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Digitale Ureinwohner im Erwachsenenalter

Digital Natives (digitale Ureinwohner) oder Millennials sind Menschen, die in die digitale Welt geboren wurden und darin aufgewachsen sind. Computerspiele, E-Mails, das Internet und Mobiltelefone sind für sie integrale Bestandteile des Lebens. Sie differenzieren nicht zwischen realer und virtueller Welt.

Das Smartphone – ein permanenter Partner
Die Gewohnheiten von Digital Natives unterscheiden sich fundamental von jenen früherer Generationen, den «Digital Immigrants» (digitale Einwanderer) oder «Silver Surfers». So haben Forscher herausgefunden, dass jeder Smartphone-Nutzer täglich im Durchschnitt 88 Mal das Smartphone einschaltet, 35 Mal, um die Uhrzeit zu checken oder nachzuschauen, ob eine neue Nachricht eingegangen ist. 53 Mal zum Surfen und Chatten. Alle 18 Minuten unterbrachen freiwillige Probanden der Studie ihre Tätigkeit, um online zu sein. Digitaler Dauerstress.

Das Beratungsinstitut WEKA hat das Kommunikationsverhalten der Digital Natives untersucht. Zitate aus den Forschungsergebnissen: «Sie bringen sich ein, statt nur passiv berieselt zu werden. Zu allem entwickeln die Millennials eine Meinung, alles wird kommentiert. Zugleich legen sie auf den Input und das Feedback anderer sehr grossen Wert. – Gute Selbstdarstellung, das haben sie auf den Profilseiten in den sozialen Netzwerken gelernt. Jeder ist dort eine öffentliche Person und stellt wie auf einem Marktplatz zur Schau, was er über sich kundtun will. Es geht nicht drum, Bilder zu zeigen, die die Realität illustrieren, sondern darum, eine Selbstbeschreibung zu wählen, mit der man bei andern punkten kann. Wertvoll ist nicht derjenige, der ein fettes Auto fährt, sondern der, der die Community durch seine Impulse bereichert. – Millennials sind es gewohnt, dass Wissen offen und jederzeit zugänglich ist. Ein paar Minuten surfen bringt ihnen mehr als jedes Gespräch mit einer mittelmässigen Fachkraft. Im Finden sind sie sehr flott. Ihr Gehirn wurde auf kurz, knapp und schnell kalibriert. Sie haben verminderte Aufmerksamkeitsspannen und lieben Spass. Sie lernen nicht auf Vorrat, sondern in Häppchen und just in time.»

Online-Einkauf
Von besonderem Interesse ist das Einkaufsverhalten der Digital Natives. Alle Grossverteiler registrieren eine Zunahme des Online-Umsatzes auf Kosten des Detailhandels. Das Migros-Portal «LeShop» erzielte 2016 mit 182,1 Millionen Franken eine Umsatzsteigerung von 3,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Noch aussagekräftiger: Rund 42 Prozent der Bestellungen bei «LeShop» wurden über mobile Geräte getätigt. Ein weiterer Hinweis auf die Altersstruktur der Online-Einkäufer. Digital Natives gelangen ins Erwachsenenalter. Sie haben Geld zur Verfügung und werden es eher online ausgeben als ihre Eltern.

Eine Studie der Credit Suisse besagt: «Schweizer Konsumenten geben immer mehr Geld online aus. 2015 haben Schweizer Konsumenten für 7,5 Milliarden Franken online eingekauft. Von diesen Ausgaben gingen etwa zwei Drittel an Schweizer Onlineanbieter. 1,1 Milliarden gingen an ausländische Anbieter. 0,8 Milliarden an Tauschbörsen. Der Anteil des E-Commerce ist in der Schweiz mit 5 Prozent noch eher klein. In Grossbritannien oder Dänemark sind es 14,5 resp. 11,3 Prozent. Bis 2022 soll sich der E-Commerce-Anteil in der Schweiz verdoppeln. Im Heimelektronikmarkt erfolgten 2015 bereits 26 Prozent der Ausgaben für Onlineeinkäufe. Bis 2022 sollen es 38 Prozent sein. Im Food-Segment soll der Online-Anteil um das Doppelte auf 3,6 Prozent ansteigen.»

In der Schweiz kaufen die Konsumenten 81% der Lebensmittel offline ein, auch 80% der Medikamente und 73% der Weine und anderer alkoholischer Getränke. Im Online-Handel stehen Erotikartikel mit 46%, Bücher, Musik und Filme mit 36% und Computer, Smartphones, Tablets und Zubehör mit 24% an der Spitze der Produktekategorien.

Die NZZ wundert sich: «Dennoch ist die Gewinnquote der Online-Shops zurückgegangen. Offensichtlich lässt die Wirkung der digitalen Ureinwohner noch etwas auf sich warten.»

Gegenläufige Trends
Dass sich «Digital Immigrants» oder «Silver Surfers», also ältere Menschen, nicht mit allen Gewohnheiten der Digital Natives anfreunden, überrascht nicht. Doch selbst unter den Millennials sind gegenläufige Trends zu beobachten. Weg aus der virtuellen Welt, hin zum haptisch Erlebbaren. Faber-Castell schreibt: «In einer voll digitalisierten Welt entdecken immer mehr Menschen die Liebe zu alten Techniken.» Die Firma spricht von der neuen Lust am Handgeschriebenen: «Mit einer handgeschriebenen Grussnote oder Bewerbung weckt man mehr Eindruck als mit einer Email. Zwischenmenschliche Beziehungen brauchen besondere Gesten der Wertschätzung und Verbindlichkeit. Darin zeigt sich eine generelle Tendenz hin zum Kreativen, Nicht-Perfekten, Individuellen.»

Gleiches gilt für das Buch. Die «Südostschweiz» verdeutlicht: «Es ist bekannt, dass das E-Book das Buch in Papierform ernsthaft bedroht. Doch der Tag wird kommen, an dem die Leute das Bedürfnis verspüren werden, ein Buch in die Hand zu nehmen, darin zu blättern, den Geruch des Papiers zu riechen, die Ecke einer Seite zu falten, um zu wissen, wo sie weiterlesen müssen, ein Buch aufzubewahren, weil es unserer Grossmutter gehört hat, auf die Suche nach einem Band zu gehen, ohne sich in einem Meer von Angeboten im Netz zu verlieren.»

In die gleiche Reihe gehören Trendspiele, die nichts mit Tablets und Smartphones zu tun haben, zum Beispiel der Japan-Renner Kendama, ein Spiel mit einer Holzkugel – mit Weltmeisterschaften! Stark im Aufwind ist das Geschicklichkeitsspiel Darts, bei dem mit Pfeilen auf eine runde Scheibe geworfen wird.

Erstaunliches aus der Werbung
Marketingabteilungen und Werbeagenturen besetzen ihre Praktikumsstellen fast ausschliesslich mit Digital Natives. Sie erhoffen sich von den jungen Menschen Kreativität, Motivation, Wissensdurst und vieles mehr. Eine Luzerner Werbeagentur aber sucht einen Praktikanten, Mindestalter 65! «Wir sind überzeugt, dass eine ältere Person unserem jungen Team neue Inputs geben kann und uns neue Sichtweisen vermittelt.»

Digital Natives im Fokus
Das Forum Fokus Ethik Thun befasst sich am 7. April von 13.00 bis 15.30 Uhr mit Digital Natives. Moderiert wird der Nachmittag von der bekannten Medienfrau Sonja Hasler («Tagesgespräch», «Rundschau», «Arena», «Persönlich»). Namhafte Persönlichkeiten machen sich Gedanken über die folgenden drei Themen:

  • Die Wahrheit über Social Media: ein Versuch zu verstehen» (Renato Kaiser, Spoken-Word-Künstler, Comedian, Satiriker, Autor)
  • Digital Native erklärt seine Generation (Philipp Riederle, Autor, Unternehmensberater)
  • Digital Natives (Petra Rohner, Dozentin, E-Commerce-Ombudsfrau/Philipp Riederle, Autor, Unternehmensberater/Philippe Wampfler, Autor, Dozent)

Die Veranstaltung ist öffentlich. Anmeldungen bis spätestens am 31. März über die Website fokusethik.ch/anmeldung.

Kontakt

Fokus Ethik
c/o KKThun AG
Kultur- und Kongresszentrum Thun
Seestrasse 68
CH-3604 Thun

T +41 33 334 99 00
info@fokusethik.ch
www.fokusethik.ch

Nur bitte keine Lunker!

