Kategorie: __BWZ

Dieses lähmende Unbehagen

Was ist nur los mit mir? Die Lehre habe ich erfolgreich abgeschlossen. Die Berufswahl war alles andere als eine Notlösung. Ich bin einer der Glücklichen, die ihren Traumberuf erlernt haben. Kaum ein Tag, an dem ich nicht mit Freude zur Arbeit ging. Auch in den drei Jahren nach dem Lehrabschluss fand ich berufliche Befriedigung. Ich gewann an Sicherheit und an Erfahrung. Die Dinge gingen mir immer leichter von der Hand. In problematischen Fällen bauten die Arbeitskollegen auf meine Kompetenz. Ist doch alles gut, oder?

Und doch … Ist es Langeweile? – Nein, ich liebe meinen Beruf und die Ansprüche, die er stellt. Ist es ein grundsätzliches Unbehagen, eine Unzufriedenheit, die in mir selber begründet ist? – Nein, ich habe eine Familie, die mich unterstützt, gute Kollegen, ein Hobby, das mich erfüllt. Ich bin ein zufriedener Mensch. – Aber was ist es dann? Ich spüre so was wie Müdigkeit, dumpfe Routine, ein Mangel an anspruchsvoller Tätigkeit. Es ist, als hätte ich einen Plafond erreicht, und nun stosse ich mit dem Kopf an die Decke. Da muss dringend etwas geschehen. Irgendwo sollte doch eine Treppe zu finden sein, die ins obere Stockwerk führt!

Die Nase im Wind
Im Gespräch mit meinem Chef verschaffe ich mir einen Überblick über verschiedene Weiterbildungsmöglichkeiten. Er unterstützt mich und schlägt mir die Ausbildung zum Technischen Kaufmann vor. «Einfach ist das nicht», warnt er mich. «Aber du baust dir damit eine optimale Ausgangslage auf für eine Berufskarriere. Du erweiterst deine Kenntnisse mit kaufmännischen, wirtschaftlichen, rechtlichen und gesellschaftlichen Aspekten. Du bewegst dich in einem breit gefächerten Wissensfeld. Damit weitest du sowohl den beruflichen wie den persönlichen Horizont. Mach das! Ich traue dir das zu.»

Lehrgangleiter Marcel Felder unterrichtet Wirtschaftskunde für TK-Studenten

Konzentriert bei der Arbeit

Lehrgangleiter Marcel Felder im Gespräch mit den Studenten

Organisation ist alles
Das war vor zwei Jahren. Der Chef hatte Recht. Es war keine einfache Zeit. Ich musste meine Lebensgewohnheiten neu ordnen. Meine Stelle reduzierte ich auf 90 Prozent. Im Sport trat ich kürzer, behielt aber einige körperliche Aktivitäten bei. Ich legte mir einen Wochenplan an, eine genaue Zeiteinteilung: Beruf – Studium – Nachbereitung und Vertiefung – Freizeit – Nachtruhe. Während zwei Jahren gab es kein Pardon.

Hürden und Zweifel
Ganz ehrlich: Leicht fiel mir das nicht immer. An warmen Sommerabenden lockte das Dolce far Niente, das Chillen mit den Kumpels. Ich gestehe: Zwei, drei Mal wurde ich schwach und habe den Verlockungen nachgegeben. Der Mensch ist nun mal kein Roboter. Ganz bewusst habe ich deshalb meine Ferien voll genossen und ein «Ferienregime» durchgezogen.

Zu Beginn des dritten Semesters dann die Krise. Die Motivation war wie mit nassen Tüchern zugedeckt. Ich zweifelte am Sinn des Ganzen und an mir selber. Glücklicherweise fand ich im Studienleiter einen verständnisvollen Gesprächspartner und in zwei Mitstudenten die notwendige Unterstützung von «meinesgleichen». Ich fasste neuen Mut und fand zum früheren Schwung zurück.

Wohin führt der Weg?
Heute liegt die schriftliche Schlussprüfung zum eidgenössischen Fachausweis bereits hinter mir. Ich bin stolz auf mich. Ich habe in den vier Semestern viel gelernt, bin selbstsicherer geworden und habe die Lust am Lernen neu entdeckt. Ich werde meinen Weg in der Fachhochschule fortsetzen. Wer weiss, wohin mich das noch führt!

*

Vier Tipps vor der Anmeldung zum TK-Lehrgang

  1. Sprechen Sie mit Ihrer engsten Umgebung und mit Ihrem Chef. Es ist wichtig, dass Sie private und berufliche Unterstützung haben.
  2. Legen Sie sich eine rigorose Wochen-Zeiteinteilung an. Testen Sie sich selbst, inwiefern Sie die Vorgaben durchziehen.
  3. Das TK-Studium beansprucht 10 bis 15 Stunden Selbststudium pro Woche.
  4. Schätzen Sie ab, wie gross und wie dauerhaft Ihr Interesse an den neuen Wissensgebieten ist.

*

Das BWZ Brugg bietet die Ausbildung zum Technischen Kaufmann/zur Technischen Kauffrau an. Kosten: total 13’800 Franken. Neu gewährt der Bund eine Beteiligung von bis zu 50% an die Kursgebühren.
Nächster Kurbeginn: 6. November 2017.
Informationen : www.bwzbrugg.ch oder Tel. 056 460 24 24.

*

Die Erwachsenenbildung ist ein wichtiges Standbein des BWZ Brugg. Sie umfasst schwergewichtig Informatik-, Sprach- und Wirtschaftskurse wie den TK-Kurs. Weiter werden Kurse für Prüfungsvorbereitungen angeboten, zum Beispiel für die Zulassung zur FHNW. Mentaltraining, Förderprogramme für Startups sowie Staatskunde für Einbürgerungswillige runden das Angebot ab.

Kontakt
BWZ

Berufs- und Weiterbildungszentrum Brugg
«FLEX-Gebäude»
Industriestrasse 19
5201 Brugg

T +41 56 460 24 24
sekretariat@bwzbrugg.ch
www.bwzbrugg.ch

Volldampf im Kernkraftwerk

Annelies Boutellier ist Elektromonteurin. Ihr Traumberuf. Trotz aller Begeisterung erging es ihr – ach! – wie so vielen Andern. Mit der Zeit verlor der Berufsalltag an Reiz, wurde zur Routine. «Ein ganzes Leben lang Wände aufspitzen und Kabel verlegen? Immer die gleichen Schalter, Stecker, Fassungen, Sicherungen. Hm …»

Seit 2010 war sie dauerhaft im Kernkraftwerk Leibstadt tätig. Anfangs als einfache Projektmitarbeiterin, danach bei der Gruppe Instandhaltung «Werksicherung- und Überwachungssysteme». Ein interessanter Arbeitsort, «und trotzdem dachte ich immer intensiver über eine Weiterbildung nach». Annelies Boutellier wollte vermehrt Führungsaufgaben übernehmen, mehr Verantwortung. Zugang zu anspruchsvolleren Aufgaben.

«Jep, das will ich»
Da hörte sie von einem Lehrgang des Berufs- und Weiterbildungszentrums Brugg (BWZ): Technischer Kaufmann/Technische Kauffrau, kurz TK. Er richtet sich an Erwachsene mit Führungsambitionen. Voraussetzung ist eine abgeschlossene Lehre mit technischem, gewerblichem oder industriellem Hintergrund und Praxisjahren. «Das passte auf mich.»

Zwei Jahre lang absolvierte Annelies die TK-Ausbildung. Rund 700 Lektionen – ein Teilzeitjob! Ihr Interesse galt dem Projektmanagement, den Führungsthemen und der Informatik. «Die thematische Bandbreite war überraschend gross: Finanzwirtschaft, Personalmanagement, Rechnungswesen, Recht, Problemlösungs- und Entscheidungsmethodik und anderes mehr.»

