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560 Tonnen Material im Tour-Gewühl?

Wussten Sie, dass die Lenzburger Leitungsbau-Firma Lebag AG im Wallis beinahe die Tour de France torpediert hätte? – Ein Augenschein vor Ort.

Am Tag, als die Welt in diesem Walliser Seitental wegen der Tour de France Kopf stand, besuchten wir die Standorte, wo die Firma Lebag ihr Material für eine neue Hochspannungsleitung lagert. Wir wollten uns selber ein Bild machen von dem ursprünglich vorgesehenen Lagerplatz für all die Einzelteile von Hochspannungsmasten. Bei der Auftragsvergabe hatte die Swissgrid der Firma Lebag einige Lagerplätze zugewiesen, die an sich schon äusserst knapp bemessen waren, sich aber angesichts der bevorstehenden Durchfahrt der Tour de France mit all dem Menschenauflauf als völlig unhaltbar erweisen sollten. Rechtzeitig war das Lebag-Team unter Geschäftsleiter Daniel Stutz darauf aufmerksam geworden und hatte sich um einen Ausweichplatz bemüht. – Und ja, unsern Besuch wollten wir genau an diesem Tag machen, am 20. Juli, als die 17. Etappe der Tour de France von Bern über den Col de Mosses nach Martigny führte und von dort hinauf zur Staumauer des Lac d’Emosson.

Kopfvoran in den Abgrund
Erste Station ist die Gemeinde Salvan, vielleicht vier Kilometer nordwestlich von Martigny, über eine recht abenteuerliche Strasse zu erreichen. Hier hat sich die Arbeitsgemeinschaft, die für die neue Hochspannungsleitung verantwortlich zeichnet, ihren Werkhof eingerichtet. Wir sind früh dran: Die Mastmonteure stehen auf dem Platz und warten auf den Helikopter. Kräftige, sonnengebräunte Männer sind es. Unerschrocken und vor allem schwindelfrei müssen sie sein. Ihre Arbeitsorte sind zu Fuss kaum erreichbar oder nur mit einem unverhältnismässigen Zeitaufwand. Dort erklettern sie die Skelette der Masten, steigen auf 20, 30 und mehr Meter über dem Boden hoch und noch viel höher über dem Abgrund. Hier montieren und schrauben sie, unbeeindruckt von den Tiefen um sie herum. Sie tragen zwar alle einen Helm, und sie sind gesichert. Aber trotzdem …

Auf dem Werkplatz sind Hunderte von Einzelteilen gelagert, die für den Bau der Masten notwendig sind. Tarngrün beschichtete Metallteile, die meisten zu einem stabilisierenden L-Profil geformt. Kleine und grosse, lange und kürzere. Daneben ergänzendes Kleinmaterial in Kisten: Schrauben, Unterlagsscheiben, Rollen, handgrosse Verbindungsplatten mit vorgebohrten Löchern für die Schrauben. Dann allerlei Gerätschaften, die für die Montage gebraucht werden, und da, seitlich, eine ganze Anzahl Kabelrollen mit den noch aufgewickelten Leitungsseilen. Die Teile sind nicht einfach möglichst platzsparend aufgetürmt. Die Lagerung muss einer Logik entsprechen: Was zuerst gebraucht wird, muss problemlos greifbar sein.

Der Heli nähert sich, macht eine halsbrecherische Kurve und setzt zur Landung an. Die Männer steigen ein, und weg gehts, kopfvoran in die steile Talschlucht hinunter. Keine Umwege; Zeit ist Geld!

