Alle Artikel von Peter Belart

Auf dem Holzweg

«Holz liegt im Trend.» Eine überraschende Aussage! In unserer schweizerischen Wahrnehmung bringen wir Holz als Baustoff eher mit traditionellen Gebäuden in Berggebieten in Verbindung. Mit oft jahrhundertealten Blockbauten, Ställen, Scheunen und Chalets. Das mag nach Alpenrosen- und Kuhglockentourismus schmecken, nach Heidi und Alpöhi. Aber hallo: Topmoderne, frech konzipierte Kreationen aus Holz sind echte Hingucker.

Palais de l’Equilibre. Temporärbau zur Schweizer Landesausstellung EXPO.02. Wiederaufbau 2004 im CERN in Genf (Bildnachweis: Frédéric Beaud, Stetten/LIGNUM)

Holzpavillon Ungarns an der Weltausstellung Hannover 2000 (Bildnachweis: Andrea Bernasconi, HES-SO Yverdon/LIGNUM)

Freilager-Areal, Zürich, 2016. Sechsstöckige Langhäuser (Bildnachweis: Michael Meuter, Zürich/LIGNUM)

Chesa Futura in St. Moritz, 2003 (Bildnachweis: Team Chesa Futura/LIGNUM)

Passerelle Bahnhof West, Bern (2005) (Bildnachweis: Corinne Cuendet, Clarens/LIGNUM)

Aussichtsturm «Kupla» (Blase) im Zoo von Helsinki, 2002 (Bildnachweis: Jussi Tiainen, NTC/LIGNUM)

Saldome in Riburg, 2005 (Bildnachweis: Häring, Pratteln/LIGNUM)

Das urbane Chalet steht (noch!) nicht auf dem Radar der Bauherren. Und dies, obwohl es sich längst vom Wald- und Jägerhüttenimage emanzipiert hat. Der Zürcher Architekt David Belart, Liegenschaftsexperte bei Wüest Partner, vermutet den Grund dafür im hohen Wohlstand von Schweizer Bauherren. Viele fokussieren auf Ziegelstein- oder Betonbauweise. Den kostengünstigeren Baustoff Holz erachten sie – völlig zu Unrecht! – als minderwertig. Das könnte sich bald ändern. Holzbauten eröffnen schier unbegrenzte architektonische und gestalterische Spielarten. Das gilt auch für vorgefertigte Häuser.

Der einleitende Gedanke stammt von Sonja Schwarz, Leiterin Bauberatung beim Hauseigentümerverband Aargau und freischaffende Architektin. «Holz gilt heute als sehr modern. Es verkörpert top aktuelle Eigenschaften: ökologisch wertvoll, geringer Verbrauch an grauer Energie, extrem dauerhaft, gutes Wohngefühl.» Und mit Blick auf die Bauherrschaft: «Der Markt ist da: umweltbewusste, moderne, kreative Menschen.»

Kaum Ärger
In ihrer Stellung beim Hauseigentümerverband hat Sonja Schwarz oft mit Streitigkeiten während der Bauphase und in der Garantiezeit zu tun, mit Problemfällen aller Art. «Darunter sind so gut wie nie Holzhäuser in Fertigbauweise.» Sie liefert gleich eine Begründung. «Beim vorgefertigten Holzhaus haben Sie einen einzigen Ansprechpartner. Das ist bei einem konventionellen Haus anders. Da treten eine Reihe verschiedener Handwerksbetriebe auf den Plan. Das erhöht die Anfälligkeit für Fehler bei den Detaillösungen und Schnittstellen.»

Gemäss Sonja Schwarz bieten Holzhäuser im Vergleich zu Steinhäusern Vorteile: Sie haben ein geringes Eigengewicht; aufwändige Fundamente sind nicht nötig, was vor allem bei problematischem Untergrund ein wichtiges Kriterium ist. «Holzbauten sind widerstandsfähiger. Sie besitzen eine gewisse Elastizität, können sogar Bewegungen aufnehmen.» Sie lassen zudem eine Gestaltungsvielfalt der Fassaden zu. Anderseits sind Improvisationen während des Baus praktisch unmöglich; kurzfristige Änderungswünsche sind kaum umsetzbar. Diese Bauweise verlangt ein frühzeitiges, detailliertes Planen.»

Und die Kosten?
Wenn man die reinen Erstellungskosten vergleicht, ist ein vorgefertigtes Holzhaus kaum günstiger als ein konventionell erstelltes. Betrachtet man jedoch die geringen Unterhaltskosten und die Lebenszykluskosten, von der Erstellung bis zur Entsorgung, schneidet das Holzhaus deutlich besser ab. Eine sorgfältige Planung und ein einfaches Gebäudevolumen reduzieren Kosten bei einem Holzbau massiv.

Dieser Gedanke führt Schwarz zu den Produzenten von Holzhäusern. «Es lohnt sich, eine erfahrene Firma zu wählen. Auf dem Schweizer Markt gibt es versierte Anbieter.» Schwarz kann sich eine Entwicklung hin zu standardisierten Modellen mit erprobten Detaillösungen vorstellen.

Sonja Schwarz wird beinahe euphorisch: «Mit Holz und Holzwerkstoffen sind heute faszinierende Konstruktionen möglich. Holzbauten haben ein völlig neues Image.»

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Die Firma Theo Wernli AG in Thalheim hat schon eine beträchtliche Anzahl an vorgefertigten Holzhäusern produziert. Einige davon hat sie sogar nach Übersee geliefert. Zu ihrem Erfahrungsbereich gehören ferner Auf- und Anbauten in gleicher Bauweise.

In der Firma Theo Wernli AG ist ein vorgefertigtes Holzhaus in Arbeit

«Kupschina» Mehrfamilienhaus Holzelementbau in Kirchdorf. Bauvorbereitung, Aufrichten, Montage Holz-Metallfenster, Fassade, Dach durch die Firma Theo Wernli AG, Thalheim

«Kupschina» Mehrfamilienhaus Holzelementbau in Kirchdorf. Bauvorbereitung, Aufrichten, Montage Holz-Metallfenster, Fassade, Dach durch die Firma Theo Wernli AG, Thalheim

Kontakt
Theo Wernli AG

Fenster- und Holzbau
Hegi 300
5112 Thalheim

T +41 56 443 12 15
info@wernli-fensterbau.ch
www.wernli-fensterbau.ch

Bleiben Sie cool!

«Herr Minder, obwohl wir unsern Rasen regelmässig mähen, düngen, giessen und vertikutieren, beschert er uns immer wieder Ärger. Das Moos, die Unkräuter, dazu Pilze und diverse Tierspuren …» Fabian Minder von Gartenbau Wyder winkt ab: «Wir haben eine Idealvorstellung des perfekten Rasens. Einmal angelegt sollte er nichts weniger als perfekt sein. Die Natur hält sich jedoch nicht an solche Vorstellungen. – Aber erzählen Sie mal von Ihren Sorgen!»

