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«Ich hatte die Schnauze voll»

Soeben ist er fertig geworden. Er kommt vom Leitungsmast über die matschige Wiese auf die Strasse herunter. Schwungvoll befördert er den Helm, die Steigeisen und den Werkzeuggurt in den Materialanhänger. «Wollen wir uns im Restaurant unterhalten?» – «Ich weiss nicht. Da ist wohl niemand begeistert, wenn ich mit diesen Schuhen das Lokal betrete.» Tatsächlich, er trägt ein schönes «Polster» aus lehmigem Erdreich an den Sohlen. Also setzen wir uns in mein Auto…

Marc Spreiter – mittelgross, sportliche Statur, Sechstagebart, blonder Wuschelkopf, lustige Lachfalten um die blauen Augen – spricht in markigem Bündner Dialekt. Aufgewachsen in Trin-Mulin, war er als Netzelektriker in den Elektrizitätswerken Flims und Bad Ragaz sowie in der Privatwirtschaft tätig gewesen. «Die Arbeit war okay. Aber irgendwann hatte ich die Schnauze voll. Es hatte zu wenig Arbeit und zu viel Personal. Nichtstun passt nicht zu mir. Ich brauchte einen Tapetenwechsel.»

Internet sei Dank
In dieser Situation traf Marc im Internet auf ein Inserat der Firma Lebag. Sie suchte einen Freileitungsmonteur. «So was hat mich immer gereizt. Lebag hat einen guten Namen, sowohl in Bezug auf den Umgang mit dem Personal, als auch den Maschinenpark betreffend. Da habe mich einfach gemeldet.»

Bei Lebag bekam er reichlich, was er bis anhin vermisst hatte. «Hier muss man ran. Es ist eine raue, strenge Arbeit. Das gefällt mir.» Noch etwas hat sich grundsätzlich geändert. Früher stand er an der Werkbank und war am Bau von Trafostationen, Verteilkabinen und ähnlichem beteiligt. Bei Lebag befindet sich sein Arbeitsplatz meist in luftiger Höhe, bis zu 80 Meter über dem Boden, oben, auf den Hochspannungsmasten. «Anfänglich kam mir das ziemlich wild vor. Ich hatte nicht Angst, jedoch gehörigen Respekt. Aber ich habe mich schnell daran gewöhnt.»

Der Reiz des Berufs
Inzwischen sieht Marc gerade in diesem ungewöhnlichen Arbeitsplatz einen grossen Reiz. Sich bei Wind und Wetter, bei Hitze und Kälte, mit eingeschränkter Bewegungsfreiheit, begrenzten Hilfsmitteln und wenig Werkzeugen zurechtzufinden und unter solch widrigen Umständen gute Büez zu leisten. «Ausserdem komme ich in die abgelegensten Gegenden, die ich sonst niemals kennenlernen würde. Und die Standorte der Masten sind manchmal so exponiert, dass wir sie ohne Helikopter kaum erreichen.»

Als Freileitungsmonteur bei der Firma Lebag ist Marc in der ganzen Schweiz unterwegs. Es kann sein, dass er eine oder zwei Wochen lang nicht heim kommt. Manchmal sind Wochenendeinsätze unumgänglich. Nichts für Weicheier! – Wie lässt sich das mit einem «normalen» Privatleben vereinbaren? «Ich habe damit keine Probleme. Meine Freundin studiert in Schweden: Sie ist weg, und ich bins auch. Wenn sie für einige Zeit in die Schweiz kommt, ist es für uns beide nicht einfach. Immerhin hatte ich diesen Beruf schon, als wir uns kennen lernten. Sie wusste also, worauf sie sich einliess.» – «Und wie ist es mit dem Vereinsleben?» – «Da kann ich nicht mehr so aktiv mitmachen wie früher. Es macht wenig Sinn, nur ein Mal pro Monat an einem Training teilzunehmen.»

Ein Mann mit Berufsstolz: Freileitungsmonteur Marc Spreiter. In der Linken die Steigeisen, in der Rechten den Werkzeug- und Sicherungsgurt

Ein Mann mit Berufsstolz: Freileitungsmonteur Marc Spreiter. In der Linken die Steigeisen, in der Rechten den Werkzeug- und Sicherungsgurt

Unbedingt schwindelfrei
Welche Eigenschaften sollte ein Freileitungsmonteur mitbringen? Marc antwortet zuerst: «Er muss schwindelfrei sein und über handwerkliches Geschick verfügen. Der Vorberuf ist egal.» Nach einem Moment des Nachdenkens präzisiert er: «Wichtig ist auch eine gute Portion logisches Denkvermögen. Da oben haben wir es mit physikalischen Komponenten zu tun. Und Physik ist eine logische Geschichte.»  Was die innere Haltung zur Arbeit betrifft, betont Marc: «Man muss unbedingt teamfähig sein, denn wir sind immer im Team unterwegs.» Und mit einem Lächeln: «Wir reden meist laut, klar und direkt miteinander. Das ist nicht böse gemeint; es hat seinen Grund vielmehr in der Distanz vom Arbeitsplatz zum Boden.»

«Mir gefällt diese Tätigkeit. Ich spüre das Vertrauen meiner Vorgesetzten. Ab dem 1. Januar werde ich vom Gruppenchef zum Chefmonteur befördert. Ein schönes Feedback! Zwar sind mir hierarchische Strukturen nicht wichtig, aber ich freue mich darauf, mehr Verantwortung zu übernehmen.» Und doch schränkt Marc ein: «Wahrscheinlich kann ich diese Arbeit nicht lebenslang machen. Ich habe Anzeichen von Gelenkrheuma.» Die Worte kommen ihm nicht leicht über die Lippen.