Im Werkhof der Firma Lebag lagern bereits die mächtigen Seilrollen
Das Leitungsseil hat einen Querschnitt von 8 cm
Ein Arbeiterteam wartet auf den Heli. Er fliegt die Männer zu ihrem sonst kaum zu erreichenden Arbeitsplatz
Lebag-Geschäftsleiter Daniel Stutz (links) bespricht sich mit seinem Vorarbeiter Joao
Heiri (gelber Helm), der Werkhofleiter, schaut dem Treiben skeptisch zu
Bevor die Materiallasten dem Helikopter angehängt werden, ermitteln die Männer das genaue Gewicht
Teamarbeit
Hier werden Signalkugeln verpackt. Sie sollen besonders Helikopterpiloten auf die Gefahr von Leitungsseilen aufmerksam machen
Der Heli sticht auf furchterregende Weise in die Schlucht hinunter
Viele der Einzelteile werden bereits vor der Endmontage noch auf dem Werkhof provisorisch zusammengeschraubt
Die Monteure benötigen für ihre Arbeit jede Menge Kleinmaterial
Der alte Mast (hinten) wird demontiert, weil er zu schwach gebaut ist für die neuen Leitungsseile und schon in die Jahre gekommen ist. Vom neuen Mast stehen bereits das Fundament und der Unterbau
Die Komponenten der neuen Leitungsmasten liegen auf ihrem neuen Lagerplatz
Der Unterbau eines Mastes ist fertig
Einer der ursprünglich vorgesehenen Lagerplätze für die Mast-Einzelteile. Am 20. Juli ist er dicht besetzt von Tour-Fans und ihren Fahrzeugen
Lebag-Geschäftsleiter Daniel Stutz (rechts) und Peter Belart im Gespräch über das Bauvorhaben

Camping am Strassenrand
Zweite Station: Die Gemeinde Trient unweit des Stausees. Unterwegs zeigt uns Daniel Stutz die ursprünglich vorgesehenen Lagerplätze. Sie sind flächenmässig an der untersten Grenze dessen, was überhaupt noch vorstellbar wäre. Heute sind sie aber vollständig belegt von Tour-Fans mit ihren Fahrzeugen, meist Campern. Auch Zelte sind da aufgebaut. Offensichtlich haben die Leute hier übernachtet. Und Picknicktischchen und Fahnenmasten und Spieltische und alles, was zu einem gemütlichen Happening gehört. Camping total am Strassenrand!

Bevor wir uns den Randerscheinungen der Tour de France zuwenden, steht ein Abstecher zu zwei, drei Mastpositionen an. Zu denen gelangen wir auch ohne Heli. Nahe bei einem Waldweg, aber doch noch in sehr steilem Gelände haben Tiefbauer die Fundamente und die Verankerungen vorbereitet. Auch die unterste, individuell gestaltete Mast-«Etage» ist bereits aufgebaut. Nun kann der Aufbau weiter vorangetrieben werden. Es ist Präzisionsarbeit, die hier geleistet wird, zwingend. Sonst ist die ganze Mast-Statik im Eimer.

Im Abseits
In Trient angekommen, fahren wir zu einer etwas abseits gelegenen, lang gezogenen, gemähten Wiese: dem alternativen Lagerplatz. Schon von weitem erkennen wir das Lebag-Material. Es nimmt viel Raum ein, denn auch hier unterliegt alles einer strengen Logik. Jedem Mast ist ein eigener, in sich wiederum streng geordneter Lagerplatz zugewiesen. Zusätzlich ist ein Freiraum für die Vormontage einzelner Elemente reserviert, die dort oben, auf luftigem Arbeitsplatz, kaum oder gar nicht zusammenzufügen wären.

Einige Männer sind am Abladen, am Stapeln, am Vormontieren. Ein Mitarbeiter mahnt uns: «Nicht darauf klettern! Bitte passen Sie auf.» Zum Glück liegt all das nicht am Rande des Tour-Parcours. Die Ausflügler, die Hard-Core-Fans, sie hätten sich ganz bestimmt die besten Aussichtsplätze auf den Stapeln gesichert, Unfallhaftung hin oder her.

«So, und nun führen wir uns die Tour de France zu Gemüte», sagt Daniel Stutz nach einer Weile. Noch ein Schluck aus der Flasche, dann folgt des Abenteuers zweiter Teil. – Doch das ist dann eine andere Geschichte.

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Der Berg ruft

Mittwoch, 20. Juli. Die Tour de France im Wallis. Zielankunft auf rund 2000 Metern, auf der Staumauer des Lac d’Emosson. Es ist heiss, richtig heiss. Und es soll heute noch heisser werden. Da verwundert es nicht, dass viele Rad-Amateure schon in den frühen Morgenstunden unterwegs sind. Alle in derselben Richtung, als läge dort oben das Schlaraffenland.

