Alle Artikel von Franziska Vonaesch

Rothpletz, Lienhard + Cie AG

Sie stellt ganz Grosses in die Landschaft. Brücken zum Beispiel. Und Kraftwerke. Und Tunnels. Die Aarauer Firma Rothpletz, Lienhard Cie gehört zu den führenden Schweizer Bauunternehmen. Sie ist spezialisiert auf Ingenieurleistungen und Tiefbauten jeder Grösse.

WKK Fachverband

Ja, Sie haben Recht: Wärmekraftkopplung – ein Wortungeheuer! Also hauen wir rein und reissen es auseinander! Wärme – Kraft – Kopplung. Wärme: Logisch, das erwarten wir von der Heizung. Kraft: Schon eher überraschend. Stromproduktion in der eigenen Liegenschaft. Strom, made in-house! Kopplung: Wärme und Kraft in Verbindung, erzeugt in einer einzigen Anlage. In Ihrem Keller!

 

Startups

Öl, Uran, Diamanten – die Schweiz hat keine der klassischen Bodenschätze. Aber wir haben helle Köpfe. Jungunternehmer mit Ideen. Mit offenen Sinnen. Mit Lust, sich auf Neuland zu begeben. Mit Pioniergeist die ausgetretenen Wege zu verlassen. Mit Mut zum Risiko, zum unternehmerischen Abenteuer: Startups im Fokus!

«Wir verkaufen Hautgefühl»

Es ist ein kleines Wunder, dass es in unserem Land noch Webereien gibt! Denn in den letzten 50 Jahren sind in der Schweizer Textilindustrie neun von zehn Arbeitsplätzen verschwunden. Überlebt hat die Weseta Textil in Glarus dank dem Glauben an Schweizer Qualität und dem Mut zur Innovation. Der Zürcher Unternehmer Conrad Peyer lässt tief im Sernftal, inmitten der Glarner Alpen, traumhaft weiche Frottiertextilien weben – beste Schweizer Wertarbeit. Er ist ein Visionär, ein Macher, genauso wie seine Vorfahren.

Während der Autofahrt von Ziegelbrücke nach Niederurnen erzählt Peyer von seinem Grossvater, der in den 40er Jahren als Gemeindepolitiker unermüdlich nach Bern reiste und dort um Baumwollkontingente verhandelte. Damals galt ein Importstopp für Baumwolle und andere Waren. In zweiter Generation übernahm Peyers Onkel die Firma Weseta. Er behauptete sich gegen zunehmende Konkurrenz aus Niedriglohnländern. Heute leitet Conrad Peyer das Unternehmen. Als Inhaber hält er mit 80 Prozent des Aktienkapitals eine komfortable Mehrheit.

Alles oder nichts
Als Peyer 1995 die Leitung der Weseta übernahm, war er 34 Jahre jung. Obwohl ein erfahrener Betriebswirtschafter und Wirtschaftsprüfer, fühlte er sich von den bevorstehenden, harten Entscheidungen überfordert, wie er ehrlich zugibt. So holte er sich einen Berater zur Seite, reduzierte das Personal von 70 auf 25 Mitarbeitende und investierte in den Exporthandel. Die Firma galt als saniert, als neue Ereignisse das Kaufverhalten negativ beeinflussten: der Anschlag auf das World Trade Center, der Krieg gegen den Irak – dann die Finanzkrise. Während Investoren 2008 ihre Aktien auf den Markt schleuderten, investierte Peyer grosse Summen in die Produktion. «Alles oder nichts», lautete seine Devise. Seit 2011 besitzt die Firma einen der modernsten Maschinenparks Europas.

Perfektion und Beständigkeit
Niederurnen. Erstes Etappenziel ist die Jenny Fabrics, bekannt für ihre anspruchsvollen Bekleidungs- und Vorhangstoffe. In diesen Fabrikhallen hat sich die Weseta mit zwölf Webmaschinen eingemietet. Es rattert und bebt in der grossräumigen Industriehalle. An der Decke schweben weisse Baumwollflocken. Ein Bild, als wäre Frau Holle mit am Werk. Garnspulen, aus erlesener amerikanischer Baumwolle, werden hier in einem sorgfältigen Verfahren in seidenweiche Frottées verwandelt – tac, tac, tac, tac – jeder Faden ist einzeln angesteuert; moderne Dynamik, die das alte Handwerk weiterleben lässt. «Wir verkaufen Hautgefühl», erklärt Peyer den Qualitätsunterschied. «Das besonders Weiche stellen wir im mechanischen Prozess her, nicht erst beim Färben.»