Moos ohne Ende
«Moos! Wir kämpfen seit Jahren gegen das Moos. Wir rechen, wir düngen, wir zupfen es aus. Mit schönster Regelmässigkeit meldet es sich immer wieder zurück. Ist dieser Kampf aussichtslos?» – Minder lächelt. Er kennt das Thema zur Genüge. «Sie betreiben Symptombekämpfung. Ihre mühseligen Massnahmen bringen das Moos zum Verschwinden, aber nur vorübergehend. Wollen Sie das Übel an der Wurzel packen, müssen Sie jeder Art von Staunässe entgegenwirken. Den Boden auflockern, Sand einbringen, Sträucher zurückschneiden, den Untergrund belüften und auf das Giessen von ‚Problemzonen’ verzichten. Nur so erzielen Sie eine Langzeitwirkung. Moos reagiert extrem auf Trockenheit.» – «Das alles sagt sich so leicht …» – «Pflege bedeutet Arbeit. Auch beim Rasen.»

Kampf dem Unkraut
«Wenn Sie es sagen … Und was ist mit all den Unkräutern? Löwenzahn, Weissklee, Breitwegerich und Konsorten?» – «In aller Regel befindet sich ein Rasen nicht in einem hermetisch abgeschirmten Raum. Wind und Wetter begünstigen den Sameneinflug aus dem nahen Wies- und Weideland. So gesehen weisen die von Ihnen genannten Pflanzen auf eine natürliche Umgebung hin, und das ist doch positiv. Ein gut gepflegter, gedüngter Rasen ist ein dicht verwobenes Ganzes. Er bietet einfliegenden Samen kaum Platz. Wenn immer möglich sollten Sie auf das Ausstechen von Unkräutern verzichten, denn damit wird der Rasen uneben und anfälliger. Es gibt Spritzmittel, die auf Pflanzen mit breiteren Blättern wirken. Das Rasengras nimmt den frei werdenden Platz rasch ein. Bei regelmässigem Rasenschnitt reduziert sich die Zahl der unerwünschten Kräuter schnell.»

Pilze als Alarmzeichen?
«Besonders nach einigen Regentagen machen sich ganze Pilzkolonien in unserem Rasen breit. Sind das Alarmzeichen?» – «Ach wo! Schirmlinge sind absolut unproblematisch. Schon beim nächsten Mähen ist das Problem erledigt. Etwas anders sieht es bei Pilzerkrankungen aus. Bei uns kennen wir den Schneeschimmel und die Rotspitzigkeit. Beide mögen anhaltende Feuchtigkeit und einen dichten, wenig durchlüfteten Rasenfilz. Wenn Sie den Rasen rechen und das Schnittgut entfernen, wirken Sie dem Befall entgegen.»

Allerlei Getier
«Na, dann wenden wir uns mal der Tierwelt zu. Ich gebe Ihnen ein Stichwort, Sie reagieren darauf.» – «Okay, versuchen wirs.» – «Haustiere, also Katzen und Hunde.» – «Problemlos. Allenfalls Flecken von Urin und Kot. Wenn Sie das stört, spritzen Sie die entsprechenden Stellen mit dem Schlauch ab.» – «Füchse.» – «Dasselbe wie bei den Haustieren. Ein Zaun nützt übrigens kaum. Tiere finden immer einen Zugang.» – «Maulwurf und Mäuse.» – «Gleichen Sie Unebenheiten mit dem Rechen aus.» – «Regenwürmer, Stichwort Erdhäufchen.» – «Auch hier gilt: Wollen Sie einen unebenen Rasen vermeiden, müssen Sie den Rechen in die Hand nehmen.» – «Ameisen.» – «Kein grundsätzliches Problem. Sie sind höchstens bei der Nutzung des Rasens lästig.»

Fabian Minder, Rasenspezialist bei Gartenbau Wyder AG
Viele Rasendünger bekämpfen laut Verpackung das Moos

Gänseblümchen im Rasen – eigentlich keine Katastrophe

Im Fachhandel gibt es Sprays gegen Rasenunkräuter

Pilze im Rasen? Einfach wegmähen

Fabian Minder öffnet die Hände: «Die Natur würde niemals Rasen generieren. Rasen ist ein Kunstprodukt. Er braucht Pflege. Ich vergleiche das gern mit unseren Wohnzimmern, die wir ebenfalls pflegen. Abstauben, aufräumen, feucht aufnehmen, staubsaugen – all das gehört nun mal dazu. Umso begründeter sind die Freude und das Wohlbefinden danach.»

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Gartenbau Wyder hilft Ihnen bei der Pflege Ihres Rasens. Im einmaligen Einsatz oder im Abonnement. Ganz wie Sie wünschen.

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Wyder Gartenbau AG

Industriestrasse 20
5036 Oberentfelden

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«Erst wenn es stimmt, bin ich weg»

«He, Remo, wir haben ein Anliegen. Wir sind leicht überfordert. Wir können uns einfach nicht vorstellen, welches Sofa in unsere Wohnung passt.» Es ist wie beim Coiffeur. Passt diese Frisur zu mir? Oder mache ich mich damit zum Affen? – Manchmal braucht man den Rat des Fachmanns. Mindestens als Empfehlung: Kurzhaar steht Ihnen gut. – Im Möbel-Business ist das nicht anders. «Komm doch bitte mal bei uns vorbei, und schau Dir die Sache vor Ort an.»

Heimberatung – was steht dahinter? Will der Berater seinem Kunden einfach den eigenen Geschmack oder gar den Ladenhüter aufschwatzen?

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Caroline Stupf aus Thalwil hat in den USA «Interior Design» studiert und sich unter anderem mit Innenarchitektur und Innendekoration befasst. Als sie vor sechs Jahren den Entschluss fasste, ein Geschäft für unabhängige Beratung aufzubauen, betrat sie Neuland. Bislang waren solche Angebote ausnahmslos firmengebunden: Grosse Möbelhäuser boten Heimberatungen an. «Ich habe das ganze Spektrum im Auge. Ich muss nicht eine bestimmte Möbellinie, keinen Accessoire-Stil verkaufen. Ich bin frei und gehe auf meine Kunden ein. Das macht meinen Job spannend.»

Sie lächelt zurückhaltend. «Ich spüre schnell, wen ich vor mir habe und frage selten nach dem Budget.» Die Kunden haben in den meisten Fällen Vorstellungen, die sie konkretisieren wollen. «Im Gespräch zeigt sich, was dem Kunden wichtig ist, und gemeinsam entsteht dann das Konzept.»