«Ich bin nur dann top, wenn meine Geschäftspartner es auch sind», sagt Claude Werder, Inhaber und Geschäftsführer der Firma Werder Feinwerktechnik in Veltheim. «Einer unserer Zulieferer ist die Firma Wizol in Sarmenstorf.»

*

Philippe Widmer öffnet den Durchgang vom Bürotrakt zur Werkstatt. «Bitte treten Sie ein.» Konzentriertes Arbeiten. Jeder an seinem Platz, fokussiert auf seine Maschine, auf sein Werkstück, auf seinen Arbeitsvorgang. Grosse, kräftige Männer, freundliche Gesichter. Es ist warm – logisch! Wir sind ja in einer Giesserei. Der Geschäftsführer der Wizol geht voran.

Die Mitarbeiter wissen, worauf es ankommt. Die meisten sind seit langen Jahren bei Wizol tätig. Mit einer Kelle schöpft der Giesser flüssiges Aluminium, rund 720 Grad heiss, hellsilbrig glänzend. Er lässt es in den Gussformen, den sogenannten Kokillen, versickern. Da ist eine ruhige Hand gefragt, ein gleichmässiger Ausguss. Die Art und Weise des Giessens beeinflusst die Temperatur, das Abkalten des Aluminiums. Und dies wiederum hat Auswirkungen auf das Resultat des Gusses. Gelassenheit statt Hektik!

Der Giesser stellt sich neben seine Gerätschaften. Er tut nichts, wartet einfach. Ein Timer sagt ihm ganz genau, wann sich das Aluminium genügend verfestigt hat. Ohne zeitliche Präzision wären die Gussstücke mit individuellen Abweichungen behaftet. «Vorsicht! Nicht berühren! Man sieht es ihm nicht an, aber das Aluminium ist immer noch enorm heiss.» Mit einer Zange löst er den fertigen Guss aus der Kokille und legt ihn behutsam zur Seite.

Erst wenn sich das Metall abgekühlt hat, kommt der Guss in die Verputzerei. Hier ist mechanische Handarbeit angesagt: sägen, feilen, schleifen, richten. Jedes einzelne Stück bekommt hier einen Feinschliff verpasst. Der Anguss, durch den das flüssige Aluminium eingefüllt wurde, muss weg. Oftmals entstehen beim Giessen auch feinste Stäbchen und Plättchen («Gräte» oder umgangssprachlich «Federn» genannt), manche nur einen Millimeter lang. Sie verfälschen den optischen Eindruck und stellen eine Beeinträchtigung, sogar eine Verletzungsgefahr bei der weiteren Verarbeitung dar.

Ein Guss ist kein Emmentaler!
«Herr Widmer, Hand aufs Herz, wie steht es mit Lunkern?» Lunker sind Hohlräume, die beim Abkühlen des Metalls entstehen. Wenn die Schmelze erstarrt, reduziert sich ihr Volumen. Fliesst dann nicht zusätzliches Metall nach, kommt es zu Lunkern unterschiedlichster Grösse, von kaum erkennbaren Rissen bis hin zu murmelgrossen «Löchern», einige mit glatter Innenfläche, andere mit kristallinen Formen. «Mit der Konstruktion von möglichst funktionalen Gussformen reduzieren wir die Gefahr von Lunkerbildung. Es ist deshalb von Vorteil, wenn uns der Kunde bei jedem Auftrag so früh wie möglich zuzieht, also schon während der Planungsphase. Je besser wir verstehen, welche Funktion dem betreffenden Werkstück später zugedacht ist, desto gezielter gelingt die Anfertigung der Gussformen. Trotzdem untersuchen wir vor allem den ersten Guss eines jeden Auftrags sehr genau. Dazu setzen wir ein Röntgengerät ein. Wir wollen die Gewissheit haben, dass unsere Güsse frei von Lunkern sind.»

Widmer relativiert seine Aussagen und erklärt: «Selbstverständlich kommt es auf die spätere Funktion des Gussteils an. Handelt es sich um eine simple Abdeckung, ist es irrelevant, ob ein kleiner Lunker im Innern des Gusses entstanden ist. Ganz anders sieht es aus, wenn die betreffenden Teile weiter verarbeitet werden. Nehmen wir an, dass die Firma Werder Feinwerktechnik in einen von uns gegossenen Maschinenteil ein Gewinde schneidet und dabei auf einen Lunker trifft – dann ist die ganze Mühe für die Katze.» Erst recht keine Lunker dürfen bei sicherheitsrelevanten Teilen auftreten, zum Beispiel bei Haken für Bergsteiger.

Blick in eine Gussofen; das flüssige Aluminium hat eine Temperatur von gegen 750 Grad Celsius

Komplexe Gussteile aus Aluminium

Lüftergehäuse aus Aluminium

Das Aluminium wird in Barren angeliefert
Das flüssige Aluminium wird in eine Gussform gefüllt

Nach kurzer Zeit ist das Metall erstarrt; es kann mit einer Zange aus der Form gelöst werden

Es geht bei diesem Auftrag nur um die beiden «Arme» des «Ankers»; der «Stiel» hat nur gusstechnische Funktion, er wird später wieder eingeschmolzen

Blick in eine der Wizol-Werkhallen

Philippe Widmer, Geschäftsleiter Wizol

Nichts für Hobbyköche!
Widmer kommt auf die Zusammensetzung der Schmelzmasse zu sprechen. Himmel, das ist ja eine Wissenschaft! Wer  sich vorstellt, da würden einfach Aluminiumbarren in einen Schmelztiegel gebracht, liegt ganz falsch. Acht bis elf Prozent beigefügtes Silizium haben Auswirkungen auf den Erstarrungsprozess. Und bitte noch etwas Magnesium – wie im Rezeptbuch! Regelmässige Spektralanalysen geben Auskunft über die Zusammensetzung der Legierung, denn diese verändert sich im Verlauf von längeren Gussverfahren. Bei Wizol fertigt man Stückzahlen bis zu 15’000 Einheiten an!

Philippe Widmer fasst zusammen: «Wir schmelzen, giessen und verputzen. Für uns macht es keinen Sinn, teure Bearbeitungsmaschinen anzuschaffen, um die gegossenen Teile noch weiter zu behandeln. Bohren, fräsen, Gewinde einbringen – dazu fehlt uns ohnehin das notwendige Know-how, und wir könnten die Maschinen niemals auslasten. Die Firma Werder ist in dieser Beziehung hervorragend aufgestellt. Und die Qualitätsansprüche unserer Firmen entsprechen sich. Ausserdem kennen wir gegenseitig unsere Zuverlässigkeit, wenn es um die Einhaltung von Terminen geht. Auf diesem Fundament ruht unsere Zusammenarbeit – zum beidseitigen Nutzen.»

Das bestätigt Claude Werder mit Nachdruck: «Die Zusammenarbeit mit regionalen und nationalen Partnern bietet für alle Beteiligten noch weitere erhebliche Vorteile. Wir sprechen die gleiche (Fach-)Sprache; dank geografischer Nähe sind wir leicht erreichbar, und in dringenden Fällen sind wir bereit für ‚Feuerwehrübungen’. Daraus erwächst unseren Kunden ein bedeutender Mehrwert, den Produzenten und Lieferanten zum Beispiel aus China oder andern fernöstlichen Ländern nicht bieten können.»

Kontakt
Samuel Werder AG

Werdstrasse 2
5106 Veltheim

T +41 56 463 66 00
info@werder-ag.ch
www.samuelwerder.ch

900 Kilometer Reissverschlüsse

Rund 258 verschiedene Matratzen, jede in drei Härtegraden. Rechne! Das sind 774 unterschiedliche Matratzentypen! Alle im gleichen Haus hergestellt. Dazu die Spezialanfertigungen. Und wer nun meint, 774 sei gar keine so grosse Zahl, der soll doch mal auf 774 zählen. Na?

Markus Läser führt als Bico-Produktionsleiter durch die Hallen. Es tönt so einfach: Am Anfang ist der Matratzen-Kern aus Schaumstoff. Den stecken die Männer in eine Hülle. Eine Maschine verpackt das Ganze vollautomatisch, und gut ist. – Liesse man es bei solcher Banalität bewenden, befände man sich etwa auf dem Niveau von «Der Strom kommt aus dem Stecker und die Milch von der Migros». Stattdessen folgen wir Herr Läser und erleben beim Rundgang die Komplexität des Vorgangs und die verblüffende Fachkompetenz und die Routine der Bico-Mitarbeitenden.