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Tonnenweise fliegt das Metall davon

Der Fall ist klar: Die alten Leitungsmasten müssen weg. Nicht allein deshalb, weil sie schon ein paar Jahrzehnte auf dem Buckel haben und sich ihr Outfit deshalb ins Rost-Rotbraun gewandelt hat. Das wäre nicht weiter tragisch. Aber die Leitungsbaufirma Lebag ist in Zusammenarbeit mit andern Unternehmen damit beschäftigt, eine neue, sehr viel leistungsfähigere Leitungs-Trasse zwischen Martigny und dem Stausee Lac d’Emosson anzulegen. Die alte hat ausgedient; sie ist zu schwach.

Längst sind die alten Kabelseile entfernt worden. Jetzt geht es um die Masten. Die meisten stehen in unwegsamem Gelände. Da ist nur eine Abbauvariante vorstellbar: mit dem Helikopter. Und zwar mit einem Schwerlastheli. Die Firma Lebag hat bei anderer Gelegenheit gute Erfahrungen mit dem Super Puma von SAF International gemacht, besonders mit deren CEO Justin Mattia, der gleichzeitig als erfahrener Heli-Pilot auftritt.

Vorgesehen sind zwei Arbeits-, resp. Flugtage für die 14 Masten – das erscheint realistisch. Allerdings: Einen Hochspannungsmast kann auch der Super Puma nicht in einem Stück abtransportieren. Mehr als 4,4 Tonnen liegen nicht drin. Der Mast muss deshalb «schussweise» abgebaut werden, also in einzelne «Stockwerke» oder eben «Schüsse» zerlegt. Na gut, machen wir!

Der Super Puma steht auf dem provisorisch angelegten Landeplatz in der Walliser Gemeinde Trient bereit

Die Flughelfer – ein halbes Dutzend kräftige junge Männer – haben einige der benötigten «Schlaufen» ausgelegt. Sie bestehen aus Nylon oder Stahl und haben eine genau geprüfte Traglast von mehreren Tonnen
Das Flughelfer-Team bespricht das genaue Vorgehen noch einmal Punkt für Punkt. Helipilot Justin Mattia (4. von links) will die Masten möglichst zügig abbauen, um Flugzeit einzusparen. Das ist aber nur dann möglich, wenn an mehreren Leitungsmasten alle Schlaufen angebracht sind und wenn genügend Helfer zur Verfügung stehen, um den Trennungsvorgang zu unterstützen
Lebag-Geschäftsführer Daniel Stutz (links) bespricht sich mit seinem Baustellenleiter Peter Ehrentraut (blaue Jacke) und mit Joao Simaes (ganz rechts), der für organisatorische Belange zuständig ist
Einer der alten Leitungsmasten. Er ist für den «schussweisen» Abbau vorbereitet. Im Hintergrund liegt das Dorf Finhaut. Im Vordergrund ist das Fundament des neuen, grün angestrichenen Mastes zu erkennen
Alle kleineren Bestandteile haben die Lebag-Männer längst abgebaut. Jene warten am Fuss des Leitungsmastes auf den Abtransport
An einem andern Leitungsmast sind die Lebag-Männer damit beschäftigt, unterhalb des obersten «Schusses» die Schrauben der diagonalen Kreuze zu lösen
Auch an einem dritten Alt-Mast arbeiten Lebag-Mitarbeiter in luftiger Höhe. Mitten im Mast haben sie ein Materialseil angebracht. Über eine Rolle lassen sich damit Werkzeuge hochziehen und demontierte Einzelteile absenken

Ortsbesichtigung. Zwei Flughelfer tauchen auf und begutachten zusammen mit Peter Ehrentraut die Situation: Wie präsentiert sich der Leitungsmast? Was ist schon fertig vorbereitet, und was bleibt noch zu tun?

Flughelfer Christoph, ausgerüstet mit Schutzkleidung und -ausrüstung sowie mit Funk und allerlei Werkzeugen, ist an der Spitze des Mastes angekommen. Ohne Teamarbeit geht auch an diesem ungewöhnlichen Arbeitsplatz nichts. Die Männer sind gut gesichert. Sie befestigen vier Stahlschlaufen. Rechts das Materialseil samt Rolle, links das rote Rettungsseil, das bei irgendwelchen Zwischenfällen zum Einsatz kommt
Die restlichen Teammitglieder können im Moment nichts machen. Vom Boden aus beobachten sie ihre Kameraden
Von Zeit zu Zeit helfen sie. Hier hieven sie die Stahl- und Nylonschlaufen über das Materialseil in die Höhe
Die Schlaufen werden festgezurrt. Aber noch bleibt viel zu tun, denn auch an den unteren «Schüssen» müssen solche Schlaufen angebracht werden
Die Vorbereitungen sind abgeschlossen. Der Super Puma nähert sich einem der Masten, wo hoch oben einige Flughelfer auszumachen sind. Jetzt ist Präzisionsarbeit angesagt. Die Routine von Pilot Justin Mattia ist Gold wert
Der oberste «Schuss» schwebt davon. Schon sind die Helfer damit beschäftigt, die Schlaufen des zweiten «Schusses» für den Abtransport vorzubereiten
An der Schräglage des Metallgerippes lässt sich erahnen, mit welchem Tempo der Super Puma arbeitet: Zeit ist Geld!
Ein weiterer «Schuss» fliegt davon. Der Helikopter bringt ihn zum Zwischenlager. Hier holt ihn der Alteisenhändler ab

Der Abbau von Leitungsmasten ist alles andere als eine Hau-Ruck-Übung. Die Lebag-Männer und die Fachleute von SAF International planen das Unterfangen bis in alle Details – und doch kann immer mal wieder ein Zwischenfall zu Verzögerungen führen: starke Niederschläge, heftiger Wind, technische oder auch organisatorische Probleme. CEO Daniel Stutz: «Wichtig ist es dann, nicht einfach nach einem Schuldigen zu suchen oder einen Umstand zu beklagen. Es geht vielmehr darum, sich einer neuen Situation zu stellen und entsprechende Lösungen umzusetzen.»