 

Weit hinten im Tal liegt Engi, der Hauptsitz der Weseta, rund 80 Kilometer von der Wirtschaftsmetropole Zürich entfernt. «Natürlich ist es schwierig, abseits der Zentren qualifiziertes Personal zu finden», sagt Peyer. Dafür macht er mit fortschrittlichen Arbeitsmodellen auf seine Firma aufmerksam. Oder pflegt ein grosses Netzwerk, um motivierte Schulabgänger für eine kaufmännische Lehre zu gewinnen. Sprachen und Freude am Reisen sind wichtig; schon von Beginn weg dürfen Lehrlinge mit an die Messen und sich auf internationalem Terrain bewegen.

Mit Weseta auf Tuchfühlung
Frottiertextilien sind weit weniger ein Produkt als ein Gefühl. Und wer Wohlgefühl vermitteln will, braucht Herzblut. In Peyers Brust schlägt nicht nur ein Kämpferherz, nein, wer ihm zuhört, spürt auch seine Leidenschaft für Qualität und die Liebe zum Detail. Spätestens dann, wenn man die versandbereiten Frottées in Händen hält. Rund 300 000 einzeln von Hand kontrollierte Badetücher, -mäntel und -teppiche stehen auf 2000 m2 Fläche für die Handelspartner bereit. Prompte Lieferung in jeder Stückzahl: Auch das ist Qualitätsbewusstsein.

Weseta erzielt jährlich rund acht Millionen Franken Umsatz, davon 30 Prozent mit Lieferungen ins Ausland. Ein Grund sich zurückzulehnen? Weit gefehlt! «Naturaldream» heisst das neuste Produkt, gewoben aus extralangstapliger Supima Baumwollfasern. Es steht für höchste Bioqualität. Peyer wird das Frottiertuch im Januar 2017 in Frankfurt, an der weltweit grössten Textilmesse, vorstellen. «Swiss Made hat Erfolg, weil Gutes gut tut und edle Materialien zum persönlichen Statement gehören», ist er überzeugt.

Hauptsitz Weseta Textil, Engi
Rohgarn-Rollen im Vorwerk
Der Webereileiter Oliver Petig an einer der Jacquard-Webmaschinen
Konfektion / Näherei Engi
Mitarbeiterinnen am Legetisch
Stück für Stück wird handkontrolliert
Frottier-Qualität zum Wohlfühlen
Idyllisches Sernftal

Mit dem Gourmetkoch kam die Liebe

Iris Petermann wäre gerne Skilehrerin geworden. Oder Hochzeitsplanerin. Als Bündnerin – in Klosters aufgewachsen – liebt sie die Berge, und ein Flair für festlich Schönes ist ihr gegeben. Nun, das eine wie das andere hat sich nicht erfüllt. Und doch ist sie dem, was ihr Spass macht und sie auszeichnet, bis heute treu geblieben.

Angefangen hat alles nach Plan. Dann, auf halbem Berufsweg Richtung Skilehrerin, hat sie sich verliebt, hat ihre Träume kurzerhand umsortiert. Den Schnee gegen ein Leben als Gastgeberin eingetauscht. Sie, die engagierte Hotelsekretärin, er, der Gourmetkoch Horst Petermann. In Arosa, im Hotel Prätschli, sind sie sich bei der Arbeit begegnet, nach Ascona weitergezogen und später im Restaurant Kunststuben am Zürichsee 30 erfolgreiche Jahre geblieben.

Wer Iris Petermann nach Anekdoten fragt, bekommt ein Lächeln und wunderbare Geschichten serviert. So erinnert sie sich an einen Gast, der nach einem passenden Wein verlangte. «Nun, wir haben einen ausgezeichneten Sommelier…», begann sie ihren Satz. Worauf der Gast sie unterbrach: «Den nehmen wir!»

Iris Petermann wirkt auf den ersten Blick etwas zurückhaltend, aber keinesfalls distanziert. Sie balanciert zwischen authentischer Diskretion und herzlicher Aufmerksamkeit. Mit «aufmerksamem Kontrollieren» umschreibt sie ihre wichtigste Aufgabe als Gastgeberin. So darf man in ihrer Gesellschaft Gast sein und still geniessen. Auch im Restaurant «Weiss Kreuz» in Malans, das sie seit 2014 führt. Dazu gesellen sich der Küchenchef Stefan Jäckel und ihr Mann, der beratend zur Seite steht. Ein eingespieltes Team; die gleiche Crew, ein neuer Ort. Anders hätte sie sich nicht nochmals herausfordern lassen. «Das Leben ist ruhiger, weit weg vom Zürcher Nobelort, wo die Erwartungen hoch sind und mich jeder kennt», hat sie sich ausgemalt und festgestellt, dass ihre eigenen Erwartungen noch viel grösser sind.