Produktion auf Bestellung
Bunt sieht es aus im Erdgeschoss. Da sind Hunderte von Schaumstoffkernen gestapelt. In unterschiedlichsten Farben und Grössen, einige mit musterähnlichen Aussparungen und regelmässig angeordneten «Löchern», mit Rillen und eingesetzten dämpfenden Federn aus Kunststoff. «Hier haben wir alles auf Lager, vom einfachsten Mono-Kern bis zu aufwändig konzipierten Kernen mit unterschiedlich weichen Schaumstoffen für hohen Liegekomfort und Stützung der Wirbelsäule. Für einen guten Feuchtigkeitsausgleich sorgen die atmungsaktiven und natürlichen Materialien in der Auflage und die speziellen Belüftungskanäle im Kern. Dadurch wird die Flüssigkeit beim Schwitzen in der Nacht abtransportiert.»

Es gibt Stapel mit unterschiedlichen Matratzenkernen. Bei jedem „Los“ handelt es sich um die Bestellungen eines Bico-Händlers. «Wir produzieren die Matratzen nicht auf Vorrat, sondern immer erst auf Bestellung. Dabei garantieren wir eine Lieferfrist von fünf Tagen. Fünf Tage nach dem Eingang der Bestellung ist die fertige Matratze beim Händler.»

Facharbeiterinnen
Ein Stockwerk höher befindet sich die Produktion der Matratzenhüllen. Drei Steppmaschinen bearbeiten die Vliesrollen. 60 verschiedene Stoffe, 17 unterschiedliche Wollauflagen, darunter Schafwolle und Kamelhaar, 20 Steppmuster-Varianten – die drei Anlagen schaffen pro Tag bis zu 1500 Laufmeter! Daraus entstehen die sogenannten «Platten», also die Unter- und die Oberseite der Matratzenhülle.

An zwei Hochleistungsnähmaschinen und höhenverstellbaren Arbeitsflächen sitzen Näherinnen. Viele haben ihre Wurzeln in Portugal, wo sie eine Berufslehre als Näherin absolviert haben. Mit unglaublicher Fertigkeit und Sicherheit vernähen sie die Ränder der Platten und verhindern damit deren Ausfransen. Transportbänder helfen beim Drehen der Platten. Eine Schlusskontrolle: Ist alles im rechten Winkel? Stimmen die Masse?

Jetzt noch die Seitenbahnen, die sogenannten Border. Falten und Vernähen der Ecken. Die Handgriffe einnähen. Und den Reissverschluss. Pro Jahr werden mehr als 900 Kilometer Reissverschlüsse eingenäht! Etwa 1000 Reissverschlüsse pro Tag! – Fertig ist die Hülle, genau auf diese eine Matratze abgestimmt, die ein Händler in der Schweiz  bestellt hat.

Unterschiedlichste Schaumstoffkerne in den BICO-Lagerhallen
Unterschiedlichste Schaumstoffkerne in den BICO-Lagerhallen

Vlies-Abfälle werden zur Wiederverwendung gebündelt

Das gesteppte Vlies wird aufgerollt

Bereits ist das Vlies zu einer Platte zugeschnitten. Eine Spezialmaschine näht die vier Bico-b ein

Stapelweise warten Platten in unterschiedlicher Grösse auf ihre Weiterverarbeitung

Eine Näherin verbindet die Border mit den Platten und setzt die Reissverschlüsse ein

Überblick über die Näherei-Abteilung
Überblick über die Näherei-Abteilung

Zwei Männer sind mit dem Einzug der Matratzen beschäftigt. Auf den blauen Flächen und den orangen Rollen im Vordergrund «wandern» die fertigen Matratzen zuerst zur Verpackung und danach in die Spedition

Kerne und Hüllen in der Produktionshalle

In einer andern Abteilung werden Lattenroste gebaut

Die verpackten Matratzen sind für den Transport bereit

Lastwagen bringen die Matratzen in die ganze Schweiz

Markus Läser, Produktionsleiter BICO

Worte braucht es keine
Letzte Station ist das «Einziehen». Synchron erreichen die bestellten Kerne und die dazugehörenden Hüllen den Arbeitsplatz. Zwei Mitarbeiter sind konzentriert an der Arbeit. Jeder Handgriff tausend Mal gemacht. Worte braucht es keine. Einziehen der Kerne in eine Schutzhülle. Hüllen um die Kerne legen; Reissverschluss schliessen. Qualitäts-Schlusskontrolle. Etikettierung nach Kundenauftrag. Produktionsauftrag mit Strichcode abschliessen.

Die fertigen Matratzen kommen auf ein Transportband. Ohne menschliches Zutun bewegen sie sich durch eine Verpackungsanlage. Mit einem kräftigen Schutzplastik eingepackt, sind sie jetzt versandbereit. Die Tageskapazität pro Tag liegt bei 400 Matratzen. Sechs grosse Lastwagen bringen sie auf definierten Routen zu den Händlern in der ganzen Schweiz.

Hundert Nadeln vernähen in rasendem Tempo das Vlies

Trotzdem!
Nach dem Rundgang noch ein kurzes Zusammensitzen. Da kommt auch Nachdenkliches zur Sprache. «Ja klar spüren wir die Auswirkungen des starken Frankens. Es ist nun mal eine Tatsache, dass wir in der Schweiz andere Lohn- und Gestehungskosten haben als das nahe Ausland. Das Lohnniveau einer Näherin in der Schweiz liegt auf einem anderen Niveau als im Ausland. Mittels innovativen Entwicklungen sowie der Herstellung unserer Produkte mit viel Handarbeit (Swissness) produzieren wir Matratzen, die das Bewusstsein des gesunden Schlafs erhöhen.»

Markus Läser trinkt seinen Kaffee und lächelt: «Viele Kunden erkennen das hohe Qualitätslevel unserer Matratzen. Sie würdigen den erstaunlichen Grad an Handarbeit und die selbstkritische Haltung unseres Unternehmens, die sich im SleepLab manifestiert, wo wir jeden Matratzentyp auf Herz und Nieren prüfen.»

*

Einen Drittel unserer Lebenszeit verbringen wir im Bett. Bei der Matratze zu knausern, wäre wohl etwas vom Dümmsten, was man sich antun könnte.

Noch bis am 4. März 2017 läuft im Möbelhaus Kindler, Schinznach-Dorf, die Winteraktion mit Bico-Matratzen.

Kontakt

Möbel Kindler AG
Degerfeldstrasse 7
5107 Schinznach-Dorf

T +41 56 443 26 18
info@moebel-kindler-ag.ch
www.moebel-kindler-ag.ch

«Bitte mehr Engagement!»

Es gibt Branchen, denen pfeift der Innovationswind steif um die Ohren. Zurücklehnen und satte Zufriedenheit zelebrieren, das geht gar nicht. Wer die Hand nicht permanent am Puls behält, hat schon verloren. Ohne Zweifel gehört die Kunststoffindustrie in dieses Segment. Die Zeiten sind vorbei, da jeder Anbieter klammheimlich und hinter verschlossenen Jalousien sein eigenes Ding drehte, losgelöst von Entwicklungsschritten, die anderswo passierten. Es gilt vielmehr, jede Gelegenheit für Kontakte zu nutzen. Impulse wahrnehmen, Netzwerke pflegen, die Forschung im Auge behalten, eigene Innovationen und Produkte ins richtige Licht stellen.

All das lässt sich in konzentrierter Form an der Fachmesse «swiss plastics» realisieren, die der gleichnamige Verband alle drei Jahre organisiert. Rund 300 Aussteller aus der Kunststoffbranche sind präsent, zeigen den Stand ihrer Entwicklung auf. Unter ihnen Amsler & Frey AG, «ein innovatives Schweizer Unternehmen der Kunststoffindustrie», wie sich die Firma selber charakterisiert.

Verkaufsleiter Martin Obrist betont den hohen Stellenwert der Messepräsenz, und er stellt den Begriff «Kontakt» weit in den Vordergrund: Bestehende Kunden kontaktieren – Kontaktdaten sammeln – Leute, die man nur am Telefon hatte, persönlich kontaktieren – Kontakte mit Verbandmitgliedern. Und kurz nach der Messe will Obrist vor allem auf die neuen Kontakte nochmals zugehen.

