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Die neue Welt der Generation Y

Berufskarriere? – Muss nicht sein. 20’000 Franken mehr Lohn? – Muss nicht sein. Ausgewogene Work-Life-Balance? – Ja, unbedingt! Und ein gut funktionierendes Team. Und eine sinnvolle Arbeit, die Spass macht. Und viele interessante Weiterbildungsmöglichkeiten. – Studien zeigen auf: So tickt ein grosses Segment der Generation Y.

Generation Y, das sind Menschen mit Jahrgang 1981 bis 1995. «Y» wird englisch «wy» ausgesprochen. Phonetisch liegt die Ähnlichkeit mit «why» (= warum?) nahe. Man bezeichnet diese Menschen deshalb auch als «Sinnsucher».

«Sinnsucher» passt gut zu dieser Generation und ihrer Einstellung zum Beruf. Gefragt sind individuelle, flexible Arbeitszeiten, mehr Freizeit am Stück, familienfreundliche Rahmenbedingungen. Da ist es nur logisch, dass der Anteil an Teilzeitmitarbeitenden in fast allen grösseren Schweizer Firmen prozentual markant zunimmt. (Tages-Anzeiger vom 8.1.2017) Selbst auf der Chefetage. Dort sogar weit überdurchschnittlich. Der Anstieg betrug in den letzten zehn Jahren 42 Prozent! – Relevante Erkenntnisse, denn bis im Jahr 2020 macht die Generation Y einen Drittel der Bevölkerung aus.

Bereits heute reagieren viele Firmen mit extrem flexiblen Anstellungsmodellen. Mitarbeiter der Bern-Lötschberg-Simplon-Bahn können Überzeiten für ein Sabbatical  ansparen und  vermehrt zu Hause im Homeoffice arbeiten. Noch weiter geht die Fin-Tech-Firma Advanon: Sie bezahlt ihren Mitarbeitern zwei Wochen Ferien inklusive Flug, das Verkehrsabo und den Wäscheservice – und nach fünf Jahren eine Weltreise. Hinzu kommen das kostenlose Frühstück am Arbeitsplatz, unbegrenzte Ferientage und weitere Vergünstigungen. Erstaunlicherweise reizt niemand vom Team diese Angebote über Gebühr aus.

Das Konsumverhalten der Generation Y folgt dem Motto «teilen statt konsumieren». Sie bevorzugt Carsharing, bildet Fahrgemeinschaften, beteiligt sich an privaten Tauschbörsen, beansprucht private Zimmervermietung, betreibt Crowdfunding. Persönlicher Besitz ist kaum interessant.

Generation Y – kennenlernen lohnt sich! Eine Annäherung ermöglich das Forum Fokus Ethik in Thun.

Generation Y im Fokus
Das Forum Fokus Ethik Thun befasst sich am 7. April von 13.00 bis 15.30 Uhr mit Digital Natives, zu denen die Generation Y zählt. Moderiert wird der Nachmittag von der bekannten Medienfrau Sonja Hasler («Tagesgespräch», «Rundschau», «Arena», «Persönlich»). Namhafte Persönlichkeiten machen sich Gedanken über die folgenden drei Themen:

  • Die Wahrheit über Social Media: ein Versuch zu verstehen» (Renato Kaiser, Spoken-Word-Künstler, Comedian, Satiriker, Autor)
  • Digital Native erklärt seine Generation (Philipp Riederle, Autor, Unternehmensberater)
  • Digital Natives (Petra Rohner, Dozentin, E-Commerce-Ombudsfrau/Philipp Riederle, Autor, Unternehmensberater/Philippe Wampfler, Autor, Dozent)

Die Veranstaltung ist öffentlich. Anmeldungen bis spätestens am 31. März über die Website fokusethik.ch/anmeldung.

Stimmen zum Public Talk «Digital Natives»

Philippe Wampfler, Autor, Dozent

Jugendliche haben genaue Vorstellungen von Kommunikation und setzen sie digital oft sehr gekonnt und kreativ um. Dieses Bild fehlt in der Öffentlichkeit, weil die Herausforderungen der digitalen Kommunikation oft sehr einseitig dargestellt werden.