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Hemdsärmlige Männer wie Jogi

Im südwestlichen Ende des Kantons St.Gallen, im Taminatal, liegt das kleine Bergdorf Valens, rund sechs Kilometer Bergkurven von Bad Ragaz entfernt. Dort oben, direkt neben dem Stausee, steht das Kraftwerk Mapragg.

Es ist frisch an diesem Septembermorgen. «Die Sonne kommt um 11 Uhr», sagt Jogi, einer der Montagearbeiter vor Ort. Er muss es wissen, denn dort oben auf der Hebebühne ist er dem Himmel etwas näher. Überhaupt weiss Thomas Jordi, wie er richtig heisst, einiges. Zum Beispiel über Pumpspeicherkraftwerke, Linientrenner, Isolatoren und Netzwerkkabel. Er demontiert und montiert sämtliche Standbaukonstruktionen, die er von seiner Hebebühne ab- und festschrauben kann. Auch die Netzleitungen innerhalb der Anlage. Seit zwei Jahren ist er jeweils für ein paar Wochen in Valens und hilft beim Erneuern der Kraftwerkanlage.

Jogi ist Metallbauschlosser, hemdsärmelig, ein Mechaniker eben. Dass er für die Lebag seit 18 Jahren auch auf Freileitungsmaste steigt oder Holzstangenleitungen ersetzt, gehört zum Jobprofil. Angefangen hat er in der Industriemontage, in den Von Roll-Müllverbrennungsanlagen, hin und wieder war er als Gerüstbauer unterwegs. «Auf Jogi ist Verlass», sagt Bruno Müller, der Gruppenführer, «der weiss, was er macht». Das ist auch der Grund, warum die Axpo Thomas Jordi regelmässig bei der Lebag ausmietet. Wer auf wackligen Hebebühnen Schrauben an Isolatoren montiert, muss geübt sein. «Uns bleiben nur noch vier Wochen bis Projektende», ergänzt Müller. Dann fliesst wieder Strom durch die Freileitungen.

Von Turbinen und Pumpen
Die Erneuerungs- und Instandhaltungsarbeiten in Mapragg leitet das Energieunternehmen Axpo Power. Betreiberin sind die Kraftwerke Sarganserland, eine Tochtergesellschaft der Axpo. Bauherr ist der Schweizer Netzbetreiber Swissgrid. Mechanik und Hydraulik von diesem in den 70er Jahren erbauten Kraftwerk wurde nun schrittweise überholt. Die Arbeiten haben vor zwei Jahren begonnen. Bis Mitte Oktober wird auch die dritte und letzte Etappe fertig sein.

Das Kraftwerk ist mit dem 380-kV-Übertragungsnetz verbunden und produziert rund 311 Mio. kWh jährlich
Standbaukonstruktionen – Als Erstes werden Eisengerüste auf Betonelemente montiert
Anschliessend werden Linientrenner, T-Schalter, Wandler an die Eisgengerüste geschraubt
Es folgen weitere Elemente wie das Trapez
Bei der Feineinstellung werden die Aluminiumseile auf die passende Länge zugeschnitten
Am Schluss werden alle Metallteile geerdet
Gruppenführer Bruno Müller überwacht und koordiniert die Erneuerungsarbeiten

Das Pumpspeicherkraftwerk dient als Energiebatterie; zu Zeiten hoher Stromnachfrage gibt es gespeicherte Energie an das Stromnetz ab. Und so funktioniert’s: Zur Produktion von Energie dient das Gefälle zwischen den beiden Staubecken Mapragg und Gigerwald. Während der Spitzenverbrauchszeiten wird das im Stausee Gigerwald gespeicherte Wasser via Druckstollen zu den Turbinen im unterirdischen Kraftwerk und dann weiter in das tiefer liegende Ausgleichsbecken Mapragg geleitet.
Bei geringem Strombedarf wird hingegen das Wasser aus Mapragg zurück in den Stausee Gigerwald gepumpt. Auf diese Weise speichert das Kraftwerk Elektrizität.

Hemdsärmelige Männer sind gefragt
Spezialkomponente wie Isolatoren werden auf Anfrage produziert und termingerecht angeliefert. Gehen Komponente kaputt, dauert das Nachliefern von Ersatzmaterial mitunter bis zu acht Wochen. Jeder Tag, an dem das Kraftwerk nicht mit dem Übertragungsnetz verbunden ist, kostet. Das kann sich die Axpo nicht leisten.

Daniel Stutz, Geschäftsführer der Lebag, weiss um die Qualität seiner Mitarbeiter: «Unsere Netzelektriker und Schaltanlagenbauer sind erfahren und bestens geschult». Das hat einen hohen Wert.

Wie gut, dass es Firmen wie die Axpo gibt, die sich Qualität etwas kosten lassen. Zeit ist Geld. Und ab Mitte Oktober fliesst wieder Strom durch das 380-kV-Übertragunsnetz. Soviel ist sicher.

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Sicherheit für wetterfeste Burschen

Ein Netzmonteur stellt in luftiger Höhe sicher, dass die Leitung tatsächlich nicht unter Strom steht

Samstagmorgen, halb sieben Uhr. Die LEBAG-Männer haben sich vollzählig eingefunden. An diesem Wochenende geht es um ihre Sicherheit.

Die Dämmerung sollte längst in hellen Tag übergegangen sein, aber noch immer herrscht Zwielicht. Manchmal ein leichter Nieselregen. Die Männer stehen herum, einige in sich gekehrt und sinnierend, andere längst zum Witzeln aufgelegt. Bruno Achermann, der Baustellenverantwortliche, wirkt sachlich, ruhig. Ihm obliegt die Materialausgabe, er gruppiert die Männer zu fünf Dreierteams und weist ihnen die Leitungsmasten zu.