Eindrücke verdichten sich
Für ihre Beratung geht Caroline Stupf von den Menschen, den Wohnräumen sowie von schon Vorhandenem aus. Ihre Vorschläge und Ideen illustriert sie mit Bildern aus ihrem umfangreichen Fotoarchiv. «Die Sprache allein genügt nicht. Die Leute sollen sehen, was ich ihnen vorschlage. Gefällt ihnen ein Tisch mit robusten Beinen oder bevorzugen sie eine elegante Ausführung? Wie wirken Holzmöbel auf einem Parkettboden? Fotos machen die Dinge erlebbar.»

In der Regel beansprucht eine solche Erstberatung zwei Stunden. Viele nehmen danach die konkrete Umsetzung selber an die Hand. «Ich traue mir das nicht zu», gestehen andere. Mit ihnen geht Caroline Stupf auf eine geführte Shoppingtour. Dabei beachtet sie den Grundsatz: mit dem wichtigsten Möbelstück beginnen; das ganze Drumherum kommt später. «Die Leute sind dankbar um Tipps und begründete Vorschläge.» Schliesslich hat sie auch Kunden, die ein fertiges Einrichtungskonzept bestellen oder gezielt einzelne Möbelstücke verlangen.

Stichwort Farbigkeit: «Ich empfehle ‚typengerechte’ Lösungen. Eine konsequente Umsetzung des gemeinsam erstellten Farbkonzepts. Dieses baut auf den bestehenden Objekten auf – Bilder, Deko-Artikel, Tapeten und so weiter.»

Stichwort Auswahl der Möbel: «Da empfehle ich neutrale Modelle. Akzente setze ich mit Accessoires wie Kissen, Bilder oder Lampen. Gezielt Eye-Catcher platzieren.»

Die Wohnung als Oase
«Es geht nicht nur um die Ästhetik, sondern auch um praktische Fragen. Ein ungünstig platzierter Sessel macht auf die Länge Verdruss, auch wenn er schön ist. Die Abläufe, die Funktionalität und die Lichtverhältnisse müssen stimmen. Wenn ich auf dem Sofa lesen will, brauche ich eine Leselampe, keinen Tischleuchter.»

Caroline Stupf formuliert Grundsätzliches: «Leute, die Hilfe suchen, sind meist sehr offen. Sie suchen ein Daheim zum Wohlfühlen, eines, das zu ihnen passt. Wohnen als Ausdruck von räumlicher und zeitlicher Oase. Erst wenn es stimmt, bin ich weg.»

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Remo Kindler denkt über seine Erfahrungen nach. «Jede Beratung ist eine höchst individuelle Angelegenheit, die sich nicht einfach auf Fakten reduzieren lässt. Natürlich spielen messbare Komponenten eine wichtige Rolle: Raumhöhe, Zimmergrösse, Anordnung der Fenster, bereits vorhandene Möbelstücke, Beschaffenheit der Böden und so weiter. Ich erstelle Skizzen, notiere mir die wichtigsten Masse und fotografiere.

Es geht ebenso sehr um weiche Faktoren: Welche Gewohnheiten haben die Menschen? Wie nutzen sie den Raum? Wer auf dem Stubentisch mit Kindern basteln will, braucht ein anderes Modell als jemand, der sich in erster Linie mit Freunden zu festlichen Nachtessen zusammensetzen möchte. Das betrifft den Stil des Mobiliars ebenso wie die passenden Materialien. – Ein Möbelstück betasten, ausprobieren, aus verschiedenen Optiken betrachten, im Raum erleben – genau dazu dient unser Show-Room.

Jedenfalls bin ich den Kunden gegenüber ehrlich. Ich schwatze ihnen keine kostspieligen Möbelstücke auf, wenn ich andere als passender erachte. Es kommt sogar vor, dass ich entschieden von einem teuren Kauf abrate.»

Inneneinrichtung – die vier wichtigsten Punkte

  1. Vom Vorhandenen ausgehen: Gibt es ein Möbelstück, das bereits fix in diesen Raum gehört? Eine Polstergruppe, ein Sessel, ein Fernsehmöbel?
  2. Die Funktionalität beachten: Lassen sich die Schubladen, die Türchen leicht öffnen, oder steht etwas im Weg? Ermöglicht die Anordnung des Mobiliars die freie Bewegung im Raum?
  3. Die Lebensgewohnheiten berücksichtigen: Wo halten sich die Kinder auf? Gibt es Hobbies, die besondere Bedürfnisse an das Mobiliar stellen?
  4. Zurückhaltung im Grossen: Akzente durch Kleines: Die grossen Möbelstücke bilden den dezenten Hintergrund. Bilder, Lampen, Pflanzen und andere Accessoires sind Blickfänger.

Kontakt

Möbel Kindler AG
Degerfeldstrasse 7
5107 Schinznach-Dorf

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Lebensgefährlich!

Am Abend des 8. Juli 2017 herrschte auf der Pikettzentrale Hochbetrieb. Den Grossraum Zofingen hatte es voll erwischt. Ein selten heftiges Gewitter war über die Gegend hereingebrochen. Innert drei Stunden fiel fast so viel Regen wie sonst im ganzen Monat Juli. Das kantonale Departement Bau, Verkehr und Umwelt schreibt in ihrem Faktenblatt: «Das Niederschlagsereignis vom 8. Juli 2017 ist in der 135-jährigen Zeitreihe das drittgrösste und das einzige, das auf ein einzelnes Gewitterereignis zurückzuführen ist.» Die Folge waren Hochwasser in den Bächen, Erdrutsche, intensive Oberflächenabflüsse sowie überlastete Kanalisationsleitungen mit Rückstau in Gebäude. Die Feuerwehren standen im Dauereinsatz.

Hilfe!
Zusätzlich zu den zahllosen freiwilligen Helfern rückten Fachleute an, vom Pikettdienst aufgeboten: «In Zofingen steht in einem Mehrfamilienhaus der Keller unter Wasser, Pegelstand 1 Meter 30. Es sieht kritisch aus, denn der Verteilkasten für die elektrischen Installationen des Gebäudes ist bis auf seine halbe Höhe geflutet.» Elektrischer Strom und Wasser – da hört der Spass auf. Das bedeutet Lebensgefahr! Da müssen Profis her.

Der Notruf ging an Thomas Birrer, den Bereichsleiter Service bei Jost Elektro AG in Brugg. Da die Bewältigung solcher Ereignisse nicht zu Birrers Alltag gehört, bot er in der Person von Markus Hollenstein einen erfahrenen Berufskollegen von der Jost-Filiale Möriken-Wildegg auf. Hollenstein schildert den ersten Eindruck: «Mir bot sich ein Bild, das ich nicht so schnell vergessen werde. Da sass eine Frau, ein völlig durchnässtes Fotoalbum vor sich. Sie löste jedes einzelne Bild behutsam aus dem Buch, strich es sorgfältig glatt und legte es zur Seite. Eine beinahe surreale Erscheinung! Tatsächlich: Wir waren im Katastrophengebiet angekommen.»