Büffeln
Irgendwann stand die Abschlussprüfung vor der Tür. «Ich realisierte, dass ich zu wenig gelernt hatte.» Der konsequente Besuch aller Unterrichtseinheiten reicht nicht. «Wir sprechen hier von Erwachsenenbildung, von Eigenverantwortung. Die Motivation muss jeder und jede mitbringen. Das nimmt einem niemand ab.» Also klemmte sich Annelies mit aller Konsequenz hinter die Lehrmittel. Büffeln war angesagt. Eine misslungene Prüfung wiederholen? Für Annelies keine Option!

Neue Perspektiven
Und jetzt? Was hat sich in der Zwischenzeit für Annelies Boutellier geändert? «Seit August 2017 bin ich im Kernkraftwerk Leibstadt fest als Projektleiterin angestellt. Der Kreis meiner Ansprechpartner hat sich erweitert. Nebst meinen Vorgesetzten vom Kernkraftwerk und den Projektmitgliedern werde ich auch mit Behörden zu tun haben, zum Beispiel mit dem ENSI. Gegenwärtig trage ich die Verantwortung für mehrere Umbauprojekte im Bereich Elektro. Unter anderem begleitete ich die Erneuerung des Eingangsgebäudes mit integrierter Wachzentrale im Bereich Sicherungstechnik.»

«Ja, ich empfehle die TK-Ausbildung unbedingt. Die Vielfalt macht es aus. In unserem Kurs waren Bauzeichner, Automatiker, Bodenleger und sogar eine Forstwartin. Sie alle trugen zur Interessanz des Lehrgangs bei. Aber eines ist gewiss: Es braucht Einsatz und Lernbereitschaft. Die Verknüpfung des Unterrichts mit den Erfahrungen des Berufsalltags ist zwar hilfreich. Trotzdem: Der Zeitaufwand ist beträchtlich. Aber es zahlt sich aus. Ich wurde mir sehr viel klarer über meine Perspektiven bewusst. Und die will ich nutzen.»

*

Das BWZ Brugg bietet die Ausbildung zum Technischen Kaufmann/zur Technischen Kauffrau an. Kosten: total 13’800 Franken. Neu gewährt der Bund eine Beteiligung von bis zu 50% an die Kursgebühren. Nächster Kurbeginn: 6. November 2017. Informationen : www.bwzbrugg.ch oder Tel. 056 460 24 24.

*

Die Erwachsenenbildung bildet ein wichtiges Standbein des BWZ Brugg. Sie umfasst schwergewichtig Informatik-, Sprach- und Wirtschaftskurse wie den TK-Kurs. Weiter werden Kurse für Prüfungsvorbereitungen angeboten, zum Beispiel für die Zulassung zur FHNW. Mentaltraining, Förderprogramme für Startups sowie Staatskunde für Einbürgerungswillige runden das Angebot ab.
Informationen: Tel 056 460 24 24; kursadmin@bwzbrugg.ch

Kontakt
BWZ

Berufs- und Weiterbildungszentrum Brugg
«FLEX-Gebäude»
Industriestrasse 19
5201 Brugg

T +41 56 460 24 24
sekretariat@bwzbrugg.ch
www.bwzbrugg.ch

Von der Labormaus zur Chefetage

«Waren Sie in Ihrem Beruf unzufrieden?» Der gelernte Chemielaborant Marc Straehl wehrt entschieden ab. «Überhaupt nicht. Aber ich sah darin kaum Entwicklungschancen. Auf gar keinen Fall will ich beruflich stehen bleiben. Ich will Verantwortung übernehmen und bei Entscheidungen mitreden. Doch dazu fehlt mir die Basis. Die schaffe ich mir jetzt am BWZ.»

«Dank einem früheren Arbeitskollegen wurde ich auf das BWZ und den Studiengang zum Technischen Kaufmann aufmerksam. Er ist diesen Weg auch schon erfolgreich gegangen. Ich recherchierte im Internet und wusste sofort: Ich mache das. Es ist genau, was ich suche.»

Klare Vorstellungen
Selten weiss ein junger Mann so präzis wie Straehl, wohin ihn sein Weg führen soll. Im Moment ist er in der Schlussphase der Ausbildung zum Technischen Kaufmann (TK). Die schriftlichen Prüfungen liegen hinter ihm; es fehlt noch ein mündliches Examen. Er strotzt vor Selbstvertrauen: «Ich bestehe sicher.» Glänzende Vornoten berechtigen ihn zu dieser Haltung. Bereits hat er sich – mit Empfehlung des TK-Studienleiters – an der Fachhochschule eingeschrieben. Er will berufsbegleitend den Bachelor-Studiengang «International Management» absolvieren, Unterrichtssprache Englisch. Danach lockt ein Master-Studium an der Hochschule St. Gallen.

Was heisst das in beruflicher Hinsicht? – Marc Straehl steht bereits als Einkaufsleiter der Firma printcolor seinen Mann. Im letzten Semester der TK-Ausbildung trat er den anspruchsvollen Job an. «Es waren anstrengende Monate, aber printcolor hat mich unterstützt. Ich hoffe, das Unternehmen fördert mich auch weiterhin. Denn irgendwann will ich in die Geschäftsleitung.»

Die Schulbank drücken
Nach einigen Jahren im beruflichen Umfeld also die Rückkehr auf die Schulbank. «Daran musste ich mich wieder gewöhnen. Die Schule ist kein Selbstläufer. Der Unterricht ist anspruchsvoll punkto Menge des Stoffes, Tempo und Vielfalt.» Jetzt kommt Straehl ins Schwärmen. «Spannende Lektionen, immer wieder Neues. Dozenten, die auf jeden Einzelnen eingehen. Sie hatten ein offenes Ohr für mich und meine Anliegen. In regelmässigen Zwischengesprächen reflektierten wir Fortschritte, ergänzende Möglichkeiten, allfällige Schwierigkeiten und Zielvorgaben.»

Straehl stellte sich von allem Anfang an auf ein sattes Mass an Hausarbeit ein. «So zehn bis zwölf Wochenstunden waren es sicher. Ich erstellte mir einen genauen Zeitplan, den ich konsequent einhielt.» Dank diszipliniertem Arbeiten kam das Privatleben nicht zu kurz. Im Gegenteil: Die Anerkennung von Freundin und Freunden spornte ihn weiter an.

Jubilate
«Herr Straehl, Sie lassen da einen veritablen Werbespot vom Stapel. Jetzt bringen Sie endlich auch die negativen Punkte! Wo haperte es?» – «Nein, mir fällt wirklich nichts grundsätzlich Negatives ein. Dass mal eine Lektion weniger gut gelang, liegt in der Natur der Sache. Aber sonst …»

«Sie sind ein ungewöhnlich fokussierter und zielgerichteter Mensch.» – Marc Straehls Antwort überrascht. «Ich folge einem inneren Drang. Das bedeutet Fluch und Segen.» Nach einer kurzen Pause des Besinnens: «Ich bin total zufrieden.»

*

Das BWZ Brugg bietet die Ausbildung zum Technischen Kaufmann/zur Technischen Kauffrau an. Kosten: total 13’800 Franken. Neu gewährt der Bund eine Beteiligung von bis zu 50% an die Kursgebühren. Nächster Kurbeginn: 6. November 2017. Informationen : www.bwzbrugg.ch oder Tel. 056 460 24 24.