Die Fahrstile könnten unterschiedlicher nicht sein: Zwischen nach Krampf schmeckendem Hin-und-her-Wippen bis hin zu geschmeidigem, fast anstrengungslos erscheinendem, rundem Treten, und da sind sogar einige Flyer zu entdecken. Doch etwas haben sie alle gemeinsam: Kein Blick nach links oder rechts; hinauf, nur immer hinauf geht ihr ganzes Streben. Männer, Frauen, Alte, Jugendliche, selbst einige Kinder – hinauf, hinauf!

Um die Mittagszeit hat der Radfahrer- und Fussgängerstrom schon markant zugenommen. Wir hatten zwar von der magischen Anziehungskraft der Tour gehört, aber so hatten wir es uns denn doch nicht vorgestellt. Ein nie abreissender Fluss, den es entgegen aller physikalischen Gesetze bergauf zieht – der Berg ruft!

Nationalflaggen, Aprikosen und ein Wikinger
Wir sind zu Fuss unterwegs, natürlich auch bergauf. Am Strassenrand ein Camper am andern. Aus halb Europa sind sie angereist, die Tour-Fans, aus Frankreich, Deutschland, Belgien, Italien, Slovenien, Spanien, Tschechien, Grossbritannien, aus Lichtenstein und natürlich aus der Schweiz, dazu verblüffend viele aus Norwegen – ein europäisches Stelldichein, ein grenzenloses Happening. National- und Provinzfahnen sind aufgespannt, Leibchen werden gleich neben Walliser Aprikosen zum Verkauf angeboten. Ein besonders Geschäftstüchtiger präsentiert eine grosse Auswahl an Getränken, die Flaschen in Eisstückchen gelagert.

Hinauf, hinauf! Ein freundlicher älterer Spanier wechselt einen Gruss: «Hola!» – «Hallo!» Weiter gehts. Die leicht übergewichtige Dame am Picknicktischen nickt uns zu und deutet ein Winken an. Ein paar Schritte weiter vier Männer, ins Kartenspiel versunken, und daneben dösen sie immer noch im Zelt. «Sie sind aus Norwegen angereist?» – «Ja, wir waren eine Woche in Spanien und haben die Rückfahrt so eingerichtet, dass wir hier frühzeitig einen guten Standplatz beziehen konnten.» – «Und worin besteht der Reiz für sie? Rein sportlich ist bei einem Strassenrennen doch fast gar nichts zu sehen: Sssssst – und vorbei sind sie!» – «Ja, da haben Sie Recht. Es geht uns vielmehr um das ganze Drumherum, um das Volksfest, um die Ambiance, ausgerichtet auf den einen Moment, in dem das Maillot jaune vorbeifährt.» – «Aber Ihre Landsleute unterstützen Sie gewiss nach Kräften.» – «Logisch! Wir haben ja auch deren Namen auf den Asphalt geschrieben.» Zwei in ihre Landesfahnen gehüllte Kolumbianer gehen vorbei. Dahinter zwei Schweizer, von der Perücke bis zu den Sohlen vollständig Rot-Weiss. Ein Wikinger müht sich bergauf. Alles lacht. So heiter der Himmel, so vergnügt und ausgelassen die Menschen.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Die Spannung steigt
Da oben auf dem kleinen Wiesenstück haben wir einen guten Überblick. Nur die Ameisenfamilie, deren Heim wir «besetzen» – wörtlich! –, zeigt sich not amused. Ein Alphorn-Quintett pustet sich die Seele aus dem Leib. In etwas holperigem Gleichschritt, ihre Instrumente aufs Gröbste malträtierend, passiert eine Guggenmusik aus Martigny.

Da geschieht etwas Merkwürdiges. Ohne erkennbaren Grund beginnt sich die Strasse zu leeren. Die Menschen postieren sich hinter den Abschrankungsgittern, die noch kurz vorher niemanden beindruckt haben. Die Spannung steigt. Der Geräuschpegel geht ganz leicht zurück. Motorräder rauschen vorbei, die Blaulichter und die Signalhörner angestellt. Der Tour-Tross nähert sich.

Zwei Dutzend gewaltige, topp moderne Mannschaftsbusse. Dahinter zahllose Reklamefahrzeuge, fantasievoll gestaltet als Picknickwiese, als brütende Gluggere, als überdimensionierter Pneu, als gigantische Madeleine, als Familie Mickey Mouse. Give-aways fliegen ins Publikum, Probiererli und Dächlikappen und allerlei Müschterli, vom Reinigungsmittel bis zum Kugelschreiber. Die Leute stürzen sich drauf wie Geier.