Ein Wirtshaus mit Seele und Stammtisch will sie in diesem malerischen Dorf inmitten der prominenten Weinberge pflegen, wo man gut isst, edel trinkt, aber dafür keine fünf Stunden zu verweilen braucht. Auf der Speisekarte stehen regionale und mediterrane Speisen, ein Schmankerl aus Österreich oder – pssst, nicht à la carte – auch mal Schnitzel und Pommes. «Ich bin mit Fischstäbchen aufgewachsen», lacht sie.

Iris Petermann und Küchenchef Stefan Jäckel
Blick von der Sonnenterrasse auf die Berge
Die Sonnenterrasse mit französischem Flair dekoriert
Die Jodlerstube
Serviert werden regionale und mediterrane Speisen
Weihnachten, die schönste aller Jahreszeiten

Die Dekorationen sind pompös und bunt, je nach Saison und Anlass. Draussen französische Tischdecken, drinnen ein Hauch von amerikanischem Glanz. Und an Weihnachten – «die schönste aller Jahreszeiten» – wird’s romantisch. Für ihre Blumenkreationen fährt sie oft und gerne nach Zürich an die Blumenbörse, lässt sich dort inspirieren und setzt ihre Ideen um. Mit Erfolg. Weil stilvolle Dekorationen gefallen und weil Iris Petermann damit genau das tut, was sie am besten kann: Menschen verwöhnen.

Der Föhn hat etwas nachgelassen und rüttelt nicht mehr so stark an den hellen Sonnenschirmen. Es ist ein warmer Spätsommertag und die Berge scheinen zum Greifen nah. «Ich habe meine Berge vermisst», sagt sie. «Das ist mit ein Grund, warum ich zurückgekommen bin.» Ob sie bleiben wird? Ein halbes Jahr nach Paris würde sie gerne reisen oder nach New York, zum Deko-Artisten Preston Bailey, lernen, wie man grosse Feste ausrichtet. Lesen. Zeit haben.

Einige Minuten bleiben noch. Tief durchatmen, Heimat spüren. Schon bald kommen die Abendgäste. Es ist Jagdsaison, auf der Speisekarte stehen Gamspfeffer und Rehrücken. Dazu passend Wein aus der Bündner Herrschaft. «Herzlich willkommen. Schön, dass Sie unser Gast sind.»

Hemdsärmlige Männer wie Jogi

Im südwestlichen Ende des Kantons St.Gallen, im Taminatal, liegt das kleine Bergdorf Valens, rund sechs Kilometer Bergkurven von Bad Ragaz entfernt. Dort oben, direkt neben dem Stausee, steht das Kraftwerk Mapragg.

Es ist frisch an diesem Septembermorgen. «Die Sonne kommt um 11 Uhr», sagt Jogi, einer der Montagearbeiter vor Ort. Er muss es wissen, denn dort oben auf der Hebebühne ist er dem Himmel etwas näher. Überhaupt weiss Thomas Jordi, wie er richtig heisst, einiges. Zum Beispiel über Pumpspeicherkraftwerke, Linientrenner, Isolatoren und Netzwerkkabel. Er demontiert und montiert sämtliche Standbaukonstruktionen, die er von seiner Hebebühne ab- und festschrauben kann. Auch die Netzleitungen innerhalb der Anlage. Seit zwei Jahren ist er jeweils für ein paar Wochen in Valens und hilft beim Erneuern der Kraftwerkanlage.

Jogi ist Metallbauschlosser, hemdsärmelig, ein Mechaniker eben. Dass er für die Lebag seit 18 Jahren auch auf Freileitungsmaste steigt oder Holzstangenleitungen ersetzt, gehört zum Jobprofil. Angefangen hat er in der Industriemontage, in den Von Roll-Müllverbrennungsanlagen, hin und wieder war er als Gerüstbauer unterwegs. «Auf Jogi ist Verlass», sagt Bruno Müller, der Gruppenführer, «der weiss, was er macht». Das ist auch der Grund, warum die Axpo Thomas Jordi regelmässig bei der Lebag ausmietet. Wer auf wackligen Hebebühnen Schrauben an Isolatoren montiert, muss geübt sein. «Uns bleiben nur noch vier Wochen bis Projektende», ergänzt Müller. Dann fliesst wieder Strom durch die Freileitungen.