Birrer kontaktierte umgehend das EW Zofingen. Dieses nahm das ganze Gebäude vom Strom, «sonst sässe ich jetzt nicht hier». Zusammen mit Hollenstein stieg er in den Keller des Mehrfamilienhauses hinunter. Was würde sie dort erwarten? «Das Wasser war schon abgepumpt, aber die Szenerie bot einen traurigen Anblick. Alles verschlammt und verdreckt, aufgeweichte Aktenordner en masse, gekippte Bücherregale, völlig verschmutzte Sportartikel, Schuhe, Kleider und andere Textilien. Das Hochwasser hatte den ganzen Hausrat hochgehoben und irgendwo wieder abgesetzt. An den Wänden war die Extremhöhe der Flut leicht zu erkennen. Die Schmutzobergrenze war wie mit einem Lineal gezogen. Eine Linie, die auch mitten durch den Verteilkasten mit den elektrischen Installationen und Sicherungen lief. Etwa zwölf Stromzähler standen zeitweise unter Wasser.»

Im grob gereinigten Keller ist der Pegelstand des Hochwassers ablesbar

Blick in den verdreckten Verteilkasten

Die Sicherungen sind völlig verschmutzt

Der Keller voll Dreck, das Fenster eingeschlagen – da bleibt viel zu tun

Auch der Waschraum bietet ein trauriges Bild

Weg mit dem Dreck
Birrer und Hollenstein besprechen sich. Zuerst muss die ganze Schweinerei weg. Diese braune, glitschige, eklige Masse. Dreck im Verteilkasten, das geht gar nicht. Aber wie gehen wir vor? Mit Bürsteli und Wäschlümpli? Hoffnungslos! Da ist schwereres Geschütz nötig. Und Wasser. In Gottes Namen wieder Wasser. Es ist ja ohnehin alles nass.

Die Jost-Leute nehmen einen Hochdruck-Wasserstrahl zu Hilfe. Der Verteilkasten, seine Innereien und besonders die Sicherungen erhalten eine tüchtige Dusche. Jetzt ein «Geschützwechsel». Kärcher raus, Kompressor rein. Auf Volllast. Einem kräftigen Föhn gleich pustet das Gerät warme Luft auf den Verteilkasten. Alles muss trocknen, und zwar in möglichst kurzer Zeit. Erst danach machen sie sich an die Reparatur.

«Im Verteilkasten sah es ziemlich strub aus. Der unkontrollierte Stromfluss hatte beträchtliche Schäden angerichtet. Wir konzentrierten uns auf das unbedingt Notwendige. Das Kosmetische hat noch Zeit.»

Hollenstein denkt an den ungewöhnlichen Einsatz zurück. «Das Haus war mehr als sieben Stunden ohne Strom. Kein Kochherd, kein Licht, kein Fernsehen, kein Garnichts. Doch niemand reklamierte. Niemand drängte. Da habe ich schon bedeutend unangenehmere Zeitgenossen erlebt.»

Kontakt
Jost Elektro AG

Wildischachenstrasse 36
5200 Brugg

Standort BruggThomas Birrer058 123 8956
Standort BadenAdrian Scherrer058 123 8858
Standort Möriken-WildeggMarc Eigenmann058 123 8857
Standort FrickUrs Urech058 123 8869
Standort OltenKurt Berchtold058 123 8870
Standort LenzburgMartin Schmidmeister058 123 8853

brugg@jostelektro.ch
www.jostelektro.ch

Von brennenden Männern und blutenden Bäumen

Auf ihren Fahrten begegneten die Freiämter Fuhrleute oftmals gar seltsamen Gestalten, die wie brennende Fackeln über den Fuhrweg wanderten. – Eine Hexe hütete das Geheimnis einer wundersamen Salbe. Strich man nur ein wenig davon an den Besenstiel, dann konnte man rittlings durch die Luft sausen und sich am gewünschten Zielort unbemerkt absetzen. – Um Mitternacht huschen dunkle Schatten über die Waldlichtung, wo einst eine Kegelbahn war. Man hört die rollenden Kugeln und das dröhnende Fallen der Kegel, aber auch das Lärmen und Stöhnen wütender Raufbrüder. – Blutende Bäume bezeichnen den Ort, wo der rote Wyssenbacher einst elf Jungfrauen zu Tode gebracht hat. Ihre Seelen schweben noch immer im Geäst der Bäume. – Und da steht der eitle Zwerg und betrachtet sich im Spiegel!

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Die BDWM führt Sie in die Welt menschlicher Ängste und Abgründe, wie sie in Sagen zu finden sind. Dabei beginnt alles so harmlos und sanft. Sie besteigen in Wohlen den Zug und fahren eine Station weit, bis Wohlen Oberdorf (Halt auf Verlangen). Dem Wanderweg folgend, kommen Sie zur Oberen Haldenstrasse hinauf und wandern immer den gelben Markierungen nach aus der Ortschaft hinaus Richtung Wald. Sie befinden sich hier auf dem Freiämterweg mit den braunen Rhomben.

Nach zwei Kilometern erreichen Sie den Tierpark. Es ist ein Vergnügen, die Damwildherden zu beobachten, auch für die Kleinsten.

Nun biegen Sie links in den Freiämter Sagenweg ein. Schon nach wenigen Schritten treffen Sie auf einen der brennenden Männer. In Sandstein gehauen, mit leerem Blick. Weiter zum Topf, in dem die Hexe ihre Salbe zubereitete. Das Drachenbänkli. Die mächtigen Kegel. Die übergrossen Stiefel des gefürchteten Stifeliryters. Die drei Pilger, die mit abgeschlagenen Köpfen weiterwanderten. Und da hängt sogar die schwarze Gestalt des Teufels an einer steinernen Wand. Grauslich!

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Dieses Waldgebiet birgt noch weitere Geheimnisse. Der Moränenhügel entstand vor vielen tausend Jahren, als diese Gegend von Gletschern bedeckt war. Die Eismassen transportierten jede Menge Gestein ins Tiefland, darunter gewaltige Felsbrocken. Überall ragen sie aus dem Waldboden. Einige dieser Findlinge sind beim Rückzug der Gletscher in merkwürdigen Formationen stehen geblieben. Da ist zum Beispiel der Bettlerstein: eine enorme Felsplatte steht schräg mitten im Wald, neben ihr noch weitere Gesteinsbuckel. In alten Zeiten haben Bettler hier ihr Nachtquartier aufgeschlagen, so wird erzählt.

Wenige hundert Meter weiter kommen Sie zum eindrücklichsten Zeugen der eiszeitlichen Vergangenheit, zum Erdmannlistein. Ein etwa 60 Tonnen schwerer Fels ruht auf zwei kleineren Blöcken. Ob da nur Naturkräfte am Werk waren? Oder war es ein Kultplatz? Oder ein prähistorisches Kalendersystem? – Sicher ist, dass hier früher fleissige Erdmännchen hausten. Nach einem üblen Streich verschwanden sie für immer. Nur wem es gelingt, den Erdmannlistein drei Mal hintereinander zu umrunden, ohne Atem zu schöpfen, hat die Chance, eines von ihnen kurz zu sehen.