Renato Kaiser, Spoken-Word-Künstler (Foto: Johanna Bossart)

Es geht um meine Erfahrungen, die ich mit Social Media mache, vor allem seit ich mit meinen Videos eine relevante Reichweite erziele. Das heisst: Was bringt mir Social Media? Wie viel trägt es zum Erfolg bei? Muss ein Künstler mittlerweile aktiv auf Social Media sein? Wie sind die Reaktionen? Was macht man aus den Reaktionen? Wie geht man mit Hasskommentaren um? Sind Muster zu erkennen? Wie reagieren Männer? Wie reagieren Frauen? Alt oder jung? Und die Frage aller Fragen: Wie nah ist Social Media an der Realität? Ich bin seit etwa einem Jahr mit diesen Fragen konfrontiert und versuche zu verstehen. Zum Beispiel, warum viele Leute nicht damit klarkommen, dass ich ein Muttermal unter der Augenbraue habe und St. Galler Dialekt spreche.

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Verleumdung als Kampfmittel

«Lügenpresse» meint eine destruktive journalistische Grundhaltung, die vor allem in Kriegszeiten den Gegner diffamiert. Wer von «Lügenpresse» spricht, versteht sich als ihr Opfer. Nicht zu verwechseln mit «Fake News», bewusst gestreuten Falschinformationen. Aufgepeppt mir reisserischen Schlagzeilen, möglichst schnell und weit verbreitet. Mit der Absicht, politische oder finanzielle Vorteile zu erzielen.

«Lügenpresse halt die Fresse!» – Welch gelungenes germanistisches Spracherzeugnis! Ein Poem von berauschender Qualität, ein Kunstwerk von geschmeidiger Eleganz und einem Vokabular, das jedem Klassiker zu Ehren gereicht hätte. Chapeau! – Eine Zeitlang erschienen die drögen Pegida-Typen regelmässig am Fernsehen und blafften in Endlosschlaufen ihre Hetzparolen in die Kamera. Bis ihnen der Schnauf ausging.

Seit Beginn des 21. Jahrhunderts wird der Begriff «Lügenpresse» – zumal in Deutschland – vorrangig von rechtsextremen und rechtspopulistischen, fremdenfeindlichen und islamophoben Kreisen verwendet. Die Konsequenz von «Lügenpresse» besteht für sie in Gewaltandrohung und tatsächlicher Gewalt gegen Journalisten. Der sächsische NPD-Politiker Andreas Storr sagte zu den Zielen seiner Partei: «Die Redaktionsstuben der Lügenpresse lahmlegen und besetzen – das wird unsere erste Aufgabe sein.» – Haben wir nicht solche Gedanken in jüngerer Vergangenheit schon vom Gröfaz (grösster Feldherr aller Zeiten) und seiner Entourage zu hören bekommen? Mit den bekannten desaströsen Folgen!

Gift und Galle
Der Begriff «Lügenpresse» – er wurde zum Unwort des Jahres 2014 gekürt – reicht zurück bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts. Immer in Kriegszeiten machten die Mächtigen ausgiebigen Gebrauch davon. Im Deutsch-Französischen Krieg war die Rede von der «französischen Lügenpresse». Im Ersten Weltkrieg hiess es: «Als vierte Grossmacht [neben Frankreich, England und Russland] hat sich gegen Deutschland die internationale Lügenpresse erhoben, überschüttet die Welt mit Lügen gegen unser herrliches und sittenstrenges Heer und verleumdet alles, was deutsch ist.» Die Nazis geiferten gegen die «jüdisch-marxistische Lügenpresse». Mitten im Kalten Krieg gehörte die «kapitalistische Lügenpresse» zum alltäglichen Wortschatz der DDR-Grössen.

Und jetzt also die Pegida-, AfD- und NPD-Kohorten, denen nichts ferner ist als die objektive Wahrheit. Sie unterstellen den Medien, systematisch «nicht wahrheitsgemäss» zu berichten. «Wahrheitsgemäss» nach der Vorstellung der Rechten hat allerdings wenig mit Ausgewogenheit, effektiven Fakten und vertrauenswürdigen Quellen zu tun. Es geht vielmehr darum, das Vertrauen in die Medien generell zu schwächen. «Seriöse Quellen? – Braucht kein Mensch.»