Von Turbinen und Pumpen
Die Erneuerungs- und Instandhaltungsarbeiten in Mapragg leitet das Energieunternehmen Axpo Power. Betreiberin sind die Kraftwerke Sarganserland, eine Tochtergesellschaft der Axpo. Bauherr ist der Schweizer Netzbetreiber Swissgrid. Mechanik und Hydraulik von diesem in den 70er Jahren erbauten Kraftwerk wurde nun schrittweise überholt. Die Arbeiten haben vor zwei Jahren begonnen. Bis Mitte Oktober wird auch die dritte und letzte Etappe fertig sein.

Das Kraftwerk ist mit dem 380-kV-Übertragungsnetz verbunden und produziert rund 311 Mio. kWh jährlich
Standbaukonstruktionen – Als Erstes werden Eisengerüste auf Betonelemente montiert
Anschliessend werden Linientrenner, T-Schalter, Wandler an die Eisgengerüste geschraubt
Es folgen weitere Elemente wie das Trapez
Bei der Feineinstellung werden die Aluminiumseile auf die passende Länge zugeschnitten
Am Schluss werden alle Metallteile geerdet
Gruppenführer Bruno Müller überwacht und koordiniert die Erneuerungsarbeiten

Das Pumpspeicherkraftwerk dient als Energiebatterie; zu Zeiten hoher Stromnachfrage gibt es gespeicherte Energie an das Stromnetz ab. Und so funktioniert’s: Zur Produktion von Energie dient das Gefälle zwischen den beiden Staubecken Mapragg und Gigerwald. Während der Spitzenverbrauchszeiten wird das im Stausee Gigerwald gespeicherte Wasser via Druckstollen zu den Turbinen im unterirdischen Kraftwerk und dann weiter in das tiefer liegende Ausgleichsbecken Mapragg geleitet.
Bei geringem Strombedarf wird hingegen das Wasser aus Mapragg zurück in den Stausee Gigerwald gepumpt. Auf diese Weise speichert das Kraftwerk Elektrizität.

Hemdsärmelige Männer sind gefragt
Spezialkomponente wie Isolatoren werden auf Anfrage produziert und termingerecht angeliefert. Gehen Komponente kaputt, dauert das Nachliefern von Ersatzmaterial mitunter bis zu acht Wochen. Jeder Tag, an dem das Kraftwerk nicht mit dem Übertragungsnetz verbunden ist, kostet. Das kann sich die Axpo nicht leisten.

Daniel Stutz, Geschäftsführer der Lebag, weiss um die Qualität seiner Mitarbeiter: «Unsere Netzelektriker und Schaltanlagenbauer sind erfahren und bestens geschult». Das hat einen hohen Wert.

Wie gut, dass es Firmen wie die Axpo gibt, die sich Qualität etwas kosten lassen. Zeit ist Geld. Und ab Mitte Oktober fliesst wieder Strom durch das 380-kV-Übertragunsnetz. Soviel ist sicher.

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Wenn, dann mit Humor

«Humor ist etwas Ernstes», sagt der Schauspieler Eric Rohner und denkt dabei an humoristische Einlagen, Figuren, die Zuschauer zum Schmunzeln bringen. Augenzwinkernd fügt er hinzu, «wenn ich als Humorist lache, wer soll dann noch mitlachen?» Humor wirkt also nur, wenn man Humor ernst nimmt. Beispielhaft dafür sind existentielle Geschichten, wie sie der britische Regisseur und Drehbuchautor Ken Loach in seinen Filmen erzählt. Sie zeugen von grossartigem schwarzem Humor. Es sind häufig Sozialdramen, Menschen, die am Abgrund stehen und sich immer wieder aufrappeln. Grossartig, weil man mit den Protagonisten mitleidet und mitfiebert – die ganze Palette an Gefühlschaos. Das Leben eben.

Von Ende einer Geschichte
Dass Eric Witz hat, dem Leben viel Positives abgewinnt, zeigt die unverstellte Art, wie er über seinen Beruf spricht. Diese Nonchalance, wenngleich etwas überspitzt, verkörpert er auch als Lotto-Millionär Heini Sutter im Swisslos-TV-Spot.