*

Die Erwachsenenbildung bildet ein wichtiges Standbein des BWZ Brugg. Sie umfasst schwergewichtig Informatik-, Sprach- und Wirtschaftskurse wie den TK-Kurs. Weiter werden Kurse für Prüfungsvorbereitungen angeboten, zum Beispiel für die Zulassung zur FHNW. Mentaltraining, Förderprogramme für Startups sowie Staatskunde für Einbürgerungswillige runden das Angebot ab.
Informationen: Tel 056 460 24 24; kursadmin@bwzbrugg.ch; www.bwzbrugg.ch

Kontakt
BWZ

Berufs- und Weiterbildungszentrum Brugg
«FLEX-Gebäude»
Industriestrasse 19
5201 Brugg

T +41 56 460 24 24
sekretariat@bwzbrugg.ch
www.bwzbrugg.ch

Der Griff in den Kochherd

Wochenende. An der Badenfahrt locken jede Menge Attraktionen. Konzerte auf allen Bühnen. Sämtliche Kollegen am Feiern. – Wonach steht den angehenden Elektroinstallateuren unter solche Vorzeichen der Sinn? Was machen die Jungs der BWZ-Abschlussklasse an diesem Tag? Abhängen, chillen, allerlei Flüssiges konsumieren?

Falsch! Fast die ganze Klasse hat sich freiwillig gemeldet, um am schulfreien Samstag ein Projekt mit ihrem Lehrer Hermann Leitner abzuschliessen. Sie installieren eine Photovoltaikanlage auf dem Dach eines Privathauses. Und zwar in Baden! Das Schulprojekt hat Priorität vor der Badenfahrt! Auch das ist «die heutige Jugend»!

Umwandlung von Sonnenlicht in elektrische Energie – weg von fossilen Energieträgern, hin zu erneuerbarer Energie. Die Klasse hat sich mit diesem Thema intensiv befasst. Dabei ging es um technische, rechtliche und gesellschaftliche Fragen, aber auch ganz praktische Probleme im Zusammenhang mit der Montage: Wie lassen sich die Solarpanels auf dem Dach sicher befestigen? Und welche elektrotechnischen Installationen sind erforderlich?

Leitner sieht im Projekt zudem eine soziale Komponente: «Gemeinsam haben wir alles erarbeitet, gemeinsam installieren wir die Anlage. Das Geld, das wir dabei verdienen, investieren wir in ein weiteres gemeinsames Unterfangen. Wir reisen für drei Tage ins Wallis und studieren die Wasserkraftanlage von Grande Dixence.»

Lernen durch Erleben
Zu Beginn seiner Tätigkeit als Fachlehrer am Berufs- und Weiterbildungszentrum Brugg BWZ unterrichtete Hermann Leitner nach klassischem Muster. Viel Theorie, wenig Praxisbezug, kaum eigene Aktivitäten der Schüler. Das ist lange her.

Irgendwann wuchtete er einen Kühlschrank ins Schulzimmer, dann einen Kochherd. «Wir griffen in die Innereien der Geräte und holten zum Beispiel ein elektrisches Teil mit Keramik heraus. Nun lag die Frage auf der Hand: Was macht denn der Werkstoff Keramik im Kochherd? Das Interesse der Schüler war geweckt. Der Bezug zum wahren Leben hergestellt.» Praxisbezogenes Lernen macht allen Beteiligten mehr Spass als trockene Theorie, auch dem Lehrer.

Ende der 90er-Jahre tauchte im BWZ – nur folgerichtig – der Begriff Elektrolabor auf. «Labor» – in den Ohren neugieriger junger Menschen ein verlockender Begriff. Eigene Aktivitäten entfalten, herumpröbeln, Versuche durchführen, Grenzen ausloten, auch mal scheinbar Unmögliches testen. Ein Tummelfeld für kreative Köpfe.

Hermann Leitner in seinem Unterrichtszimmer
Ergänzendes Material für die Lernenden
Lego-Platten erleichtern den Aufbau von Versuchsanlagen

Den Dozenten stehen grosse Demonstrationsobjekte zur Verfügung

Klassensets für den individualisierenden Unterricht
Hermann Leitner vor den Anlagen seines Elektrolabors

Jawohl, machen wir
Nach anfänglichem Stirnrunzeln bei der Schulleitung – die Kosten! – erkannte das neue Leitungsteam mit Andreas Bürgi seitens des Schulvorstands die verheissungsvollen Perspektiven. Mehr noch; sie stimmten der Anlage eines Laborschulzimmers zu, also einem Raum, der gleichzeitig «normalen» Unterricht und das Experimentieren im Elektrolabor zulässt. Möglich machen das absenkbare Laboreinrichtungen mit Steckern, Schaltern, Anschlussbuchsen, Messgeräten, In-house-Entwicklungen inklusive, alles vom Lehrerpult aus gesteuert. Praxis und Theorie im Einklang.

Hermann Leitner kommt auf die variablen Möglichkeiten des Elektrolabors zu sprechen. Lauter Begriffe, die dem Laien fremd sind, den Lernenden aber dank einleuchtender Unterrichtshilfen leicht verständlich werden. «Alles Schüler-sicher und Kurzschluss-fest!» Vergleichbares sucht man in der Schweiz vergeblich.

Respekt!
Nach 37 Jahren Lehrtätigkeit hat Hermann Leitner nichts von der Begeisterung für sein Fach eingebüsst. «Dies muss ich Ihnen auch noch zeigen, und jenes, unbedingt!» Er berichtet von Unterrichtssituationen, von Reaktionen der Lernenden. In deren Sprache formuliert er die Kommentare der Jugendlichen: «De alti Sack het doch no eine druff!»

*

Im Berufs- und Weiterbildungszentrum Brugg werden Lernende in den Fachrichtungen Wirtschaft (KV), Technik (Elektroberufe) und Natur (Floristik, Gärtner, Forstwart) ausgebildet. Zudem gibt es ein breites Angebot an Weiterbildungskursen für Erwachsene.

Kontakt
BWZ

Berufs- und Weiterbildungszentrum Brugg
«FLEX-Gebäude»
Industriestrasse 19
5201 Brugg

T +41 56 460 24 24
sekretariat@bwzbrugg.ch
www.bwzbrugg.ch

Ueli Müller gibt Gas

«Das glaubst du gar nicht, was der für Schritte macht. Keine Chance, ihm zu folgen, es sei denn, du verfällst in Laufschritt.» Fabian Minder, ein ehemaliger Schüler der Brugger Berufsschule, denkt zurück: «Auf Exkursionen vermochten wir ihm kaum zu folgen. Bis wir an einem Posten angekommen waren, brach er schon auf zum nächsten. Ein richtiger Sportsmann. Wenn du das nicht selber erlebt hast, …»

Minder, heute im Kader der Gartenbaufirma Wyder, denkt zurück an seinen Berufsschullehrer Ueli Müller. «Ich kann dir sagen, der hat dir die Dinge beigebracht! Ohne zu bellen und zu fluchen. Einfach mit seiner ruhigen Art. Ein Motivator. Der ideale Lehrertyp.»

Tief verwurzelt
Ueli Müller kennt den Töff – pardon: die Töpfe. Als Jüngling hatte der angehende Topfpflanzengärtner die Hände tief in den Geranien, den Begonien, den Hortensien – und in der Erde. Weiterbildung zum Garten- und Landschaftsgärtner. Dann die Nase in den Wind und ab von zu Hause: Wie machens die Franzosen, wie die Bündner? Seit 1988(!) vollamtlicher Lehrer an der Brugger Berufsschule BWZ. Hier sind ihm hauptsächlich Lernende im Garten- und Landschaftsbau anvertraut, dazu Stauden- und Zierpflanzengärtner sowie Floristinnen.