Heute und morgen sollen 34 Hochspannungsleitungsmasten zwischen Wangen an der Aare und Brislach nachgerüstet werden. Hintergrund dafür ist eine neue Vorgabe des ESTI (Eidgenössisches Starkstrom-Inspektorat). Diese verlangt eine Garantie für den gesicherten Auf- und Abstieg – aus jeder beliebigen Masthöhe zu jedem Zeitpunkt und aus eigener Kraft. Letztlich sind die LEBAG-Männer heute Samstag und morgen Sonntag also in ihrem ureigensten Interesse zur Arbeit gekommen; die Vorrichtungen, die sie an den Masten montieren, dienen ihrer persönlichen Sicherheit.

Sicherheit vor allem
Projektleiter René Umher und Markus Schwob – er hat die Baustellenaufsicht – haben sich auf dem Platz eigefunden. Sie vertreten die Auftraggeberin, die Industriellen Werke Basel IWB. Es handelt sich hier um ein Teilstück einer Leitung, welche die Stadt Basel mit Strom versorgt. Am Wochenende ist es problemlos möglich, diese eine Leitung vom Strom zu nehmen. An Werktagen wäre das problematisch; deshalb arbeiten die Männer Samstag/Sonntags.

Daniel Stutz, Geschäftsleiter der LEBAG, ist ebenfalls auf dem Plan. Er begrüsst seine Leute, vergewissert sich über den guten Gang der Dinge und unterzeichnet dann den Projektauftrag. René Umher stellt sich vor die Leute, spricht nochmals die wesentlichsten Punkte der auszuführenden Arbeiten an und mahnt, dass Sicherheit und korrekte Ausführung vor hohem Arbeitstempo stehen. Jeder Einzelne unterschreibt eine entsprechende Vereinbarung. Dann gehts los, ab ins Gelände. Ohne viel Aufhebens. Professionell. Die Männer wissen, was ansteht.

Daniel Stutz, Geschäftsleiter Lebag, unterzeichnet den Projektauftrag
René Umher, Projektleiter IWB, erläutert vor Arbeitsbeginn noch einmal die wesentlichsten Aspekte des Projekts
Bereits zu einem früheren Zeitpunkt haben Mitarbeiter der Lebag die Absturzsicherung im unteren Teil der Masten angebracht (hell glänzende Schiene)
Die Absturzsicherung besteht im Wesentlichen aus drei Elementen: einer gelochten Schiene aus eloxiertem Aluminium, einem Paar Steigschuhen und einem Auffanggerät mit Sicherungshaken
Idealerweise besteht ein Montageteam aus zwei Monteuren im Mast und einem Mann am Boden
 
Der Monteur fixiert ein weiteres Schienenstück
Kaum ist ein Schienenstück fixiert, nutzt es der Monteur für den weiteren Aufstieg

Arbeit in luftiger Höhe
Hoch oben, vielleicht 20 Meter über Grund, sind zwei Netzmonteure bereits mit der Kontrolle und der Sicherung der Leitungsseile beschäftigt. Wehe, wenn sie aus irgendeiner Ursache wieder unter Strom stünden! Die Männer fixieren die Erdungsstangen und wenden sich dann der Montage des Absturz-Sicherungssystems zu. Dieses besteht aus einer eloxierten, mit einem goldgelben Farbstoff beschichteten Aluminiumschiene. Die darin eingestanzten Löcher ermöglichen einen raschen und problemlosen Auf- und Abstieg. Der Monteur stellt sich auf fest mit der Schiene verbundene, aber sehr leicht bewegliche «Schuhe» und sichert sich mittels eines Karabinerhakens mit dem Auffanggerät, das ebenfalls zum System gehört.

Das nächste Schienenstück wird vom Boden aus hochgehievt, dazu die notwendigen Befestigungsbügel. Es fällt kaum ein Wort. Jeder kennt seine Aufgabe. Das nächste Schienenstück, bitte.

Berufsstolz der Netzmonteure
Inzwischen fällt wieder etwas Regen. Niemand nimmt Notiz davon. Bruno Achermann sagt: «Das sind alles wetterfeste Burschen. Es ist ein Teil ihres Berufsstolzes, dass sie sich nicht so leicht durch äussere Bedingungen von ihrer Arbeit abbringen lassen. Nur Eis und Sturm setzen Grenzen.» Er richtet den Blick nach oben. Und schweigt. Die Arbeit nimmt ihren Fortgang.

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560 Tonnen Material im Tour-Gewühl?

Wussten Sie, dass die Lenzburger Leitungsbau-Firma Lebag AG im Wallis beinahe die Tour de France torpediert hätte? – Ein Augenschein vor Ort.

Am Tag, als die Welt in diesem Walliser Seitental wegen der Tour de France Kopf stand, besuchten wir die Standorte, wo die Firma Lebag ihr Material für eine neue Hochspannungsleitung lagert. Wir wollten uns selber ein Bild machen von dem ursprünglich vorgesehenen Lagerplatz für all die Einzelteile von Hochspannungsmasten. Bei der Auftragsvergabe hatte die Swissgrid der Firma Lebag einige Lagerplätze zugewiesen, die an sich schon äusserst knapp bemessen waren, sich aber angesichts der bevorstehenden Durchfahrt der Tour de France mit all dem Menschenauflauf als völlig unhaltbar erweisen sollten. Rechtzeitig war das Lebag-Team unter Geschäftsleiter Daniel Stutz darauf aufmerksam geworden und hatte sich um einen Ausweichplatz bemüht. – Und ja, unsern Besuch wollten wir genau an diesem Tag machen, am 20. Juli, als die 17. Etappe der Tour de France von Bern über den Col de Mosses nach Martigny führte und von dort hinauf zur Staumauer des Lac d’Emosson.