Bei der nahen Bahnstation «Erdmannlistein» (Halt auf Verlangen) besteigen Sie wieder einen Zug der BDWM und fahren zurück nach Wohlen.

Damwild im Tierpark
Ein brennender Mann
Auf der Kegelbahn
Der eitle Zwerg
Blutende Bäume

Wir sind immer auf dem Freiämterweg

Begegnung mit dem Teufel

Der Bettlerstein

Der Erdmannlistein
Die Wanderweg- und Freiämterweg-Rhomben
Die Station Erdmannlistein der BDWM

Der Hühnerstein

Beim Start Vita-Parcours kommen wir aus dem Wald

Auf dem Stamm des Wegkreuzes begegnen wir dem Tod

Plankroki

Wenn Sie sich aber noch fit fühlen, gehen Sie von der Haltestelle geradeaus weiter, überqueren die Hauptstrasse und biegen links in einen asphaltierten Waldweg ein. Er führt Sie direkt nach Wohlen. Noch im Wald entdecken Sie am rechten Strassenrand eine grosse Steinplatte, den Hühnerstein. Der Überlieferung nach ruhten sich die Wohler Bäuerinnen hier aus, wenn sie nach Bremgarten auf den Markt gingen. Ihre schweren Körbe, in denen sie Hühner zum Verkauf mittrugen, setzten sie auf die Steinplatte ab. So kam der Stein zu seinem Namen.

Kurz vor den ersten Häusern von Wohlen kommen Sie an einem 267 Jahre alten Wegkreuz vorbei. An seinem Stamm erinnern Sie ein Schädel und zwei gekreuzte Knochen daran, dass Sie nicht nur auf dieser Strasse, sondern auch im Leben unterwegs sind. Irgendwann und irgendwo erreichen Sie Ihr Ziel …

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Lust auf mehr Reiseabeuteuer? Hier lesen Sie regelmässig weitere Ausflugs- und Wandertipps im Einzugsgebiet der BDWM.

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Die Flut kommt

Am frühen Abend des 8. Juli braute sich über der Region Zofingen ein gewaltiges Unwetter zusammen. Dunkelheit senkte sich auf die Gegend. Blitze fuhren durch die dräuenden Wolken, Donner krachten. Und dann öffneten sich alle Schleusen des Himmels. Es goss in Strömen. Wassermassen, wie man sie kaum jemals erlebt hat. Dazu strichweise heftige Hagelschauer. Dutzende Keller, Unterführungen, Tiefgaragen wurden geflutet. Die Bäche schwollen zu braunen Ungeheuern an. Vielerorts kam der Verkehr zum Erliegen.

Die Ürke, sonst ein sanftes Gewässer, führte an diesem Abend 44 Kubikmeter Wasser – pro Sekunde! Sie quoll über die Ufer, zerrte an der Vegetation und rieb sich mit Macht an den zu eng gewordenen Prallhängen. Feines Erdmaterial und Sand schliff sie innert kürzester Zeit weg; Steine lösten sich, kullerten mit der Strömung weiter. Ganze Böschungen kamen ins Rutschen. Talwärts, talwärts, die ganze braune Brühe ins Dorf Uerkheim hinein, samt dem Geschiebe: Dreck, Steine, Äste, Unrat. Abzuwehren gabs da nichts.

Der Mast liegt flach
Irgendwann – gesehen hat es niemand – passierte es. Ein tonnenschwerer, gut fundamentierter Betonmast der 16’000 Volt-Leitung Uerkheim-Bottenwil neigte sich zur Seite und stürzte auf den Radweg. Die tobende Ürke hatte den Mast unterspült. Zunächst blieb der Vorfall unbemerkt, denn dank einer automatisch aktivierten Ringverbindung kam es zu keinerlei Stromausfällen. Am darauffolgenden Tag waren Leute von der IBAarau Strom AG (IBA) vor Ort. Der Schaden musste so schnell wie möglich behoben werden.

Am Montag lief die Maschinerie an. Frühmorgens klingelte beim Lebag-Chef Daniel Stutz das Telefon. Er besprach mit der IBA die Sachlage. Viele Fragen tauchten auf: Ist das notwendige Material greifbar? Kann das Kabelwerk umgehend Leitungsseile in der notwendigen Länge und Qualität liefern? Stehen genügend Leitungsmonteure zur Verfügung? Und vor allem: Welche Lösungsvariante drängt sich auf? Seit längerer Zeit war nämlich geplant, den betroffenen Leitungsabschnitt in den Boden zu verlegen. Der Kanton hatte dem Vorhaben grundsätzlich zugestimmt. Durfte man subito mit den Tiefbauarbeiten beginnen? Es kam zu Rücksprachen mit kantonalen Stellen. Eine ganze Reihe von Entscheidungen stand an.

Beeindruckende Dynamik
Am Mittwochmorgen war alles geklärt. Die Verantwortlichen rieben sich die Augen, denn sämtliche Hürden lösten sich in Luft auf. Dank einer Reihe von günstigen Umständen stand der Reparatur nichts im Wege. Die Firma Lebag konnte die notwendige Zahl von Leitungsmonteuren für das Notfallprojekt freistellen. Das Kabelwerk teilte mit, die benötigten Seillängen und -querschnitte seien sofort verfügbar. Für den Transport standen genügend Kapazitäten bereit. Auch die Behörden hatten grünes Licht gegeben. Der Erdbau für die Verkabelung wurde umgehend in Angriff genommen. Diese Arbeiten nehmen zwar längere Zeit in Anspruch; sie beeinflussen aber das Wie der Leitungsreparatur. Im havarierten Leitungsabschnitt verzichtet man auf einen neuen Betonmast. Stattdessen sollten die Lebag-Leute den Abschnitt mit einem Provisorium wieder betriebssicher machen. Dieses wird man rückbauen, sobald die Erdverkabelung abgeschlossen ist. – Was sonst wohl noch Wochen und Monate gedauert hätte, war unter dem Druck der Ereignisse sofort möglich.

Bereits am Donnerstagabend waren die Arbeiten abgeschlossen. Die Lebag-Leute hatten den Betonmast durch ein «Joch» oder «Tor» ersetzt, die Leitungsseile daran aufgehängt und den ganzen Platz aufgeräumt und gereinigt. Tags darauf nahm die IBA die Leitung wieder in Betrieb.