Seine aktuelle Theaterproduktion «Vom Ende einer Geschichte» basiert auf dem 2011 erschienenen Roman des englischen Schriftstellers Julian Barnes. In der Rolle als Ich-Erzähler Tony Webster geht er unzimperlich mit seiner Vergangenheit um, indem er belastende Erinnerungen einfach verdrängt. Bis ihn die Ereignisse plötzlich überrollen. Was bleibt, ist die Frage nach der persönlichen Verantwortung. Das Thema garantiert keinen vergnüglichen Abend, vielmehr sind die Zuschauer zum Nachdenken aufgefordert: Wie steht es um die eigene Reflektion? Alles verfälschte Projektionen, um besser mit der Vergangenheit zu leben?

Noch zweimal steht Eric als Webster auf der Bühne: im Oktober, im Theater Ticino in Wädenswil. Dann fällt der Vorhang und lässt Platz für Neues.

Szenenbild aus Julian Barnes

Szenenbild aus Julian Barnes

Schauspiel und vieles mehr
Nicht neu, dafür wiederkehrend sind die «Industrie-Theater», wie Eric Gesprächssimulationen lakonisch nennt. Im Auftrag von Firmen spielt er unter anderem den hartnäckigen Kunden, der die Anlagevorschläge des Bankberaters demonstrativ hinterfragt. Mit Wort und Gestik lockt er «seine» Kandidaten aus der Reserve. Das will gelernt sein. Denn es bedingt fundiertes Fachwissen und ein überzeugendes Auftreten.
Oder er schleust sich für Consultingfirmen unter falschem Namen als Seminarteilnehmer ein. Dafür schlüpft er für zwei Tage in die Rolle eines dezent zugänglichen (schliesslich will man ja keine Freundschaften knüpfen) und interessierten Teilnehmers. Immer dann, wenn aufmerksames Zuhören und aktives Nachfragen gefordert sind. Das Eis brechen, das liegt ihm.

Was wäre wenn?
Was würde Eric Rohner anstellen, wenn er wirklich ein Lottomillionär wäre? «Meine nächste Theaterproduktion finanzieren.» Zack, die Antwort kommt schnell. Über das «Was-für-Eine?» schweigt er sich aus – noch ist alles hypothetisch.

Da ist noch eine Idee: «In zwei Jahren will ich gemeinsam mit ein paar grauen Wölfen auf die Bühne gehen.» Eine grosse Geschichte soll es werden, mit Orchester und ungefähr zehn Schauspielern. «Finanziell ein völliger Schwachsinn», meint er realistisch. «Was macht das schon? Nachher gehen wir alle in Pension.» Er lacht wieder, und man lacht gerne mit.

Eric will auf keinen Fall in der Versenkung verschwinden, sondern seine Erfahrung und seine Kreativität teilen. Nur tut er sich schwer mit dem Vernetzen, erst recht mit jungen Theaterschaffenden. Das ärgert ihn. «Denn das Zusammensein mit jungen Menschen ist ein Geschenk», sagt er. «Durchmischte Generationen bewegen viel.»

So bleibt die Frage nach dem «Wie-Weiter?» noch offen. Und da solche Fragen lebensnotwendig sind, begegnet er ihnen mit Humor.

«Das Leben ist spannend – sehr!»

Reto Wettsteins Leben basiert auf drei Säulen. Tagsüber arbeitet er als Wirtschaftsinformatiker, Abends ist er oftmals als Brugger Stadtrat unterwegs, und das Wochenende gehört der Familie. Meistens geht das auf. Manchmal aber auch nicht.

Es ist später Nachmittag. Reto Wettstein kommt direkt von der Arbeit. Es war ein strenger Tag. Intensive Gespräche mit Zürcher Geschäftspartnern. Rückfahrt mit der Eisenbahn. Jetzt hat er sich an einen kleinen Tisch des Strassencafés gesetzt. Das Tagwerk scheint ihm überhaupt nicht zugesetzt zu haben. Wettstein scheint frisch, entspannt und voll konzentriert zu sein.

Spätestens seit seiner Wahl zum Brugger Stadtrat ist Wettstein ins öffentliche Bewusstsein gerückt. 2014 hat er in der städtischen Exekutive Einsitz genommen; er ist für Soziales, Gesundheit und Alter zuständig – als Jüngster des Gremiums! Über sein öffentliches Wirken sagt Wettstein: «Ich erlebe es als eine sehr spannende Aufgabe. Nicht selten erschliessen sich mir gänzlich neue Perspektiven.»