Verschiedene Startpositionen
«Ganz ehrlich», Ueli Müller lächelt etwas dünn, «viele meiner Schülerinnen und Schüler sind bei der Berufswahl noch unentschlossen. Der Gärtnerberuf ist für sie eine Übergangslösung. Andere sind mit der Welt der Pflanzen verbunden. Dritte arbeiten gern mit Gartenbau-Maschinen, mit Häckslern, Vertikutierern, Rasentraktoren, Heckenscheren, Motormähern. Rattern und fetzen muss es. Ihr Interesse gilt weniger den Pflanzen als der Technik.»

Bei so unterschiedlicher Ausgangslage muss das Unterrichten schwierig sein. Hand aufs Herz: Was schaut da raus? – Ueli Müller entspannt: «Nach Abschluss der Berufsschule kennen die Jugendlichen viele Dutzend Pflanzen mit dem deutschen und dem wissenschaftlichen Namen. Sie wissen um deren Licht- und Bodenbedürfnisse sowie um den Verwendungszweck. Sie verfügen über Grundkenntnisse zur Bodenkunde oder zur Ökologie. Dann das Fachliche: Gartenbautechnik, Grünflächenpflege, Betriebseinrichtung.

Drei wichtige Topfpflanzen: Geranien, ...

Hortensien, ...

Oleander

Im Garten der Brugger Berufsschule
Im Garten der Brugger Berufsschule
Ueli Müller, Berufsschullehrer am BWZ Brugg
Fabian Minder von der Gartenbaufirma Wyder

Nur sachlich funktioniert nicht
Hoppla! Kommt ziemlich ausgetrocknet daher. Pflanzen sind doch etwas Lebendiges. Bleibt die Emotionalität auf der Strecke? – «Keineswegs! Wir sind immer wieder im Freien und besuchen die Pflanzen entweder in unserem Schulgarten oder in der näheren Umgebung der Schule, die Akelei am Waldrand, die Linde auf dem Kirchhof. Auf Exkursionen machen wir uns ein Bild von Hecken, extensiv genutzten Wiesen, Buntbrachen, von Biotopen wie Weihern, Trockenmauern oder Stein- und Asthaufen. Während Blockwochen vertiefen wir einzelne dieser Themen. – Nein, nein, eine sachlich-nüchterne, rein theoretische ‚Behandlung’ dieser Wissensgebiete wäre vollkommen verkehrt und langweilig. Langeweile ist das Letzte, das wir wollen.»

*

Warum willst du Waldläufer, du wetterfeste Open-air-Übernachterin, du Frischluftgeniesser, du Minzenteeliebhaberin, du Naturbeobachter, du Hobbymechanikerin und du Oberhäcksler, warum wollt ihrs nicht mal mit einer Gärtnerlehre versuchen oder einer Ausbildung zur Floristin? Mit eurer Arbeit erhöht ihr die Lebensqualität eurer Kunden – welch befriedigende Tatsache!

*

Am Berufs- und Weiterbildungszentrum Brugg (BWZ) arbeiten Lehrpersonen wie Ueli Müller. Sie unterstützen die Jugendlichen nicht nur in schulischer Hinsicht, sondern auch in der Entwicklung ihrer Persönlichkeit.

Kontakt
BWZ

Berufs- und Weiterbildungszentrum Brugg
«FLEX-Gebäude»
Industriestrasse 19
5201 Brugg

T +41 56 460 24 24
sekretariat@bwzbrugg.ch
www.bwzbrugg.ch

Wenn der Knopf aufgeht

Am Anfang sah alles wenig vielversprechend aus. Es gab so viele andere, lustigere und spannendere Dinge als den öden Schulstoff. Wer wollte denn das Leben auf Grammatik, mathematische Formeln und Französisch-Vokabeln beschränken, wenn die Kollegen und Francesco Hofer selbst vor Ideen nur so sprühten. So machte er es sich in der Realschule während vier Jahren bequem. Er schildert es drastisch: «Ich suchte den Weg des geringsten Widerstands. Wir machten in dieser Zeit nur Seich.»

Da zeigte sich ein erstes Talent: Fussball. Eine Sportlerkarriere schien möglich. Oder doch der Einstieg ins Berufsleben? Im Verlaufe des zehnten Schuljahres verschaffte sich Francesco Klarheit. Unter anderem mit einer Schnupperlehre.

Er hätte sich nun irgendwo und irgendwie melden können. Doch Francesco bewarb sich gezielt bei einem Elektro-Unternehmen und bestand darauf, sich vorzustellen: «Ich wollte mich präsentieren.» Und er wollte sich schon vorgängig ein Bild vom Team und dem beruflichen Umfeld machen – ungewöhnlich für einen 16jährigen Jugendlichen!

Eine Lehre und noch eine
Die Fussballer-Karriere war vom Tisch. Francesco bekam die Lehrstelle als Montage-Elektriker. Drei Lehrjahre, wenig Theorie, eher oberflächlich, ein Mal pro Woche Berufsschule in Rheinfelden. Der junge Mann fühlte sich unterfordert. Nach Lehrabschluss hängte er sofort die Lehre als Elektro-Installateur an, dank seiner Vorkenntnisse auf zwei Jahre reduziert. Der Ehrgeiz war geweckt. In der Berufsschule Brugg und in der praktischen Ausführung seines Berufs durchlief Francesco eine bemerkenswerte Entwicklung von Laissez-faire zu einem zielgerichteten Berufsweg. Hier, am Berufs- und Weiterbildungszentrum BWZ Brugg traf er auf Lehrer, die seine Fähigkeiten erkannten und ihn förderten. Auf ein Unterrichtsprogramm, das ihn interessierte. Auf eine in jeder Hinsicht motivierende Umgebung. Der Lehrabschluss war Formsache.

Dann war das Vaterland an der Reihe, insgesamt 46 Wochen in Bière, bei der Artillerie. Zurück im Zivilleben arbeitete Francesco einige Monate temporär. Sein Ehrgeiz führte ihn 2012 für ein halbes Jahr zu einem Sprachaufenthalt an die Westküste der USA. Dem Realschüler stand das Cambridge First Certificate vor Augen. «Ich traf spannende Menschen aus allen Herren Länder, zum Beispiel einen Koreaner, mit dem ich mich auf Anhieb sehr gut verstand. Wir haben uns seither schon zwei Mal getroffen. Einmal in Japan und danach in Korea, wo er mich mit jener fremden Welt und ihren Sitten vertraut machte, ein zweites Mal hier in der Schweiz.»

Von der Baustelle ins Büro
Wieder in der Heimat steckte sich Hofer ein neues Ziel. Die Arbeit draussen auf der Baustelle hatte ihren Reiz weitgehend verloren. Stattdessen begann er sich für planerische Aufgaben zu interessieren. Bauleiter, Sachbearbeiter – dorthin sollte sein Weg führen. Er schrieb sich an der ABB Technikerschule in Baden ein und studierte berufsbegleitend während drei Jahren Energietechnik. In seiner Diplomarbeit erstellte er für die Gemeinde Windisch eine Energiestudie zum Schulhaus Dohlenzelg. Die Arbeit umfasste einen schriftlichen Teil, je eine Präsentation in der Gemeinde Windisch und an der Technikerschule sowie eine mündliche Befragung. «Es war sehr streng und zeitintensiv.» Doch jetzt darf sich Francesco Hofer, der ehemalige Realschüler, diplomierter Techniker nennen.

Als Projektleiter ist er heute das Gesicht seiner Firma. Man vertraut ihm grössere Projekte an. Im Moment ist er in Winterthur anzutreffen. Der ganze Bahnhof wird mit neuen elektrischen Anlagen ausgerüstet. Die Verantwortung für das Vorhaben trägt Francesco Hofer.

