Lächeln Sie!

Schweizer Drohne vom Typ «Ranger»Im Rahmen des Jubiläums «75 Jahre Flugplatz Meiningen» wurde dem Publikum eine Schweizer Drohne vom Typ «Ranger» vorgestellt.

Bis vor etwa zwei, drei Jahrzehnten verstanden wir unter dem Begriff Drohnen nichts anderes als männliche Honigbienen. Das hat sich gründlich geändert! Drohnen sind unbemannte Fluggeräte, die für unterschiedlichste Zwecke genutzt werden.

Ziemlich genau hundert Jahre ist es her, seit erstmals Flugzeuge für militärische Zwecke eingesetzt wurden, damals fast ausschliesslich für Aufklärung und Erkundung. Aber in einem einzigen Jahrhundert haben sie sich von relativ unbeholfenen, zerbrechlichen Geräten zu unerhörten Kampfmaschinen entwickelt. Allerdings erlebten parallel dazu auch die Flugabwehrsysteme eine rasante Entwicklung. Daraus resultierte eine immer ernstere Gefahr für das fliegende Personal. Und der Abschuss eines einzigen hochtechnisierten Flugzeugs bedeutet gleichzeitig einen Verlust an beträchtlichen finanziellen Mitteln. Ob sich der Unterhalt von extrem kostspieligen Fluggeräten für kleinere Staaten überhaupt noch rechtfertigt, darf bezweifelt oder doch diskutiert werden. Dies besonders deshalb, weil sich mit den Drohnen sehr viel preiswertere Lösungen anbieten, die erst noch ungleich günstigere Kennzahlen aufweisen als die allermeisten herkömmlichen Flugzeuge.

Aus heiterem Himmel
«Die Zukunft ist unbemannt», titelt ein Standardwerk des Motorbuch Verlags. Ohne die Errungenschaften der Industrie 4.0 wäre das undenkbar, wobei hier in erster Linie die Datenübermittlung in Echtzeit gemeint ist: Ein Aufklärungssystem – Drohne oder Satellit – ortet ein taktisches Ziel und übermittelt die entsprechenden Daten an die Bodenkontrollstation, die irgendwo auf dem Erdball sein kann. Dort erreichen sie eine Militärperson, die sich in einem technisch hoch komplexen Arbeitsumfeld befindet, den Joy Stick in der Hand. Diese Person fällt eine Entscheidung, gibt sie an die Drohne weiter, die schon längst über dem Krisengebiet kreist, unsichtbar und unhörbar. Sekunden später knallts, buchstäblich aus heiterem Himmel. – In einer weiteren, bereits realisierten Konsequenz ist der Umweg über die Bodenstation gar nicht mehr nötig. Der Angriff wird sofort ausgelöst, und zwar von den beteiligten Aufklärungssystemen autonom.

Die Zukunft gehört den Drohnen
«Es gehört nicht mehr ins Reich der Phantasie und ist keine Science-Fiction, dass ein Soldat sich morgens von seiner Familie verabschiedet, zu seinem Stützpunkt fährt, eine Drohne startet und zu einem Tausende Kilometer entfernten Einsatzort leitet, dort Feindziele erkundet, beobachtet und bekämpft und nach Dienstschluss wieder in sein Auto steigt und nach Hause fährt.» Und wie gesagt: Drohnen schaffen all das auch allein. Das liess sich an verschiedenen Einsatzorten beobachten, etwa in Afghanistan, im Irak oder in Pakistan.

«Drohnen sind mit sensibler Aufklärungselektronik und schlagkräftigen Präzisionswaffen ausgerüstet. Ihnen gehört die Zukunft. In der Fertigung kostengünstig, leise und nur schwer zu entdecken, haben sie die Kriegführung revolutioniert. Sie patrouillieren vollautomatisch auf vorprogrammierten Kursen oder manuell ferngesteuert stunden-, tage- und wochenlang über gegnerischem Gebiet, melden Aufklärungsergebnisse in Echtzeit und fliegen Kampfeinsätze gegen stationäre und bewegliche Ziele.» Schon zu Beginn dieses Jahrzehnts bildete die US Air Force mehr Piloten für Drohneneinsätze als für Kampfflugzeuge aus.

