil fachkundigen Publikum sowie vor der Presse. Alles Eigenschaften, die einen Forstwart auszeichnen. Besonders jene, die eine Weiterbildung anstreben, zum Vorarbeiter, zum Forstwart-Meister, zum Förster oder sogar zum Forstingenieur. Viele Wege stehen offen. Den eigenen Neigungen entsprechend befindet sich der zukünftige Arbeitsplatz im Wald oder im Planungsbüro, an der Maschine oder in der Baumschule.

Richard Plüss im Schulzimmer des BWZ Brugg

Richard Plüss – ein wenig Spass im Schulzimmer

Angehende Forstwarte im zweiten Lehrjahr
Konzentriertes Arbeiten im Lehrgang für Forstwarte

Ein vorbildliches Herbarium; jede Baum- und Strauchart auf einer Schautafel. Dieses Herbarium ziert jetzt eine Wand im Werkhof des Forstbetriebs Homberg-Schenkenberg

Dieses sorgfältig angelegte Herbarium besteht aus einer grossen Zahl von Schaubildern

Das Herbarium im verschliessbaren «Koffer» umfasst 32 Baum- und Straucharten

Nathalie Thomé ist eine der wenigen jungen Frauen im Aargau, die sich zur Forstwartin ausbilden lassen. Nach dem Abschluss der Kantonsschule hat sie sich zu dieser Zweitausbildung entschlossen. «Die meisten Berufskollegen respektieren mich.»

Nathalie hat den Fallkeil herausgesägt. Jetzt bestimmt sie die genaue Fallrichtung des Stammes. «Wir sind fast bei jedem Wetter draussen. Mich stört das nicht.»

Versehen mit Schutzkleidung, Helm und Gehörschutz setzt Nathalie die schwere Kettensäge an. «Manchmal bin ich richtig durchnässt.»

Die Späne fliegen; bald wird der Baum fallen. «Bei miesem Wetter gehen wir über Mittag in ein Restaurant oder sonst an einen geschützten Ort.»

Förster Rolf Treier überwacht den Fortgang der Arbeiten. Mit dem Zangenschlepper holen die Forstwarte die gefällten Stämme auf den vorgesehenen Lagerplatz

Das Forstteam bespricht das weitere Vorgehen: Es darf auch mal gelacht werden. Links die Forstwart-Lernende Nathalie Thomé. «Vielleicht nehme ich später ein Forstingenieur-Studium auf.»

Ein Blick in den Werkhof des Forstbetriebs Homberg-Schenkenberg zeigt: Hier wird mit schwerem Gerät gearbeitet

Im Zeitalter der Mechanisierung haben kleine Handgeräte noch immer ihre Bedeutung 

Forstwart: Ein vielseitiger Beruf. Bäume pflanzen, pflegen, erziehen, schlagen ist nur ein kleiner Teil des Berufsbildes. Er kennt Schädlinge und Nützlinge. Die Holzkunde ist ein wesentlicher Teil, und er weiss, wie die geschlagenen Stämme sinnvoll verwertet werden. Die Möbelschreiner stellen andere Anforderungen als die Papierindustrie und die Käufer von Schnitzelholz. Dank technischem Verständnis hat der Forstwart Zugang zu einem umfangreichen Maschinenpark von der einfachen Spaltmaschine bis zum Schlepper, von der Motorsense bis zur schweren Kettensäge, vom Häcksler bis zum Vollernter, der Bäume innert weniger Minuten fällt, abastet und in genormte Längen sägt. Die Arbeit mit Maschinen und deren Pflege gehört zum Alltag.

Weitere Wissensfelder sind der Strassenbau und die Anlage von Kleinbauten und Entwässerungsmassnahmen. Einen immer höheren Stellenwert hat der Naturschutz. Dann die Jagd, die Öffentlichkeitsarbeit, das Forstrecht, das Fachrechnen (Maschinen-Kalkulation, Verrechnung von Arbeitsleistung) … Die Liste ist längst nicht abschliessend.

Die Sinne schulen
Richard Plüss verschafft den Jünglingen noch einen völlig andern Zugang zum Wald. «Selbstverständlich bleiben wir nicht die ganze Zeit im Schulzimmer. Im Wald entwickeln meine Schüler mit praktischen Übungen Gefühle für den Wald und für einzelne Bäume. Die Beziehung zum Baum mit allen Sinnen. Seinen Geruch aufnehmen, die Wärme der Stämme spüren, die Struktur der Rinde fühlen. Mit dem Baum reden. Ihn erleben.» – «Sind die Schüler offen für solche Erfahrungen?» – «Durchaus. Voraussetzung ist, dass sie den Sinn davon verstehen. Emotionen haben im Wald einen hohen Stellenwert.»

Wer im Wald tätig ist, denkt in weiten Zeiträumen. Eine Fichte braucht gegen 100 Jahre bis zur Schlagreife. Eine Eiche sogar 300 Jahre. «Wir arbeiten an der Zukunft unseres Systems. Damit leisten wir einen Beitrag zur Stabilität der Gesellschaft. Das vermittle ich meinen Schülern.»

Grundlagen im BWZ
Das theoretische Rüstzeug erhalten Aargauer Forstwart-Lernende im Berufs- und Weiterbildungszentrum Brugg. Die drei Jahre dauernde Lehre umfasst einen Schultag pro Woche, insgesamt 900 Lektionen über Themen wie Aufgaben und Bedeutung des Waldes, Waldbau, Forstschutz, Holzkunde, Gesellschaft, Sprache und Kommunikation. Alljährlich besuchen rund 30 Forstwart-Lehrlinge die Berufsschule Brugg.

Forstwart – eine Ausbildung für witterungsfeste Jünglinge mit Freude an der Natur. Ausgestattet mit Sinn fürs Praktische ebenso wie mit Sensibilität gegenüber Mensch, Natur und Landschaft.

Weitere Informationen:
codoc.ch (Ausbildungsfragen in der Waldwirtschaft)
kwl-cfp.ch (Konferenz für Wald, Wildtiere und Landschaft)
sia-wald.ch (Fachverband Wald)

Kontakt
BWZ

Berufs- und Weiterbildungszentrum Brugg
«FLEX-Gebäude»
Industriestrasse 19
5201 Brugg

T +41 56 460 24 24
sekretariat@bwzbrugg.ch
www.bwzbrugg.ch

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