Neue Ziele
Und jetzt? Ist er am Ende der Fahnenstange? – Keineswegs! «Ich suche nach neuen Herausforderungen. Was steht mir offen? Sollte ich meine Kenntnisse in Technik weiter vertiefen? Ein Masterstudium? Oder eine Tätigkeit als Berufsschullehrer?» Hofer entschied sich anders. Er hatte sein Interesse an der Wirtschaft entdeckt. Nun will er ab April 2018 an der Fachhochschule einen Wirtschafts-Lehrgang absolvieren. Während zwei Jahren jeweils zwei Tage pro Woche. «Bei mir geschieht alles etappenweise. Ein Ziel nach dem andern. Nicht die grosse, weiträumige Linie, sondern laufend eine neue Standortbestimmung, ein Sich-Besinnen über die Marschrichtung.»

Die Berufsschule Brugg hat wesentlich zur beruflichen und persönlichen Entwicklung von Francesco Hofer beigetragen. Fördernde und motivierende Einflüsse erlebte er in einem Alter, wo wichtige Weichen für das weitere Leben gestellt werden.

Gegen Schluss des Gesprächs sagt er etwas Unerwartetes: «Ich weiss gar nicht so recht, was an mir und an meinem Berufsweg so besonders sein soll.» Er lächelt nicht. Keine Effekthascherei, sondern ehrliche Verwunderung.

Kontakt
BWZ

Berufs- und Weiterbildungszentrum Brugg
«FLEX-Gebäude»
Industriestrasse 19
5201 Brugg

T +41 56 460 24 24
sekretariat@bwzbrugg.ch
www.bwzbrugg.ch

Applaus für Forstwarte

Die Tannzweige und die Holzschnitzel im Foyer der Berufsschule Brugg verströmen einen harzigen Duft. Forstwartlehrlinge haben den Raum gestaltet. Heute ist ein wichtiger Tag für die angehenden Berufsleute. Ihre Eltern, ihre Freunde und Freundinnen, ihre Lehrmeister haben sich eingefunden. Einer der Lehrlinge heisst sie willkommen zur Präsentation der Herbarien. Auch Richard Plüss, selber Förster, Berufsschullehrer und Politiker, ergreift das Wort. Er verweist auf die fantasievolle Gestalt der Herbarien und auf ihre inhaltliche Qualität. Jeder Forstwart-Lehrling musste die Bäume und Sträucher im Holz, in der Rinde, im Zweig, im Blatt und als Frucht sammeln und richtig beschriften.

Die Besucher staunen. Die allermeisten Herbarien zeugen vom Willen der Lernenden, Aussergewöhnliches zu schaffen. Weit über der Norm. Da hat einer nach eigenen Plänen einen grossen Tisch gebaut, das Tischblatt als Glasplatte, unter der die Exponate zu sehen sind. Eine weitere Eigenkonstruktion: Ein Schrank mit Schubladen, jede einzelne einem Baum oder Strauch gewidmet. Mit berechtigtem Stolz präsentieren die Lehrlinge ihre Arbeiten. Applaus.

Kompetenzen sammeln
Richard Plüss sieht vielfältigen Sinn in den Herbarien. Stichworte sind langfristige Planung, Zeitmanagement, Artenkenntnisse, ansprechende Darstellung, Durchhaltewillen, Exaktheit, Geschick und schliesslich Mut bei der Präsentation vor einem kritischen und zum Teil fachkundigen Publikum sowie vor der Presse. Alles Eigenschaften, die einen Forstwart auszeichnen. Besonders jene, die eine Weiterbildung anstreben, zum Vorarbeiter, zum Forstwart-Meister, zum Förster oder sogar zum Forstingenieur. Viele Wege stehen offen. Den eigenen Neigungen entsprechend befindet sich der zukünftige Arbeitsplatz im Wald oder im Planungsbüro, an der Maschine oder in der Baumschule.

Richard Plüss im Schulzimmer des BWZ Brugg

Richard Plüss – ein wenig Spass im Schulzimmer

Angehende Forstwarte im zweiten Lehrjahr
Konzentriertes Arbeiten im Lehrgang für Forstwarte

Ein vorbildliches Herbarium; jede Baum- und Strauchart auf einer Schautafel. Dieses Herbarium ziert jetzt eine Wand im Werkhof des Forstbetriebs Homberg-Schenkenberg

Dieses sorgfältig angelegte Herbarium besteht aus einer grossen Zahl von Schaubildern

Das Herbarium im verschliessbaren «Koffer» umfasst 32 Baum- und Straucharten

Nathalie Thomé ist eine der wenigen jungen Frauen im Aargau, die sich zur Forstwartin ausbilden lassen. Nach dem Abschluss der Kantonsschule hat sie sich zu dieser Zweitausbildung entschlossen. «Die meisten Berufskollegen respektieren mich.»

Nathalie hat den Fallkeil herausgesägt. Jetzt bestimmt sie die genaue Fallrichtung des Stammes. «Wir sind fast bei jedem Wetter draussen. Mich stört das nicht.»

Versehen mit Schutzkleidung, Helm und Gehörschutz setzt Nathalie die schwere Kettensäge an. «Manchmal bin ich richtig durchnässt.»

Die Späne fliegen; bald wird der Baum fallen. «Bei miesem Wetter gehen wir über Mittag in ein Restaurant oder sonst an einen geschützten Ort.»

Förster Rolf Treier überwacht den Fortgang der Arbeiten. Mit dem Zangenschlepper holen die Forstwarte die gefällten Stämme auf den vorgesehenen Lagerplatz

Das Forstteam bespricht das weitere Vorgehen: Es darf auch mal gelacht werden. Links die Forstwart-Lernende Nathalie Thomé. «Vielleicht nehme ich später ein Forstingenieur-Studium auf.»

Ein Blick in den Werkhof des Forstbetriebs Homberg-Schenkenberg zeigt: Hier wird mit schwerem Gerät gearbeitet

Im Zeitalter der Mechanisierung haben kleine Handgeräte noch immer ihre Bedeutung 

Forstwart: Ein vielseitiger Beruf. Bäume pflanzen, pflegen, erziehen, schlagen ist nur ein kleiner Teil des Berufsbildes. Er kennt Schädlinge und Nützlinge. Die Holzkunde ist ein wesentlicher Teil, und er weiss, wie die geschlagenen Stämme sinnvoll verwertet werden. Die Möbelschreiner stellen andere Anforderungen als die Papierindustrie und die Käufer von Schnitzelholz. Dank technischem Verständnis hat der Forstwart Zugang zu einem umfangreichen Maschinenpark von der einfachen Spaltmaschine bis zum Schlepper, von der Motorsense bis zur schweren Kettensäge, vom Häcksler bis zum Vollernter, der Bäume innert weniger Minuten fällt, abastet und in genormte Längen sägt. Die Arbeit mit Maschinen und deren Pflege gehört zum Alltag.

Weitere Wissensfelder sind der Strassenbau und die Anlage von Kleinbauten und Entwässerungsmassnahmen. Einen immer höheren Stellenwert hat der Naturschutz. Dann die Jagd, die Öffentlichkeitsarbeit, das Forstrecht, das Fachrechnen (Maschinen-Kalkulation, Verrechnung von Arbeitsleistung) … Die Liste ist längst nicht abschliessend.

Die Sinne schulen
Richard Plüss verschafft den Jünglingen noch einen völlig andern Zugang zum Wald. «Selbstverständlich bleiben wir nicht die ganze Zeit im Schulzimmer. Im Wald entwickeln meine Schüler mit praktischen Übungen Gefühle für den Wald und für einzelne Bäume. Die Beziehung zum Baum mit allen Sinnen. Seinen Geruch aufnehmen, die Wärme der Stämme spüren, die Struktur der Rinde fühlen. Mit dem Baum reden. Ihn erleben.» – «Sind die Schüler offen für solche Erfahrungen?» – «Durchaus. Voraussetzung ist, dass sie den Sinn davon verstehen. Emotionen haben im Wald einen hohen Stellenwert.»