«Man kann etwas bewirken»
Das Interesse an politischen Themen und Abläufen, an demokratischen Entscheidungsprozessen erwachte schon sehr früh. Ebenso der Wille zum Mitgestalten. Bereits als 20-Jähriger reaktivierte er zusammen mit einem gleich gesinnten, ebenfalls sehr aktiven jungen Brugger die Junge FDP Brugg; und die JFDP Aargau präsidierte er in den Jahren 2006 bis 2008. Ebenfalls 2006 wurde er in den Einwohnerrat gewählt. Hier lernte er die lokalen politischen Abläufe aus erster Hand kennen: «Wie läufts? Worauf kommt es an?» Gleichzeitig erweiterte er seinen Bekanntenkreis markant und konstatierte: «Man kann tatsächlich etwas bewirken.»

«Die Politik ist ein offenes Spielfeld», so Wettstein, «einzelne scheiden früh aus, andere bleiben.» Und: «Ich bin erfolgsorientiert.» Allerdings beurteilt Wettstein die Möglichkeiten, die ihm auf dem politischen Parkett gegeben sind, nicht nur euphorisch. Als Mitglied der städtischen Exekutive gibt es Grenzen des Handelns. «Man muss pragmatisch sein.» Im Gespräch lässt Wettstein denn auch durchblicken, dass er sich gerne noch vermehrt in die politische Auseinandersetzung einbringen möchte. Im kommunalen Rahmen ist ihm dies gegenwärtig nicht möglich, und so gibt es nur eine folgerichtige Konsequenz: «Ich will unbedingt in den Aargauer Grossen Rat.» Hinter dieser Aussage steht die Lust am Mitentscheiden, am Politisieren, an der Suche nach der Lösung von operativen Problemen. Und es ist ein grosses Reservoir an Energie, das er verspürt. Und an Willen zur Mitgestaltung.

«Nein, nein!»
Zurück nach Brugg: «Was würden Sie heute sagen – wie heisst der nächste Brugger Stadtammann?» Wettstein lacht maliziös. «Nein, nein, da gebe ich keinen Tipp ab. Es gibt zwar Gespräche in unserer Partei, aber es ist viel zu früh, einen Namen zu nennen.» Ein eigenes Interesse an diesem Amt will er nicht ganz ausschliessen, aber seine Lebensplanung kennt im Moment andere Prioritäten: Die Familie mit einem, bald mit zwei kleinen Kindern, der Beruf, der ihm viel abverlangt, und die Einsicht, dass er zum Beispiel nach drei Amtsperioden kaum an einen Wiedereinstieg denken könnte. «Dann bin ich gut 50 Jahre alt und beruflich natürlich weg vom Fenster. Was könnte ich da noch machen?» Etwas später relativiert er das Gesagte: «Mal schauen … Wenn sie denn gar niemand Fähigen finden … mal schauen …» Die Andeutung eines Lächelns.

Freizeit ist Mangelware
Im Gespräch vermittelt Wettstein glaubhaft den Eindruck, dass er mit seinem Leben, so wie es sich gegenwärtig präsentiert, sehr zufrieden ist. «Die Familie ist natürlich das Wichtigste. Wenn alles gut läuft, haben aber auch der Beruf und die Politik für mich einen sehr hohen Stellenwert. Familie, Beruf, Politik: Ich lebe meine Hobbies. – Nur … » – «Nur?» – «Daneben bleibt kaum noch Freizeit. Ich würde gerne mehr Sport betreiben. Auch im Interesse meiner Gesundheit. Aber das liegt momentan kaum drin. Ich habe ohnehin zu wenig Schlaf.»

Nach einigen Augenblicken des Schweigens: «Ich bin ungeduldig – aber zufrieden. Das Leben ist spannend – sehr!»

Möbel Kindler AG

Remo Kindler, Möbel Kindler AG

Was ganz klein und bescheiden begann, nebenberuflich und beinahe hobbymässig, das hat sich zu einem respektablen Wirtschaftsfaktor im Schenkenbergertal entwickelt, zu einer festen Grösse im regionalen Gewerbe: das Möbelhaus Kindler AG im Schinznach-Dorf. Jawohl, es gibt in dieser Branche nicht nur die ganz Grossen. Möbel Kindler AG setzt die Stärken und die Kompetenz eines überschaubaren Familienunternehmens bewusst um – «von Mensch zu Mensch».