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Sprachsümpfe allenthalben
Man hüte sich davor, die Intelligenzija der «Lügenpresse»-Brüller allein in Deutschland zu orten! Herr Trump führt uns fast täglich die internationale Dimension dieser Haltung vor Augen. Einer seiner glühendsten Anhänger, der amerikanische Neonazi Richard Spencer, griff den Germanismus «lugenpresse» auf und kritisierte einen allzu freundlichen Umgang mit Minderheiten und Juden. Der italienische Populist Beppe Grillo zielt in gleicher Absicht auf die Medien: «Die Zeitungen und die Nachrichtensendungen sind die ersten, die im Land falsche Nachrichten produzieren.» Die AZ kommentierte: «Dass Grillo das Wort Lügenpresse noch nicht in den Mund genommen hat, dürfte einzig daran liegen, dass es dafür keinen vergleichbaren italienischen Ausdruck gibt.» Grillo weiss übrigens, wie gegen die «Lügenpresse» vorzugehen sei. Er will einen «Volksgerichtshof» – auch schon gehört? – schaffen, der die «verbrecherischen» Chefredaktoren dazu verurteilt, öffentlich zu Kreuze zu kriechen. Der mittelalterliche Pranger lässt grüssen! Zur Illustration ein Auswurf von Grillo: «Nicht wir sind Populisten – die wahren Idioten, Demagogen und Populisten sind die Journalisten und Intellektuellen des Regimes, die im Sold der grossen Mächte stehen.»

«Lügenpresse»-Schmäh in Deutschland, in den USA, in Italien, auch in Marine Le Pens französischen Kreisen und in der Türkei von Erdogans Gnaden. Und bei uns? Der SVP-Politiker Christoph Mörgeli schrieb in der Weltwoche: «Für Lügengeschichten winken Ansehen und Geld. Vor allem beim Zürcher Journalistenpreis.» Die gleiche Zeitung setzte einen verwirrenden Gedanken in die Welt: «Lügenpresse oder Meinungspresse? – Ansichtssache.»

«Lügenpresse» im Fokus
Das Forum Fokus Ethik Thun befasst sich am 6. April von 09.30 bis 15.15 Uhr mit Wahrheit und Lüge. Dabei gilt das besondere Augenmerk der Presse. Moderiert wird der Tag von der Medienfrau Sonja Hasler («Tagesgespräch», «Rundschau», «Arena», «Persönlich») und von der Philosophin, Autorin und Medienfrau Barbara Bleisch («Sternstunde Philosophie»).

Namhafte Persönlichkeiten machen sich Gedanken über die folgenden Themen:
Einleitung: Wieviel Wahrheit braucht der Mensch? (Rüdiger Safranski; Philosoph, Schriftsteller)
Wahrheit und Macht: Wieviel Wahrheit braucht der Staat? Macht und Ohnmacht. (Flavia Kleiner; Co-Präsidentin Operation Libero. Roger Köppel; Nationalrat, Verleger. Rüdiger Safranski; Philosoph, Schriftsteller)
PR und Medien: Wahr ist, was gefällt. (Sylvia Egli von Matt; Vizepräsidentin Eidgenössische Medienkommission)
PR und Medien: Wieviel Information erträgt/braucht der Mensch? (Esther Girsberger, Journalistin, Moderatorin, Autorin)
PR und Medien: Die Kunst der Wahrheit. (Sylvia Egli von Matt. Esther Girsberger. Viktor Schmid; Partner Hirzel/Neef/Schmid Konsulenten, Bern. Philipp Tingler; Schriftsteller, Philosoph. Res Strehle; Qualitätsmonitoring Tamedia, Präsident Schweizer Journalistenschule MAZ)

Die Veranstaltung ist öffentlich. Anmeldungen bis spätestens am 31. März über die Website fokusethik.ch/anmeldung.

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Digitale Ureinwohner im Erwachsenenalter

Digital Natives (digitale Ureinwohner) oder Millennials sind Menschen, die in die digitale Welt geboren wurden und darin aufgewachsen sind. Computerspiele, E-Mails, das Internet und Mobiltelefone sind für sie integrale Bestandteile des Lebens. Sie differenzieren nicht zwischen realer und virtueller Welt.