Noch mehr Motorräder, Polizei, Kamerateams. Hubschrauber lärmen am Himmel. Und da nähert sich, gleich der La-Ola-Welle im Fussballstadion, ein Brausen, ein akustischer Tsunami. Kein Zweifel: Die ersten Fahrer kommen! Die Menschen klatschen, rufen, johlen, feuern an, brüllen, toben, schwenken Fahnen, betätigen Luftdruck-Hörner – eine riesige Schall-Schlange wälzt sich den Berg hinauf. Und mittendrin die Fahrer. Es ist absurd: Sie gehen fast unter in all dem Krawall und Getriebe. In Zweier- und Dreiergruppen tauchen sie auf, die Leibchen weit offen, klatschnass vom Schweiss, den Blick geradeaus, scheinbar unbeeindruckt von all dem, was da um sie herum passiert. Keiner nickt, keiner lächelt, keiner hebt einen Finger zum Gruss. Sie sind in einer andern Welt.

Mit dem Tunnelblick
Was mag in diesen Sportlern vorgehen? Freuen sie sich über den gewaltigen Aufmarsch, über die Anfeuerungsrufe? Ärgern sie sich über den ganzen Lärm? («Lasst mich doch einfach in Ruhe zum Ziel hoch fahren.») Nehmen sie – mit dem Tunnelblick unterwegs – das alles gar nicht wahr?

 
17. Etappe der Tour de France
 
 
 
 

Der Lärm schwillt an. «Bravo, bravo!, hopp, hopp, hopp!» Das gelbe Tricot des Gesamtersten war eben einen kurzen Moment zu sehen. Irgendwie unwirklich: Radfahrende Marionetten eines gigantischen Werbe- und Unterhaltungsspektakels. Kaum auszumachen sind sie, um die es eigentlich geht. Sie strampeln sich die Seele aus dem Leib, und einzelne von ihnen verdienen auch ganz schön dabei. Das grosse Geschäft aber machen andere, die irgendwo diskret im Hintergrund bleiben.

Das Spektakel ist aus. Wir pusten durch und klettern von unserer kleinen Wiese wieder ins Dorf Finhaut hinunter. Als hätte er sämtliche Schleusen geöffnet, schickt der Stausee die Menschenmassen wieder talwärts.

Mensch, habe ich einen Durst!

Weitere Artikel: Wie die Lebag AG, eine Lenzburger Leitungsbau-Firma mit ihren 560 Tonnen Material im Wallis beinahe die Tour de France torpediert hätte.

Wohin bitte mit den 560 Tonnen?

Bau einer neuen Hochspannungsleitung mit Tücken

Da gibts kein Pardon: Der Tour de France muss sich alles beugen. Auch die Lenzburger Leitungsbaufirma Lebag.

Die Geschichte beginnt ganz harmlos. Die nationale Netzgesellschaft Swissgrid vergibt an die Firma Lebag einen schönen Auftrag. Erfreulich! Es geht um den Ausbau einer Hochspannungsleitung im Wallis, und zwar zwischen Martigny und dem etwa 10 Kilometer westlich gelegenen Stausee Lac d’Emosson. Klar, das Gelände ist dort ziemlich stotzig und ghögerig, aber das ist zu schaffen.

Zugegeben, ein paar kleinere Probleme sind da schon zu lösen. Da ist zunächst die Sache mit der bereits bestehenden Leitung, die ja unter Strom steht. Wie genau machen wir das, ohne dass sich die beiden Leitungen – die bestehende und die neue – in die Quere kommen? Wann gibt es für den Heli ein Zeitfenster für den Transport der schweren Einzelteile? Und wie muss er fliegen, wenn kein Unfall entstehen soll? Du kannst ja den Stromfluss nicht wochen- und monatelang unterbrechen.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Guter Rat gefragt
Und dann die Frage des Lagerplatzes. Für die 14 Masten des Lebag-Loses müssen um die 560 Tonnen Material irgendwo in der Nähe des Bauplatzes zwischengelagert werden. Vorsorglich hat die Swissgrid einige Ausweichstellen in Strassennähe dafür vorgesehen, knapp bemessen zwar, aber doch so, dass es eventuell genügen sollte. Allerdings sind einige der Einzelteile für die Strommasten zehn und mehr Meter lang. Passen die auf jenen doch eher niedlich anmutenden Parkplatz?