Wer im Wald tätig ist, denkt in weiten Zeiträumen. Eine Fichte braucht gegen 100 Jahre bis zur Schlagreife. Eine Eiche sogar 300 Jahre. «Wir arbeiten an der Zukunft unseres Systems. Damit leisten wir einen Beitrag zur Stabilität der Gesellschaft. Das vermittle ich meinen Schülern.»

Grundlagen im BWZ
Das theoretische Rüstzeug erhalten Aargauer Forstwart-Lernende im Berufs- und Weiterbildungszentrum Brugg. Die drei Jahre dauernde Lehre umfasst einen Schultag pro Woche, insgesamt 900 Lektionen über Themen wie Aufgaben und Bedeutung des Waldes, Waldbau, Forstschutz, Holzkunde, Gesellschaft, Sprache und Kommunikation. Alljährlich besuchen rund 30 Forstwart-Lehrlinge die Berufsschule Brugg.

Forstwart – eine Ausbildung für witterungsfeste Jünglinge mit Freude an der Natur. Ausgestattet mit Sinn fürs Praktische ebenso wie mit Sensibilität gegenüber Mensch, Natur und Landschaft.

Weitere Informationen:
codoc.ch (Ausbildungsfragen in der Waldwirtschaft)
kwl-cfp.ch (Konferenz für Wald, Wildtiere und Landschaft)
sia-wald.ch (Fachverband Wald)

Kontakt
BWZ

Berufs- und Weiterbildungszentrum Brugg
«FLEX-Gebäude»
Industriestrasse 19
5201 Brugg

T +41 56 460 24 24
sekretariat@bwzbrugg.ch
www.bwzbrugg.ch

Und dann ab ins Ausland!

«Mein Lehrbetrieb ist gleich um die Ecke; ich könnte in den Pantoffeln hingehen.» – «Voll cool, ich muss zu Hause nie etwas lernen.» – «Mein Lehrmeister lässt mich in Ruhe; er verlangt kaum etwas von mir.» Wenn sich der berufliche Ehrgeiz auf solche Aussagen reduziert, dann gute Nacht! Ausgeschlafene Jugendliche wählen ihre Lehrstelle nicht nach dem Bequemlichkeits-Prinzip.

Die kaufmännische Ausbildung macht niemand mit links. Sie verlangt den Lernenden viel ab. Aber sie eröffnet ihnen auch spannende Möglichkeiten. Das bestätigt Susanne Mauerhofer. Sie arbeitet in Aarau bei den Beratungsdiensten für Ausbildung und Beruf Aargau. Dort ist sie als Teamleiterin Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung tätig. «Das KV ist unter den Jugendlichen absolut angesagt. Übrigens auch bei den Eltern. Denn es ist der Start in eine vielversprechende berufliche Karriere.»

Englisch ist Standard
Frau Mauerhofer, «berufliche Entwicklung» – was meinen Sie konkret damit?
Ich denke an den Zugang zu einem weiten geografischen Raum. Gerade die Grossbetriebe schicken ihre Lehrabgänger gerne ins Ausland, etwa nach England oder in die USA. Für viele Jugendliche eine interessante Perspektive: Ab ins Ausland, sich mit andern Gepflogenheiten zurechtfinden, Sprachkenntnisse vertiefen, den Horizont erweitern, selbständig werden.

Mauerhofer weiss: «Internationale Kontakte finden bei vielen Unternehmen bereits am Computer statt. Das trifft besonders auf exportorientierte Firmen zu oder auf die Tourismus-Branche wie die Hotellerie oder die Reisebüros. Entsprechend hoch ist der Stellenwert fundierter Sprachkenntnisse. Englisch ist Standard. Und Französisch ist dort wichtig, wo Unternehmen gesamtschweizerisch tätig sind.» Mauerhofer verweist ferner auf Grossbetriebe, wo gemischtsprachige Teams zusammenarbeiten. Das kann in der Technologie oder im Energiesektor der Fall sein. Sprachgewandte Mitarbeiter sind gesucht. Und wer seine Sporen im Ausland abverdient hat, der hat ohnehin gute Karten für seine weitere berufliche Entwicklung.

Schulmüde?
Frau Mauerhofer, welche Voraussetzungen sind für eine kaufmännische Ausbildung gefordert?
Schulmüdigkeit ist jedenfalls fehl am Platz, denn die Lernenden müssen ein strenges Berufsschulprogramm absolvieren. Wichtig ist ein breit gefächertes Interesse, das bei sprachlichen und mathematischen Belangen anfängt, aber auch Freude am Organisieren, Strukturieren und Verwalten umfasst. Dazu kommen die branchenspezifischen Anforderungen, die bei einer Bank ganz anders aussehen als in einem Garage-Betrieb. Auch wenn die KV-Lernenden nicht selber Hand anlegen müssen in der Werkstatt, in der Krankenpflege, in der Spedition, im Labor, auf der Baustelle oder wo immer sie tätig sind, so ist eine Affinität zum Betrieb doch unbedingte Voraussetzung.

Susanne Mauerhofer über die Vorteile einer kaufmännischen Ausbildung

Nach wie vor gelten kaufmännische Lehrstellen bei Dienstleistungsfirmen und in der Administration als besonders prestigeträchtig und darum gesucht, also bei Banken, Versicherungen oder bei der öffentlichen Verwaltung. Das Interesse für eine KV-Lehre in einem Technik- oder Handwerksbetrieb ist bei jungen Frauen deutlich geringer. Oft sehen Jugendliche mit Migrationshintergrund gerade hier eine für sie passende Option.

Wie stehen die Chancen, eine kaufmännische Lehrstelle zu finden?
Wenn der Schulabgänger gute Noten hat und eine gewisse Beweglichkeit bezüglich Branche und Arbeitsort, sind die Chancen gut. Am allerwichtigsten ist aber sein motivierter Auftritt, zum Beispiel anlässlich der Schnupperlehre und des Vorstellungsgesprächs.

Einige Zahlen
Der kantonale Lehrstellennachweis veröffentlichte am 19. Dezember 2016 aktuelle Zahlen. Damals waren von insgesamt 576 kaufmännischen Lehrstellen bereits 413 besetzt. Immerhin blieben noch 163 frei. In der öffentlichen Verwaltung waren von 83 Lehrstellen nur noch 8 frei. In der Bankbranche waren alle 72 besetzt. Besser sah es bei «Dienstleistung und Administration» aus; hier waren von 179 KV-Lehrstellen noch 65 frei.

Knapp 30% aller KV-Lehrstellen waren am 19. Dezember noch frei. Dazu der Vergleich mit andern Berufsgruppen: Im Gastgewerbe waren mehr als 50% der Lehrstellen noch zu besetzen. In der Gruppe «Metall und Maschinen» waren noch knapp 65% offen, in der Gebäudetechnik 78% und im Baufach gar 82%, nämlich 92 von 112! Ganz anders sah es bei der Informatik aus. Hier waren von 84 Lehrstellen nur noch 15 frei, also knapp 18%.

Kontakt
BWZ

Berufs- und Weiterbildungszentrum Brugg
«FLEX-Gebäude»
Industriestrasse 19
5201 Brugg

T +41 56 460 24 24
sekretariat@bwzbrugg.ch
www.bwzbrugg.ch

«Mach mehr aus dir!»

Pfadi, Jungwacht, Jubla oder Jungschi – erinnern Sie sich? Samstag für Samstag die tollsten Abenteuer. Ein Feuer im Wald, ein Floss auf der Aare, Spuren suchen, – und ohne Trara und Moralin Wesentliches für das Leben lernen: Im Team arbeiten, Unannehmlichkeiten ertragen und überwinden, andern ein Beispiel sein, Selbstvertrauen aufbauen, Führungsfunktion übernehmen.