An der «swiss plastics» herrscht kein Gedränge und Geschiebe. Es ist keine Messe für Laufkundschaft, sondern für ein Fachpublikum. Keine Prospektraffer-Mentalität, keine Give-aways-Sammler, keine Gratiswurst-Konsumenten. Stattdessen konzentrierte Aufmerksamkeit, gezieltes Hinschauen und fachkundiges Zuhören.

Im Gespräch mit Kunden an der swiss plastics: Daniel Lienammer (Geschäftsführer Amsler & Frey, vorne) und Martin Obrist (Verkaufsleiter Amsler & Frey, ganz rechts)

Kurt Röschli, Co-Geschäftsführer des Verbands Swiss Plastics

Begegnungen, Kontakte. Zum Beispiel mit Kurt Röschli, Co-Geschäftsführer des Verbandes «Swiss Plastics».

Herr Röschli, welche Aufgaben hat sich Ihr Verband auf die Fahne geschrieben?
Ich stelle drei Bereiche in den Vordergrund. Höchste Bedeutung hat die Aus- und Weiterbildung sowohl für Lernende als auch für erfahrene Fachpersonen. Wir nehmen die organisatorische und vor allem die inhaltliche Verantwortung wahr für alles, was in Sachen Fortbildung geschieht. Permanente Weiterbildung, darum gehts.
Als Zweites nenne ich die Interessenvertretung in der Politik und gegenüber Behörden aller Stufen. Es ist wichtig, dass wir wo immer möglich Präsenz markieren und die Netzwerkpflege unterstützen. Wir verstehen uns da als Katalysator, übrigens auch für interne Kontakte.

Sie sprachen von drei Bereichen.
Ja, wir legen grossen Wert auf den umfassenden Begriff Nachhaltigkeit. Es geht zum Beispiel um Fragen des Recyclings unserer Kunststoff-Erzeugnisse. In enger Zusammenarbeit mit dem BAFU, dem Bundesamt für Umwelt, suchen wir nach Möglichkeiten hin zu einer Kreislaufwirtschaft. Die Ökonomie und die Ökologie müssen sich unbedingt annähern. Das ist eine ambitionierte Zielsetzung, aber der Innovationskraft unserer Mitglieder traue ich viel zu! Und das BAFU ist selbstverständlich daran interessiert, dass hier Substanzielles geschieht.

Klingt gut, aber da macht bestimmt nicht jeder mit.
Wir vermissen in mancherlei Hinsicht ein aktives Engagement. Ich nenne zum Beispiel die Öffentlichkeit und die Industrie, die sich noch mehr engagieren dürften, wenn es um Recycling geht. Man ist sich der Problematik bewusst, lässt aber das Handeln vermissen und setzt diesbezüglich auch keinen Druck auf. Zwar fokussieren sich die Medien auf punktuelle Probleme. Ich erkenne aber keine übergeordnete Grundhaltung der Gesellschaft. Auch verbandsintern würde ich mir mehr Engagement der Mitglieder wünschen. Es wäre schön, wenn mehr Herzblut erkennbar wäre.

Wie hält es die Kunststoffbranche in Sachen swissness?
Die Abwanderung der Produktion ins Ausland bereitet uns Sorgen. Da stecken wir voll drin. Vereinfacht gesagt, bleiben nur die Sektoren High Tech und Innovation in der Schweiz, ferner die Firmen, die sich auf die Anfertigung kleiner und kleinster Serien spezialisiert haben. Grossserien dagegen lassen sich im Ausland kostengünstiger realisieren. Diese Entwicklung bringt aber einen herben Verlust an Arbeitsplätzen und an Know-how mit sich, und sie ist kaum reversibel.

Der Verband Swiss Plastics hat sich in jüngster Vergangenheit neu aufgestellt.
Das ist richtig. In der Vergangenheit agierten die einzelnen Fachgruppen sehr autonom. Wir legen nun deutlich mehr Gewicht auf die Wahrung übergeordneter Interessen. Wir wollen homogener auftreten; Stichworte Berufsmarketing und Kommunikation.

Ihre Branche tut sich schwer bei der Rekrutierung von Lernenden.
Ja, leider! Die Attraktivität der Kunststoff-Berufe ist kaum bekannt. Zudem vermute ich, dass viele an sich interessierte Jugendliche nichts über die Entwicklungs- und Karrieremöglichkeiten wissen, die sich ihnen bieten. Ganz zu schweigen von dem Umgang mit der technisch ambitionierten Materie. Swiss Plastics muss sich dieser Problematik energisch annehmen.

*

Amsler und Frey AG bildet aktuell fünf Lernende aus, drei im kaufmännischen Bereich und zwei Polymechaniker. Die Firma bekennt sich hundertprozentig zu swissness – aus Überzeugung!

Kontakt

Amsler & Frey AG
Feldstrasse 26
CH-5107 Schinznach-Dorf

T +41 56 463 60 70
F +41 56 463 60 79

info@amsler-frey.ch
www.amsler-frey.ch

«Chli stinke muess es»

Sie haben schon richtig gelesen: Fondue «im Sebni», nicht «am 7ni». «Sebni» ist eine aus drei Wagenkasten bestehende Zugskomposition der BDWM. 1969 trat der Triebwagen seinen Dienst an. Den Namen «Sebni» aber erhielt er erst 2012. Nein, er musste nicht 43 Jahre lang als Namenloser, als Nobody auf die Piste. Vorher war er auf den Namen «Widen» getauft. Und die Technik-Freaks hatten die nüchterne Bezeichnung BDe 8/8 7 für ihn. Da tönt doch «Sebni» wesentlich sympathischer, beinahe zärtlich.

Bald 50 Jahre alt, ist das «Sebni» die letzte Überlebende. Die BDWM hat ihre acht «Geschwister» ausrangiert und abgebrochen. Das 50 Tonnen schwere «Sebni» hingegen versieht seinen Dienst als Nostalgiefahrzeug auf dem Schienennetz der BDWM. Zum Beispiel bei Käsefahrten.

Wohlverstanden: Die Fahrt selber ist ganz und gar nicht Käse! «Käsefahrt» deshalb, weil unterwegs Käse serviert wird, in Fondue- oder Racletteform. Fondue im Nostalgiezug – nicht gerade alltäglich!

Halb Europa auf Achse
Etwas Besonderes darfs schon sein, dachte sich Angelika Strebel, als sie zusammen mit einem Kollegen den Firmenevent organisierte. Erstmals ging die Einladung an alle Vertriebspartner zu einem zweitägigen Besuch des Pacovis-Mutterhauses ins aargauische Stetten. Aus verschiedenen Ecken Europas reisten sie an, darunter aus Deutschland, Österreich, Dänemark, Polen und Finnland. Im Vordergrund standen Aktivitäten geschäftlicher Art. Und die Gelegenheit, sich persönlich kennenzulernen.

Das Abendprogramm sollte typisch schweizerisch sein. Und bitte keine weite Anfahrt. «Warm anziehen» hiess es, sonst nichts. Die Umstände waren günstig; es lag frischer Schnee. So mutete der einleitende Spaziergang durch die Bremgarter Altstadt beinahe märchenhaft an. Oben, beim Bahnhof, wartete bereits das «Sebni» auf die Gesellschaft. «Grosses Staunen, Begeisterung»: So fasst Strebel die spontanen Reaktionen zusammen. Einsteigen! Wer setzt sich zu wem? «Ist hier noch frei?»

Angelika Strebel von der Firma Pacovis
Unterwegs im «Sebni»; der Käse dampft und duftet
Die Käsefahrt bereitet sichtlich Vergnügen
Der Nostalgiezug im Neuschnee

Los ging die Fahrt. In gemütlichem Tempo über den Mutschellen in Richtung Dietikon. Unterwegs als Gaumenkitzel schon mal ein Tessiner Plättli. Im Bahnhof Dietikon blieb der Zug so lange stehen, bis jedes Tischchen mit einem Fondue-Set ausgestattet war: Rechaud, Caquelon, Fonduegabeln, Käsemischung, Kirsch, Knoblauch. Den Spass bei der Zubereitung kann man sich ohne weiteres vorstellen: Italiener, Holländer, Belgier und Franzosen im Fondue-Fieber! Na prosit!