Die hochgehende Ürke hat das Fundament des Betonmasts unterspült; es kam in der Folge zu Rutschen

Das Hochwasser hatte viele Rutschungen ausgelöst
In flacheren Uferpartien sind die Spuren des Hochwassers unübersehbar
Betonmasten tragen die Leitung in Uerkheim
Als Provisorium haben die Lebag-Leute den umgestürzten Betonmast durch ein «Joch» oder «Tor» ersetzt

Das Joch ist unter anderem durch einen tonnenschweren Betonklotz gesichert

Zusätzlich ist das Joch durch mehrere Verankerungen gesichert

Warnschilder am Joch

Üblicherweise bekommt es die Lebag mit von langer Hand geplanten Projekten zu tun. Der Bau von neuen Leitungsabschnitten, der Rückbau überalterter Trassen, der Unterhalt oder die Nachrüstung von Masten gehören dazu. Das Beispiel «Uerkheim» belegt die Beweglichkeit der Firma. Sie bewährt sich auch in kurzfristigen Notfall-Szenarien.

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Werder bleibt Werder

Da sind sie, die beiden neuen Geschäftsleiter. André Stäger und Raphael Vögtli kennen die Firma Werder Feinwerktechnik durch und durch, sind sie doch beide schon seit vielen Jahren im Unternehmen tätig. Aber jetzt plötzlich in leitender Funktion? Vom Kollegen zum Chef?

Ja!
André Stäger, jetzt Technischer Geschäftsleiter, erinnert sich: «Es muss ungefähr vor zwei Jahren gewesen sein, als mich Claude Werder fragte, wie ich mir meine berufliche Zukunft vorstelle. Für mich war klar: Ich wollte bei dieser Firma bleiben.» Stäger begründet seine Haltung: «An einer früheren Stelle habe ich schlechte Erfahrungen gemacht. Die Arbeit war interessant, die Stimmung dagegen ziemlich mies. Ich spürte damals, wie wichtig mir eine gute Atmosphäre ist.» Raphael Vögtli, Kaufmännischer Geschäftsleiter: «Claude machte uns den Vorschlag, die Firma zukünftig gemeinsam zu führen. Ganz überraschend kam die Idee für uns nicht. Aufgrund der Vorgespräche hatten wir uns schon gedanklich damit befasst. Also sagten wir beide spontan zu.»

Eine verbindliche Zusage in einer so wichtigen Frage – ohne Absprachen über irgendwelche Einzelheiten? «Von aussen gesehen mag das verwundern, aber wir wussten: Hier wird niemand über den Tisch gezogen. An einem andern Ort wären wir bestimmt zurückhaltender gewesen.» Trotzdem wundert sich Stäger: «Wenn es darum geht, eine freie Stelle zu besetzen, beharre ich bei jedem Bewerber darauf, dass er sich alles nochmals in Ruhe überlegt. Als wir uns in der Vorweihnachtszeit kurzfristig entscheiden mussten, habe ich seltsamerweise genau das nicht getan. Ich wusste intuitiv, dass es stimmt.»

Die Kontinuität ist gesichert
Führung im Doppelpack – kann das gut gehen? Stäger und Vögtli lassen keine Zweifel aufkommen. «In unseren Fähigkeiten und beruflichen Schwerpunkten ergänzen wir uns. Wir sind ein ideales Team. Bewusst verzichten wir auf starre Abgrenzungen; die Dinge müssen auch dann geregelt sein, wenn einer von uns Ferien hat.» Sie betonen die Bedeutung einer gesunden Work-Life-Balance. Beide betreiben zeitintensive Hobbies; darauf wollen sie nicht verzichten.

Im Übrigen war die Reaktion des Personals durchwegs positiv. «Sie kennen uns seit Jahren. Natürlich war zuerst ein Überraschungseffekt da, als Claude seine Absicht mitteilte, die Geschäftsführung abzugeben. Aber jetzt sind alle froh, dass der Fortbestand mit einer internen Regelung gesichert ist.»

Wird jetzt alles neu? Zuerst mal tabula rasa und danach Aufbruch zu neuen Ufern? – «Überhaupt nicht! Wir führen die Firma im gleichen Stil wie bisher weiter. Im Rahmen einer externen Beratung haben wir im Frühjahr für klare Verhältnisse gesorgt.» Stäger und Vögtli sprechen die wesentlichsten Punkte an. Die Firma soll weiterhin für modernste Technologie und für höchste Präzision stehen. Eine Verlegung ins Ausland ist kein Thema. Man will jedoch auch Absatzmärkte im nahen Ausland prüfen. Intern bleibt die flache Hierarchie erhalten. «Jeder ist von jedem abhängig – wie die Zahnräder in einem Getriebe. Das ist uns sehr bewusst.»

Herzblut
Was sagen Sie heute, aus einiger zeitlicher Distanz, zu Ihrer Entscheidung? – André Stäger: «Bei mir war es eindeutig die Verbundenheit mit der Firma. Die absolute Gewissheit, dass wir auf dem rechten Weg sind.» Raphael Vögtli: «Ich identifiziere mich mit Herzblut mit dieser Firma. Sie gibt mir Rückhalt, und ich erfahre hier Wertschätzung.»

André Stäger bespricht sich mit seinem Co-Geschäftsleiter Raphael Vögtli

«Herr Stäger, was mögen Sie besonders an Raphael Vögtli?» – «Er ist extrem seriös und penibel genau.»
«Und was geht Ihnen an ihm auf die Nerven?» – (Denkt nach, lacht) «Er ist allzu gutmütig.»

«Herr Vögtli, was mögen Sie besonders an André Stäger?» – «Er findet für jedes noch so anspruchsvolle technische Problem eine Lösung. Fast unglaublich.»
«Und was geht Ihnen an ihm auf die Nerven?» – (Schräger Seitenblick auf Stäger, lacht) «Er entscheidet manchmal sehr schnell und impulsiv; das hat je nach Situation nicht nur positive Folgen.»

*

Die 70 Mitarbeitenden der Firma Werder Feinwerktechnik produzieren anspruchsvolle Werkstücke aus Aluminium, Stahl, Titan, Silber, Messing, Bronze, Neusilber, Magnesium und aus Kunststoff in höchster Präzision und mit unterschiedlichen Veredelungstechniken. Von Kleinauflagen bis zu Serien von 100’000 Stück.

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Samuel Werder AG

Werdstrasse 2
5106 Veltheim

T +41 56 463 66 00
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Die Sirene, die keine war

Da sitzt er: untersetzte Statur, hohe Stirn, Schnauzbart, die Brille hochgeschoben. Ein schwerer Arbeitsunfall hat schon vor Jahrzehnten das Berufsleben des gelernten Elektromonteurs auf den Kopf gestellt. Er fand einen neuen Job als Hauswart.