«Ein Pfadfinder trägt Verantwortung.» So steht es im Pfadfindergesetz von 1976, in der Zeit, als Ursula Renold bei den Pfadi mitmachte. Hier sammelte Renold erste Führungserfahrungen, sie übte sich im Organisieren, und sie übernahm Verantwortung für ihre Gruppe. Rückblickend sagt sie: «Die Pfadfinder hatten einen hohen Stellenwert für mich.» Und einen nachhaltigen!

Verantwortung übernehmen – eines der Prinzipien, das sie ihr ganzes Leben begleitete. Als Direktorin des Bundesamtes für Berufsbildung und Technologie war sie verantwortlich für einen grossen Sektor des schweizerischen Bildungswesens. Als Präsidentin des Fachhochschulrates FHNW trägt sie die Verantwortung für die Fachhochschulen der Kantone Aargau, Basel Landschaft, Basel Stadt und Solothurn.

Das wahre Leben
Von allem Anfang an verstand Ursula Renold den Begriff «Bildung» als etwas Ganzheitliches. Nach den obligatorischen neun Jahren hatte sie die Nase voll von der Schule. Sie suchte «das wahre Leben». Unterstützt von ihren Eltern, trat sie eine kaufmännische Banklehre an, zugleich «eine Entdeckungsreise in die Welt der Erwachsenen». Warum ausgerechnet in der Bank? «Ich wollte verstehen, wie Geld funktioniert.» – Ein weiteres zentrales Prinzip im Leben von Ursula Renold: das Verstehen-Wollen. Dem lebt sie heute mit derselben Intensität nach, jetzt als Leiterin eines Forschungsbereich in dem sie international Bildungssysteme vergleicht. «Erkunden, kennenlernen» sind pfadfinderische Eigenschaften. Dort eher in der Natur; für Renold in ihrem Forschungsteam an der ETH Zürich ist es nun die Verminderung der weltweiten Jugendarbeitslosigkeit.

Ganz ohne Schule gings nicht, aber: «Ich war viel lieber in der Bank als in der Berufsschule.» Und doch war es in der Berufsschule, wo sie einen wesentlichen Motivierungsschub erlebte. Früh erkannten die Lehrer ihr Potenzial: «Mach mehr aus dir! Du kannst mehr!» Die junge Lehrtochter nahm ein Fernstudium auf und erlangte auf diesem Weg die Maturität. Das charakterisiert sie bis heute: Das Eine tun und das Andere nicht lassen. Bildung und Forschung. National und international.

Auch die Internationalität, das weite Blickfeld, ist in der Jugendbewegung verwurzelt. Die Pfadfinder bilden eine weltweite Gemeinschaft, erlebbar zunächst in Gruppenstunden und dann in den grösseren Kreisen von Lagern und internationalen Begegnungen. – Ab 2012 hob Ursula Renold ihr Tätigkeitsfeld auf eine internationale Ebene. Sie absolvierte ein Forschungssemester an der Harvard-Universität in den USA. Zurück in der Schweiz engagierte sie sich wiederum in Bildungsthemen. Sie arbeitet an der Reform der Berufsbildungssysteme anderer Länder mit dem Ziel, die Jugendarbeitslosigkeit zu verringern. Sie baut die Zusammenarbeit mit Universitäten und Bildungsverantwortlichen auf, unter anderem mit den USA, mit Serbien, Hongkong, Singapur, Nepal, Indien und Südafrika. Nicht in einem imperialistischen, sondern in einem einfühlsamen Sinn: «Man muss die Kultur des betreffenden Landes verstehen, um einen aufbauenden Dialog zu führen, der zu Entwicklungsschritten führt, die Eigenart, Rahmenbedingungen und Geschichte eines Landes respektieren.»

Die beste Startplattform
All das basiert auf der KV-Lehre! «Ich empfehle eine KV-Lehre als beste Startplattform. Die Berufslehre zur Kauffrau/zum Kaufmann ist in der Schweiz – im Unterschied zum Ausland! – eine Allbranchen-Ausbildung. Es sind 21 Branchen, die 60 Prozent der Ausbildung gemeinsam absolvieren. Nur 40 Prozent sind berufsspezifisch. Dadurch eignen sich die Lernenden eine breite Allgemeinbildung und vielfältige Kompetenzen an. Diese Lehre wird so zum Sprungbrett für alle erdenklichen Weiterbildungen bis hin zu einem Universitätsstudium.» Und Renold fährt fort: «Das KV ist eine hervorragende Option für ehrgeizige Jugendliche, die gern Kundenkontakt haben, sei es am Telefon oder auf dem Korrespondenzweg. Heute spielt sich vieles auf internationaler Ebene ab. Die Computertechnologie und das Internet bieten ganz andere Möglichkeiten, als sie uns Ende der 1970er-Jahre offen standen.»

 

Der Blick in die Ferne ist immer auch ein Blick in den Spiegel: Wie machen wir es? Was ist in der Schweiz wichtig? Welchen Standard haben wir erreicht? Ursula Renold, die alle Aspekte unserer Berufsbildung kennt, ist bei diesen Fragen klar: «Wir haben in der Schweiz ein Bildungsparadies, und zwar in vielerlei Hinsicht. Bei den Strukturen ebenso wie bei den Lehrplänen und dem Unterrichtsniveau, auch bei den zur Verfügung stehenden Mitteln und den Baulichkeiten, in denen Bildung vermittelt wird. Wenn ich das mit manchen ausländischen Schulen oder Universitäten vergleiche …» Nachdenklich fügt sie hinzu: «Wir meckern auf hohem Niveau, meinen, alles Erreichte sei selbstverständlich!»

Wie sehen Sie Ihren weiteren Weg?
Ich habe in der Forschung noch viel vor, will alles verstehen, und diese Haltung kann ich an der ETH ausleben. Es geht um die Frage: Was können wir tun, um die Jugendarbeitslosigkeit in verschiedenen Ländern zu mildern? Welche Instrumente sind da erfolgversprechend?

Wissen Sie von weiteren Persönlichkeiten, die ihren Berufsweg mit einer KV-Lehre begonnen haben?
Da fallen mir die beiden Top-Banker Sergio Ermotti und Oswald Grübel ein.

Was würden Sie bei einem beruflichen Neubeginn anders machen?
Nichts. Ich freue mich über das Erreichte. Es ist möglich, sich auf der Basis einer KV-Lehre ein Leben lang zu entwickeln.

In einem Grundsatzpapier steht: Die Pfadfinderbewegung trägt zur Entwicklung junger Menschen bei. Dies betrifft ihre körperlichen, intellektuellen, sozialen und geistigen Anlagen. Sie sollen ihre Fähigkeiten als Mitglieder ihrer örtlichen, nationalen und internationalen Gemeinschaft einsetzen. Ursula Renold hat diese Leitsätze auf exemplarische Weise verinnerlicht.

Kontakt
BWZ

Berufs- und Weiterbildungszentrum Brugg
«FLEX-Gebäude»
Industriestrasse 19
5201 Brugg

T +41 56 460 24 24
sekretariat@bwzbrugg.ch
www.bwzbrugg.ch

«Ich bleibe gewiss nicht stehen»

Hey, ihr Jugendlichen! Wie geht es weiter nach der Schule? Habt ihr euch entschieden? Nein? Schon überlegt, ob eine KV-Lehre infrage käme? KV-Lehrstellen gibt es in jeder Branche. Handwerksbetrieb, Maschinenbau, Handel, Verwaltung, Spital, Reisebüro – überall! Keine andere Lehre bietet euch diese Auswahl. Nach drei Jahren habt ihr das eidgenössische Fähigkeitszeugnis in der Tasche, vielleicht sogar die Berufsmatur. Und dann startet ihr durch. Thily Kirchhofer aus Windisch ist auf dem besten Weg dahin.