Kopfvoran in den Abgrund
Erste Station ist die Gemeinde Salvan, vielleicht vier Kilometer nordwestlich von Martigny, über eine recht abenteuerliche Strasse zu erreichen. Hier hat sich die Arbeitsgemeinschaft, die für die neue Hochspannungsleitung verantwortlich zeichnet, ihren Werkhof eingerichtet. Wir sind früh dran: Die Mastmonteure stehen auf dem Platz und warten auf den Helikopter. Kräftige, sonnengebräunte Männer sind es. Unerschrocken und vor allem schwindelfrei müssen sie sein. Ihre Arbeitsorte sind zu Fuss kaum erreichbar oder nur mit einem unverhältnismässigen Zeitaufwand. Dort erklettern sie die Skelette der Masten, steigen auf 20, 30 und mehr Meter über dem Boden hoch und noch viel höher über dem Abgrund. Hier montieren und schrauben sie, unbeeindruckt von den Tiefen um sie herum. Sie tragen zwar alle einen Helm, und sie sind gesichert. Aber trotzdem …

Auf dem Werkplatz sind Hunderte von Einzelteilen gelagert, die für den Bau der Masten notwendig sind. Tarngrün beschichtete Metallteile, die meisten zu einem stabilisierenden L-Profil geformt. Kleine und grosse, lange und kürzere. Daneben ergänzendes Kleinmaterial in Kisten: Schrauben, Unterlagsscheiben, Rollen, handgrosse Verbindungsplatten mit vorgebohrten Löchern für die Schrauben. Dann allerlei Gerätschaften, die für die Montage gebraucht werden, und da, seitlich, eine ganze Anzahl Kabelrollen mit den noch aufgewickelten Leitungsseilen. Die Teile sind nicht einfach möglichst platzsparend aufgetürmt. Die Lagerung muss einer Logik entsprechen: Was zuerst gebraucht wird, muss problemlos greifbar sein.

Der Heli nähert sich, macht eine halsbrecherische Kurve und setzt zur Landung an. Die Männer steigen ein, und weg gehts, kopfvoran in die steile Talschlucht hinunter. Keine Umwege; Zeit ist Geld!

Im Werkhof der Firma Lebag lagern bereits die mächtigen Seilrollen
Das Leitungsseil hat einen Querschnitt von 8 cm
Ein Arbeiterteam wartet auf den Heli. Er fliegt die Männer zu ihrem sonst kaum zu erreichenden Arbeitsplatz
Lebag-Geschäftsleiter Daniel Stutz (links) bespricht sich mit seinem Vorarbeiter Joao
Heiri (gelber Helm), der Werkhofleiter, schaut dem Treiben skeptisch zu
Bevor die Materiallasten dem Helikopter angehängt werden, ermitteln die Männer das genaue Gewicht
Teamarbeit
Hier werden Signalkugeln verpackt. Sie sollen besonders Helikopterpiloten auf die Gefahr von Leitungsseilen aufmerksam machen
Der Heli sticht auf furchterregende Weise in die Schlucht hinunter
Viele der Einzelteile werden bereits vor der Endmontage noch auf dem Werkhof provisorisch zusammengeschraubt
Die Monteure benötigen für ihre Arbeit jede Menge Kleinmaterial
Der alte Mast (hinten) wird demontiert, weil er zu schwach gebaut ist für die neuen Leitungsseile und schon in die Jahre gekommen ist. Vom neuen Mast stehen bereits das Fundament und der Unterbau
Die Komponenten der neuen Leitungsmasten liegen auf ihrem neuen Lagerplatz
Der Unterbau eines Mastes ist fertig
Einer der ursprünglich vorgesehenen Lagerplätze für die Mast-Einzelteile. Am 20. Juli ist er dicht besetzt von Tour-Fans und ihren Fahrzeugen
Lebag-Geschäftsleiter Daniel Stutz (rechts) und Peter Belart im Gespräch über das Bauvorhaben

Camping am Strassenrand
Zweite Station: Die Gemeinde Trient unweit des Stausees. Unterwegs zeigt uns Daniel Stutz die ursprünglich vorgesehenen Lagerplätze. Sie sind flächenmässig an der untersten Grenze dessen, was überhaupt noch vorstellbar wäre. Heute sind sie aber vollständig belegt von Tour-Fans mit ihren Fahrzeugen, meist Campern. Auch Zelte sind da aufgebaut. Offensichtlich haben die Leute hier übernachtet. Und Picknicktischchen und Fahnenmasten und Spieltische und alles, was zu einem gemütlichen Happening gehört. Camping total am Strassenrand!

Bevor wir uns den Randerscheinungen der Tour de France zuwenden, steht ein Abstecher zu zwei, drei Mastpositionen an. Zu denen gelangen wir auch ohne Heli. Nahe bei einem Waldweg, aber doch noch in sehr steilem Gelände haben Tiefbauer die Fundamente und die Verankerungen vorbereitet. Auch die unterste, individuell gestaltete Mast-«Etage» ist bereits aufgebaut. Nun kann der Aufbau weiter vorangetrieben werden. Es ist Präzisionsarbeit, die hier geleistet wird, zwingend. Sonst ist die ganze Mast-Statik im Eimer.

Im Abseits
In Trient angekommen, fahren wir zu einer etwas abseits gelegenen, lang gezogenen, gemähten Wiese: dem alternativen Lagerplatz. Schon von weitem erkennen wir das Lebag-Material. Es nimmt viel Raum ein, denn auch hier unterliegt alles einer strengen Logik. Jedem Mast ist ein eigener, in sich wiederum streng geordneter Lagerplatz zugewiesen. Zusätzlich ist ein Freiraum für die Vormontage einzelner Elemente reserviert, die dort oben, auf luftigem Arbeitsplatz, kaum oder gar nicht zusammenzufügen wären.

Einige Männer sind am Abladen, am Stapeln, am Vormontieren. Ein Mitarbeiter mahnt uns: «Nicht darauf klettern! Bitte passen Sie auf.» Zum Glück liegt all das nicht am Rande des Tour-Parcours. Die Ausflügler, die Hard-Core-Fans, sie hätten sich ganz bestimmt die besten Aussichtsplätze auf den Stapeln gesichert, Unfallhaftung hin oder her.

«So, und nun führen wir uns die Tour de France zu Gemüte», sagt Daniel Stutz nach einer Weile. Noch ein Schluck aus der Flasche, dann folgt des Abenteuers zweiter Teil. – Doch das ist dann eine andere Geschichte.