Was für ein Bild: Halb Europa im BDWM-Nostalgiezug beim Fondueschmaus! Und das alles unterwegs durch die winterliche Landschaft. In Bremgarten dann die verlangsamte Fahrt über die Reussbrücke, von der aus der Fluss und die Altstadtsilhouette einen besonders schönen Anblick bieten. Der Aufenthalt im Bremgarter Wald dauerte etwas länger. Alles aussteigen! Auf jungfräulich verschneiten Wegen spazierte die Gesellschaft mit Gaslaternen zum Erdmannlistein, bestaunte dort den eiszeitlichen Zeugen und arbeitete gleichzeitig an der Verdauung des üppigen Nachtessens. «Den Leuten gefiel es ausgezeichnet. Alles passte. Das Personal war zuvorkommend, offen, unkompliziert. Und wer Lust hatte, durfte sogar den Führerstand besichtigen.»

Die Kapellbrücke in Luzern, die Uhrenmanufakturen im Vallée de Joux, der Bärengraben und der Zytgloggeturm in Bern sind unbestritten reizvolle Ziele, wenn es um «swissness» geht. Nur: die lange Anreise … Für einen Firmenevent in unserer Nähe bietet sich darum eine Nostalgiefahrt mit dem BDWM-Triebwagen an, im «Sebni» oder im noch älteren «Murschälle-Zähni», mit Käse, mediterraner Gastronomie, als Zmorge-Fahrt oder im Rahmen des Jass-Cups, Barbecue beim Erdmannlistein inklusive.  Garantiert unvergesslich!

Kontakt

BDWM Transport AG
Zürcherstrasse 10
CH-5620 Bremgarten

T +41 56 648 33 00
F +41 56 648 33 10

info@bdwm.ch
www.bdwm.ch

Der Duft von Heu und Trockenfleisch

Montagmorgen, 6.50 Uhr. «Wir haben noch gar nichts gemacht. Die Halle aufgeschlossen und das Licht angezündet. Das ist alles.» Willi Schürch, Betriebsleiter der Vianco Arena, ist völlig gelassen. Der Mann hat Nerven wie Drahtseile. Die Halle ist leer, und bereits morgen steht eine Grossveranstaltung auf dem Programm. Eine Fortbildung für die Coop-Geschäftsführer der Verkaufsregion Nordwestschweiz-Zentralschweiz-Zürich. Thema: Pro Montagna, die Produktelinie aus den Schweizer Berggebieten. Sie umfasst eine ganze Reihe neuer Erzeugnisse und steht deshalb im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.

Aber: Eine grosse, leere Halle für ein stimmungsvolles Fortbildungsprogramm mit rund 340 Personen? Immerhin: Da unten sind zwei Mann des Coop-Dekorationsteams damit beschäftigt, rote und weisse Ballone aufzublasen, entsprechend den Farben von Pro Montagna. Donnerwetter, die haben ja einen Zacken drauf! Sie arbeiten in einem – pardon! – Affentempo, immer zwei Ballone gleichzeitig, pffff, zisch, verknüpfen, einklemmen, pffff, zisch, verknüpfen, mit den andern beiden verknüpfen, zur Seite legen, pffff, zisch, verknüpfen, einklemmen, pffff, zisch … Bis am Schluss haben sie 3000 «normale» und etwa 50 riesengrosse Ballone aufgeblasen, verknüpft und zu Ballonschlangen verbunden.

Die Deko-Truppe rückt an
Erste Lieferwagen treffen ein. Sie bringen Deko-Material aus der regionalen Coop-Zentrale in Schafisheim. Heugabeln, Hühner, Käslaibformen, Milchkessi, eine Kuh, ein Schwein, jede Menge Würste, Blumen, ein Leiterwagen, zwei urchige Sennen samt Alphörnern und und und. Und dort hinten: pffff, zisch … Derweil ist Willi Schürch mit dem Bobcat unterwegs. Er bringt enorme Strohballen herein und stapelt sie zu Raumtrennern. Schon sind die ersten Ballonschlangen an den Tragbalken festgemacht.

Am frühen Montagmorgen ist die Vianco Arena leer

Zwei Coop-Mitarbeiter blasen in unerhörtem Tempo Ballone auf

 

Aus Schafisheim treffen erste Deko-Elemente ein, hier ein rustikal gekleidetes Schwein
Die Ballonschlangen werden an den Deckenbalken festgebunden
Willi Schürch fährt zwei weitere XXL-Strohballen in die Halle
Würste und Trockenfleisch quellen aus dem Leiterwagen – alles nicht ganz echt, aber gluschtig

Mohn und Kornblumen als leuchtende Farbtupfer

Alphütten-Feeling in der Vianco Arena

Käse und Trockenfleisch aus den Schweizer Bergregionen
Swissness pur

Im Trockenfleischstand ist alles für die Degustation vorbereitet

Ehrlich gesagt: Ganz echt sind weder die Sennen noch ihre Alphörner

Eine Nische in der Vianco-Arena-Käserei
Reich geschmückte Vianco Arena – die Gäste können kommen

Cornelius Brun, Leiter der Coop Verkaufskoordination

Martin Meyer aus Auenstein bringt einen ganzen Ladewagen und einen nostalgischen Leiterwagen in die Halle. Und immer noch mehr Dekorationselemente. Inzwischen sind zehn Personen an der Arbeit. Fünf Posten richten sie ein, für einen Programmablauf im Rotationsbetrieb: Molkereiprodukte, Fleischprodukte (Trockenfleisch), Geschichtliches zu Pro Montagna samt Weindegustation, Bauernolympiade und oben, im Seminarraum der Vianco Arena, der Informationsposten zu Zahlen und Zielen von Pro Montagna. Dazu der Eingangsbereich, der ebenfalls einladend wirken sollte. Pffff, zisch …

Noch mehr Deko-Material: Tassen, Holzkühe, Fässer, riesige Bilder – es nimmt kein Ende. Der Chef des Teams legt Raumpläne und Animationsbilder auf den Tisch. Alles ist minutiös vorbereitet. All die vielen kleinen Details sind jedoch dem Dekorationsteam überlassen. «Mir macht es enorm Freude, den Raum für eine so grosse Veranstaltung zu gestalten», sagt Sibylle. «Wir wissen, was zu tun ist, können aber die eigene Kreativität mit einbeziehen.»

Im Zentrum der Halle eine mit grün gefärbtem Sägemehl gestaltete Kreisfläche: Anfangs- und Schlusspunkt der Veranstaltung. Willi Schürch bringt Heuballen. Auf Degustationstischen sind Gläser, Joghurtbecher und Trockenfleisch vorbereitet. Und nun liegt auch dieser Duft im Raum, der Duft von Heu und Trockenfleisch – mmmh!

«Wir müssen nur noch die Beleuchtung einrichten.» Schürch ist die personifizierte Gelassenheit. Und warum auch nicht? Jetzt, Mitte Nachmittag, scheint alles fertig vorbereitet. Die Leute können kommen!

Cornelius Brun ist zufrieden. Als Leiter der Coop Verkaufskoordination hat er mit seinem Team und einigen Arbeitskollegen diesen ganzen Event vorbereitet. «Wir wollen den Geschäftsführern das Label Pro Montagna noch näher bringen. Die Idee verdient einen Refresh. Und eine optimale Positionierung in den Coop Verkaufsstellen.»

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Dienstag. Direkt von der Autobahnausfahrt auf den grossen Parkplatz. Coop-Fahnen weisen den Weg. In der Vianco Arena sieht es aus wie an der Olma. Gespannt hören die Geschäftsführer den Ausführungen der Standchefs zu. Niemand macht «lustige» Witzchen. Lautstarke Wettkampfatmosphäre herrscht hinten in der Halle, wo die Bauernolympiade den Leuten schier übermenschliche Geschicklichkeit abverlangt: Nägel einschlagen, die Kuh melken (nein, keine echte), Hufeisenwerfen und Kollegen-und-Kolleginnen-in-der-Mistkarette-durch-die-Slalompiste-bugsieren.

Für zwei Tage präsentiert sich die Vianco Arena im schönsten Kleid. Dann kommt alles wieder weg. Am Donnerstag steht schon die nächste Veranstaltung auf dem Programm.

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Auf den Masten haben Störche Vortritt

Das ist echte Demokratie: Auch die Kleinen haben ihre Rechte, und die Grossen müssen gefälligst darauf Rücksicht nehmen. So ist es, wenn im Freiamt die Störche unterwegs sind und auf den AEW-Freileitungsmasten nisten. Dann ist rein gar nichts zu machen. Stören verboten. Die Revision oder der Rückbau muss warten, bis die Storchenfamilie abgereist ist. Sonst gibts Ärger.