Und eben: die Tour de France! Ausgerechnet am 20. Juli wird genau hier die Tour de France erwartet. Und das bedeutet nicht nur, dass etwa 150 Velorennfahrer durchstrampeln. Nein, der ganze riesige Begleittross wälzt sich an diesem Datum von Bern kommend den Berg hoch. Martigny liegt auf 500 Meter über Meer; der Lac d’Emosson auf knapp 2000 Meter. Dort oben ist das Etappenziel. Und eines wollen wir hier klarstellen: Es ist keine sechsspurige Autobahn, die von Martigny zum Stausee hinauf führt, sondern eine zwar geteerte, aber doch knapp bemessene Strasse mit einigen netten Haarnadelkurven.

So, jetzt machen wir uns doch das Vergnügen und stellen uns vor, wie dieses Unterfangen ausgehen könnte, wenn sich da noch eine ganze Menge Lebag-Stangen am Strassenrand stapeln, gnadenlos erklettert und besetzt von Radsport-Fans. Und da kommen sie, all die mehr oder weniger breiten Werbe- und Begleitfahrzeuge, die Motorräder, die Personenwagen für das Journalistenheer. Kein Platz links, kein Platz rechts, und Tausende von Zuschauern am Strassenrand, jubelnd, fuchtelnd, mitlaufend. Was ist, wenn sich eine der Stangen ein wenig verschiebt oder gar vom Stapel fällt? – Horror!

Die Auftraggeber waren definitiv allzu optimistisch in ihrer Planung. Metallgestänge am Strassenrand? Und das am 20. Juli? Und ausgerechnet der grösste all der kleinen Lagerareale sollte zugleich noch als Parkplatz für Tour-Fahrzeuge herhalten! Undenkbar! Zum Glück erkannte Daniel Stutz, Geschäftsleiter Lebag, die Brisanz der Situation rechtzeitig. Nach einem sehr ernsthaft geführten Gespräch mit dem zuständigen Vertreter des Walliser Tiefbauamts war klar: Jetzt ist Kreativität gefragt.

Kurzum – es blieb nichts anderes übrig, als auf die Suche nach einem andern Lagerplatz für das ganze Material zu gehen. Und es soll ja tatsächlich vorkommen, dass es das Schicksal mal gut mit einem meint: Die Lebag darf jetzt einen viel geräumigeren Platz belegen, und zwar in der Ortschaft Trient, in unmittelbarer Nähe der Arbeitsplätze der Leitungsmonteure.

Na also, so sind denn alle zufrieden: die Swissgrid, die Lebag, die Tour-Verantwortlichen, die Fahrradfahrer, die Herrschaften vom Walliser Baudepartement und – jene Landbesitzer in Trient, die ihr Wiesenstück zur Verfügung gestellt und sich damit eine Entschädigung gesichert haben. Was wollen wir mehr?

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Hochspannung mit Lebag-Mann Altun

Hochspannung wortwörtlich beim Besuch des Unterkraftwerks Lenzburg

Er ist fast zwei Meter gross, breit und kräftig gebaut. Aber er wirkt trotz seiner Dimensionen sanft und verbindlich. Sein Name klingt für unsere Ohren fremd: Altun Sijaric. Doch er ist ein waschechter Schweizer. Vielleicht waschechter als viele, die sich dafür halten.

Um 16 Uhr haben wir uns beim Unterwerk Laufenburg verabredet: ein ausgedehntes Areal mit zahlreichen Isolatoren, Kabelsträngen und weiteren Hochspannungsanlagen. Ein Hotspot der Energiewirtschaft. Eine Schlüsselstelle der Stromeinspeisung, auch für das benachbarte Ausland.

Altun Sijaric steht um 15.56 Uhr dort. «Bitte folgen Sie mir.» Das eiserne Tor öffnet sich wie von Geisterhand. Wir betreten die weitläufige Anlage. Auch als Laie erahnt man die Bedeutung dieses Ortes, die Präsenz unerhörter elektrischer Kräfte. Sijaric sagt: «Erschrecken Sie nicht, wenn es knallt. Das kommt hier schon mal vor.» Ich verstehe nicht recht. Weshalb sollte es knallen? Daniel Stutz, Geschäftsführer der Firma Lebag, erklärt die technischen Voraussetzungen, unter denen es zu einem Knall kommen kann. Ehrlich gesagt verstehe ich nicht alles. Aber egal, ich bin jetzt gefasst.