Das Smartphone – ein permanenter Partner
Die Gewohnheiten von Digital Natives unterscheiden sich fundamental von jenen früherer Generationen, den «Digital Immigrants» (digitale Einwanderer) oder «Silver Surfers». So haben Forscher herausgefunden, dass jeder Smartphone-Nutzer täglich im Durchschnitt 88 Mal das Smartphone einschaltet, 35 Mal, um die Uhrzeit zu checken oder nachzuschauen, ob eine neue Nachricht eingegangen ist. 53 Mal zum Surfen und Chatten. Alle 18 Minuten unterbrachen freiwillige Probanden der Studie ihre Tätigkeit, um online zu sein. Digitaler Dauerstress.

Das Beratungsinstitut WEKA hat das Kommunikationsverhalten der Digital Natives untersucht. Zitate aus den Forschungsergebnissen: «Sie bringen sich ein, statt nur passiv berieselt zu werden. Zu allem entwickeln die Millennials eine Meinung, alles wird kommentiert. Zugleich legen sie auf den Input und das Feedback anderer sehr grossen Wert. – Gute Selbstdarstellung, das haben sie auf den Profilseiten in den sozialen Netzwerken gelernt. Jeder ist dort eine öffentliche Person und stellt wie auf einem Marktplatz zur Schau, was er über sich kundtun will. Es geht nicht drum, Bilder zu zeigen, die die Realität illustrieren, sondern darum, eine Selbstbeschreibung zu wählen, mit der man bei andern punkten kann. Wertvoll ist nicht derjenige, der ein fettes Auto fährt, sondern der, der die Community durch seine Impulse bereichert. – Millennials sind es gewohnt, dass Wissen offen und jederzeit zugänglich ist. Ein paar Minuten surfen bringt ihnen mehr als jedes Gespräch mit einer mittelmässigen Fachkraft. Im Finden sind sie sehr flott. Ihr Gehirn wurde auf kurz, knapp und schnell kalibriert. Sie haben verminderte Aufmerksamkeitsspannen und lieben Spass. Sie lernen nicht auf Vorrat, sondern in Häppchen und just in time.»

Online-Einkauf
Von besonderem Interesse ist das Einkaufsverhalten der Digital Natives. Alle Grossverteiler registrieren eine Zunahme des Online-Umsatzes auf Kosten des Detailhandels. Das Migros-Portal «LeShop» erzielte 2016 mit 182,1 Millionen Franken eine Umsatzsteigerung von 3,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Noch aussagekräftiger: Rund 42 Prozent der Bestellungen bei «LeShop» wurden über mobile Geräte getätigt. Ein weiterer Hinweis auf die Altersstruktur der Online-Einkäufer. Digital Natives gelangen ins Erwachsenenalter. Sie haben Geld zur Verfügung und werden es eher online ausgeben als ihre Eltern.

Eine Studie der Credit Suisse besagt: «Schweizer Konsumenten geben immer mehr Geld online aus. 2015 haben Schweizer Konsumenten für 7,5 Milliarden Franken online eingekauft. Von diesen Ausgaben gingen etwa zwei Drittel an Schweizer Onlineanbieter. 1,1 Milliarden gingen an ausländische Anbieter. 0,8 Milliarden an Tauschbörsen. Der Anteil des E-Commerce ist in der Schweiz mit 5 Prozent noch eher klein. In Grossbritannien oder Dänemark sind es 14,5 resp. 11,3 Prozent. Bis 2022 soll sich der E-Commerce-Anteil in der Schweiz verdoppeln. Im Heimelektronikmarkt erfolgten 2015 bereits 26 Prozent der Ausgaben für Onlineeinkäufe. Bis 2022 sollen es 38 Prozent sein. Im Food-Segment soll der Online-Anteil um das Doppelte auf 3,6 Prozent ansteigen.»

In der Schweiz kaufen die Konsumenten 81% der Lebensmittel offline ein, auch 80% der Medikamente und 73% der Weine und anderer alkoholischer Getränke. Im Online-Handel stehen Erotikartikel mit 46%, Bücher, Musik und Filme mit 36% und Computer, Smartphones, Tablets und Zubehör mit 24% an der Spitze der Produktekategorien.

Die NZZ wundert sich: «Dennoch ist die Gewinnquote der Online-Shops zurückgegangen. Offensichtlich lässt die Wirkung der digitalen Ureinwohner noch etwas auf sich warten.»