Tja, die Leitungsmasten. Gleich wie Autobahnen, Zementfabriken, Kehrichtverbrennungsanlagen, Tiefenlager oder Flughäfen ist niemand darauf erpicht, sie gleich vor dem Gartentor zu haben – und doch sind wir alle auf sie angewiesen und nutzen sie unverdrossen. Wir erachten es als selbstverständlich, dass der elektrische Strom auch im hintersten Winkel unseres Landes zu haben ist, 24 Stunden am Tag, wenns recht ist. Und dazu sind nun mal die Leitungsmasten unabdingbar.

Üblicherweise fallen uns die Leitungen gar nicht auf, sind sie doch viel diskreter geführt als in früheren Jahrzehnten. Wer die Wahrnehmung aber auf sie einstellt, entdeckt sie überall. Nicht nur wenn sie in der Nähe von Kraftwerken gebündelt auftreten, nicht nur jene Leitungen, die im Gebirge über Schluchten führen, sondern auch die Leitungsmasten aus Beton, weniger hoch als die Gittermasten, weniger augenfällig ausgelegt. Betonmasten, deren Leitungsstränge im Aargau für den Transport der elektrischen Energie in Mittelspannung zwischen dem Unterwerk und den Gemeinden verantwortlich sind.

Unterhalt ist unumgänglich
Lebag, die Lenzburger Leitungsbaufirma, baut sie alle: Holzmasten, Betonmasten und Gittermasten. Mit dem Aufbau allein ist es aber nicht getan. Jede Infrastruktur zieht Pflege und Unterhaltsarbeiten nach sich. Auch die Betonmasten der AEW Energie AG. Nehmen wir doch jenen eingangs erwähnten imaginären Mast, auf dem die Storchenfamilie ihr Nest hat. Mama und Papa Storch, dazu zwei Jungstörche, die penetrant nach Nahrung verlangen. Eines ist sicher: Da fällt einiges an unterschiedlichsten «Abfällen» an. Manches davon löst auf dem Betonuntergrund chemische Prozesse aus, anderes könnte Einfluss auf die Isolationsfestigkeit der Isolatoren haben. Wie auch immer – irgendwann ist dort oben eine tüchtige Reinigung fällig.

Das ist nicht alles. Nehmen wir an, unser Betonmast habe ein Alter von 40 oder 50 Jahren. Da erstaunt es nicht, dass Risse, gar Abplatzungen auftreten. Und jetzt, wer repariert das? Wer hat das notwendige Know-how? Die AEW hätte das, verfügt aber nicht über genügend Personal. Christian Flury, Teamleiter Leitungsbau, äussert sich pragmatisch: «Wir sind auf die Kooperation mit spezialisierten Firmen angewiesen.» Und da besteht ein in Jahrzehnten gewachsenes Vertrauensverhältnis mit der Firma Lebag. Genau gleich wie für die Realisierung von neuen Leitungen, für den Mastneubau und allenfalls für den Rückbau, arbeitet Lebag auch beim Unterhalt und bei Reparaturarbeiten mit der AEW Energie AG zusammen. Flury: «Die Lebag ist quasi unser Hauslieferant, sei es mit Personal, das sie uns zur Verfügung stellt, oder dass sie ganze Projekte vollumfänglich übernimmt.»

Christian Flury, Teamleiter Leitungsbau, AEW Energie AG

Flechten und Moose auf dem Ausleger eines Betonmastes, fotografiert aus dem Helikopter

Flechten und Moose auf dem Ausleger eines Betonmastes, fotografiert aus dem Helikopter

Den Störchen wollte der für sie vorbereitete Nistplatz nicht gefallen; sie bauten ihr Nest ein Stockwerk tiefer

Leitungsabschnitt mit Betonmasten; hinten ein Mast mit vorbereitetem Nistplatz für Störche

Voilà!

Die Störche sind umgezogen; jetzt ist der Weg frei für die Lebag-Mannschaft

Bei hartgefrorenem Boden sind Lebag-Männer in Zuzgen mit dem Rückbau eines Leitungsabschnitts beschäftigt

Wenn die Lebag-Männer alte Betonmasten «fällen», sprühen die Funken

Für den Abtransport der alten Betonmasten setzen die Lebag-Männer schweres Gerät ein

Vom Boden aus und aus der Luft
Rund 2300 Betonmasten unterhält die AEW  im Kanton Aargau. Die Lebag hilft bei der Inspektion vom Boden aus, was einfacher tönt, als es ist. Denn nicht nur Störche erfordern spezielle Massnahmen. Da viele Masten in landwirtschaftlich genutztem Gelände stehen, spielt zudem die Fruchtfolge eine Rolle. Bei widrigen Wetterverhältnissen und aufgeweichten Böden sind Landschäden ein Thema. Und zuweilen behindern Bahnlinien, Strassen oder Siedlungen den ungehinderten Zugang zu den Masten.

Die besonders exponierten Teile eines Betonmasts, nämlich die Ausleger, sind vom Boden aus überhaupt nicht zu kontrollieren. Stattdessen kommen Helikopter und hochauflösende Spezialkameras zum Einsatz. Auf ihren Bildern lassen sich selbst feinste Schäden erkennen. Zum Beispiel jene durch die Störche verursachten.

Und nun ist die Reihe wiederum an den Lebag-Männern. Sie verfügen über die notwendigen Gerätschaften. Sie wissen, wie man die Masten erklettert, haben das x Mal gemacht. Sie wissen auch, wie sie sich sichern müssen. Sie wissen, wie schadhafte Stellen zu behandeln sind. Sie wissen, welche Reinigungsmethoden angebracht sind. Und sie wissen, welche Schutzanstriche lang andauernd wirken. Bei 2300 Masten gibts reichlich Arbeit, auch wenn sie nur alle 25 bis 40 Jahre gewartet werden. Anders gesagt: Auf den Betonmasten der AEW trifft man nebst Störchen zuweilen auch die harten Burschen der Lebag.

Von den Lebag-Männern wird viel Können und Wissen verlangt und viel Rücksicht auf Landbesitzer, auf bestehende Strukturen – und auf Störche. Denn wohin käme die Menschheit ohne Störche!

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CH-5600 Lenzburg 1

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Für ihn ist die Welt stumm

Etwa 0.2 Prozent der Menschen weltweit sind hörbehindert. Einer davon ist Christian Hilfiker: 37 Jahre alt, Schweizer, Landschaftsgärtner bei Gartenbau Wyder in Oberentfelden. Ohne Hörgerät ist für ihn die Welt still, vollkommen still. Mit Hörgeräte hört er die Leute in seiner Nähe sprechen, aber verstehen kann er sie nicht. Hohe Töne hört er gar nicht. Er kann auch nicht orten, woher die Geräusche kommen. Hilfiker ist Mitglied des Kaders und nimmt an Kadersitzungen teil, wo es um Organisatorisches und grundsätzliche Fragen geht. Als Vorarbeiter ist er verantwortlich für den geregelten Ablauf auf der Baustelle.

Als Gehörloser stehen Sie vor andern beruflichen Schwierigkeiten als Ihre Arbeitskollegen.
Hilfiker: Schwierig wird es erst, wenn ich mit andern Menschen direkt kommuniziere. Wenn mein Handy läutet, nimmt einer meiner Mitarbeiter den Anruf entgegen. Im persönlichen Gespräch mit Kunden gelten die folgenden Regeln: Sie müssen mit mir schriftdeutsch, deutlich und langsam sprechen. Wenn sie mir ihr Gesicht zuwenden, kann ich von ihren Lippen ablesen. So ist es mir möglich, selber mit ihnen zu sprechen. Bei auftretenden Schwierigkeiten hilft mir mein Arbeitskollege beim Übersetzen.

Christian Hilfiker hat seine Berufslehre bei Gartenbau Wyder gemacht. Ergaben sich damals aufgrund seiner Gehörlosigkeit Probleme für Ihre Firma?
Christoph Wyder: Wir passten unsere Kommunikationsformen an, arbeiteten mehr visuell und stellten mit Nachfragen immer wieder sicher, ob er uns verstanden hatte. Für uns alle hatte dies positive Aspekte. Wir mussten vermehrt Rücksicht nehmen und uns ganz bewusst auf die gegebenen Möglichkeiten einstellen.

