Ist das wahr? – Mir doch egal!

«Britney Spears gestorben!» – «Trump bezahlt One-Way-Ticket für rückreisewillige Afrikaner und Mexikaner!» – «Papst Franziskus unterstützt die Kandidatur Trumps!» –Alles Quatsch. Alles gelogen. Alles Falschinformationen, Fake News, absichtlich produziert und bewusst ins Netz gestellt.

Die Fake News mögen noch so verdreht sein, sie werden rasend schnell verbreitet. Den Rekord hält eine Falschmeldung, in der es hiess, Präsident Obama beabsichtige, den traditionellen Schulschwur zu verbieten. Innert kürzester Zeit löste das 2,1 Millionen Interaktionen aus (Shares, Likes und Kommentare). Die Hälfte aller Interaktionen in den USA hat einen Fake-News-Bezug!

Das Phänomen beschränkt sich keineswegs auf die USA. Zwei Beispiele aus Deutschland: Nach dem Terroranschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt erschien im Netz die frei erfundene Warnung, es seien weitere Anschläge auf Einkaufszentren geplant. Die Nachricht verbreitete sich am 23. Dezember wie ein Lauffeuer. Es gelang der Polizei, den Verursacher zu fassen. – Zu Beginn des neuen Jahres tauchte die folgende Meldung im Netz auf: «1000-Mann-Mob setzt Deutschlands älteste Kirche in Brand.» Die Nachricht bezog sich auf ein Ereignis in Dortmund. In der Silvesternacht hatten sich etwa 1000 Menschen auf einem Platz in der Innenstadt versammelt. Wegen einer Silvesterrakete fing ein Gitterschutznetz Feuer, ohne dass eine Absicht dahinter stand. Mit dem Netz war ein Baugerüst bei der Kirche verkleidet. Das Feuer wurde rasch gelöscht.

Fake News auch in den Schweizer Medien, selbst in der renommierten NZZ. Sie hatte eine Falschmeldung der Washington Post aufgenommen: Russischer Hackerangriff auf einen US-Stromversorger (Elektrizitätsgesellschaft Vermont). – Hat nie stattgefunden!

Sie schüren Ängste
Fake News sind absichtlich produzierte Falschmeldungen, die so gestreut werden, dass sie die Logiken der sozialen Medien ausnützen: Sie erzeugen starke Emotionen, und sie behandeln Reizthemen. Die Verursacher schüren Ängste und bestätigen Befürchtungen, etwa beim Thema Flüchtlinge. Ganz gezielt spielen Fake News extremen Gruppierungen in die Hände. Und sie sind ein Wirtschaftsfaktor; sie sollen Internetnutzer auf Seiten mit Werbeanzeigen locken.

Was Fake News besonders gefährlich macht: Sie machen sich die Dynamik der sozialen Medien zunutze. Meldungen verbreiten sich in Sekundenschnelle. Hinterfragt werden sie kaum. Typische Reaktion: «Es ist mir egal, ob es stimmt; es könnte doch so sein.» Selbst völlig absurde Fake News sind also in diesem Sinne glaubwürdig, weil sie in ein bestimmtes Welt- und Selbstbild passen, das Nutzer in den sozialen Medien von sich zeichnen wollen.

Die politische Dimension ist erkannt. Nicht erst seit den undurchsichtigen Vorgängen rund um die Präsidentenwahl in den USA. Jetzt will Facebook in Zusammenarbeit mit einer Reihe von Medienunternehmen Falschmeldungen früher identifizieren und löschen. Verschiedene Länder planen «Abwehrzentren». Mit Blick auf die anstehenden Bundestagswahlen will Deutschland verhindern, dass Fake News die politischen Entscheidungen beeinflussen. Allerdings sind staatlich organisierte Kontrollorgane höchst problematisch. Aus Italien tönt es: «Bürokraten entscheiden, was publiziert wird, was richtig ist und was nicht.» Und der tschechische Präsident Milos Zeman liess verlauten: «Niemand hat ein Monopol auf die Wahrheit.»

Wie also lässt sich gegen Fake News vorgehen? Wie erkennen wir Wahres? Gibt es sie überhaupt, die reine Wahrheit? – Ein auswegloses Dilemma?

Schon am ersten Forum Fokus Ethik gab es viel Applaus für den Gehalt des Gebotenen

Vor einem Jahr begrüsste André von Wattenwyl als Präsident von Fokus Ethik die Teilnehmer des ersten Forums

Köppel & Co.
Das Forum Fokus Ethik Thun setzt sich am 6. April ab 9.30 Uhr mit Fragen rund um den Begriff «Wahrheit» auseinander. Namhafte Persönlichkeiten wie Barbara Bleisch, Rüdiger Safranski, Sonja Hasler, Roger Köppel und Sylvia Egli von Matt diskutieren über «Wahrheit und Macht», «Wahr ist, was gefällt» oder «Wieviel Wahrheit braucht der Mensch?». Was können renommierte Philosophen, Journalistinnen, Schriftsteller, Moderatoren zur Wahrheit beitragen?

Die Veranstaltung ist öffentlich. Anmeldungen bis spätestens am 31. März über die Website fokusethik.ch/anmeldung.

Kontakt

Fokus Ethik
c/o KKThun AG
Kultur- und Kongresszentrum Thun
Seestrasse 68
CH-3604 Thun

T +41 33 334 99 00
info@fokusethik.ch
www.fokusethik.ch

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