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Der Berg ruft

Mittwoch, 20. Juli. Die Tour de France im Wallis. Zielankunft auf rund 2000 Metern, auf der Staumauer des Lac d’Emosson. Es ist heiss, richtig heiss. Und es soll heute noch heisser werden. Da verwundert es nicht, dass viele Rad-Amateure schon in den frühen Morgenstunden unterwegs sind. Alle in derselben Richtung, als läge dort oben das Schlaraffenland.

Die Fahrstile könnten unterschiedlicher nicht sein: Zwischen nach Krampf schmeckendem Hin-und-her-Wippen bis hin zu geschmeidigem, fast anstrengungslos erscheinendem, rundem Treten, und da sind sogar einige Flyer zu entdecken. Doch etwas haben sie alle gemeinsam: Kein Blick nach links oder rechts; hinauf, nur immer hinauf geht ihr ganzes Streben. Männer, Frauen, Alte, Jugendliche, selbst einige Kinder – hinauf, hinauf!

Um die Mittagszeit hat der Radfahrer- und Fussgängerstrom schon markant zugenommen. Wir hatten zwar von der magischen Anziehungskraft der Tour gehört, aber so hatten wir es uns denn doch nicht vorgestellt. Ein nie abreissender Fluss, den es entgegen aller physikalischen Gesetze bergauf zieht – der Berg ruft!

Nationalflaggen, Aprikosen und ein Wikinger
Wir sind zu Fuss unterwegs, natürlich auch bergauf. Am Strassenrand ein Camper am andern. Aus halb Europa sind sie angereist, die Tour-Fans, aus Frankreich, Deutschland, Belgien, Italien, Slovenien, Spanien, Tschechien, Grossbritannien, aus Lichtenstein und natürlich aus der Schweiz, dazu verblüffend viele aus Norwegen – ein europäisches Stelldichein, ein grenzenloses Happening. National- und Provinzfahnen sind aufgespannt, Leibchen werden gleich neben Walliser Aprikosen zum Verkauf angeboten. Ein besonders Geschäftstüchtiger präsentiert eine grosse Auswahl an Getränken, die Flaschen in Eisstückchen gelagert.

Hinauf, hinauf! Ein freundlicher älterer Spanier wechselt einen Gruss: «Hola!» – «Hallo!» Weiter gehts. Die leicht übergewichtige Dame am Picknicktischen nickt uns zu und deutet ein Winken an. Ein paar Schritte weiter vier Männer, ins Kartenspiel versunken, und daneben dösen sie immer noch im Zelt. «Sie sind aus Norwegen angereist?» – «Ja, wir waren eine Woche in Spanien und haben die Rückfahrt so eingerichtet, dass wir hier frühzeitig einen guten Standplatz beziehen konnten.» – «Und worin besteht der Reiz für sie? Rein sportlich ist bei einem Strassenrennen doch fast gar nichts zu sehen: Sssssst – und vorbei sind sie!» – «Ja, da haben Sie Recht. Es geht uns vielmehr um das ganze Drumherum, um das Volksfest, um die Ambiance, ausgerichtet auf den einen Moment, in dem das Maillot jaune vorbeifährt.» – «Aber Ihre Landsleute unterstützen Sie gewiss nach Kräften.» – «Logisch! Wir haben ja auch deren Namen auf den Asphalt geschrieben.» Zwei in ihre Landesfahnen gehüllte Kolumbianer gehen vorbei. Dahinter zwei Schweizer, von der Perücke bis zu den Sohlen vollständig Rot-Weiss. Ein Wikinger müht sich bergauf. Alles lacht. So heiter der Himmel, so vergnügt und ausgelassen die Menschen.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Die Spannung steigt
Da oben auf dem kleinen Wiesenstück haben wir einen guten Überblick. Nur die Ameisenfamilie, deren Heim wir «besetzen» – wörtlich! –, zeigt sich not amused. Ein Alphorn-Quintett pustet sich die Seele aus dem Leib. In etwas holperigem Gleichschritt, ihre Instrumente aufs Gröbste malträtierend, passiert eine Guggenmusik aus Martigny.

Da geschieht etwas Merkwürdiges. Ohne erkennbaren Grund beginnt sich die Strasse zu leeren. Die Menschen postieren sich hinter den Abschrankungsgittern, die noch kurz vorher niemanden beindruckt haben. Die Spannung steigt. Der Geräuschpegel geht ganz leicht zurück. Motorräder rauschen vorbei, die Blaulichter und die Signalhörner angestellt. Der Tour-Tross nähert sich.

Zwei Dutzend gewaltige, topp moderne Mannschaftsbusse. Dahinter zahllose Reklamefahrzeuge, fantasievoll gestaltet als Picknickwiese, als brütende Gluggere, als überdimensionierter Pneu, als gigantische Madeleine, als Familie Mickey Mouse. Give-aways fliegen ins Publikum, Probiererli und Dächlikappen und allerlei Müschterli, vom Reinigungsmittel bis zum Kugelschreiber. Die Leute stürzen sich drauf wie Geier.

Noch mehr Motorräder, Polizei, Kamerateams. Hubschrauber lärmen am Himmel. Und da nähert sich, gleich der La-Ola-Welle im Fussballstadion, ein Brausen, ein akustischer Tsunami. Kein Zweifel: Die ersten Fahrer kommen! Die Menschen klatschen, rufen, johlen, feuern an, brüllen, toben, schwenken Fahnen, betätigen Luftdruck-Hörner – eine riesige Schall-Schlange wälzt sich den Berg hinauf. Und mittendrin die Fahrer. Es ist absurd: Sie gehen fast unter in all dem Krawall und Getriebe. In Zweier- und Dreiergruppen tauchen sie auf, die Leibchen weit offen, klatschnass vom Schweiss, den Blick geradeaus, scheinbar unbeeindruckt von all dem, was da um sie herum passiert. Keiner nickt, keiner lächelt, keiner hebt einen Finger zum Gruss. Sie sind in einer andern Welt.