Wie sind Sie damals zu dieser Lehrstelle gekommen? Wären Sie nicht lieber Pilot oder Lokomotivführer geworden?
Hilfiker: Meine Mutter kannte Othmar Ebneter von Wyder Gartenbau. Er hat mich zum Schnuppern mitgenommen. Mir gefiel die Arbeit. Ich habe mich für den Beruf des Landschaftsgärtners entschieden, weil ich schon früher gerne im Garten gearbeitet habe. Meine Traumberufe waren zwar Lokführer oder Lastwagenchauffeur, aber da ist man auf das Gehör angewiesen, und so blieben mir diese Berufe versagt.

Der Schweizerische Gehörlosenbund schreibt: «Der Gehörlosenbund hat keine eigentliche Stellenvermittlerfunktion. Unsere Aufgabe ist es, einerseits die Arbeitgeber über gehörlose Angestellte und deren Möglichkeiten zu informieren; auf der anderen Seite unterstützen wir Gehörlose mit Informationen im Bereich Aus- und Weiterbildung. Für die konkrete Stellensuche sind die Beratungsstellen für Gehörlose in den Kantonen zuständig. Bis heute gibt es noch keine (Lehr-)Stellenbörse für Gehörlose; die Vermittlung ist sehr individuell.»

 

Denken Sie, dass Sie aufgrund Ihrer Beeinträchtigung einen andern Zugang zu Personen haben als andere Menschen?
Hilfiker: Ja, ich fühle mich anders. Das zu akzeptieren, ist nicht immer einfach. Wenn zum Beispiel viele Leute zusammen sind und alle durcheinander reden, kann ihnen nicht folgen, und ich fühle mich als Aussenseiter.

Sind Ihre andern Sinne besser ausgeprägt?
Hilfiker: Gehörlose haben einen sehr viel ausgeprägteren Gesichtssinn. Ich kann besser und mehr sehen als andere. Bei der Arbeit ist das von grossem Vorteil. Mir fällt zum Beispiel sofort auf, wenn Verbundsteine ungenau gesetzt wurden, so dass krumme Linien entstehen. Andere sehen da nicht so konzentriert hin.

Wie setzen Sie sich als Vorgesetzter durch?
Hilfiker: Das ist überhaupt kein Problem. Alle respektieren mich so wie ich bin. Ich muss nicht kämpfen, es gehört zur alltäglichen Normalität.

Wie verhalten sich die Kunden Ihnen gegenüber? Treffen Sie auf Verunsicherung, Sympathie oder Ablehnung?
Hilfiker: Es gibt alles. Üblicherweise spüre ich viel Verständnis. Auch schon waren Kunden geschockt. Sie wussten einfach nicht, wie sie mit Gehörlosen umgehen sollten. Sie wollten gar nicht versuchen, anders zu sprechen, schriftdeutsch und langsamer, als es ihren Gewohnheiten entspricht. Die Situation verwirrte und verunsicherte sie, und so nahmen sie Rücksprache mit unserem Büro oder wandten sich an einen Lehrling.

Wie erleben Sie das, Herr Wyder?
Wyder: Grundsätzlich begrüssen es unsere Kunden, dass Menschen mit einer Einschränkung in den Arbeitsprozess integriert sind. Sie geben sich entsprechend Mühe, ihren Teil zum Gelingen beizutragen. Manchmal gibt es Anlaufschwierigkeiten. Deshalb achten wir darauf, dass bei jedem Auftrag eine Zweitperson mitgeht, die nötigenfalls als Dolmetscher fungiert.

Inwiefern empfehlen Sie andern Gehörlosen Ihren Beruf?
Hilfiker: Der Beruf als Landschaftsgärtner bietet sich für gehörlose Menschen an. Bei der Arbeit muss man kaum kommunizieren. Allerdings gibt es Gehörlose, die sehr viel schlechter sprechen und verstehen als ich. Daraus ergeben sich fast zwingend Probleme im Kontakt mit Kunden.

Bitte beschreiben Sie Ihre emotionale Situation in einer Welt der Hörenden.
Hilfiker: Die gehörlose Welt ist mein Zuhause. Ich habe eine gehörlose Frau und gehörlose Kinder. Viele meiner Kollegen sind ebenfalls gehörlos. Während des Tages bin ich ausschliesslich mit Hörenden zusammen. Es ist sehr anstrengend, mit ihnen zu kommunizieren. Deshalb bin ich privat lieber mit Gehörlosen zusammen; mit ihnen kann ich mich in Gebärdensprache fliessend unterhalten. Da kann ich entspannen.

Der Schweizerische Gehörlosenbund schreibt: «Kein technisches Hilfsmittel kann eine Hörbehinderung ausgleichen oder gar aufheben nach heutigem Stand der Technik. Gehörlosigkeit ist überall verbreitet und hat nichts mit Herkunft, Geschlecht etc. zu tun. Da aber auch genetische Faktoren eine Gehörlosigkeit verursachen können, ist die Wahrscheinlichkeit bei gehörlosen Eltern leicht erhöht, dass ihr Kind ebenfalls gehörlos ist.»

 

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30’000 Mal überrollt!

Suchen Sie die beste Matratze für Ihr Bett? Geben Sie’s auf! Es gibt sie nicht, die beste Matratze. Das Wohlbefinden auf dieser oder jener Matratze ist eine höchst individuelle Angelegenheit. Was für die einen zu weich ist, erscheint andern zu hart. In Amerika schläft man in Boxspring-Betten; in Europa bevorzugen wir das Schlafsystem «Matratze auf Lattenrost», und in Asien rollt man eine mit Baumwolle angefüllte Schlafmatte meist direkt auf dem Boden oder auf Reisstrohmatten aus.

Gewohnheit spielt eine Rolle. Dazu kommt der momentane physische und psychische Zustand des Menschen. Wer Probleme wälzt oder Schmerzen hat, kann auch auf der besten Unterlage nicht gut schlafen. Dann die Bett-Umgebung: Geht das Schlafzimmer auf einen belebten Platz? Liegt im andern Bett ein herzhafter Schnarcher? Ist die Raumtemperatur unerträglich hoch? Tropft ein Wasserhahn? – Schlaf ist eine höchst komplexe Angelegenheit. Mit technischen Messmethoden ist die Schlafqualität selten abschliessend zu fassen.

In der «Folterkammer»
Immerhin gibt es gewisse Ansprüche an Matratzen, Fakten, die beim Kauf eine wichtige Rolle spielen: die Ergonomie, das Bettklima, die Hygiene und die Dauerhaltbarkeit. Der Schweizer Matratzenhersteller Bico – Mitglied der international tätigen Hilding Anders Gruppe – hat an seinem Produktionsstandort Schänis ein europaweit einmaliges Matratzentestcenter, das «SleepLab» eingerichtet. Hier lernen die Matratzen das Fürchten, und zwar nicht zu knapp!

Die Sache mit der Ergonomie lässt sich ja noch ziemlich sanft an. Mit Hilfe eines Dummys und einer Sensormatte lassen sich Druckstellen feststellen und genau quantifizieren. Doch dann wird’s strub. SleepLab-Tester Rocco Cristofaro – eigentlich ein sanfter Mensch – setzt verschiedene «Stempel» in eine «Foltermaschine» ein und bearbeitet damit die wehrlose Matratze. Im Schulterbereich, in der Lordosen-Zone und dort, wo die Hüfte zu liegen kommt. Heftig, gnadenlos, maschinell-kalt.

Dann lässt er einen andern Dummy schwitzen. «Schweiss» tritt aus. Sieben Stunden lang. Und nun, was passiert mit der Flüssigkeit? Wie geht die Matratze damit um? Welchen Einfluss hat das auf die Temperatur? Wie lange dauert die Regenerationszeit der Matratze?

Nur logisch, dass jetzt für den Matratzenüberzug der Reinigungstest an der Reihe ist. Hygiene ist das Thema. Rein in die Trommel, 60° Celsius, so dass es allen Milben an den Kragen geht, und am Schluss 800 Umdrehungen pro Minute. Raus aus der Trommel. Die gesamte Trocknungsphase überwacht ein Sensor.

Zum Schluss die ultimative Überlebensübung. Eine massive Holzwalze, 140 Kilo schwer, rollt unter Druck über die Matratze, hin und her, hin und her, stundenlang, etwa 30’000 Mal. Damit simuliert sie die durchschnittliche Beanspruchung der Matratze innert einer Lebensdauer von zehn Jahren. So, wie hat sie das überstanden? Ist sie völlig verformt, abgenutzt, ausgequetscht? «Prüfung der Dauerhaltbarkeit mittels Bewalzung» heisst das im emotionslosen Fachdeutsch. Keine Spur von Mitgefühl.

