Fenster altern – aber bitte nicht zu schnell!

«Mensch, das zieht ja wie im Hühnerstall. Bitte schliess doch das Fenster.» – «Was? Die Fenster sind alle geschlossen!»

Fenster sollen erfreuen, nicht ärgern. Bei guter Pflege fast ein halbes Jahrhundert lang. Fenster haben mehrere Funktionen. Sie lassen das Licht in die Wohnung. Sie ermöglichen die Zufuhr frischer Luft. Sie halten die Nässe ab. Sie schützen vor Durchzug. Und sie erschweren den Temperaturausgleich von Innen- und Aussenraum; sie isolieren die Wohnung. Alte, schlecht gepflegte Fenster werden diesen Ansprüchen nicht mehr gerecht. Schlechte Fugen dichten nicht mehr ab; geschwächte Isolationen ermöglichen das Eindringen von Feuchtigkeit. Rissiger Lack führt zu Fäulnis des Fensterholzes.

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Hier ist die Rede von der Lebensdauer verschiedener Fenster. Welchen Einfluss hat die Pflege? Was ist bei Schäden, Beeinträchtigungen zu tun? Raoul Wettstein von der Theo Wernli AG, Fenster- und Holzbau, Thalheim, gibt Auskunft.

Es gibt Holz-, Holz/Aluminium- und Kunststofffenster. Welchen Einfluss haben die Materialien auf die Lebensdauer?
Fenster haben unabhängig vom Material eine Lebenserwartung von 30 Jahren. Mit alten Fenstern lässt sich allerdings kein Minergie-Standard erreichen. Heutige Fenster isolieren grundsätzlich sehr gut; man spart Heizkosten. Auch punkto Stabilität – Stichwort Einbruchschutz – gibt es laufend Verbesserungen. Für optimale Werte empfiehlt es sich deshalb, die Lebensdauer der Fenster nicht allzu sehr auszureizen.
Die Kombination Holz/Aluminium garantiert gegenüber Holz einen verbesserten Schutz vor Nässe und andern Umwelteinflüssen. Dadurch steigt die Lebenserwartung.
Kunststofffenster sind zwar günstiger, aber die UV-Strahlung und die Abgas-Einwirkungen setzen ihnen mehr zu, und das verkürzt die Lebensdauer. Allerdings kommen immer wieder neue Kunststoffe auf den Markt mit verbesserten Werten.

Eiche, Föhre, Fichte – welche Holzart empfehlen Sie?
Ganz einfach: Je härter das Holz, desto resistenter ist es. Eiche ist widerstandsfähiger als Fichte. Bei guter Pflege spielt die Holzart jedoch nur eine untergeordnete Rolle. Aus unserer Praxis kenne ich keine massiven Schädigungen von Holzfenstern. Höchstens solche, die beim Einbau passiert sind.

Thema Fensterpflege?
Fenster sind anspruchslos. Metallteile mit Autopolitur auffrischen, das Glas und die Holzteile einfach reinigen. Für die Beschläge empfehlen wir alle fünf bis sechs Jahre einen Service (Richten, Ölen, Fixieren), damit die Funktion erhalten bleibt. Es ist wie beim Auto. Wer es regelmässig in den Service gibt, darf für sein Fahrzeug eine längere Lebenszeit erwarten. Bei vielen unserer Kunden übernehmen wir diesen Service.

Woran erkennt man ein geschwächtes Fenster? Und wie ist damit umzugehen?
Geschädigte Fenster wackeln oder klemmen; sie sitzen nicht mehr einwandfrei im Rahmen. Weitere Merkmale sind Farb- oder Lackschäden, defekte und harte  Dichtungen, abgerissene Fugen zwischen Glas und Flügel, beschädigte Verglasungsgummis – alles Hinweise auf Handlungsbedarf.
Vieles lässt sich reparieren. Ein anderer Ansatz ist das Nachrüsten mit Aluminium-Abdeckungen. Allerdings empfiehlt es sich immer, eine einfache Rechnung anzustellen: Wie alt sind die Fenster? Was kostet die Reparatur? Wie gross ist der Nutzen? Unter Umständen ist es sinnvoller, noch einige Jahre zu warten und dann neue Fenster einzusetzen.

Vor 150 Jahren: Schon damals verbesserten bearbeitete Latten die Qualität und die Ästhetik der Fensterflügel. Zapfen hielten die Holzlatten zusammen
Eine Klammer presst das Flügelholz an den Fensterrahmen

Kitt hält das Glas (noch) im Fensterflügel

Im Querschnitt wird deutlich, wie schlecht das Rahmen- und das Flügelholz ineinander greifen

Querschnitt eines modernen Fensters: ein ausgeklügeltes System aus Holz-, Aluminium-, Kunststoff- und Gummiteilen

Die Beschläge sind so stabil, dass die Fenster passgenau in den Rahmen greifen

Die Aluminiumteile schützen das Holz und verhindern das Eindringen von Wasser

Ungefährer Anteil neu hergestellter Fenster:
Diese Zahlen basieren auf Branchenumfragen sowie auf Angaben des Bundesamts für Statistik.

  • 50% aus Kunststoff
  • 40% aus Holz/Metall
  • 10% aus Holz

Zur Lebensdauer von Fenstern macht der Verband keine abschliessenden Angaben. Er spricht von der «Gebrauchsdauer», die unabhängig vom Material bei 25 Jahren liegt. Die effektive Lebensdauer hängt von einer ganzen Reihe äusserer Faktoren ab, zum Beispiel von der Exposition des Fensters, der Pflege, der Fensterumgebung, der Gebrauchsintensität oder dem Zweck, den die Fenster erfüllen sollen.

Kontakt
Theo Wernli AG

Fenster- und Holzbau
Hegi 300
5112 Thalheim

T +41 56 443 12 15
info@wernli-fensterbau.ch
www.wernli-fensterbau.ch

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