Auch die Schweiz!
Weltweit gibt es kaum noch eine Armee, die auf unbemannte Fluggeräte verzichtet. Auch die Schweizer Armee verfügt mit dem «Ranger» über ein solches System. Jedes Ranger-System besteht aus drei bis sechs Drohnen, einer Bodenkontrollstation, einem Startkatapult, zwei Bergefahrzeugen sowie Wartungs- und Ersatzmaterial. – Diese Drohne dient – entsprechend dem Schweizer Verteidigungskonzept – ausschliesslich der Erkundung und Aufklärung; sie ist nicht als Waffenträgerin ausgelegt.

Entwickelt wurde die Schweizer Drohne bei Oerlikon Contraves und RUAG Aerospace, die sich auf Vorstudien von Israel Aerospace Industries stützten. Die Drohne ist 4.61 m lang, 1.13 m hoch und hat eine Spannweite von 5.71 m. Sie erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 240 km/h und eine Dienstgipfelhöhe von knapp 5500 m. Bei einer Reichweite von 180 km kann der Ranger sechs bis neun Stunden in der Luft bleiben, also sehr viel länger als jedes bemannte Flugzeug der Schweizer Luftwaffe.

Furchterregende Kampfmaschinen
Trotzdem muten diese Zahlen im Vergleich mit neueren und neusten Drohnen-Entwicklungen sehr bescheiden an. So sind zum Beispiel die amerikanischen Predator-Modelle in der Lage, bis zu 30 Stunden lang in einer Höhe von über 15 km zu patrouillieren, wobei sie Lenkflugkörper und Präzisionsbomben mitführen. Noch eindrücklichere Werte weist die US-Drohne Global Hawk auf. Sie kann bis in einer Höhe von 21’300 m operieren und ist damit für die meisten Flugabwehrsysteme unerreichbar. Sie ist in der Lage, mit ihrer Flugdauer von maximal 36 Stunden weit über 20’000 Kilometer zurückzulegen, also den halben Erdball zu umrunden. Entsprechend lang ist die Verweildauer über einem Einsatzort. Sie kann von jedem beliebigen Punkt des Globus aus gestartet und geleitet werden.

Predator und Global Hawk sind Drohnen mit Ausmassen, die an bemannte Flugzeuge erinnern, sogar an Verkehrsflugzeuge. Der Euro Hawk hat bei einer Länge von 14.50 m eine Spannweite von fast 40 m! Daneben hat die Militärindustrie aber auch Drohnen entwickelt, die gerade mal die Grösse einer Hornisse haben und beispielsweise in ganzen Schwärmen operieren. Man stelle sich vor, was es für unsere Gesellschaft bedeutet, wenn solche Drohnen in die Hände von Kriminellen geraten! Kleinstdrohnen zum Beispiel in ein Fussballstadion zu lenken, dürfte dann kaum noch Schwierigkeiten bereiten.

Auch für friedliche Zwecke
Bei solchen Perspektiven mag es ein Trost sein, dass Drohnen auch für friedliche Zwecke gute Dienste leisten. Sie helfen bei der Überwachung von Waldbränden, erkunden Hurrikans und sammeln Daten für unterschiedlichste Zwecke, etwa über den Zustand der Atmosphäre, über seismische Aktivitäten oder über die Ausbreitung von Tsunamis. Nach dem Atomunfall in Fukushima lieferten amerikanische Global Hawks präzise Wärmebilder der havarierten Reaktoren. Diese Daten trugen viel dazu bei, geeignete Massnahmen zu ergreifen.

Überwachung total – längst ein reales Szenarium, ob uns das passt oder nicht. Avi Bleser, der Direktor Marketing und Verkauf bei Israel Aerospace Industries, soll gesagt haben: «Lächeln Sie, wenn Sie in den Himmel gucken. Irgendwer schaut immer zu.»

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