Gegenläufige Trends
Dass sich «Digital Immigrants» oder «Silver Surfers», also ältere Menschen, nicht mit allen Gewohnheiten der Digital Natives anfreunden, überrascht nicht. Doch selbst unter den Millennials sind gegenläufige Trends zu beobachten. Weg aus der virtuellen Welt, hin zum haptisch Erlebbaren. Faber-Castell schreibt: «In einer voll digitalisierten Welt entdecken immer mehr Menschen die Liebe zu alten Techniken.» Die Firma spricht von der neuen Lust am Handgeschriebenen: «Mit einer handgeschriebenen Grussnote oder Bewerbung weckt man mehr Eindruck als mit einer Email. Zwischenmenschliche Beziehungen brauchen besondere Gesten der Wertschätzung und Verbindlichkeit. Darin zeigt sich eine generelle Tendenz hin zum Kreativen, Nicht-Perfekten, Individuellen.»

Gleiches gilt für das Buch. Die «Südostschweiz» verdeutlicht: «Es ist bekannt, dass das E-Book das Buch in Papierform ernsthaft bedroht. Doch der Tag wird kommen, an dem die Leute das Bedürfnis verspüren werden, ein Buch in die Hand zu nehmen, darin zu blättern, den Geruch des Papiers zu riechen, die Ecke einer Seite zu falten, um zu wissen, wo sie weiterlesen müssen, ein Buch aufzubewahren, weil es unserer Grossmutter gehört hat, auf die Suche nach einem Band zu gehen, ohne sich in einem Meer von Angeboten im Netz zu verlieren.»

In die gleiche Reihe gehören Trendspiele, die nichts mit Tablets und Smartphones zu tun haben, zum Beispiel der Japan-Renner Kendama, ein Spiel mit einer Holzkugel – mit Weltmeisterschaften! Stark im Aufwind ist das Geschicklichkeitsspiel Darts, bei dem mit Pfeilen auf eine runde Scheibe geworfen wird.

Erstaunliches aus der Werbung
Marketingabteilungen und Werbeagenturen besetzen ihre Praktikumsstellen fast ausschliesslich mit Digital Natives. Sie erhoffen sich von den jungen Menschen Kreativität, Motivation, Wissensdurst und vieles mehr. Eine Luzerner Werbeagentur aber sucht einen Praktikanten, Mindestalter 65! «Wir sind überzeugt, dass eine ältere Person unserem jungen Team neue Inputs geben kann und uns neue Sichtweisen vermittelt.»

Digital Natives im Fokus
Das Forum Fokus Ethik Thun befasst sich am 7. April von 13.00 bis 15.30 Uhr mit Digital Natives. Moderiert wird der Nachmittag von der bekannten Medienfrau Sonja Hasler («Tagesgespräch», «Rundschau», «Arena», «Persönlich»). Namhafte Persönlichkeiten machen sich Gedanken über die folgenden drei Themen:

  • Die Wahrheit über Social Media: ein Versuch zu verstehen» (Renato Kaiser, Spoken-Word-Künstler, Comedian, Satiriker, Autor)
  • Digital Native erklärt seine Generation (Philipp Riederle, Autor, Unternehmensberater)
  • Digital Natives (Petra Rohner, Dozentin, E-Commerce-Ombudsfrau/Philipp Riederle, Autor, Unternehmensberater/Philippe Wampfler, Autor, Dozent)

Die Veranstaltung ist öffentlich. Anmeldungen bis spätestens am 31. März über die Website fokusethik.ch/anmeldung.

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Ist das wahr? – Mir doch egal!

«Britney Spears gestorben!» – «Trump bezahlt One-Way-Ticket für rückreisewillige Afrikaner und Mexikaner!» – «Papst Franziskus unterstützt die Kandidatur Trumps!» –Alles Quatsch. Alles gelogen. Alles Falschinformationen, Fake News, absichtlich produziert und bewusst ins Netz gestellt.

Die Fake News mögen noch so verdreht sein, sie werden rasend schnell verbreitet. Den Rekord hält eine Falschmeldung, in der es hiess, Präsident Obama beabsichtige, den traditionellen Schulschwur zu verbieten. Innert kürzester Zeit löste das 2,1 Millionen Interaktionen aus (Shares, Likes und Kommentare). Die Hälfte aller Interaktionen in den USA hat einen Fake-News-Bezug!