Ein Teil des Unterwerks Laufenburg
ein Teil des Unterwerks Laufenburg
 
Die fabrikneue gasisolierte Schaltanlage. Das isolierende Gas befindet sich in den stehenden, zylinderförmigen Anlageteilen
das isolierende Gas befindet sich in den stehenden, zylinderförmigen Anlageteilen
Die von Altun verlegten Kabelstränge im Keller der Schaltanlage.
die von Altun verlegten Kabelstränge im Keller der Schaltanlage

Gas statt Luft
Altun Sijaric hat seinen Arbeitsplatz für längere Zeit hier im Unterwerk Laufenburg. Die ganze Anlage soll modernisiert werden. Die Swissgrid als Betreiberin hat entschieden, die ganzen Freiluftelemente auf den neusten technologischen Stand zu bringen. Das heisst: Verzicht auf Luftisolation und stattdessen Isolation der Anlageteile mit einem dafür geeigneten Gas. Das erlaubt eine sehr viel kompaktere Schaltanlage, die in einem neuen Betonbau untergebracht und damit weniger störungsanfällig ist.

Altun stellt klar: «Mit der Schaltanlage selbst habe ich nichts zu tun. Sie wurde direkt von den ABB-Leuten montiert. Ich bin für die Leitungen zuständig.» Er öffnet die Tür des Gebäudes. Im Innern, leuchtend rot bemalt, die sogenannte gasisolierte Schaltanlage GIS (Gas Insulated Switchgear). «Ich arbeite völlig selbständig», sagt der junge Mann. «Ich bin mein eigener Chef. Genau das macht für mich den Reiz aus.» ­– Also ehrlich: Diese Verantwortung möchte ich nicht tragen! Wenn hier etwas schief läuft, hört der Spass auf.

Altun geht voraus in den Keller. Puah! Da winden sich armdicke, schwarze Leitungen durch den Raum. Aus Löchern in der Decke kommen sie herunter und verschwinden rechts in den dafür vorgesehenen Beton-Aussparungen. Etwas seitlich liegt ein vielleicht 30 Zentimeter kurzes Reststück. «Darf ich das hochheben?» – «Tun Sie sich keinen Zwang an.» Mit einer Hand allein schaffe ich es nicht. Dieser unbedeutende Abschnitt ist zu schwer für mich. Wie bitte hat es Altun geschafft, zwanzig bis vierzig Meter lange Kabel dieses Typs in den Kellerraum zu zwingen, einen Kurvenradius hinzubekommen und alles erst noch optisch ansprechend zu fixieren? Altun wirkt völlig gelassen: «Ja, Genauigkeit und Sorgfalt haben hier einen extrem hohen Stellenwert. Es gibt Arbeitsschritte, die keinerlei Hast vertragen. Schon ein Kratzer kann innert weniger Monate zu einem fatalen Störfall führen.»

Einer der Besten
Altun ist gelernter Netzelektriker, eine Lehre, die er beim Bündner Energieunternehmer Repower absolviert hat. Dann reizte ihn das Grössere. Im Internet stiess er auf die Lenzburger Firma Lebag, Freileitungs- und Kabelbau. Er machte sich über die Website schlau, studierte die Bilder, die Baustellen und erhielt den Eindruck, dass hier immer wieder neue, anspruchsvolle Arbeiten anstehen. Nun ist er seit sechs Jahren bei Lebag, hat schon verschiedentlich im Ausland gearbeitet, in Deutschland, Italien, Frankreich und sogar in den USA. Seine Qualifikationen befähigen ihn zu so verantwortungsvollen Aufgaben, wie jenen, die er in Laufenburg lösen muss.

Daniel Stutz fügt an: «Altun gehört zu unseren Besten. Er hat sich in der Szene schon einen hervorragenden Namen gemacht. Das ist für die Akquisition von neuen Aufträgen von grösster Bedeutung.»

Wir verlassen das Areal. Altun verabschiedet sich mit einem festen Händedruck.

Übrigens: Es hat nicht geknallt.

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