Ein Dummy liegt auf der Sensormatte und erzeugt dort Druckstellen
Viel Druck (rot) lastet auf dem Becken und im Schulterbereich

Verschiedene «Stempel» (rot) lassen sich mit unterschiedlicher Kraft in die zu testende Matratze pressen

Unter der Decke «schwitzt» ein Dummy bei 21°C Raumtemperatur und 50% relative Luftfeuchtigkeit

Die Reinigungsstation mit den Trocknungssensoren (oben im Bild)

Eine Holzwalze rollt mit 140 kg Druck über eine Testmatratze

 
 
Kevin Wiesmann, BICO-Mitarbeiter im Aussendienst

Übrigens: Das «SleepLab» als Folterkammer zu bezeichnen, ist eigentlich unzulässig. Ein Bico-Mitarbeiter betont: «Unsere Produkte werden sanft und sorgsam bearbeitet. Schliesslich sind es die von uns selbst hergestellten Matratzen, auf die wir stolz sind.» Dann einigen wir uns doch auf «SPA-Bereich für Matratzen»: Einfühlsame Massagen, gezieltes Kneten, wohltuendes Waschvergnügen!

Ergonomie, Bettklima, Hygiene, Dauerhaltbarkeit – nach dieser Testreihe bleiben keine Fragen offen. Jedes Matratzenmodell lässt sich eindeutig und nachweisbar definieren. Mit Resultaten, die vom unabhängigen AEH (Zentrum für Arbeitsmedizin, Ergonomie und Hygiene, ein Spinoff der ETH Zürich) geprüft und zertifiziert werden.

Sanft wie ein schnurrendes Kätzchen
Kevin Wiesmann, Bico-Mitarbeiter im Aussendienst, kennt noch weitere Verkaufsargumente: Wie sieht sie aus, und wie fühlt sie sich an? «Praktisch alle Kunden berühren die Matratze. Sie streichen mit der Hand über deren Oberfläche und erleben so, wie fein, wie anschmiegsam sie ihnen erscheint.» Und was die Optik betrifft, so will kaum jemand im eigenen Schlafzimmer ein technisch-nüchternes Produkt, wie man es früher in spartanisch eingerichteten Massenschlägen antraf. In der Kaserne, in der SAC-Hütte, im Zivilschutzraum, im Gefängnis.

Die Entwicklung bewegt sich hin zu Emotionen, zu Bildern. Das fand schon vor Jahrzehnten im «tüüfä gsundä Schlaaf» seinen Ausdruck. Heute sind es übergrosse Bilder von sympathischen Menschen wie du und ich, die sagen: «Ich han en.» – Was? – Eben, ä tüüfä gsundä Schlaaf.

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Ab dem 2. Februar und bis am 4. März 2017 läuft im Möbelhaus Kindler, Schinznach-Dorf, die Winteraktion mit Bico-Matratzen: Exklusive Überraschungsprämie aufs ganze BICO-Sortiment. Gratiskissen. Zu jeder Matratze gratis einen Molton. Lieferung und Entsorgung gratis.

Kontakt
Möbel Kindler AG

Degerfeldstrasse 7
5107 Schinznach-Dorf

T +41 56 443 26 18
info@moebel-kindler-ag.ch
www.moebel-kindler-ag.ch

Ist das wahr? – Mir doch egal!

«Britney Spears gestorben!» – «Trump bezahlt One-Way-Ticket für rückreisewillige Afrikaner und Mexikaner!» – «Papst Franziskus unterstützt die Kandidatur Trumps!» –Alles Quatsch. Alles gelogen. Alles Falschinformationen, Fake News, absichtlich produziert und bewusst ins Netz gestellt.

Die Fake News mögen noch so verdreht sein, sie werden rasend schnell verbreitet. Den Rekord hält eine Falschmeldung, in der es hiess, Präsident Obama beabsichtige, den traditionellen Schulschwur zu verbieten. Innert kürzester Zeit löste das 2,1 Millionen Interaktionen aus (Shares, Likes und Kommentare). Die Hälfte aller Interaktionen in den USA hat einen Fake-News-Bezug!

Das Phänomen beschränkt sich keineswegs auf die USA. Zwei Beispiele aus Deutschland: Nach dem Terroranschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt erschien im Netz die frei erfundene Warnung, es seien weitere Anschläge auf Einkaufszentren geplant. Die Nachricht verbreitete sich am 23. Dezember wie ein Lauffeuer. Es gelang der Polizei, den Verursacher zu fassen. – Zu Beginn des neuen Jahres tauchte die folgende Meldung im Netz auf: «1000-Mann-Mob setzt Deutschlands älteste Kirche in Brand.» Die Nachricht bezog sich auf ein Ereignis in Dortmund. In der Silvesternacht hatten sich etwa 1000 Menschen auf einem Platz in der Innenstadt versammelt. Wegen einer Silvesterrakete fing ein Gitterschutznetz Feuer, ohne dass eine Absicht dahinter stand. Mit dem Netz war ein Baugerüst bei der Kirche verkleidet. Das Feuer wurde rasch gelöscht.

Fake News auch in den Schweizer Medien, selbst in der renommierten NZZ. Sie hatte eine Falschmeldung der Washington Post aufgenommen: Russischer Hackerangriff auf einen US-Stromversorger (Elektrizitätsgesellschaft Vermont). – Hat nie stattgefunden!

Sie schüren Ängste
Fake News sind absichtlich produzierte Falschmeldungen, die so gestreut werden, dass sie die Logiken der sozialen Medien ausnützen: Sie erzeugen starke Emotionen, und sie behandeln Reizthemen. Die Verursacher schüren Ängste und bestätigen Befürchtungen, etwa beim Thema Flüchtlinge. Ganz gezielt spielen Fake News extremen Gruppierungen in die Hände. Und sie sind ein Wirtschaftsfaktor; sie sollen Internetnutzer auf Seiten mit Werbeanzeigen locken.

Was Fake News besonders gefährlich macht: Sie machen sich die Dynamik der sozialen Medien zunutze. Meldungen verbreiten sich in Sekundenschnelle. Hinterfragt werden sie kaum. Typische Reaktion: «Es ist mir egal, ob es stimmt; es könnte doch so sein.» Selbst völlig absurde Fake News sind also in diesem Sinne glaubwürdig, weil sie in ein bestimmtes Welt- und Selbstbild passen, das Nutzer in den sozialen Medien von sich zeichnen wollen.

Die politische Dimension ist erkannt. Nicht erst seit den undurchsichtigen Vorgängen rund um die Präsidentenwahl in den USA. Jetzt will Facebook in Zusammenarbeit mit einer Reihe von Medienunternehmen Falschmeldungen früher identifizieren und löschen. Verschiedene Länder planen «Abwehrzentren». Mit Blick auf die anstehenden Bundestagswahlen will Deutschland verhindern, dass Fake News die politischen Entscheidungen beeinflussen. Allerdings sind staatlich organisierte Kontrollorgane höchst problematisch. Aus Italien tönt es: «Bürokraten entscheiden, was publiziert wird, was richtig ist und was nicht.» Und der tschechische Präsident Milos Zeman liess verlauten: «Niemand hat ein Monopol auf die Wahrheit.»

Wie also lässt sich gegen Fake News vorgehen? Wie erkennen wir Wahres? Gibt es sie überhaupt, die reine Wahrheit? – Ein auswegloses Dilemma?

Schon am ersten Forum Fokus Ethik gab es viel Applaus für den Gehalt des Gebotenen

Vor einem Jahr begrüsste André von Wattenwyl als Präsident von Fokus Ethik die Teilnehmer des ersten Forums

Köppel & Co.
Das Forum Fokus Ethik Thun setzt sich am 6. April ab 9.30 Uhr mit Fragen rund um den Begriff «Wahrheit» auseinander. Namhafte Persönlichkeiten wie Barbara Bleisch, Rüdiger Safranski, Sonja Hasler, Roger Köppel und Sylvia Egli von Matt diskutieren über «Wahrheit und Macht», «Wahr ist, was gefällt» oder «Wieviel Wahrheit braucht der Mensch?». Was können renommierte Philosophen, Journalistinnen, Schriftsteller, Moderatoren zur Wahrheit beitragen?

Die Veranstaltung ist öffentlich. Anmeldungen bis spätestens am 31. März über die Website fokusethik.ch/anmeldung.

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