«Bill Clinton beeindruckte mich extrem»

Franz Nietlispach im Brugger Schachen

Das sagt einer der grössten Schweizer Sportler aller Zeiten. 14 Mal hat er Olympia-Gold gewonnen! Ausserdem ist er 20-facher Weltmeister. Sein Palmarès sucht seinesgleichen: Unter zahllosen weiteren Erfolgen ragen fünf Siege am Boston Marathon heraus, 10 Mal gewann er beim Meeting «Weltklasse in Zürich», und 1990 legte er beim 24-Stundenlauf in Basel sage und schreibe 348,4 Kilometer zurück. Die Rede ist von Franz Nietlispach aus Zeiningen AG. Im Rollstuhl- und Handbike-Sport hat er praktisch alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt.

Prominenz am Abendrennen: «Ich bin Franz!»
Wir sind im Brugger Schachen und verfolgen die Abendrennen des Radfahrerbunds Brugg. Seit 50 Jahren bieten sie jungen und ambitionierten Radrennfahrern Gelegenheit, ein rennmässiges Training zu absolvieren. Recht häufig trifft man hier Koryphäen des Radsports, seien es nun Biker, Strassen- oder Bahnfahrer. Franco Marvulli kam immer wieder nach Brugg, die deutsche Bikerin Sabine Spitz und auch Kaderleute aus dem Triathlon-Lager. Selbst die Bretonische Radsportlegende Bernard Hinault drehte im Brugger Schachen ihre Rennrunden!

Heute steht zum Abschluss des Abends ein Rennen der Handbiker auf dem Programm. Eingebettet in eine schalenartige Wanne liegen die Athleten in ihren Sportgeräten, von denen ein grosser Prozentsatz aus der Firma Carbonbike von Franz Nietlispach stammen.

Und da entdecke ich ihn am Pistenrand: Franz Nietlispach. Er sitzt im Rollstuhl und verfolgt das Geschehen aus einiger Distanz. Natürlich bleibt er nicht unbemerkt. Die Leute sprechen ihn an, gratulieren ihm zu seiner Sportlerkarriere und erkundigen sich nach seinen gegenwärtigen Aktivitäten. Ganz offensichtlich geniesst er solche Gespräche; herzlich, unverstellt und ohne Dünkel unterhält er sich auch mit wildfremden Menschen. «Herr Nietlispach, haben Sie nach dem Rennen noch fünf Minuten Zeit für mich?» – «Aber sicher! Nur: Sprich mich bitte mit ‚Franz’ an.»

Mannheim Top: Die ganze Energie des Rollstuhl-Spitzensports: ein Bild aus Franz Nietlispachs aktiver Zeit

Nietlispach_Franz: Franz Nietlispach im Training mit einem Gefährt seiner Entwicklung «Carbonbike»

Seit 15 Jahren Schmerzen
Franz, es ist ja unglaublich, was du alles gewonnen hast in 30 Jahren Spitzensport. Bist du denn heute noch immer im Renngeschehen, oder was führt dich an diesem Abend nach Brugg?
Nein, nein, ich gehe nur noch als Zuschauer zu den Rennanlässen. Meine eigene Sportkarriere habe ich längst abgeschlossen. Selbstverständlich will ich aber weiterhin dabei bleiben, nicht mehr im, aber nahe am Renngeschehen. Viele der Athleten sind Kollegen oder Kunden von mir.

Wie geht es dir heute, nach Abschluss deiner Karriere, in gesundheitlicher Hinsicht?
Seit 15 Jahren lebe ich mit Medikamenten. Als Folge meiner sportlichen Aktivitäten plagen mich Schulterschmerzen. Eine Operation habe ich bis jetzt immer hinausgeschoben; ich gehe einfach nicht gerne unters Messer, aber auf die Länge ist das wohl unumgänglich.

Haben diese Schmerzen ihren Ursprung denn in deiner sportlichen Tätigkeit?
Ja, das ist sicher. Ich habe meine Gelenke über viele Jahre hinweg einseitig und ganz extrem beansprucht, und das hat zu einer fortgeschrittenen Arthrose in den Schultern geführt. Kommt dazu, dass ich gegen Ende meiner Karriere das Dehnen und Auslaufen so ziemlich vernachlässigt habe. – Es ist nun mal so: Spitzensport ist nicht gesund. Und doch ist Sport wichtig; keinen Sport zu treiben, ist auch nicht gesund!

«Der Sport gab mir so viel!»
Höre ich da ein gewisses Bedauern heraus über deine sportlichen Aktivitäten?
Überhaupt nicht! Ich würde alles wieder genau gleich machen. Der Sport hat mir so viel gegeben: zahlreiche soziale Kontakte, Reisemöglichkeiten und – ebenfalls sehr wichtig! – mein Selbstwertgefühl. Der Sport war mir gleichzeitig Türöffner und Kontaktvermittler. Dafür bin ich sehr dankbar.

Gab es einen Kontakt, eine Begegnung, die dich ganz besonders beeindruckt hat?
Nach meinem ersten Sieg im Boston Marathon im Jahr 1995 wurde ich zusammen mit den Siegern der andern Kategorien ins Weisse Haus eingeladen. Dort empfing uns der damalige Präsident Bill Clinton. Er unterhielt sich mit uns völlig unverkrampfte zum Thema Sport. Ich fragte ihn, ob er zuweilen auch mit seiner Gattin Hillary joggen gehe. Er antwortete lächelnd: «Nein, die hat keine Zeit, sie befasst sich viel lieber mit politischen Dingen.» – Eine Aussage, die heute an Aktualität kaum zu überbieten ist!

1 Kommentare

  1. Paul Fischer

    Hola Peter,

    buenas tardes,

    Ich finde das Interview mit Claudio Imhof nicht.
    Ist es noch nicht online? oder schon nicht mehr?

    saludos

    Paul Fischer, Erlinsbach AG
    exSpeaker

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