Eigentlich hat der Mann gar keine Zeit. Unglaublich, was Urs Mühlethaler an einem Tag alles erledigt. Als Fachtechniker – früher nannte man das «Hauswart» – betreut er in Brugg zwei grosse Wohn- und Geschäftshäuser mit Lofts, Wohnungen, Läden und zahlreichen Büros, dazu in Windisch das Campus-Parking und die Technik im Restaurant Waage und schliesslich die technischen Installationen in einem Spreitenbacher Geschäftshaus. Wie ums Himmels Willen schafft das ein einzelner Mann? Er hebt die Schultern: «Ich bin ein Chrampfer.» Sein Arbeitstag beginnt um 5 Uhr; abrufbar ist Mühlethaler 24 Stunden pro Tag. «Allzeit bereit, wie die Pfadfinder.»

Kollegen
Seit eh und je arbeitet Mühlethaler mit der Firma Jost Elektro AG zusammen. Er kennt sie alle, die Chefs und die Monteure. Kollegen. «Die kleinen Arbeiten erledige ich selber. Eine Lampe auswechseln oder einen defekten Stecker reparieren. Bei ‚Ou-verreckte-Cheib’ hingegen telefoniere ich der Firma Jost.» Mühlethaler holt niemals eine Konkurrenzofferte ein. Er vertraut den Angaben von Jost. «So erübrigt sich jeder Zeit- und Preisdruck.»

Urs Mühlethaler verbringt viel Zeit in seinem Büro; die Administration wuchert auch in diesem Job

Unschwer zu übersehen: Urs Mühlethaler ist bekennender Ferrari-Fan

Gespenstisches in Büro 3
«Nun erzählen Sie mal! Sie haben doch sicher schon die eine oder andere Geschichte mit Josts Leuten erlebt.»

«Eines Tages stiegen in drei Büros gleichzeitig die Sicherungen aus. Jeder Versuch, die Sache wieder ins Lot zu bringen, scheiterte. Sicherungen auf ,Ein’ – umgehend kippten sie wieder auf ‚Aus’. Die Jost-Leute standen subito auf der Matte. Gemeinsam gingen wir der Sache auf den Grund. Ein Büro nach dem andern untersuchten wir, nahmen jedes einzelne Gerät vom Strom. Sicherung  ‚Ein’ – pic! – ‚Aus’. Wieder und wieder. Die Computer, der Drucker, die zusätzlichen Lampen. Alles funktionierte anstandslos.

Büro eins und Büro zwei hatten wir abgecheckt. Der Spuk musste im dritten sein. Auch hier schalteten wir jedes einzelne elektrische Gerät ein und aus: Alles in Ordnung! Mysteriös! Noch verwirrender: Als wollte sie uns foppen, blieb die Sicherung jetzt drin; alles schien zu funktionieren. Doch plötzlich wieder – pic! – aus die Maus. Stillstand und Dunkelheit. Himmeldonnerwetter, was war denn nun wieder los? Lange Gesichter. – Da entdeckten wir die Ursache des Übels: Jemand hatte auf dem Sims einen privaten Tauchsieder installiert, um sein Teewasser aufzukochen. Dieses Gerät hatte eine Überlast verursacht! Tauchsieder weg, Sicherung ein, Problem gelöst. Manchmal steckt der Teufel wirklich im Detail.»

Peinlich, peinlich
«Noch einen? Okay.»

«Auf dem Dach einer unserer Liegenschaften befindet sich eine Zivilschutzsirene. Beim letzten Sturm musste die Halterung ausgerissen sein. Das Ding hing buchstäblich in den Seilen, respektive an den Kabeln. Ich kontaktierte umgehend den Zivilschutz-Verantwortlichen und schilderte ihm das Übel. Und dann blieb es still. Nichts geschah. Erst nach drei Stunden meldete sich der Mann wieder. Er habe alle seine Unterlagen konsultiert, doch auf unserem Dach gebe es keine Sirene. Das müsse ein Irrtum sein. – Hä? Ich hatte sie doch mit eigenen Augen … Also rauf aufs Dach! Tatsächlich! Das Ding glich zwar einem Signalhorn, aber es war die Wetterstation, die für die Automatik der Storen gebraucht wird. So peinlich! Ich telefonierte der Firma Jost und sicherte das Ding provisorisch mit einem Seil. Innert kürzester Zeit war der Elektromonteur da und brachte die Sache wieder in Ordnung. Wir haben über die Verwechslung herzlich gelacht.»

So, genug geredet. Die Arbeit wartet. «Herzlichen Dank!» – «Keine Ursache. Hat mir Spass gemacht.»

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Die BDWM und die Malediven

Die Pünktlichkeit im Bahnverkehr steht für die Fahrgäste (fast) über allem. Denn eine Verspätung ist in unserer Gesellschaft quasi ein GAU!

Angenommen, Sie fahren jeden Morgen mit der BDWM von Bremgarten nach Dietikon und steigen dort in einen SBB-Zug, der Sie nach Zürich bringt. Eines Tages hätten Sie ein wichtiges Meeting, und ausgerechnet jetzt hat die BDWM Verspätung. Sie verpassen den Anschluss, kommen eine halbe Stunde zu spät ins Büro, der Chef murrt, und vorbei ists mit der guten Laune. Angenommen, Sie haben ihren Ferienflug gebucht, und ausgerechnet jetzt legt eine Stellwerkstörung den Bahnbetrieb lahm. Sie kommen zu spät nach Kloten, und… das Paradies muss warten. Die Malediven bleiben ein Hochglanzbild im Ferienkatalog.

Keine Panik! Die BDWM ist pünktlich. Sie kommen rechtzeitig an Ihren Arbeitsplatz. Sie erreichen Ihren Flieger. Von genau 4000 Zügen, die im Juni 2017 verkehrten, hatten gerade mal 42 eine geringfügige Verspätung, nur rund 1 Prozent.

Sicherheit hat Vorrang
«In Sachen Pünktlichkeit tun wir alles, um in Wohlen und in Dietikon den Anschluss an die SBB-Züge sicherzustellen. Die andern Stationen haben diesbezüglich zweite Priorität.» Urs Marty leitet die Betriebsführung. Er kennt all die kleinen Komponenten, die in ihrer Summe zu Verspätungen führen. Dazu gehören die Stationen mit «Halt auf Verlangen». Der Taktfahrplan weiss nicht, wo jemand einen Halt verlangt und geht deshalb von einem Mittelwert aus. Dazu kommt die unterschiedlich starke, von Tageszeit und Wochentag abhängige Frequenz.

Verspätungen aufzuholen, ist kaum möglich. Zu kurz sind die Distanzen zwischen den einzelnen Stationen, zu strikt die Sicherheitsvorgaben. «Sicherheit first!» Trotzdem: Der Begriff «Verspätung» ist relativ. Bei der BDWM benutzt man ihn ab vier Minuten. Sobald ein solches Ereignis eintritt, erfolgt die automatische Durchsage an den Perrons und im Zug. Zusätzlich geht eine Meldung an den Online-Fahrplan der SBB.