Das Phänomen beschränkt sich keineswegs auf die USA. Zwei Beispiele aus Deutschland: Nach dem Terroranschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt erschien im Netz die frei erfundene Warnung, es seien weitere Anschläge auf Einkaufszentren geplant. Die Nachricht verbreitete sich am 23. Dezember wie ein Lauffeuer. Es gelang der Polizei, den Verursacher zu fassen. – Zu Beginn des neuen Jahres tauchte die folgende Meldung im Netz auf: «1000-Mann-Mob setzt Deutschlands älteste Kirche in Brand.» Die Nachricht bezog sich auf ein Ereignis in Dortmund. In der Silvesternacht hatten sich etwa 1000 Menschen auf einem Platz in der Innenstadt versammelt. Wegen einer Silvesterrakete fing ein Gitterschutznetz Feuer, ohne dass eine Absicht dahinter stand. Mit dem Netz war ein Baugerüst bei der Kirche verkleidet. Das Feuer wurde rasch gelöscht.

Fake News auch in den Schweizer Medien, selbst in der renommierten NZZ. Sie hatte eine Falschmeldung der Washington Post aufgenommen: Russischer Hackerangriff auf einen US-Stromversorger (Elektrizitätsgesellschaft Vermont). – Hat nie stattgefunden!

Sie schüren Ängste
Fake News sind absichtlich produzierte Falschmeldungen, die so gestreut werden, dass sie die Logiken der sozialen Medien ausnützen: Sie erzeugen starke Emotionen, und sie behandeln Reizthemen. Die Verursacher schüren Ängste und bestätigen Befürchtungen, etwa beim Thema Flüchtlinge. Ganz gezielt spielen Fake News extremen Gruppierungen in die Hände. Und sie sind ein Wirtschaftsfaktor; sie sollen Internetnutzer auf Seiten mit Werbeanzeigen locken.

Was Fake News besonders gefährlich macht: Sie machen sich die Dynamik der sozialen Medien zunutze. Meldungen verbreiten sich in Sekundenschnelle. Hinterfragt werden sie kaum. Typische Reaktion: «Es ist mir egal, ob es stimmt; es könnte doch so sein.» Selbst völlig absurde Fake News sind also in diesem Sinne glaubwürdig, weil sie in ein bestimmtes Welt- und Selbstbild passen, das Nutzer in den sozialen Medien von sich zeichnen wollen.

Die politische Dimension ist erkannt. Nicht erst seit den undurchsichtigen Vorgängen rund um die Präsidentenwahl in den USA. Jetzt will Facebook in Zusammenarbeit mit einer Reihe von Medienunternehmen Falschmeldungen früher identifizieren und löschen. Verschiedene Länder planen «Abwehrzentren». Mit Blick auf die anstehenden Bundestagswahlen will Deutschland verhindern, dass Fake News die politischen Entscheidungen beeinflussen. Allerdings sind staatlich organisierte Kontrollorgane höchst problematisch. Aus Italien tönt es: «Bürokraten entscheiden, was publiziert wird, was richtig ist und was nicht.» Und der tschechische Präsident Milos Zeman liess verlauten: «Niemand hat ein Monopol auf die Wahrheit.»

Wie also lässt sich gegen Fake News vorgehen? Wie erkennen wir Wahres? Gibt es sie überhaupt, die reine Wahrheit? – Ein auswegloses Dilemma?

Schon am ersten Forum Fokus Ethik gab es viel Applaus für den Gehalt des Gebotenen

Vor einem Jahr begrüsste André von Wattenwyl als Präsident von Fokus Ethik die Teilnehmer des ersten Forums

Köppel & Co.
Das Forum Fokus Ethik Thun setzt sich am 6. April ab 9.30 Uhr mit Fragen rund um den Begriff «Wahrheit» auseinander. Namhafte Persönlichkeiten wie Barbara Bleisch, Rüdiger Safranski, Sonja Hasler, Roger Köppel und Sylvia Egli von Matt diskutieren über «Wahrheit und Macht», «Wahr ist, was gefällt» oder «Wieviel Wahrheit braucht der Mensch?». Was können renommierte Philosophen, Journalistinnen, Schriftsteller, Moderatoren zur Wahrheit beitragen?

Die Veranstaltung ist öffentlich. Anmeldungen bis spätestens am 31. März über die Website fokusethik.ch/anmeldung.

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