Mit dem Tunnelblick
Was mag in diesen Sportlern vorgehen? Freuen sie sich über den gewaltigen Aufmarsch, über die Anfeuerungsrufe? Ärgern sie sich über den ganzen Lärm? («Lasst mich doch einfach in Ruhe zum Ziel hoch fahren.») Nehmen sie – mit dem Tunnelblick unterwegs – das alles gar nicht wahr?

 
17. Etappe der Tour de France
 
 
 
 

Der Lärm schwillt an. «Bravo, bravo!, hopp, hopp, hopp!» Das gelbe Tricot des Gesamtersten war eben einen kurzen Moment zu sehen. Irgendwie unwirklich: Radfahrende Marionetten eines gigantischen Werbe- und Unterhaltungsspektakels. Kaum auszumachen sind sie, um die es eigentlich geht. Sie strampeln sich die Seele aus dem Leib, und einzelne von ihnen verdienen auch ganz schön dabei. Das grosse Geschäft aber machen andere, die irgendwo diskret im Hintergrund bleiben.

Das Spektakel ist aus. Wir pusten durch und klettern von unserer kleinen Wiese wieder ins Dorf Finhaut hinunter. Als hätte er sämtliche Schleusen geöffnet, schickt der Stausee die Menschenmassen wieder talwärts.

Mensch, habe ich einen Durst!

Weitere Artikel: Wie die Lebag AG, eine Lenzburger Leitungsbau-Firma mit ihren 560 Tonnen Material im Wallis beinahe die Tour de France torpediert hätte.

Wohin bitte mit den 560 Tonnen?

Bau einer neuen Hochspannungsleitung mit Tücken

Da gibts kein Pardon: Der Tour de France muss sich alles beugen. Auch die Lenzburger Leitungsbaufirma Lebag.

Die Geschichte beginnt ganz harmlos. Die nationale Netzgesellschaft Swissgrid vergibt an die Firma Lebag einen schönen Auftrag. Erfreulich! Es geht um den Ausbau einer Hochspannungsleitung im Wallis, und zwar zwischen Martigny und dem etwa 10 Kilometer westlich gelegenen Stausee Lac d’Emosson. Klar, das Gelände ist dort ziemlich stotzig und ghögerig, aber das ist zu schaffen.

Zugegeben, ein paar kleinere Probleme sind da schon zu lösen. Da ist zunächst die Sache mit der bereits bestehenden Leitung, die ja unter Strom steht. Wie genau machen wir das, ohne dass sich die beiden Leitungen – die bestehende und die neue – in die Quere kommen? Wann gibt es für den Heli ein Zeitfenster für den Transport der schweren Einzelteile? Und wie muss er fliegen, wenn kein Unfall entstehen soll? Du kannst ja den Stromfluss nicht wochen- und monatelang unterbrechen.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Guter Rat gefragt
Und dann die Frage des Lagerplatzes. Für die 14 Masten des Lebag-Loses müssen um die 560 Tonnen Material irgendwo in der Nähe des Bauplatzes zwischengelagert werden. Vorsorglich hat die Swissgrid einige Ausweichstellen in Strassennähe dafür vorgesehen, knapp bemessen zwar, aber doch so, dass es eventuell genügen sollte. Allerdings sind einige der Einzelteile für die Strommasten zehn und mehr Meter lang. Passen die auf jenen doch eher niedlich anmutenden Parkplatz?

Und eben: die Tour de France! Ausgerechnet am 20. Juli wird genau hier die Tour de France erwartet. Und das bedeutet nicht nur, dass etwa 150 Velorennfahrer durchstrampeln. Nein, der ganze riesige Begleittross wälzt sich an diesem Datum von Bern kommend den Berg hoch. Martigny liegt auf 500 Meter über Meer; der Lac d’Emosson auf knapp 2000 Meter. Dort oben ist das Etappenziel. Und eines wollen wir hier klarstellen: Es ist keine sechsspurige Autobahn, die von Martigny zum Stausee hinauf führt, sondern eine zwar geteerte, aber doch knapp bemessene Strasse mit einigen netten Haarnadelkurven.

So, jetzt machen wir uns doch das Vergnügen und stellen uns vor, wie dieses Unterfangen ausgehen könnte, wenn sich da noch eine ganze Menge Lebag-Stangen am Strassenrand stapeln, gnadenlos erklettert und besetzt von Radsport-Fans. Und da kommen sie, all die mehr oder weniger breiten Werbe- und Begleitfahrzeuge, die Motorräder, die Personenwagen für das Journalistenheer. Kein Platz links, kein Platz rechts, und Tausende von Zuschauern am Strassenrand, jubelnd, fuchtelnd, mitlaufend. Was ist, wenn sich eine der Stangen ein wenig verschiebt oder gar vom Stapel fällt? – Horror!

Die Auftraggeber waren definitiv allzu optimistisch in ihrer Planung. Metallgestänge am Strassenrand? Und das am 20. Juli? Und ausgerechnet der grösste all der kleinen Lagerareale sollte zugleich noch als Parkplatz für Tour-Fahrzeuge herhalten! Undenkbar! Zum Glück erkannte Daniel Stutz, Geschäftsleiter Lebag, die Brisanz der Situation rechtzeitig. Nach einem sehr ernsthaft geführten Gespräch mit dem zuständigen Vertreter des Walliser Tiefbauamts war klar: Jetzt ist Kreativität gefragt.

Kurzum – es blieb nichts anderes übrig, als auf die Suche nach einem andern Lagerplatz für das ganze Material zu gehen. Und es soll ja tatsächlich vorkommen, dass es das Schicksal mal gut mit einem meint: Die Lebag darf jetzt einen viel geräumigeren Platz belegen, und zwar in der Ortschaft Trient, in unmittelbarer Nähe der Arbeitsplätze der Leitungsmonteure.