Keine Panik?
Was ist mit grösseren Verspätungen? Kommen solche auch vor? – «Ja, wir hatten erst kürzlich einen gröberen Zwischenfall. Ein Blitzschlag traf das Stellwerk Berikon und legte alles still. Das verursachte Verspätungen von etwa 15 Minuten. Noch massiver wird es, wenn Verkehrsunfälle die Strecke blockieren. Wir setzen dann im betroffenen Abschnitt Busse ein. Allerdings beansprucht das Zeit.» – «Bricht in solchen Fällen bei der Fahrdienstleitung Panik aus?» – «Panik nicht, aber Hektik. Da manche Streckenabschnitte einspurig sind, können die Züge nur an ganz bestimmten Stellen kreuzen. Bei erheblichen Verspätungen stehen die Züge samt Personal am ‚falschen’ Ort. Da gerät so einiges durcheinander. Nun sind Entschlusskraft, Improvisationsgabe und viel Erfahrung gefragt.»

«Herr Marty, was können wir Fahrgäste zu einem pünktlichen Fahrbetrieb beitragen?» – «Vieles. Finger weg vom ‚Halt-auf-Verlangen-Knopf’ es sei denn, Sie steigen wirklich ein oder aus. Dann gibt es Kunden, die anderen Fahrgästen beim Aussteigen im Weg stehen. Oder sie bleiben in der Türe stehen, bis der Kollege auch noch angeschlendert kommt, so dass der Zug nicht abfahren kann. Die Folge ist absehbar.»

Cool bleiben
Marty kontrolliert auf seinem Bildschirm die aktuelle Situation auf dem BDWM-Schienennetz. «Oha, hat da einer 12 Minuten Verspätung? Das muss eine Falschmeldung sein!» Tatsächlich! In wenigen Augenblicken ist alles wieder im Lot. Die neue Software ist noch nicht richtig ausgereift. «Sehen Sie. Ich habs gesagt. In aller Regel klappt die Sache mit der Pünktlichkeit einwandfrei.» – Der Mann ist die Ruhe in Person.

Verspätungen 2017

Januar 30
Februar 16
März 10
April 17
Mai 20
Juni 42
Erstes Halbjahr 135 von ungefähr 24’000 Fahrten

 

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Nachfolge als Charaktersache

Wenn sich der Chef aus der Geschäftsleitung zurückzieht und als «einfacher Mitarbeiter» in der Firma bleibt. Wenn zwei Kaderleute gemeinsam das Steuer der Firma übernehmen. Wenn jener «einfache Mitarbeiter» weiterhin Präsident des Verwaltungsrates bleibt. – Neue Kompetenzen, neue Rollenverteilung. Handlungsbedarf! So geschehen bei Werder Feinwerktechnik in Veltheim.

 

«Es ist nie zu früh.» Das sagt Carla Kaufmann, die sich beruflich und persönlich seit Jahren mit Fragen zur Nachfolge befasst. Gemeint ist die Nachfolgeregelung in Unternehmen. «Es ist nie zu früh, sich ernsthafte Gedanken darüber zu machen.»

Kaufmann beginnt laut zu denken. «Alle Beteiligten übernehmen innerhalb des Unternehmens eine neue Rolle. Dessen müssen sie sich unbedingt bewusst sein und die alten Muster ablegen. Ein anspruchsvoller Prozess!» – «Die Nachfolge regelt man nur ein einziges Mal im Leben. Der oder die Betroffene verfügt über keinerlei Erfahrungen in dieser Sache. Deshalb empfiehlt es sich unbedingt, einen Experten zuzuziehen, der Unnötiges von Unabdingbarem unterscheidet und eine erfolgversprechende Vorgehensweise kennt. Eine Person, zu der man uneingeschränktes Vertrauen hat.»

*

Hans-Georg Hettich ist der in die Nachfolgeregelung einbezogene Coach, Vertrauensmann von Claude Werder. Im Unterschied zum Treuhänder, der rechtliche und finanzielle Fragen klären hilft, fokussiert Hettich auf die menschliche Ebene. Denn jetzt werden die Karten neu gemischt. Die Untergebenen sind nun Vorgesetzte. Sie treffen weit reichende Entscheidungen. Der frühere Chef sitzt oder steht fortan in der Werkhalle, löst sich von manchem Bürokram, kehrt zu seinen beruflichen Wurzeln zurück. Das Steuer haben die Neuen übernommen, wörtlich und symbolträchtig im Rahmen eines Mitarbeiter-Anlasses.

Hettich mag Symbole. Er hat die drei Betroffenen zu langen Aktionstagen eingeladen, die spielerisch-ungewohnt begannen. Am Ende standen die Richtlinien und das «Feintuning» fest. Verbindliche Absprachen. Denn: Was, wenn die Entscheidungskompetenzen nicht festgelegt wären? Was, wenn die Neuen die Marschrichtung des Unternehmens ändern? Was, wenn eines schönen Tages Produktionsstandorte in Niedriglohnländern in Betracht kämen, Stichwort Gewinnmaximierung?

Carla Kaufmann
Hans-Georg Hettich

«Herr Hettich, ganz provokativ: Angenommen, der VR-Präsident bringt in der Rolle des Mechanikers nicht die geforderte Leistung. Er produziert zu viel Ausschuss, hinkt tempomässig weit hinterher. Was dann? Erhält er dann von den neuen Geschäftsführern den blauen Brief?» – «Nein, sicher nicht. In einem solch extremen Fall müsste man sich zusammensetzen und über eine neue Aufgabenzuteilung sprechen.»

«Frau Kaufmann, was halten Sie für elementar in einer neuen Firmenkonstellation?» – «Das Gespräch. Ich würde die Kommunikation zwischen dem bisherigen CEO und seinem Nachfolger institutionalisieren, mindestens in der Übergangszeit. In aller Offenheit soll alles auf den Tisch kommen. Keine Tabus. Letztlich ist es eine Charaktersache, wie die Beteiligten mit der neuen Situation umgehen.»

Genau das setzt Hettich um. «In einigen Wochen werden wir zurückblicken: Was ist seither geschehen? Sind die Zielvorgaben realistisch? Müssen wir über Anpassungen sprechen?» Hettich erwägt ein vierteljährliches Reporting. Dabei kommt den Zahlen und Fakten das gleiche Gewicht zu wie den Emotionen: Wie fühlen wir uns? Wie schwer lastet die Verantwortung? Drängt sich ein Coaching auf? «Ich werde den Prozess während der ganzen Übergangszeit begleiten.»

Allen Beteiligten ist bewusst: Dieser Prozess ist kein einfaches Kippen des Schalters. Schwierig, herausfordernd und deshalb spannend. Aufbruch zu neuen Ufern. – Die Segel setzen! Der Wind ist günstig! Die Neuen haben das Steuer übernommen. Claude Werder gab es ihnen in die Hand – wörtlich!

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