Schritt in die Selbständigkeit
Thily Kirchhofer, 19 Jahre jung, steht im dritten Lehrjahr ihrer KV-Ausbildung. Auch in Sachen Berufsmatura rückt das Ziel näher. «Schaffen Sie die Berufsmaturität?» Die Antwort kommt ohne das geringste Zögern und ohne Einschränkung: «Ja.» Punkt. Ein gesundes Selbstbewusstsein. Die Frau weiss, was sie will.

Nach der Bezirksschule zog es Thily ins Berufsleben. «Ich wollte arbeiten, selber Geld verdienen, unabhängig sein, die Berufswelt kennenlernen.» Die Kantonsschule war also keine Option. Thily erwog zunächst eine Ausbildung zur Medizinischen Praxisassistentin. Doch dann wuchs ihr Interesse an einer KV-Lehre. Nach den beiden Schnuppertagen beim Schweizer Bauernverband war alles klar. Sie bewarb sich um die Stelle und bekam den Zuschlag. Diesen Schritt hat sie noch keinen Tag bereut.

«Es geht längst nicht nur um Arbeiten im Sekretariat und in der Buchhaltung. Meine Aufgaben sind enorm vielfältig.» Immer nach einem halben Jahr wechselt sie die Abteilung. Gegenwärtig ist Thily im Versicherungswesen, bei der Agrisano, der Krankenkasse des Bauernverbandes. Hier gefällt es ihr besonders gut. Sie hat zahlreiche Kontakte mit Versicherten, meist aus einem landwirtschaftlichen Umfeld. Da gibt es zum Beispiel Fragen zu einer Rechnung. Oder zu einem Zahlungsaufschub, zu Ratenzahlungen. Thily kennt das Prozedere und erklärt es den Versicherten. Und jetzt, gegen Jahresende, treffen viele Versicherungsanträge ein von Personen, die ihre Krankenkasse wechseln wollen. Thily erfasst diese Anträge.

Thily Kirchhofer, KV-Lernende im 3. Lehrjahr

Offene Türen
Thily betont: «Eine KV-Lehre ist zweifellos eine gute Grundausbildung, besonders wenn sie mit der Berufsmatura verbunden ist. Fast jedes Unternehmen ab einer minimalen Grösse braucht kaufmännische Mitarbeitende für das Sekretariat und die Buchhaltung, für rechtliche Abklärungen oder Personalfragen, für alle administrativen und organisatorischen Belange.»

Wie geht es für Thily nach der Lehre weiter? «Wenn immer möglich, möchte ich bei der Agrisano bleiben. Die Arbeit ist nicht nur abwechslungsreich, sondern hat auch eine soziale Komponente; ich höre von finanziellen Engpässen oder andern schwierigen Situationen. Da kann ich mit meinem Wissen helfen. Eine andere Möglichkeit wäre ein FH-Studium. Sicher ist, dass ich nicht stehen bleibe. Weiterbildung ist mir extrem wichtig.»

Was zählt, ist die Person
Karin Wisler betreut die KV-Lehrlinge beim Schweizer Bauernverband. Sie kennt den Betrieb aus dem FF, hat sie doch selber die Lehre hier gemacht.

Frau Wisler, welche Anforderungen stellen Sie an Schulabgänger?
Er oder sie sollte einen Bezirks- oder Sekundarschulabschluss haben. Was wirklich zählt, ist die Person, die Motivation, das Auftreten. Ich bin mir bewusst, dass sich Jugendliche dieser Altersklasse noch stark verändern. Wer in der Schnupperlehre scheu und introvertiert ist, wird später offener und selbstsicherer. Hier haben wir schon erstaunliche Entwicklungen von Jugendlichen miterlebt.

Ist die KV-Lehre eine Option für noch unentschlossene Jugendliche? Eine Verlegenheitslösung?
Ich erlebe beides: Jugendliche, die sich noch nicht für einen Beruf entschieden haben ebenso wie solche, die bewusst und gezielt eine KV-Ausbildung wählen.

Wie beurteilen Sie die Zukunftsaussichten des Berufs?
Tatsächlich ist mit der zunehmenden Automatisierung vieles im Wandel. Routinearbeiten werden schon bald der Vergangenheit angehören, Stichwort Digitalisierung. Der Branchenverband (kaufmännischer Verband) muss die Ausbildung überdenken und anpassen. Firmen aus der IT-Branche, die Swisscom und andere IT-affine Firmen sind schon weit voraus. Sie zeigen auf, wohin der Weg führt.

Aber beim Schweizer Bauernverband  ist die Digitalisierung auch ein Thema?
Selbstverständlich. Beispiele sind die Archivierung, standardisierte Sekretariatsarbeiten oder die Verarbeitung von Arztrechnungen bei der Krankenkasse. Allerdings: Viele unserer Gesprächspartner, die mehrheitlich aus der Landwirtschaft kommen, sind noch nicht digitalisiert. Wir befinden uns also in einer Übergangszeit.

Die KV-Lehre ist eine solide Grundausbildung – sehen Sie das auch so?
Auf jeden Fall! Nach einer KV-Lehre stehen den jungen Menschen in unserem dualen Bildungssystem unzählige Weiterbildungsmöglichkeiten offen. Von der Spezialisierung im gewählten Berufsfeld bis hin zu einem Fachhochschul-Studium. Wenn immer möglich, versuchen wir aber die bei uns Ausgebildeten zu behalten.

Karin Wisler, Berufsbildungsverantwortliche KV im Schweizer Bauernverband Brugg

Einige statistische Angaben:

  • Gemäss dem Schweizerischen Kaufmännischen Verband SKV (LehrabgängerInnen-Umfrage 2015) sind die folgenden Branchen in der Digitalisierung schon weit fortgeschritten:
    Produktion/Industrie
    Finanzdienstleistung
    ICT/Telekommunikation
    Handel und Personalwesen
  • Gut 70% der ausgelernten KV-Berufstätigen blieben im ehemaligen Lehrbetrieb; knapp 30% waren in einem andern Betrieb tätig.
  • Von allen Ausgelernten blieben drei Viertel erwerbstätig. Eine geringe Zahl hatte sich für ein Praktikum entschieden, und rund 5% war auf Stellensuche. 15,8% gaben an: «Ich bin zurzeit nicht erwerbstätig und mache etwas Anderes» (z.B. Weiterbildung, Sprachaufenthalt, längerer Ferienaufenthalt, Militär u. a.).
  • Auf die Frage «Wie gut fühlten Sie sich durch die kaufmännische
    Grundausbildung darauf vorbereitet, eine feste Stelle als Kauffrau/Kaufmann anzutreten?» antworteten über 90% mit «sehr gut» oder «eher gut».
    Schliesslich bestätigten deutlich über 80% der Befragten, ihre Erwartungen an die kaufmännische Grundausbildung hätten sich erfüllt.

Die 7 beliebtesten Branchen für KV-Lehren
(Quelle: Lehrvertragsstatistik des Bundesamts für Statistik, Neueintritte 2016)

Dienstleistung und Administration7 408 Lernende
Öffentliche Verwaltung1 866 Lernende
Bank1 163 Lernende
Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie572 Lernende
Treuhand/Immobilien542 Lernende
Privatversicherung449 Lernende
Handel413 Lernende

Kontakt
BWZ

Berufs- und Weiterbildungszentrum Brugg
«FLEX-Gebäude»
Industriestrasse 19
5201 Brugg

T +41 56 460 24 24
sekretariat@bwzbrugg.ch
www.bwzbrugg.ch