Wenn, dann mit Humor

«Humor ist etwas Ernstes», sagt der Schauspieler Eric Rohner und denkt dabei an humoristische Einlagen, Figuren, die Zuschauer zum Schmunzeln bringen. Augenzwinkernd fügt er hinzu, «wenn ich als Humorist lache, wer soll dann noch mitlachen?» Humor wirkt also nur, wenn man Humor ernst nimmt. Beispielhaft dafür sind existentielle Geschichten, wie sie der britische Regisseur und Drehbuchautor Ken Loach in seinen Filmen erzählt. Sie zeugen von grossartigem schwarzem Humor. Es sind häufig Sozialdramen, Menschen, die am Abgrund stehen und sich immer wieder aufrappeln. Grossartig, weil man mit den Protagonisten mitleidet und mitfiebert – die ganze Palette an Gefühlschaos. Das Leben eben.

Von Ende einer Geschichte
Dass Eric Witz hat, dem Leben viel Positives abgewinnt, zeigt die unverstellte Art, wie er über seinen Beruf spricht. Diese Nonchalance, wenngleich etwas überspitzt, verkörpert er auch als Lotto-Millionär Heini Sutter im Swisslos-TV-Spot.

Seine aktuelle Theaterproduktion «Vom Ende einer Geschichte» basiert auf dem 2011 erschienenen Roman des englischen Schriftstellers Julian Barnes. In der Rolle als Ich-Erzähler Tony Webster geht er unzimperlich mit seiner Vergangenheit um, indem er belastende Erinnerungen einfach verdrängt. Bis ihn die Ereignisse plötzlich überrollen. Was bleibt, ist die Frage nach der persönlichen Verantwortung. Das Thema garantiert keinen vergnüglichen Abend, vielmehr sind die Zuschauer zum Nachdenken aufgefordert: Wie steht es um die eigene Reflektion? Alles verfälschte Projektionen, um besser mit der Vergangenheit zu leben?

Noch zweimal steht Eric als Webster auf der Bühne: im Oktober, im Theater Ticino in Wädenswil. Dann fällt der Vorhang und lässt Platz für Neues.

Szenenbild aus Julian Barnes

Szenenbild aus Julian Barnes

Schauspiel und vieles mehr
Nicht neu, dafür wiederkehrend sind die «Industrie-Theater», wie Eric Gesprächssimulationen lakonisch nennt. Im Auftrag von Firmen spielt er unter anderem den hartnäckigen Kunden, der die Anlagevorschläge des Bankberaters demonstrativ hinterfragt. Mit Wort und Gestik lockt er «seine» Kandidaten aus der Reserve. Das will gelernt sein. Denn es bedingt fundiertes Fachwissen und ein überzeugendes Auftreten.
Oder er schleust sich für Consultingfirmen unter falschem Namen als Seminarteilnehmer ein. Dafür schlüpft er für zwei Tage in die Rolle eines dezent zugänglichen (schliesslich will man ja keine Freundschaften knüpfen) und interessierten Teilnehmers. Immer dann, wenn aufmerksames Zuhören und aktives Nachfragen gefordert sind. Das Eis brechen, das liegt ihm.

Was wäre wenn?
Was würde Eric Rohner anstellen, wenn er wirklich ein Lottomillionär wäre? «Meine nächste Theaterproduktion finanzieren.» Zack, die Antwort kommt schnell. Über das «Was-für-Eine?» schweigt er sich aus – noch ist alles hypothetisch.

Da ist noch eine Idee: «In zwei Jahren will ich gemeinsam mit ein paar grauen Wölfen auf die Bühne gehen.» Eine grosse Geschichte soll es werden, mit Orchester und ungefähr zehn Schauspielern. «Finanziell ein völliger Schwachsinn», meint er realistisch. «Was macht das schon? Nachher gehen wir alle in Pension.» Er lacht wieder, und man lacht gerne mit.

Eric will auf keinen Fall in der Versenkung verschwinden, sondern seine Erfahrung und seine Kreativität teilen. Nur tut er sich schwer mit dem Vernetzen, erst recht mit jungen Theaterschaffenden. Das ärgert ihn. «Denn das Zusammensein mit jungen Menschen ist ein Geschenk», sagt er. «Durchmischte Generationen bewegen viel.»

So bleibt die Frage nach dem «Wie-Weiter?» noch offen. Und da solche Fragen lebensnotwendig sind, begegnet er ihnen mit Humor.

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