Na also, so sind denn alle zufrieden: die Swissgrid, die Lebag, die Tour-Verantwortlichen, die Fahrradfahrer, die Herrschaften vom Walliser Baudepartement und – jene Landbesitzer in Trient, die ihr Wiesenstück zur Verfügung gestellt und sich damit eine Entschädigung gesichert haben. Was wollen wir mehr?

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Hochspannung mit Lebag-Mann Altun

Hochspannung wortwörtlich beim Besuch des Unterkraftwerks Lenzburg

Er ist fast zwei Meter gross, breit und kräftig gebaut. Aber er wirkt trotz seiner Dimensionen sanft und verbindlich. Sein Name klingt für unsere Ohren fremd: Altun Sijaric. Doch er ist ein waschechter Schweizer. Vielleicht waschechter als viele, die sich dafür halten.

Um 16 Uhr haben wir uns beim Unterwerk Laufenburg verabredet: ein ausgedehntes Areal mit zahlreichen Isolatoren, Kabelsträngen und weiteren Hochspannungsanlagen. Ein Hotspot der Energiewirtschaft. Eine Schlüsselstelle der Stromeinspeisung, auch für das benachbarte Ausland.

Altun Sijaric steht um 15.56 Uhr dort. «Bitte folgen Sie mir.» Das eiserne Tor öffnet sich wie von Geisterhand. Wir betreten die weitläufige Anlage. Auch als Laie erahnt man die Bedeutung dieses Ortes, die Präsenz unerhörter elektrischer Kräfte. Sijaric sagt: «Erschrecken Sie nicht, wenn es knallt. Das kommt hier schon mal vor.» Ich verstehe nicht recht. Weshalb sollte es knallen? Daniel Stutz, Geschäftsführer der Firma Lebag, erklärt die technischen Voraussetzungen, unter denen es zu einem Knall kommen kann. Ehrlich gesagt verstehe ich nicht alles. Aber egal, ich bin jetzt gefasst.

Ein Teil des Unterwerks Laufenburg
ein Teil des Unterwerks Laufenburg
 
Die fabrikneue gasisolierte Schaltanlage. Das isolierende Gas befindet sich in den stehenden, zylinderförmigen Anlageteilen
das isolierende Gas befindet sich in den stehenden, zylinderförmigen Anlageteilen
Die von Altun verlegten Kabelstränge im Keller der Schaltanlage.
die von Altun verlegten Kabelstränge im Keller der Schaltanlage

Gas statt Luft
Altun Sijaric hat seinen Arbeitsplatz für längere Zeit hier im Unterwerk Laufenburg. Die ganze Anlage soll modernisiert werden. Die Swissgrid als Betreiberin hat entschieden, die ganzen Freiluftelemente auf den neusten technologischen Stand zu bringen. Das heisst: Verzicht auf Luftisolation und stattdessen Isolation der Anlageteile mit einem dafür geeigneten Gas. Das erlaubt eine sehr viel kompaktere Schaltanlage, die in einem neuen Betonbau untergebracht und damit weniger störungsanfällig ist.

Altun stellt klar: «Mit der Schaltanlage selbst habe ich nichts zu tun. Sie wurde direkt von den ABB-Leuten montiert. Ich bin für die Leitungen zuständig.» Er öffnet die Tür des Gebäudes. Im Innern, leuchtend rot bemalt, die sogenannte gasisolierte Schaltanlage GIS (Gas Insulated Switchgear). «Ich arbeite völlig selbständig», sagt der junge Mann. «Ich bin mein eigener Chef. Genau das macht für mich den Reiz aus.» ­– Also ehrlich: Diese Verantwortung möchte ich nicht tragen! Wenn hier etwas schief läuft, hört der Spass auf.

Altun geht voraus in den Keller. Puah! Da winden sich armdicke, schwarze Leitungen durch den Raum. Aus Löchern in der Decke kommen sie herunter und verschwinden rechts in den dafür vorgesehenen Beton-Aussparungen. Etwas seitlich liegt ein vielleicht 30 Zentimeter kurzes Reststück. «Darf ich das hochheben?» – «Tun Sie sich keinen Zwang an.» Mit einer Hand allein schaffe ich es nicht. Dieser unbedeutende Abschnitt ist zu schwer für mich. Wie bitte hat es Altun geschafft, zwanzig bis vierzig Meter lange Kabel dieses Typs in den Kellerraum zu zwingen, einen Kurvenradius hinzubekommen und alles erst noch optisch ansprechend zu fixieren? Altun wirkt völlig gelassen: «Ja, Genauigkeit und Sorgfalt haben hier einen extrem hohen Stellenwert. Es gibt Arbeitsschritte, die keinerlei Hast vertragen. Schon ein Kratzer kann innert weniger Monate zu einem fatalen Störfall führen.»

Einer der Besten
Altun ist gelernter Netzelektriker, eine Lehre, die er beim Bündner Energieunternehmer Repower absolviert hat. Dann reizte ihn das Grössere. Im Internet stiess er auf die Lenzburger Firma Lebag, Freileitungs- und Kabelbau. Er machte sich über die Website schlau, studierte die Bilder, die Baustellen und erhielt den Eindruck, dass hier immer wieder neue, anspruchsvolle Arbeiten anstehen. Nun ist er seit sechs Jahren bei Lebag, hat schon verschiedentlich im Ausland gearbeitet, in Deutschland, Italien, Frankreich und sogar in den USA. Seine Qualifikationen befähigen ihn zu so verantwortungsvollen Aufgaben, wie jenen, die er in Laufenburg lösen muss.

Daniel Stutz fügt an: «Altun gehört zu unseren Besten. Er hat sich in der Szene schon einen hervorragenden Namen gemacht. Das ist für die Akquisition von neuen Aufträgen von grösster Bedeutung.»

Wir verlassen das Areal. Altun verabschiedet sich mit einem festen Händedruck.

Übrigens: Es hat nicht geknallt.

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